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ASW-15

Ein Klassiker für jedermann


Maßstab 1:3 und fünf Meter Spannweite ergeben einen großen, aber dennoch handlichen Großsegler

Helmut Gumler in Freystadt ist bekannt für seine "ASW-15"-Großsegler aus eigener Fertigung. Wer eines dieser Modelle besitzt, gibt es nicht mehr her. Auch Volker Kaul ist der Faszination des Klassikers erlegen und berichtet darüber.

Vergleicht man heutzutage moderne Kunststoff-Segelflugzeuge miteinander, so lassen sich nur wenig echte Unterscheidungsmerkmale ausmachen. Die meisten Flugzeuge haben lang gestreckte Tragflächen, sind weiß und haben T-Leitwerke. Alles funktionell geprägt: Die weiße Farbe sorgt für geringe Erwärmung des Laminats bei Sonneneinstrahlung, das T-Leitwerk ist eine besonders widerstandsarme Leitwerkskonzeption und die lang gestreckten Tragflächen ermöglichen hohe Gleitzahlen. Alles in allem sorgen diese Ausprägungen für sich ähnelnde Konstruktionen.

Geht man in der Geschichte jedoch ein paar Jahrzehnte zurück, sehen die (Holz-) Konstruktionen individueller, und auch sehr unterschiedlich aus. Interessant ist jenes Flugzeug, das den Übergang zwischen diesen Zeitaltern darstellt: der "ASW-15"-Großsegler. Damals ein Konzept, das seiner Zeit weit voraus war. Mit einem Design, an dem sich bis heute moderne Konstruktionen orientieren. Dennoch weist der"ASW-15"- Segler Merkmale der älteren Bauart auf. So wur-de beispielsweise Balsa als Stützstoff bei Laminat verwendet. Stützstoff sorgt für Beulsteifigkeit des Laminats und ist unerlässlich bei GFK- Konstruktionen. Heute wird Balsaholz nur noch selten dafür verwendet, da es bei Feuchtigkeit zu Schimmelbefall neigt. Kunststoffe wie Herex sind jetzt erste Wahl. Es gibt auch Designmerkmale die das Erscheinungsbild der "ASW-15" einmalig machen. Beispielsweise das Kreuzleitwerk und die relativ dicke, geschwungene Rumpfröhre. Beides spricht zwar nicht für besonders geringen Widerstand, ist aber sehr schön anzusehen. Auch die Streckung der "ASW-15" ist moderat und orientiert sich an der populären 15-m-Standardklasse.

Kurz gesagt: Der Großsegler hat mich schon während meiner gesamten Laufbahn als Modellbauer fasziniert. Nun ging mein lang gehegter Wunsch dieses Flugzeug zu besitzen in Erfüllung. Als Größenordnung habe ich mich für den populären Maßstab 1:3 entschieden. Mit fünf Metern Spannweite sollte sich das Modell noch gut transportieren und auch in der modernen GPS-Triangle-Klasse einsetzen lassen. Sogar was den Geldbeutel betrifft, habe ich bei Helmut Gumler gefunden, wonach ich gesucht habe. Etwas mehr Nacharbeit war mir dabei durchaus recht. Der "ASW-15"-Großsegler ist gut gemachter Standard. Die Rohbaugewichte des Modells im Einzelnen:

Rumpf: 1.225 g
Rahmen: 155 g
Haube: 155 g
Höhenleitwerk: 247 g
Tragfläche links: 1.380 g
Tragfläche rechts: 1.390 g
Steckungen: 278 g
Seitenruder: 108 g

Die Tragflächen baut Helmut Gumler in klassischer Styro/Abachi-Bauweise, die Rümpfe wahlweise aus Glas oder Kevlar. Die Kevlar-Rümpfe sind wirklich gut gemacht. Die Oberfläche musste ich bei meinem Modell jedoch an einigen Stellen nachbearbeiten. Ich wollte es so leicht wie möglich bauen, sonst hätte ich den Rumpf noch lackiert. Auch die Spanten für den Rumpf musste ich noch anfertigen und einlaminieren. Außerdem die Fahrwerksklappen noch ausschneiden und eine Aufnahme für das Fahrwerk anfertigen. An dieser Stelle muss man sagen, dass absolute Bauanfänger eigentlich ausgeschlossen sind. Die Arbeiten bedürfen einiger Erfahrung und verlangen nach Präzision. Die Fahrwerksklappen befestigte ich mit Fahrradschlauch und Sekundenkleber. Später baute ich ein FES-Fahrwerk von FEMA ein - darüber berichte ich detailliert in der nächsten Ausgabe von AUFWIND.

