TEST

Ein Steinadler am Himmel

Der "Musger Mg-19a" von GB-Models


Im Handstart ist das Modell schon nach wenigen Schritten frei

Der österreichische Konstrukteur Erwin Musger hat dieses Flugzeug entwickelt. Mit Windenstarts geflogen hat er es erstmals am 25. November 1951 bei Klagenfurt. Gewidmet hat sich jetzt Martin Atzwanger dem Modell von Gernot Bruckmann, im Vertrieb von Hepf.

Wer das Original jemals fliegen und - bei entsprechendem Gegenwind - sogar "in der Luft stehen" sah, schwärmt von diesem Oldtimer. Gernot Bruckmann hat den Nachbau des österreichischen Klassikers geschaffen. Umgesetzt wurde er in der handlichen Größe mit vier Metern Spannweite und einem Gewicht von rund fünf Kilogramm. Die Holzkonstruktion kann wahlweise bebügelt oder auch rohbaufertig bezogen werden. Entweder als normaler Segler oder auch mit Nasenantrieb als Elektrosegler. Die beiden Tragflächenhälften mit dem charakteristischen Knick sind nicht geteilt, jeweils knapp zwei Meter lang. Das Höhenleitwerk kann durch Lösen einer Schraube demontiert werden.

Für den Selbstbügler sind vielleicht die Gewichte der unbespannten Einzelteile interessant:

Rumpf mit GFK-Nase 787 g
Kabinenhaube 103 g
Cockpit 113 g
Höhenleitwerk 143 g
Seitenleitwerk 88 g
Tragfläche 1.620 g
Steckung 230 g

66 Jahre nach dem Erstflug des herrlichen Originals packe ich ein auf den ersten Blick sehr ordentlich aufgebautes Modell aus. Die Teile sind sorgfältig gebügelt. Die zweiteilige, wie beim Original seitwärts aufklappbare Kabinenhaube ist schon montiert und alle Ruder mit Hohlkehle ausgeführt. Sämtliche Ausstattungs- und Kleinteile liegen bei. Die Anleitung ist ausführlich und schön bebildert. Benötigt wird nur mehr die gewünschte Fernsteuerung und bei Bedarf der Antrieb.

Der Aufbau, beziehungsweise die Fertigstellung begann mit dem Rumpf. Die Konstruktion der Schleppkupplung entspricht nicht ganz dem aktuellen Standard im Modellbau: An ein sehr schmales, schon eingeklebtes Einfädelrohr wird im Rumpfinneren die eigentliche Kupplung eingeklebt. Da sowohl die Kupplung als auch das dazugehörige Servo mittig sitzen, verläuft die Anlenkung zwangsweise schief! Auch das spätere Einfädeln durch den schmalen Querschnitt verlangt etwas Geduld - das könnte durchaus eleganter gelöst werden! Der Zusammenbau des Seiten- und Höhenleitwerkes verlief dagegen problemlos. Die Ruder waren noch mit Stiftscharnieren zu montieren, die vor dem Einkleben unbedingt geölt werden müssen. Das Seitenruder sollte mit einer Drahtseilanlenkung angesteuert werden. Doch weder Führungsrohre noch symmetrisch angeordnete Öffnungen waren vorhanden. Somit habe ich kurzerhand auf einer Seite einen Bowdenzug eingebaut und das Seitenruder damit nur einseitig angelenkt. Die beiden Höhenruder werden mit einer Y-förmigen Stahldraht-Holz-Kombination angesteuert. Der Einbau ist etwas fummelig, da das Heck sehr eng ist und die Balsabeplankung leicht beschädigt werden kann. Für einen Oldie und Thermikgleiter dieser Größe reicht diese Anlenkung vollkommen. Mit einem Formstück aus GFK, das etwas nachzubearbeiten ist, habe ich Seiten- und Höhenleitwerk am Rumpf fixiert.

