TEST

Traumschiff

Die "ASW-27" von FW-Models


Bernhard Rohregger hat sich einen Traum erfüllt, als er die "ASW-27" bei Matthias Paul und Pascal Heil bestellt hat. Auf die Vorfreude folgte Begeisterung - die bis heute anhält.

Jeder kann wohl meine Vorfreude nachfühlen, als nach langer Wartezeit mein Topmodell zur Abholung bereit stand. Das war in diesem Jahr am 8. Juni. Nach fünf Stunden Fahrzeit kam ich in Philippsburg bei FW-Models an. Die "ASW-27" ist - nach dem "Swift" und der "ASH-31evo" - mein drittes Modell von Matthias Paul und Pascal Heil.

Nachdem mein "Duo-Discus" zwischenzeitlich seinen Besitzer gewechselt hatte, suchte ich einen Nachfolger für das Modell. Die Anforderungen waren: Ein Flugzeug mit rund fünf Metern Spannweite, das gutmütig und thermisch stark fliegt, aber auch "losgelassen" werden kann. Dazu sollte das Modell über eine entsprechende Fest- und Wendigkeit verfügen. Beim Besuch der Segelflugmesse 2017 sah ich dann die "ASW-27" - und meine Wahl war getroffen! Matthias Paul erzählte von dem Allroundflugverhalten und dem errechneten Profil mit einer Dicke von zehn bis unter neun Prozent. Das würde letztlich den großen Geschwindigkeitsbereich ermöglichen. Aus aerodynamischen Gründen habe sich Matthias Paul außerdem entschieden, bei der "ASW-27" die Spannweite von fünf auf 5,2 Meter zu vergrößern. Damit verhält sich das Modell beim Kreisen völlig unkritisch und bei einem Strömungsabriss nimmt es die Nase nach unten, ohne ins Trudeln zu kommen. Dank des dünnen Profils nimmt die "ASW-27" außerdem sehr schnell Fahrt auf, und die Rollrate beim Kunstflug macht echt Spaß. Ausgelegt wurde das Modell von Michael Kiefer.

Ausgestattet ist die "ASW-27" mit einem Voll-CFK-Zwei-Klappenflügel mit spaltfreien Überkreuz-Anlenkungen und einem 18 x 40 Millimeter großen CFK-Vierkant-Verbinder. Der Rumpf ist UD-GFK vertärkt im gesamten Hauben- und UD-CFK im Röhrenbereich. Darüber hinaus wird das Modell mit der Kabinenrahmen-Mechanik mit Gasdruckdämpfer, Sitzwanne, Sitz und Seitenteile geliefert. Dazu eine Flügelverriegelung mit M6-Verschraubung. Lackiert ist das Modell mit einem UV-beständigen Zwei-Komponenten-Lack.

Zurück zur Abholung: Aufgebaut in der Flugzeughalle wartete die kleine und feine "27" auf mich. Wie bestellt mit Kabinenhaube, eingebautem Fahrwerk von Fema, Schleppkupplung und einem "Ceflix 500"-Triebwerk. Bestens gelaunt machte ich mich auf den Heimweg. In der Folge dauerte es nicht mehr als acht Tage, bis ich das imposante Modell fertiggestellt hatte.

Für die Querruder kamen die KST-Servos "X10" in dafür vorgesehene Rahmen von Servo-rahmen.de zum Einsatz. An den Wölbklappen passen nur 15-mm-Servos. Ich entschied mich für die "MKS 747", in Servorahmen von RC-Solution. Höhenruder und Schleppkupplung bekamen je ein Hitec-"HS-7954 SH" spendiert, ebenso die Impellermechanik. Die Seitenruder wurden mit je einem Hitec-"HS-5585 MH" ausgestattet, die Radbremse mit einem KST-"X10 mini". Die Empfangsanlage beteht aus zwei Jeti-Ion-Akkus mit 3.100 Milliamperestunden und der "CB200"-Akkuweiche mit zwei "RSat"-Empfängern und dem RC-Switch zum Ein- und Ausschalten. Als Variometer dient das WS-Tech Duo mit TEK-Düse, ergänzt um ein Powerbox-GPS. Den Kabelstrang für das ganze Modell habe ich bei FW-Models mitbestellt, gefertigt von Ka-Wi-Tech. Der Antrieb wird aus zwei 6s-LiPo-Akkus "SLS APL Magnum" mit 4.400 Milliamperestunden gespeist, geregelt von einem "Master Mezon 135A opto light".

Der Ausbau des Modells an sich barg keine Besonderheiten. Der Einbau der Komponenten und die Verkabelung sind meine liebste Beschäftigung beim Bau eines Modells. Immer voll motiviert, um auch ein optisch ansprechendes Er- gebnis zu erzielen. Zur Befestigung der Komponenten nehme ich seit langem das 3M-Noppen-Klettband. Das hält bombenfest. Lässt sich re- lativ einfach wieder lösen und ist natürlich auch sehr leicht zu montieren. Die Servokabel werden im geschlitzten Gewebeschlauch geführt und mit Kabelbindern befestigt. Der Empfängerakku fand seine Position unter der Steckung. Nicht ganz perfekt in meinen Augen. Aber wegen des Tipps von Matthias Paul bezüglich des Schwerpunktes doch an der richtigen Stelle, wie sich später noch herausstellen sollte.

