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Die eierlegende
Wollmilchsau gibt es bekanntermaßen auch im Modellflug nicht
aber es wird immer wieder der Vorstoß unternommen, sie zu finden.
So versuchte auch der Autor, sich diesen Wunschkatalog zu erfüllen:
Segler, kompakt um die 3 m Spannweite für das Rentnerfliegen
während der Woche, aber auch eingerichtet für F-Schlepp und
als Elektrosegler. Und Vorbildgetreu natürlich.
Im Grunde also ein Modell wie der 3,6-m-Ventus 2c, der
in AUFWIND 6/99 beschrieben wurde. Am Ende des damaligen Berichtes stand
der Hinweis, dass die Elektrifizierung mit Bürstenmotor und zwölf
SC-Zellen zu einer Flächenbelastung von ca. 80 g/qdm führte,
was zwar durchaus gut fliegbar, für das Thermikfliegen aber doch
eher ungünstig war. Seither gibt es allerdings ganz andere Möglichkeiten
zur Elektrifizierung, nicht zuletzt durch die Entwicklung der LRK-Motoren
und kleinen, hochleistungsfähigen bürstenlosen Motor/Getriebe-Kombinationen.
Und dann natürlich auch durch das Erscheinen von LiPo-Akkus.
Bei der Suche nach einem geeigneten Segler habe ich vor allem auf das
Gewicht geachtet, denn auch ein 350er-LRK und ein 3s2p-Konion-Lipo-Pack
ergeben ein Mehrgewicht von ca. 500 g. Am Ende fiel die Wahl auf die
ASW-28 mit 3 m Spannweite von TUN-Modellbau in der Schweiz.
Der erste Blick offenbarte einen Rumpf mit kompletter Kabinenhaube,
einer Sitzmulde aus GFK mit Stoffsitz und HB-Kennung sowie Schweizer
Kreuz am Seitenleitwerk. Dazu die folienbespannten Tragflächen,
das Leitwerk und zwei Winglets. Die Flächensteckung war schon hergestellt
und ein kleiner roter Aufkleber gab den empfohlenen Schwerpunkt an.
Kein Zubehör, keine Anleitung und keine Einstellungsempfehlungen
dafür bot TUN-Inhaber Ueli Nyffenegger seine Beratung an.
Das alles wird aber jene nicht schrecken, die schon solche Modelle gebaut
haben. Also weiter in der Betrachtung der Lieferung: Das Gewicht aller
Teile betrug 1.513 g, einschließlich der Sitzwanne, die mit ihren
50 g für die weitere Planung weggelegt wurde. Bei der anschließenden,
überschlägigen Schwerpunktberechnung zeigte sich, dass mit
dem vorgesehenen LRK-Motor (ca. 180 g) und dem Flugakku im Schwerpunkt
ohne Ballast auszukommen war und damit auch ein reiner Segler mit um
die 2.000 g zu realisieren sein sollte. Erkauft wird dies
ganz im Gegensatz zu manch anderem Rumpf, der hier durch die
Werkstatt ging durch einen recht leichten Aufbau. Man sollte
also mit dem Modell schon etwas schonend umgehen.
Die Rumpfnaht ist sehr schmal, aber sichtbar nicht ganz perfekt.
Die Flächen sind sauber verschliffen und bebügelt und die
Winglets steckbar aus GFK. Die Flächensteckung besteht aus dem
klassischen 14x1-mm-Hochkantstahl mit passgenau eingeharzten
Taschen und Klemmung im Rumpf die Öffnungen für die
Querruder- und Störklappenservos waren auch schon eingearbeitet.
Die Kabinenhaube mit GFK-Rahmen ist an den unteren Seiten nicht immer
exakt passend, hinterlässt aber einen sehr guten Gesamteindruck,
wie auch das elegante Modell insgesamt.

Die zwei Rumpfnasen und das Wechselwerkzeug. Die Wechselzeit beträgt
nur eine Minute
Kommen wir zur Motorisierung:
Nach eingehender Beratung mit Jochen Zaiser von Torcman wurde ein TM
350-12 pro 14 mit 26 Windungen ausgewählt, der mit acht Zellen
4/5-SC circa 300 Watt abgeben sollte. Später stellte sich dann
heraus, dass die Spannungslage meiner nicht mehr ganz taufrischen RC-1600-Zellen
so mäßig war, dass gleich der Schritt zum 3s2p-Pack Konion-Zellen
von Kontronik folgte. Mit einer 15x8-Luftschraube von Aeronaut
werden jetzt nur etwa 21 LiPo-schonende Ampère erreicht, was
einen realistisch flachen Steigflug mit etwa 80 W/kg Eingangsleistung
bringt. Und wer möchte, hat noch viel Luft nach oben.
