TEST

Toi, Toi, Toy!

Ein 2-Meter-Modell von "Mahmoudi"

Wo sind sie geblieben, die einst so beliebten Segelflugmodelle mit rund zwei Meter Spannweite? Alle dem Schaumwaffelwahn geopfert? Darius Mahmoudi will mit dem "Toy" die Klasse wiederbeleben. Klaus Löcker hat sich mit dem Modell beschäftigt.

"Toi, Toi, Toy!" Das waren die Worte eines Kollegen vor dem ersten Flug meines neuen Seglers. Der Wind blies mit über 40 Stundenkilo- meter über die Hangkante des Weiherbergs in der Rhön. Ruppig und nicht wirklich angenehm. Doch der Reiz war so groß, dass ich den Erstflug auf jeden Fall starten wollte. Nur noch kurz geprüft: Passt alles? Schwerpunkt, EWD, Ausschläge? Wer ein Modell bei Darius Mahmoudi erwirbt, kann sicher sein, dass hier nichts dem Zufall überlassen bleibt. Die Modelle sind definitiv in der Vorserie erprobt. Auch die entsprechenden Grundeinstellungen bereits erflogen. Natürlich fehlte auch der Flächenballast nicht. Zugegeben, einen Erstflug direkt mit 260 Gramm Ballast hatte ich bisher auch noch nicht.

Mein Sohn Max ging einige Meter in Richtung Hang und gab den "Toy" frei. Die ersten Meter lag das Modell wie ein Brett in der Luft, ohne dass Korrekturen oder große Ausschläge notwendig waren. Ein paar Mal am Hang vorbei, schon wirkten starke Böen auf das Leichtgewicht ein. Mal einen halben Meter nach rechts, dann nach links, mal nach oben oder nach un- ten. Wer den Weiherberg bei starkem Wind kennt, der weiß, an welchen Stellen es die Modelle ordentlich durchschaukelt. Davor konnte auch ich den "Toy" nicht schützen. Doch das Modell blieb zu jeder Zeit voll beherrschbar. Es reagierte sofort und absolut direkt auf die Ruderbewegungen. Ja, der "Toy" tat grad so, als wäre der Wind wie für ihn gemacht. Doch ganz so war es nicht! Gefühlt flogen wir hier schon im oberen Bereich des Zumutbaren.

Knapp 1.100 Gramm und zwei Meter Spannweite sind in dieser Klasse auch eher unüblich. Doch ich hatte mich ja bewusst für die leichte Modellversion entschieden, um für ruhige Wetterlagen ein Modell zum "Thermik-Zocken" zu haben.

Weiter ging es Runde für Runde. Beeindruckend war die hohe Grundgeschwindigkeit, mit der ich den "Toy" dank des "HN-352"-Profils (8,14 Prozent) bewegen konnte. Tempo, Tempo, Tempo! Mit Snapflap in die Kurven. Es war, als würde ich ein zu klein geratenes F3F-Modell durch die Luft jagen. In den Aufwärtsfiguren verlor das Modell ein wenig Fahrt. Das lag sicher an dem geringen Fluggewicht. Rolle, Looping, Turn - das war alles kein Problem.

Landen? Da war ich selbst gespannt. Ich konn-te die Wölbklappen nach unten nämlich nur circa 35 Grad ausfahren. Wieder eine bewusste Entscheidung. Es war mir wichtig, dass die Anlenkhebel komplett unter den Schachtabdeckungen verschwinden. Mehr Ausschlag würde sich immer noch umsetzen lassen, sollte es erforderlich sein. In entsprechender Sicherheitshöhe zog ich das Butterfly in den Vollanschlag. Der "Toy" stand sofort, nahm die Nase runter und ließ sich weiter gut beherrschen. Mehr wollte ich doch gar nicht! Die 35 Grad scheinen also vollkommen zu reichen. Die erste Landung erfolgte dann allerdings ohne Butterfly. Der starke Wind bremste das Modell genügend ab, die Landung verlief absolut problemlos.

Mal kurz ein paar Monate zurückgeblickt: Beim Besuch der "Prowing" war ich auf den "Toy" aufmerksam geworden. Mahmoudi Modellsport ist schon seit mehreren Jahren in Soest/Bad Sassendorf präsent, mit schönen Modellen und innovativen Produkten. Darunter sind etwa die elektronische Schwerpunktwaage "Glider-CG" oder die digitale Rudereinstell-Lehre "GliderThrow". Die Farbgebung des "Toy" war ein absoluter Eyecatcher am Messestand und lockte an diesem Tag viele weitere Modellbauer an.

Was mir sofort auffiel, war ein recht außergewöhnliches Detail der Tragflächen: Alle Ruder sind von unten angeschlagen und entsprechende Dichtlippen fehlen. Ein spezielles Abdeckband verschließt die Ruderspalten. Die Frage, was letztlich besser funktioniert ist fast philosophisch. Ich wage mal die These, dass die meisten von uns den Unterschied im Flug nicht spüren. Beide Varianten, Dichtlippe und Abdeckband, erfüllen ihren Zweck und sind damit auch valide. Für den Hersteller hat die Variante Dichtlippe den Vorteil des geringeren Bauaufwandes. Wir als Käufer können uns damit über einen geringeren Kaufpreis freuen. Die hohe Qualität der gesamten Bauausführung hat mich derart überzeugt, dass ich noch am Messestand bestellt habe.