Die Abschlussarbeiten am Rumpf betrafen den Motoreneinbau. Ich habe mich an das vorgeschlagenen Antriebsset gehalten: "Axi 4130/16 V2" und "Jeti Mezon 90 BEC"-Regler mit 17-x-19-Zoll-Luftschraube. Trotz der Verwendung der explizit vorgeschlagenen Komponenten musste die Öffnung im vordersten Spant etwas vergrößert werden. Sonst wäre der Motor nicht zu platzieren gewesen. Auch die Bohrungen (M3) im Spant des Motors mussten aufgebohrt werden, da die im Rumpf eingeklebten Einschlagmuttern ein M4-Gewinde haben. Manchmal sind es einfach die Kleinigkeiten, die einen echt ärgern können.

Dann waren die Flügel an der Reihe. Die Querruder passten und das Einkleben der Scharniere war wie schon beim Seiten- und Höhenruder dank der Anleitung ein Leichtes. Lediglich die beiliegenden Plastik-Kugelkopf-Anlenkungen habe ich gegen solche aus Metall ausgetauscht. Explizit empfohlen und angeboten werden auch elektrische Störklappen. Um die aber plan einbauen zu können, waren die Ausnehmungen in den Rippen noch um knapp vier Millimeter nachzuarbeiten. Die Flügelsteckung passte auf Anhieb und auch die Anbindung an den Rumpf war spaltfrei. Mit Schrauben werden die GFK-Flächenverbinder im Rumpf festgehalten.

Die Einstellung der Ruderausschläge erfolgte nach Anleitung, ebenso der Schwerpunkt. Bei einem 5s-LiPo 5.000 mAh sind die 130 Millimeter ab Nasenleiste ohne Bleizugabe zu erreichen.

Ein paar Tage später war es dann soweit: blauer Himmel, wenig Wind und strahlender Sonnenschein. Die Schleppmaschine wurde startklar gemacht. Gleichzeitig am Segler noch einmal alle Verbindungen, Anlenkungen und Einstellungen überprüft und ihn fix ans Schleppseil gehängt. Und schon erfolgte auch das Startkommando. Nach wenigen Metern hob der neue "Musger" brav vom Boden ab und folgte schön dem Schlepper bis zur Ausgangshöhe.

Nachdem das Schleppseil ausgeklinkt war und der "Steinadler" erstmals frei flog, waren alle Ungenauigkeiten beim Bau vergessen. Ein modellfliegerischer Hochgenuss war das jetzt, majestätisch glitt der "MG 19a" am blauen Himmel dahin. Wer jemals in den Alpen einen Steinadler in luftiger Höhe beim Kreisen beobachtet hat, versteht den Beinamen für das Modell. Auch beim Steuern lief alles wie auf Schienen: Keine Trimmung war erforderlich, die Ruderausschläge passten und der "Musger" reagierte sanft auf alle Kommandos. Sicher könnte er etwas flotter geflogen werden, aber das steht dem Modell nicht - seine Domäne ist der langsame Geschwindigkeitsbereich. Und wenn etwas Aufwind oder Thermik herrschen ist der "Musger" in seinem Element!

Bei der ersten Landung wirkten die Störklappen schon sehr gut. Noch ein bisschen Tiefe dazu gemischt, dann erfolgte ein vorbildgetreuer Abstieg. Quasi im Schritt-Tempo setzte das schöne Modell butterweich auf.

Es folgte der zweite Start, diesmal mit Elektroantrieb: Bei fünf Kilogramm Abfluggewicht leistet ein Starthelfer wertvolle Hilfe, da der Rumpf un-ter den tief angebrachten Flügeln etwas schwer zu greifen ist. Später wurde dann ein Startwagen eingesetzt. Von dem hebt das Modell nach fünf bis sechs Metern ab. Die Motorleistung in der gewählten Konfiguration ist mehr als ausreichend.

