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Seil weg!

Die Schleppseilwinde von Fredy Gass


Nur noch 370 Gramm wiegt die aktuelle Version der Schleppseilwinde. Damit passt sie in jeden Schlepper ab circa zwei Meter Spannweite

Auf Schlepptreffen mit viel Betrieb verbietet sich meist ein Abwurf des Seils. Doch das Landen mit Seil birgt Gefahren. Was liegt also näher, als es im Schlepper einzuziehen? Der Schweizer Tüftler Fredy Gass hat dazu eine mechanische Seilwinde entwickelt. Philipp Gardemin hat ihn besucht.

Seit mehr als 15 Jahren schleppt Fredy Gass Segler in die Höhe. Vor rund zehn Jahren hatte er die Idee, eine Schleppseilwinde zu konstruieren. Schon damals gab es Winden mit Elektromotoren, Reglern und Akkus. Den Tüftler stellte das jedoch nicht zufrieden. Einerseits wegen des zusätzlichen Gewichts und andererseits wegen des relativ großen technischen Aufwands. "Mir war schon damals klar, dass eine Schleppseilwinde nicht komplizierter sein darf als eine normale Schleppkupplung", meinte Fredy Gass im Gespräch mit AUFWIND.

Die zündende Idee habe ihm dann der defekte Kabeleinzug eines Staubsaugers geliefert, den er zu reparieren hatte. "Die Federkraft sollte man doch direkt nutzen können", überlegte Fredy Gass. Er baute zwei Federpakete eines Maßbandes zusammen, direkt in eine Seilrolle. Das funktionierte zwar, aber die letzten paar Meter des Schleppseils wurden wegen dem kleiner werdenden Drehmoment nicht komplett eingezogen. Zudem stößt so ein herkömmliches Federpaket bei der notwendigen Zahl an Umdrehungen auch an physikalische Grenzen. Zahlreiche Prototypen und Versuchsaufbauten wurden von dem Tüftler entwickelt und wieder verworfen. Die Lösung habe schließlich ein Getriebe gebracht, das die Kraft der Feder mit einer Übersetzung an die Spule abgab: "Nun waren wesentlich mehr Umdrehungen der Spule möglich und das Problem war gelöst", freute sich Fredy Gass. Die erste Winde war acht Jahre im Einsatz. An die tausend Schlepps wurden damit gemacht, vom kleinen 2-m-Leichtgewicht bis hin zum 40-kg-Großsegler.

Der Nachteil dieser ersten Windengeneration war aber das Gewicht von nahezu 800 Gramm. Damit beschränkte sich der Einsatzzweck auf wirklich große Schleppmaschinen. Also stand ein Neudesign im Raum. Fredy Gass setzte sich zum Ziel Serienteile zu nutzen, die den Kräften entsprechend dimensioniert und einfach zu beschaffen sind. Ebenso wurde das Material für den Aufbau auf Festigkeit, Gewicht und Kosten optimiert. "Dank der neuen Teile sind wir heute bei einem Gewicht von nur noch 370 Gramm und die aktuellen Seile sind nur noch ein Millimeter stark bei einer Reißlast von 195 Kilo", sagt Fredy Gass. Vor zehn Jahren noch ist er von den üblichen zwei bis drei Millimeter dicken Seilen ausgegangen. Die waren nötig, um ein Einschneiden beispielsweise in Flügelkanten und Leitwerken zu verhindern. Das geschah immer dann, wenn der Segler aufholte, das Seil schlaff wurde und beim erneuten Anziehen in die Kanten schlug. "Mit dem dynamischen Zug der Federeinzugswinde ist ein Durchhängen des Seils aber kein Thema mehr", betont Fredy Gass. Der kontinuierliche Zug sei durch den Federantrieb immer vorhanden. Elektrische Winden erforderten dafür Rutschkupplung, Stromüberwachung oder ähnliche Sicherheitseinrichtungen. Die Winde arbeite während des Schlepps nämlich komplett eigendynamisch. "Das heißt, holt der Segler zur Schleppmaschine hin auf, wickelt sich das Seil auf. Geht der Segler wieder auf Zug und der Abstand vergrößert sich, wickelt sich das Seil sanft wieder ab. Diese dynamische Funktion ist eine der besten Eigenschaften überhaupt", ist Fredy Gass überzeugt. "Es erhöht die Sicherheit enorm und wer viel schleppt, der weiß, dass Notsituationen meist aus dem Aufholen des Seglers zum Schlepper und dem anschließenden Ruck entstehen", meint er und erklärt zudem: "Die Einbaulage im Schleppmodell kann nahezu beliebig gewählt werden, selbst über Kopf direkt an die Rumpfoberseite des Schleppers. Auch am Boden ist das Handling einfach: Das Seil wird in den Segler eingehängt, der Schlepper rollt vor, dann ruckt der Segler - das Zeichen dafür, dass das Seil ausgerollt und gestrafft ist. Sollte im Schlepp dann doch mal was schief gehen und ein Notklinken erforderlich machen, dann zieht ein Servo im Kern der Rolle einen Stift heraus, der die Schlaufe des Seils freigibt. Zurück am Boden dauert das Wiederaufrollen der Spannung, das erneute Einhängen des Seils und das anschließende selbsttätige Aufrollen keine drei Minuten."

Getestet wurde die neue Winde in der 3,6 Meter großen "Piper Super Cub" der AUFWIND-Redaktion. An die 50 Schlepps wurden damit gemacht, allesamt störungsfrei. So war an einem Abend zu beobachten - direkt von der Sonne bestrahlt - wie das Seil nach dem Ausklinken des Seglers zunächst kurz durchsackte, dann aber im hohen Bogen und innerhalb weniger Sekunden komplett eingezogen wurde. Auch das Ausziehen des Seils am Boden erwies sich nach anfänglicher Gewöhnungsphase als alltagstauglich und praktikabel.

Kurzum: Ein überzeugendes Stück Schweizer Mechanik, das das Schleppen sicherer und bequemer macht.

Philipp Gardemin


Fakten

Grundplatte: 40 x 92 mm
Breite: 90 mm
Höhe: 95 mm
Gewicht: 370 g
Preis: xxx,- Euro
Bezug bei Fredy Gass
Tel.: 0041/79/3226010
www.schleppseilwinde.ch


Fredy Gass hat einige Jahre an Lösungen aller Probleme gearbeitet

Die AUFWIND-Schleppmaschine hat mit der Winde an die 60 Starts absolviert. Hier eine Bilderfolge von den Startvorbereitungen, über den Schlepp bis hin zum Einzug des Seils. Aufgenommen wurde die von Markus Nussbaumer anlässlich des Oldtimer-Meetings in Müswangen

Die Flanken der Seilrolle bestehen aus Carbon, das Klinkservo sitzt genau mittig kompakt an der Winde

Der edle Seilauslass wird anstelle der üblichen Kupplung im Motormodell montiert

Der Grundrahmen besteht aus eloxiertem Aluminium

Das Übersetzungsgetriebe war die Lösung der anfänglichen Problematik, das Seil auch komplett einziehen zu können



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 6/2017

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