Die Tragflächen habe ich mit gut deckender Oracover-Folie bebügelt. Das Schleifen erforderte ebenfalls Handarbeit. Vorhandene Beulen habe ich gespachtelt und egalisiert. Höhenleitwerke und das Seitenruder sind in Voll-GFK-Bauweise gefertigt und von guter Qualität. Helmut Gumler macht dies - im Vergleich zu Leitwerken in Styro/Abachi - aus Gründen des geringeren Gewichts. In den Höhenleitwerkshälften waren alle Steckungen bereits eingebaut und passten hervorragend. Auch im Rumpf und in den Tragflächen waren die Steckungen bereits eingebaut. Angleichen musste ich noch die Passungen zur Rumpfanformung an den Tragflächen und am Höhenleitwerk. Letztlich schon eine kleine Herausforderung, da das Leitwerk als Pendelleitwerk ausgelegt ist. Hier ist es eine Gratwander- ung zwischen Gängigkeit und minimalem Spalt, da das Leitwerk über seinen Laufwinkel unterschiedliche Seitenleitwerkstärken passieren muss. Einzubauen war auch noch die Anlenkung für das Pendelhöhenruder. Von Helmut Gumler gibt es nur wenig Information zu den Einstelldaten: die Position der Pendel-Höhenruderanlenkung und den Schwerpunkt. Das war es dann auch schon. Doch mehr wird eigentlich auch nicht benötigt. Eine Bauanleitung im üblichen Sinne gibt es nicht.

Als Haubenscharnier dient bei meinem Segler ein gedämpftes Türscharnier aus dem Baumarkt. Damit fällt die Haube nicht zu, sondern bewegt sich gedämpft nach unten. Über einen Knopfdruck lässt sich die Haube lösen, sodass der Akkuwechsel stressfrei möglich ist. Besser geht es nicht.

Das erforderliche Gewicht in der Rumpfspitze war weitaus geringer als erwartet. Die Nase der "ASW-15" ist doch sehr lang, voluminös und gewichtig. Deshalb habe ich den Innenausbau noch einmal revidiert: Der 6s-LiPo 5.800 mAh von GensAce für den FES-Antrieb wanderte von der Nase unter den Sitz, direkt neben die beiden 2.200-mAh-LiPos für den Empfänger.

Für den Antrieb wählte ich nach einiger Recherche einen Hacker-"A50 10L FES". Als Steller kam ein Hacker-"Mezon 120" zum Einsatz. Mit der 12-Zoll-Luftschraube von RFM ist damit nun Bodenstart auf dem eigenen Fahrwerk möglich. Wenn man die Luftschraubenblätter noch in Rumpffarbe lackiert, sieht man sie schon nach wenigen Metern Abstand nicht mehr. Wer wirklich mit "sauberer Nase" unterwegs sein will, kann den Propeller abnehmen, der Motor verbleibt im Modell. Will man geschleppt werden, lässt sich der Rotor samt Welle nach hinten herausziehen. Das Schleppseil wird dann durch den Stator gefädelt und die Schleppkupplung liegt gleich hinter der Durchführung.

Als Empfängerschalter habe ich einen neuen Magnetschalter der Firma Zepsus (www.zep-sus.com) eingesetzt. Erhältlich ist der Schalter unter anderem bei Vincent Paternotte (www.mg- modellbau.de). Ein erstaunlich kleines Produkt, mit redundanter Stromversorgung. Der Schalter wird einfach an der Bordwand befestigt und wird dann über einen kleinen Magneten von außen betätigt. Die Stelle wird von außen mit einem kleinen Aufkleber markiert. Der Schalter ist äußerst zuverlässig und hat ein internes Fail-Safe. Geschaltet werden maximal 20 Ampere bei einem Spannungsbereich von drei bis 13 Volt. Imposante elektrische Werte bei einer Größe von gerade mal 28 x 14 x 6 Millimetern. Der Zepsus-Schalter kann übrigens immer angesteckt bleiben, es sei denn das Modell wird mehrere Jahre nicht betrieben.