Ein paar Anmerkungen zur Fertigstellung des schönen Modells: Die
Flächensteckung war zu schwergängig, da die hinteren Zentrierstifte
24 mm aus der Fläche ragten. Sie wurden mit der Miniflex auf 8
mm gekürzt. Trotzdem ist es nicht notwendig, die Klemmung anzuziehen,
was nach Einbau der selbstverständlich notwendigen Querstützen
im Rumpf! den Vorteil bringt, dass bei einer weniger schönen
Landung die Flächen etwas herausrutschen können. Im Seitenleitwerk
sind Stiftscharniere eingesteckt, die in die Rumpfabschlussleiste eingeklebt
werden sollen. Hier wurden statt dessen zwei Stellringe aufgeharzt,
denn damit bleibt das Seitenruder abnehmbar. Warum? Der einzige, aber
wichtige Meckerpunkt machte es notwendig: Es ist üblich geworden,
Bowdenzughüllen in die Rümpfe einzukleben und dies als Fertigungsmerkmal
zu bewerben. Das ist hier so sorgfältig geschehen,
dass die Hülle eine Doppelkurve im Raum beschreibt, in der beim
besten Willen keine vernünftige Anlenkung zu realisieren war. Hoffentlich
versucht auch niemand, mit einem kräftigen Servo das Problem gewissermaßen
mit Gewalt zu lösen. Die Rumpfabschlussleiste wurde
also mit einem ovalen Ausschnitt geöffnet, was die Steifigkeit
der Seitenflosse nicht nennenswert beeinträchtigte, und das Höhenruderservo
direkt hier eingebaut. Die späteren Flugerfahrungen haben bestätigt,
dass das Höhenruder nur kleine, aber präzise Ausschläge
benötigt.

Auch in der Elektroversion ist die Klappluftschraube an der Nase
nicht wirklich störend für die Optik
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Der Rumpfnasendummy
auf der Motorwelle lässt kaum erahnen, dass dieser Segler einen
Elektromotor statt Bleiballast mit sich führt.
Wie schon früher einmal
wurde auch hier die Rumpfspitze mit einem dünnen Blatt abgesägt
und ein Luftschraubenmittelstück von Helmut Meyer mit einer
45-mm-Spinnerkappe von Aeronaut so kombiniert, dass sich ein ganz
harmonischer Konturverlauf ergab. Für die immer zu empfehlende
Motorkühlung sorgt die zentrale Öffnung im Spinner. Die
abgesägte Rumpfspitze erhielt einen Spant mit Stellring, sodass
für den reinen Segelflugbetrieb das ursprüngliche Äußere
wieder hergestellt werden kann. Eine Schleppkupplung wurde ganz
vorne unter dem Motor eingebaut. Das Servo ist über ein V-Kabel
so mit dem Drehzahlsteller parallel geschaltet, dass am Sender der
gleiche Schalter für das nach oben kommen zuständig
ist: Kupplung offen ist identisch mit Motor aus.
Zur Gewichtsersparnis wurde auf weitere Verzierungen, wie beispielsweise
Kabinenausbau und Einziehfahrwerk, verzichtet. Allerdings fliegen
TEK-Vario und Höhenmesser von Ing. U. Schulz mit.
Das Modell wog nun flugfertig in Elektroausrüstung 2.620 g
und als Segler 2.300 g. Ein Vergleich mit den Maßen der Original-ASW-28,
so wie sie aus dem neu erschienenen Band Segelflugzeuge 1965-2000
zu entnehmen sind, ergab, dass die Proportionen durchaus naturgetreu
nachgebildet sind, bei Flächen- und Höhenleitwerkstiefe
aber ein kleines bisschen dazugeschummelt wurde. Das ist aber erst
mit Meterstab und Taschenrechner erkennbar. Somit hat man schließlich
ein optisch hervorragendes Modell, das dem Wunsch nach einem Wie-die-Großen-Modell
voll nachkommt.
Das Einfliegen erfolgte nach Auswiegen des angegebenen Schwerpunkts,
mit ein bisschen Angst-Reserve nach vorne, einer routinemäßigen
Überprüfung der Einstellwinkeldifferenz (ca. 2,5°),
Ruderausschlägen nach Gefühl- und Wellenschlag
im F-Schlepp. Es zeigte sich schnell, dass der theoretische Schwerpunkt
stimmt und das relativ kleine Höhenleitwerk kein allzu hohes
Stabilitätsmaß, also doch keine Reserve nach vorne,
erlaubt. Und auch die Ausschläge mussten Schritt für Schritt
auf die in der Info-Box angegebenen Werte reduziert werden. Sie
sind aber immer noch relativ groß, denn der Autor zieht es
vor, mit kleinen Knüppelbewegungen zu fliegen. Und auch die
Einstellwinkeldifferenz wurde durch Unterlegen von 0,6-mm-Sperrholz
auf etwa 1,5° verkleinert.
Die doppelstöckigen Störklappen wirken voll ausgefahren
recht brachial, was für den Abstieg aus der Thermik gut ist,
aber im Landeanflug vorsichtige Dosierung erfordert. Die Tragfläche
alleine hat einen Inhalt von ca. 42,6 qdm, was in der Elektroversion
zu einer Flächenbelastung von 61,5 g/qdm und in der Seglerversion
(hier etwa 2.300 g) zu 54 g/qdm führt. Damit liegt man immer
noch in einem guten Bereich für den Thermikflug, vor allem
dann, wenn man es mit relativ windigem Wetter zu tun hat. Daraus
ergibt sich auch, dass das Modell in Fahrt bleiben soll. Es kann
also nicht in der Thermik hingehängt werden wie
ein Floater und es fliegt sich eher wie die größeren
(Scale-) Brüder von vier und mehr Metern.
Alles in allem gilt für diese ASW-28 von TUN-Modellbau:
Mission erfüllt! Es ist ein Modell für den schon etwas
geübten Modellbauer und -flieger, der sich ein gut fliegendes
Modell wünscht und sich nicht zuletzt an der überragenden
Optik moderner Segelflugzeuge erfreuen möchte. Allerdings gibt
es da noch etwas, wofür die Kleine nicht verantwortlich
ist: Der Autor hat sich selbst schon murren gehört, weil man
mit ihr die Thermik nicht so hoch ausfliegen kann wie mit einem
größeren Modell.
Herbert
Eberbach
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