REPORTAGE

RES-DM

Eine erfolgreiche Meisterschaft im Harz


64 Teilnehmer kamen zur vierten RES-DM nach Blankenburg

Wind und Sturm! So lautete die Wetterprognose für die 4. Deutsche Meisterschaft in der Klasse F3RES in Blankenburg. Die Teilnehmer hätten gut daran getan, sich darauf einzustellen. Matthias Rienäcker war im September mit dabei und berichtet exklusiv.

Ruhiges Spätsommerwetter? Fehlanzeige. Stattdessen hielt das Tiefdruckgebiet "Quasimodo" ganz Deutschland in seinen Fängen, prognostiziert wurden Regen und starker Südwind. Trotzdem fanden sich 64 Teilnehmer aus Deutsch- land, Österreich und der Türkei auf dem weitläufigen Gelände des MFC Blankenburg ein. Geplant und vorbereitet hatte den Wettbewerb Dirk Spangenberg mit seinem Helferteam. Die Wettbewerbsleitung hatte Uwe Schönlebe mit seiner langen internationalen Erfahrung übernommen. Parallel zur Austragung der Meisterschaft galt es einen neuen aktiven Sprecher für die Klasse F3RES zu wählen. Das Rennen machte Jörg Schmahl als Nachfolger von Ruben Bühler.

Der Wettbewerb startete erst einmal mit einer kleinen Regenpause. Die blieb jedoch die einzige wetterbedingte Unterbrechung des gesamten Wochenendes. Danach herrschte ein sehr angenehmer Sonne-Wolken-Mix. Allerdings war der Wind, mit Geschwindigkeiten bis zu sechs Meter/Sekunde ein konstanter Begleiter der beiden Wettbewerbstage. Da für das komplette Wochenende Wind aus südlicher Richtung vorhergesagt war, wurden Hochstarteinrichtungen mit 50 Metern Seillänge genutzt, anstatt den sonst üblichen 100 Metern. So wur-de ausreichend Platz für die Hochstartleinen sichergestellt, damit keiner der Teilnehmer durch ein Line-Crossing behindert wurde.

Die Starthöhen waren trotz der geringeren Seillängen in einem sehr guten Bereich. Dafür zeigte sich bei einigen Modellen, dass sie den Windkräften im Hochstart nicht mehr gewachsen waren. So fielen vor allem am Samstag einige Modelle mit Flügelbruch dem Wind zum Opfer. Die genutzten Hochstartgummis stammten von der Seta-Tech. Sie hielten den Belastungen klaglos stand. Beschwerlicher war dagegen die durch den Südwind verursachte Leewalze. Durch einen kleinen, weit vorgelagerten Höhenzug liegt das Gelände des MFC Blankenburg im Rückraum des Hangs. Die Kombination aus Südwind und einsetzender Thermik war eine besondere Herausforderung für die Piloten. In vielen Gruppen gab es starke Thermikablösungen, sodass ein Erreichen der geforderten sechs Minuten möglich war. Allerdings war es im Vorfeld schwer einzuschätzen, in welchem Bereich sich die Blase ablösen wird. So war für die Piloten jeder Durchgang eine neue Pokerrunde. Das bedeutete auch viele Neustarts und reichlich Arbeit für die Seilholer. Wegen des straffen Windes reichten die Starthöhe und ein sauberes Absegeln der Höhe leider nur in den seltensten Fällen für einen Tausender aus. Meist lagen die Modelle daher ohne Thermikeinfluss nach etwa zwei Minuten auf dem Landepunkt. Um dennoch erfolgreich zu sein, war Ballast an diesem Wochenende das Mittel zum Erfolg. Mit leichten Modellen hatte man zwar ein minimal besseres Steigen im Aufwind, der Rückweg aus dem Lee war dafür umso beschwerlicher.

Trotz dieser teils ungünstigen Rahmenbedingungen konnten bis zum Samstagabend vier Durchgänge stressfrei geflogen werden. Gefolgt von leckerem Essen und Freibier. Der Sonntag startete bei Windstille bis hin zu sehr leichtem Rückenwind. Somit hatten es die ersten Gruppen sehr schwer. Schnell stellten sich jedoch ähnliche Bedingungen wie am Samstag ein. Nach insgesamt sechs geflogenen Gruppen standen die zehn Teilnehmer für das Fly-Off fest. Wegen des weiterhin vorherrschenden Windes und der starken, aber zerrissenen Thermik waren die Bedingungen äußerst schwierig. Durchsetzen konnte sich Michael Schmidkunz vor Christian Behrens und Ruben Bühler. Somit ging er als neuer Deutscher Meister der Klasse F3RES vom Platz. Beeindruckend war, dass Michael Schmidkunz im Fly-off seinen "Pures V2" mit fast 300 Gramm Ballast bewegt hat und ihn bis nahezu an die Sichtgrenze mit der Thermik versetzen konnte. In der Jugendwertung setzte sich Philipp Mladenovic vor Paul Ole Borsdorf und Sebastian Raja als neuer Deutscher Junioren-Meister durch.

Neue Modelle gab es bei diesem Wettbewerb leider kaum zu sehen. Zu bewundern gab es beispielsweise eine Wind-Version des "Slite". Das Modell wird jedoch nicht in Serie gehen. Die meisten Wettbewerber setzten Modelle aus Baukästen ein. Dabei spielte es für das Gesamtergebnis keine Rolle, ob es ein "Pures", "Andreas" oder ein "X-RES" war. Entscheidend war die optimale Einstellung des Modells, um auch einmal weit in den Rückraum zu gehen. Leichtbau hat eine untergeordnete Rolle gespielt.

Ein großes Dankeschön gilt den Sponsoren der Sachpreise für die Siegehrung: AUFWIND-Magazin, EMC Vega, FMT, Graupner, "Der Himmlische Höllein", Oracover, R&G, Seta-Modelltechnik, Wildflug und Zeller Modellbau haben dieser Meisterschaft einen besonderen Rahmen verliehen.

Dirk Spangenberg und sein Team haben bewiesen, dass es nicht unbedingt ein Segelflugplatz mit kompletter Infrastruktur sein muss, um solch einen Wettbewerb reibungslos und in entspannter Atmosphäre durchzuführen. Bleiben wir also gespannt, wo die Reise im nächsten Jahr hingehen wird, um erneut das Können der Piloten der F3RES-Klasse auf die Probe zu stellen und eventuell einen neuen Deutschen Meister zu küren. Termin und Gastgeber der Deutschen Meisterschaft 2018 stehen leider noch nicht fest.

Matthias Rienäcker
Bilder: Dirk Spangenberg




Das weitläufige Gelände im Harz hat sich als optimal für die Ausrichtung der RES-DM erwiesen

Das Wetter war durchwachsen, es blieb aber über beide Wettbewerbstage trocken

Geschäftiges, aber diszipliniertes Treiben an der Startlinie

Michael Schmidkunz ist neuer Deutscher Meister in F3RES, vor Christian Behrens und Ruben Bühler

In der Jugendwertung konnte sich Philipp Mladenovic vor Paul Ole Borsdorf und Sebastian Raja behaupten.



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