Für den Cockpitausbau habe ich die Sitzwanne angepasst und zurechtgefräst. Sie soll ja auch schließlich einfach und sauber in den Rumpf passen. Nachdem ich die bereitliegenden Hebel von Gromotec und das Panel von Scalecockpit.at eingeklebt hatte, habe ich die Lehne fertiggestellt. Die Hebel im Cockpit waren an Ort und Stelle, da durften natürlich auch Beschriftungen und Sitzpolster nicht fehlen. Es ist sicher kein absolut vorbildgetreuer Scale-Ausbau. Aber halt so gut ich kann, und wie es zumindest mir gefällt.

Nun folgte der spannende Moment des Auswiegens. FW-Models gibt einen Rumpfschwerpunkt von 83 Millimeter von der Nasenleiste an. Ohne Tragflächen, aber komplett mit Leitwerk. Ich habe 83 und 85 Millimeter angezeichnet, da ich das Modell gerne am hinteren, möglichen Punkt fliege. Jetzt zahlte sich die Position des Empfängerakkus aus: Ohne einem Gramm Blei und nur durch Verschieben von zwei Zentimetern des Antriebsakkus, erreichte ich die beiden Positionen. Somit fehlte nur noch das genaue Programmieren, das Messen der Einstellwinkeldifferenz, das Gesamtgewicht und das Dekor. Da hatte ich Lust auf etwas Neues, abgeschaut von etwas sehr Bekanntem. Beauftragt wurde dafür Andreas Brunnlechner von Andys Folienwelt. Ich staunte nicht schlecht, als ich drei Tage nach dem Auftrag ein Paket im Haus stehen hatte. Also hieß es: Seifenwasser herrichten und hochkonzentriert ans Werk gehen. Eineinhalb Tage dauerte das Bekleben - die Zeit dafür machte sich aber bezahlt.

Dann habe ich die "ASW-27" komplett aufgebaut und die Empfängerakkus aktiviert. Ich programmiere bei solchen Modellen immer fünf Flugphasen: Start, Landung, Normal, Speed und Thermik. Bei Start werden die Wölbklappen sechs Millimeter nach unten verwölbt. Dazu die Querruder wie vorgegeben mit Ausschlägen von acht Millimetern nach oben und zwei Millimetern nach unten. Das Höhenruder nach oben neun und unten acht Millimeter. Bei der Normalstellung ist dann alles im Strak. Dazu die Ausschläge wie von FW-Models vorgegeben, wobei ich hier die Wölbklappen mitnehme beim Querruderausschlag. Speedstellung dasselbe. Wobei die Wölbklappen nach oben und innen gemessen zwei Millimeter fahren und die Querruder dazu verlaufend bis außen. In Thermikstellung dann die Wölbklappen nach unten fünf Millimeter und die Querruder verlaufend. Hier werden im Flug nur die Querruder gesteuert. Dann die Landephase. Dafür werden die Wölbklappen sechs Millimeter nach unten gefahren und die Querruder beiben im Strak. Dazu kommt das Butterfly. Ich habe es auf den Gasknüppel gelegt, es wird nach hinten gesteuert.

Das Ceflix-Triebwerk liegt auf einem Dreistufenschalter: Hinten eingefahren, Mitte ausgefahren. Die dritte Stellung ist Motor an. Zusätzlich ist es auch über den Gasknüppel zu steuern. Daher die Landephase, bei der das Triebwerk natürlich nicht läuft, aber eben das Butterfly geregelt wird. Ich bringe innen gemessen einen Aus- schlag nach unten mit 50 Millimetern zusammen. Die Querruder außen gemessen fahren drei Millimeter hoch. Tiefenruder wird über eine Kurve vier Millimeter dazu gemischt. Das kann ich auch im Flug mit einem Drehregler beim Testen ganz einfach anpassen.

Die Einstellwinkeldifferenz habe ich mit 1,6 Grad gemessen. Die Maschine wiegt nun komplett gerade mal 12,7 Kilogramm - ein hervorragender Wert. Das überraschte mich doch sehr positiv - und verspricht eine enorme Thermikleistung.