Einer meiner Testpiloten ist Daniel Nagl, seines Zeichens CONTEST-Eurotour-Gewinner. In der Nähe des Spitzerbergs zuhause, traf ich mich auf meiner Heimfahrt mit ihm. Bei nasskaltem frostigem Wetter bekam ich eine Vorstellung davon, wie der Akro-Profi einen Thermikflieger beherrscht: beeindruckend!

Kurzum, der "Musger Mg-19a" von GB-Models ist mit den Knickflügeln, den ausgezeichneten Langsamflugeigenschaften und seinen charakteristischen Formen eine Augenweide - am Boden wie auch in der Luft.

Martin B. Atzwanger



Ein "MG-19a" im Flugsportzentrum Spitzerberg: 1958 mit der Seriennummer 40 gebaut, ist es durch das außergewöhnliche Farbschema eher ein bunter Papagei als ein Steinadler.

Zum Original
Erwin Musger war ein österreichischer Flugzeug- und Fahrzeugkonstrukteur, der mehr Konstruktionsentwürfe als jeder andere österreichische Flugzeugbauer vorweisen kann. Nach dem zweiten Weltkrieg konstruierte er in seiner Freizeit das zweisitzige Schul- und Leistungsflugzeug "Mg-19", das anschließend von der Firma Josef Oberlerchner in Spittal/Drau in Serie gebaut wurde. Der Mitteldecker in Holzschalenbauweise, mit einer Spannweite von 17,6 Metern und einem "GÖ-530"-Profil hatte in seiner Ursprungsversion Knickflügel mit Querrudern vom Flügelknick bis zur Spitze. Dies erzeugte starke Steuerlasten. Dazu kam eine gewisse Hecklastigkeit, die gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten (Landeanflug) zu Schwierigkeiten führte. Es folgte die verbesserte Version "MG-19a", getauft auf den Beinamen "Steinadler". Die Querruder wurden auf ein Drittel gekürzt und der Rumpf verlängert. Schempp-Hirth-Bremsklappen öffneten sich ober- und unterhalb des Flügels. Ab 1954 erfolgte dann die Änderung zur Baureihe "MG-19b" mit geraden Flügeln. Bis in die 60er-Jahre wurden rund 45 Flugzeuge in allen Varianten gebaut, von denen heute noch mehr als zehn im flugbereiten Zustand sind. Ein gefragter Oldtimer und seitens der zuständigen Behörde Austro Control als historisches Luftfahrzeug klassifiziert.



Fakten

"Musger Mg-19a" von Hepf
Ein Scalesegler aus der Feder von Gernot Bruckmann

Spannweite 4.000 mm
Länge 2.000 mm
Gewicht 5.236 g
Fläche 110,83 qdm
Flächenbelastung 47,24 g/qdm
Preis: 699,- Euro (bespannt), 599,- Euro (Rohbau)
Bezug bei Hepf
Tel.: 0043-5373/570033
www.hepf.at


Der Vorfertigungsgrad ist hochwertig, die Ausführung sauber und ordentlich


Die Einbauöffnung im Motorspant für den vorgeschlagenen Motor "AXI 4130/16 V2" ist etwas zu klein, kann aber leicht nachgearbeitet werden


Motor und Schleppkupplung werden elegant von einem GFK-Teil verdeckt


Um die Störklappen einbauen zu können mussten die Rippen etwas nachgearbeitet werden


Die GFK-Platte für die Flächenhalterung und -sicherung


Wer das Cockpit originalgetreuer haben möchte, dem sind keine Grenzen gesetzt - Platz ist genug


Vier Meter Spannweite bei rund fünf Kilogramm Gewicht ergeben bei diesem Vorbild schon ein stattliches Modell


Auch im F-Schlepp zeigt sich der "Musger" von einer ganz hervorragenden Seite


Die Störklappen wirken kräftig und erlauben vorbildgetreue Anflüge


In der Luft ein schönes Flugbild und sehr angenehme Flugeigenschaften


Daniel Nagl flog seinen eigenen "Musger Mg-19a" sehr eindrucksvoll vor



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