Geliefert wurde in einem Spezialkarton, der selbst mit unachtsamer Beförderung gut klar kommen würde. Die Tragflächen sind enorm druckstabil. So, als handle es sich um eine Positivbauweise. Das ist aber nicht so! Es ist ein Schalenflügel, der begeistert. Auch weil selbst die Steckverbinder aus grünen Multiplex-Steckern bereits fest verbaut sind. Außerdem wa-ren alle Schachtabdeckungen zugeschnitten und zwei Tragflächenverbinder, mit fünf und zehn Grad V-Form beigefügt. Die Servoschächte - mein Lieblingsthema - sind groß genug, um "KST-X08"-Servos für Querruder und "KST-X10mini" für die Wölbklappen unterzubringen. Das ist aber auch alles definitiv klein genug, um "Männerhände XXL" an ihre Grenzen zu bringen. Die HV-Servos und die entsprechenden Servorahmen sowie einen Flugakku habe ich beim Himmlischen Höllein bestellt. Die hochqualifizierte Beratung und der prompte Lieferservice überzeugen mich seit Jahren. Und wer hätte es gedacht, Juniorchef Ryan Höllein kannte den "Toy" natürlich schon. Er wusste genau, was reinpasst! Wie gesagt, die Servomontage dauerte etwas länger, da der Bewegungsraum eingeschränkt ist. Lediglich eine Verbesserung habe ich anzumerken und bereits an Darius Mahmoudi weitergeben: Die Kabelführung der Querruderservos läuft mittig durch die Servoschächte der Wölbklappen. Hier muss man nacharbeiten, wenn man Servohalterungen mit Gegenlager verwendet. Für die Rumpfservos hat mein Sohn eine Halterung mit dem eigenen 3D-Drucker gefertigt. Seit kurzem gehört diese allerdings auch zum Lieferumfang des "Toy". Die "KST-X08"-Servos im Rumpf werden liegend montiert.

Die Leitwerke und deren Steckungen passten absolut spielfrei. Alles in allem war der Bauaufwand sehr überschaubar. Der vom Himmlischen Höllein empfohlene 2s-LiPo mit 800 Milliamperestunden passte sauber in die Rumpfspitze. Lediglich 15 Gramm Blei waren erforderlich um den angegebenen Schwerpunkt von 88 Millimetern zu erreichen. Ein sehenswertes Detail ist noch der Kabinenhaubenverschluss: Die Haube ist perfekt angepasst und bereits mit einem "Klickverschluss" versehen. Da muss man sich selbst nichts mehr einfallen lassen. Die Sicherung der Tragflächen und Leitwerke für den Flug erfolgt übrigens klassisch mit Klebeband.

Den "Toy" gibt es natürlich in zwei unterschiedlichen Ausführungen. Die von mir gewählte Leichtversion mit Spread-Tow-Kohlege- webe, für leichten bis mäßigen Wind und absolut thermiktauglich. Dann eine schwerere Carbon-Version die klar auf das Hangrocken ausgerichtet ist. Die Carbon-Version hat in den Tragflächen auch noch mehr Platz für Zusatzballast. Beide Varianten sind durch das geringe Packmaß ein idealer Begleiter auf Urlaubstouren und für fast alle Wetterlagen bestens geeignet. Im Bereich Zubehör gibt es das Ballastset, das Ruderspaltabdeckband und natürlich entsprechende Schutztaschen für Tragflächen, Ruder und Rumpf.

Nun denn, ich bin rundum zufrieden mit meiner Neuanschaffung. Ich habe eine Menge Flugspaß mit dem Modell, das in Bau- und Fertigungsqualität wirklich seinesgleichen sucht. Nicht nur beim Sturmfliegen, auch bei ruhigeren Verhältnissen überzeugte das Modell bisher auf ganzer Linie. Ich freue mich schon jetzt auf die kommende Saison, wenn auch Langsamfliegen auf dem Programm steht. Dann heißt es an den Hängen der Rhön wieder: "Rauswerfen, wenn alle unten bleiben, die leichtesten Aufwindfelder erschnüffeln, richtig Thermik-Zocken."

Klaus Löcker


Fakten

"Toy" von Mahmoudi
Ein 2-m-Modell mit viel Leistung

Spannweite 2.000 mm
Rumpflänge 1.153 mm
Gewicht leer 836 g
Gewicht ballastiert 1.100 g
Fläche 32,4 qdm
Flächenbelastung 25,8-33,9 g/qdm
Preise: 699,- Euro (Spread-Carbon)
799,- Euro (Carbon)
Bezug bei Mahmoudi-Modellsport
Tel.: 0151/28789999
www.mahmoudi-modellsport.eu


Die Bedienelemente sind alle gut erreichbar und von hervorragender Qualität


Sehr gut gelungen ist die Balance, mit der die Steuerung an einem Nackengurt hängt


Eine Fotomontage der erhältlichen Farben - vielleicht eine Anregung für ein Sondermodell?


Die Anordnung von Elektronik und Hardware ist gut durchdacht


Modell verloren? Der Sender erzeugt einen QR-Code der letzten Position zum Auffinden in Google-Maps



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