Nach einer sehr kurzweiligen Bauphase ohne Überraschungen ging es in der Rhön zum Erstflug. Der Segler wurde erst einmal von einem Helfer am flachen Hang geworfen. Ein beherzter Wurf bei laufendem Motor und das Modell flog vollkommen unspektakulär und ohne Durchsacken in Richtung Himmel. Der Hacker Antrieb ermöglicht eine angemessene Steigleistung mit einem maximalen Steigwinkel von etwa 30 Grad. Ebenso gelingt auch der Bodenstart mit dem FES-Antrieb: Nach dem Anrollen benötigt der "ASW-15"-Großsegler lediglich 30 bis 40 Meter Rollstrecke zum Abheben.

Das Modell lässt sich eng kreisen und bietet eine relativ gute Agilität. Angestochen baut sich rasch Geschwindigkeit auf und die Energie wird in Höhe umgesetzt. Als sehr angenehm empfinde ich die Einfachheit des Modells, ganz ohne Wölbklappen. Die Störklappen wirken hervorragend. Die Hebelverhältnisse kann man als ideal bezeichnen. Der Segler geht neutral in die Kurven, sodass nur wenig Nacharbeit mit dem Seitenruder erforderlich ist. Das erleichtert das flache Kreisen in schwacher Thermik. Thermikfliegen ist die absolute Domäne der "ASW-15". Ist erst einmal die zerfaserte Bodenthermik überwunden, kann das Modell stundenlang "oben bleiben". Auch große Höhen sind möglich, da es auch bei 600 Höhenmetern noch gut zu erkennen ist. Der Segler ist auch stabil genug, um in engen Steilspiralen schnell wieder in Bodennähe zu gelangen. Die maximale gemessene Geschwindigkeit liegt bei circa 120, die minimale bei 45 Stundenkilometern. Gemessen wurde mit dem GPS-Logger mit Vario von SM-Modellbau. Auch Kunstflug ist kein Fremdwort für das Modell: Rollen und Loopings sind von der Festigkeit her unkritisch und lassen sich neutral, mit nur wenig Korrekturen durchführen.

Zwei Dinge sind mir ganz besonders aufgefallen. Einmal die unkritischen und sehr gut zu parierenden Strömungsabrisse. Erst kurz vor dem Stillstand sackt das Modell durch, ohne jedoch seitlich abzukippen. Das ist wirklich sehr angenehm, erleichtert es doch das Kreisen und die Landungen deutlich. Und dann wäre da noch die überragende Optik mit dem geschwungenen, etwas dickeren Rumpf und dem charakteristischen Kreuzleitwerk. Diese "ASW-15" ist in jeder Beziehung ein angenehmes und sympathisches Modell, das mit dem noch relativ geringen Gewicht für den Maßstab einfach und mit handlichen Antriebskomponenten zu motorisieren ist.

Volker Kaul
Fotos: Volker Kaul, Julian Kaul, Stefan Meyer


Fakten

"ASW-15" von HG-Modellbau
Ein 1:3-Segler für Jedermann

Spannweite: 5.000 mm
Länge: 2.110 mm
Gewicht: 9.400 g
Fläche: 118,1 qdm
Flächenbelastung: 79,5 g/qdm


Preis: 840,- Euro (Rumpf GFK), 945,- Euro (Rumpf Kevlar)
Bezug bei HG-Modellbau
Tel.: 09179/9615973
www.hg-modellbau.de


Im Lieferzustand ist das Modell quasi rohbaufertig, erfordert aber noch ein wenig Eigeninitiative bis zur Fertigstellung

Ein modifiziertes HQ gibt Helmut Gumler als Profilierung an

Die Fahrwerksklappen wurden mit Streifen aus einem Fahrradschlauch anscharniert

Die verkasteten Querruder im Lieferzustand

Der Hacker-"A50 10L FES" bringt den "ASW-15"-Großsegler mit 6s-LiPo zügig auf Höhe

Als Empfängerschalter kommt ein neuer Magnetschalter der Firma Zepsus (www.zepsus.com) zum Einsatz

Der FES-Antrieb stört das Erscheinungsbild nicht, die lackierten Propellerblätter tun ihr Übriges dazu

Das Design des "ASW-15" ist zeitlos elegant und auch in Modellfliegerkreisen äußerst beliebt

In der Luft zeigt sich das Modell leistungsfähig und gutmütig, ein echter Allrounder



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 6/2017

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