So ein Erstflug ist auch nach einem Jahrzehnt Flugerfahrung immer wieder eine besondere Angelegenheit. Also Kofferraum auf: Dann der Aufbau der "ASW-27" ganz ruhig und gemütlich unter Aufsicht meines Sohnes. Anschließend natürlich Rudercheck und alle Flugphasen überprüfen und - ab zur Piste. Ich wollte den ersten Start im Schlepp absolvieren. Dazu stand mein Freund und Kollege Klaus schon mit seiner elektrischen "Junior" bereit. Also die "ASW" aufgestellt und das Schleppseil eingeklinkt. Jetzt stieg auch die Spannung und ich war hochkonzentriert. Klaus gab Gas und brachte mich gut auf Höhe. Sehr bockig war es, das Gespann lag aber ruhig in der Luft. Auf Sicherheitshöhe hieß es ausklinken und ruhig gegen den Wind steuern. Ein Zacken auf Querruder dann ging es geradeaus. Wie vermutet war die "ASW" - obwohl bei 85 Millimeter Rumpfschwerpunkt gestartet - noch etwas kopflastig. Also musste ich am Höhenruder leicht nachtrimmen. Die Entspannung machte sich bei mir breit. Was für ein Potential in dem Modell steckt spürte ich schon nach wenigen Minuten. Nach etwa einer halben Stunde wollte ich wissen, ob auch der Antrieb seinen Zweck erfüllt. Also, Höhe abbauen und einschalten. Der Schub überraschte mich. Gefühlt war es mehr als bei meinem "Swift" mit gleichen Ceflix. Auch der Strom war hier mit 110 Ampere um 20 Ampere höher. Ceflix teilte mir später mit, dass Schübeler hier eigens einen neu abgestimmten Motor entwickelt hat. Also: entweder weniger Timing und weniger Strom oder mehr Spaß und bei den 12 Grad Timing bleiben. Die Laufzeit bei einem Verbrauch von 3.300 Milliampere lag ja trotzdem schon bei 2.10 min. Nach 50 Minuten habe ich die Landung eingeleitet, das Butterfly wirkte hervorragend - alles perfekt.

Nun wollte ich auch noch wissen, wie der Bodenstart funktioniert. Fläche rechts abgelegt wie ich es immer mache, Ausschlag nach links, Höhenruder zwei Drittel gezogen und volle Leistung. Spurtreu und problemlos hob das Modell ab und ging in einen super Steigflug über. Nach diesem Flug konnte ich zufrieden auf das Typenbier übergehen.

Einen Tag später ging es wieder auf den Platz. Davor gab es im Leitwerk einen Zuwachs von 25 Gramm an Klebegewicht. Dieser Schritt war goldrichtig. Was folgte war ein toller Abend. Ein kurzer Schlepp auf etwas Höhe und ein zweistün- diges Flugerlebnis. Kurbeln in starker Thermik, Ablasser mit beeindruckenden und vorsichtigen Speedflügen und etwas Kunstflug. Unter anderem einmal ein Höhenabbau von knapp 300 Metern, was aber schon eine Geschwindigkeit (GPS) von 245 Stundenkilometern ergab, erflogen im 60-Grad-Winkel. Ja, diese "ASW-27" hat eine starke Thermikleistung und lässt sich auch extrem langsam kreisen. Angestochen wird das Modell zum Speedmodell, das in jeder Lage su- per beherrschbar ist. Erst bei unter 40 Stundenkilometern nimmt die "ASW-27" die Nase runter und fängt sich dann sofort wieder ab.

Zusammengefasst: Es ist ein wunderbares gutmütiges Allroundmodell und eine schöne Ergänzung zu meiner großen "ASH-31 evo". Da ist Matthias und Pascal ein wirklicher Wurf gelungen.

Bernhard Rohregger


Fakten

ASW-27" von FW-Models
Ein Großsegler mit Leistung

Spannweite 5.200 mm
Länge 2.190 mm
Gewicht 12.700 g
Fläche 105 qdm
Flächenbelastung 120,9 g/qdm
Preis: 3.350,- Euro
Bezug bei FW-Models
Tel.: 07256/4807
www.fw-models.de


Das Modell abholbereit im Hangar von FW-Models. Auch Matthias Paul sieht sehr zufrieden aus


Eine saubere Installation ist auch immer ein Sicherheitsaspekt


Die große Cockpithaube verlangt nach einem Ausbau


Es sind die kleinen Details, die den Betrachter begeistern


Die hervorragende Fertigungsqualität von FW-Models wird auch am Flügelanschluss deutlich


Das Fema-Fahrwerk wurde von FW-Models eingebaut


Das Ceflix-Triebwerk hat sich als potenter Antrieb für die "ASW-27" erwiesen


Das Triebwerk im eingefahrenen Zustand, hier noch ohne Klappen


Auch die kleinen Winglets wurden mit Dekor versehen


Ein imposantes Modell, erstmals aufgebaut in der Werkstatt


Bereit zum ersten Schlepp


Das Schleppteam in voller Konzentration


Die "ASW-27" hat mit ihren Flugleistungen und -eigenschaften zu 100 Prozent überzeugt


Die Steigrate mit Triebwerk ist enorm und passt perfekt zum Modell


Volles Butterfly zur Landung. Sehr genau lässt sich das Modell damit heranfliegen



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 6/2018

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