Der „Blaster 2“ – Nachfolger des „Blaster“ – stellt sich einem Praxistest: FVK vertreibt dieses Modell von Vladimir Gavrilko, einem in F3J-Kreisen bekannten Wettbewerbspiloten aus der Ukraine. Vladimir hat den „Blaster 2“ in Zusammenarbeit mit Mark Drela konzipiert und entwickelt. Das Modell wird komplett in Formen gebaut, die Materialien, wie Rohacell als Sandwichmaterial, CFK, AFK und GFK sind sinnvoll eingesetzt. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde die bereits bestehende Tragfläche vom Aufbau her optimiert sowie Rumpf und Leitwerke komplett neu konstruiert.

     Der Rumpf ist im Gegensatz zum Vorgänger jetzt mit einem Abziehkonus ausgestattet. Dies verbessert die Zugänglichkeit der RC-Anlage und ermöglicht es perfekt den Schwerpunkt nur mit Empfängerakku und den restlichen Komponenten einzustellen. Das hilft Gewicht zu sparen. Das Rumpfrohr ist ein Verbund aus CFK und AFK und ausreichend steif. Das Rumpfvorderteil ist aus GFK, AFK und CFK aufgebaut und hat alle beim Test auftretenden Kräfte klaglos überstanden. Besonderheit des „Blaster 2“ ist die Tragflächenbefestigung auf einem Pylon. Hier wurde übrigens viel CFK eingesetzt um diesen stabil und torsionsfest zu gestalten. Alle Rumpfteile sind be-reits miteinander verklebt, sodass eine falsche Montage ausgeschlossen ist. Die Passgenauigkeit der Aufsteckhaube kann mit ein oder zwei Lagen Klebeband den eigenen Vorstellungen angepasst und optimiert werden.

     Bei der Tragfläche fällt zunächst auf, dass sie im Vergleich zu vielen anderen DLG-Wettbewerbsmodellen bezogen auf den Tragflächeninhalt größer ist. Hier orientiert sich die Konstruktion eindeutig an den „Super Gee“-Konstruktionen von Mark Drela. Europäische Modelle sind mittlerweile etwas kleiner und höher gestreckt. Der „Blaster 2“ lässt sich damit wohl im Vergleich mit anderen F3K-Modellen eher in Richtung Floater einordnen. Der Aufbau ist ausreichend fest und sollte den normalen Fluganforderungen ausreichen. Die Profilierung mit dem Strak „AG-45“ auf „AG-47“ ist zeitgemäß und „state of the art“ für DLG-Modelle. Die als Ailerons aufgebauten Querruder- und Wölbklappen beispiels-weise sind aus Festigkeitsgründen ebenfalls mit einem gefrästen Kern aufgebaut. Dichtlippen an den Querrudern machen den perfekten Eindruck des Tragflügels rund. Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist der am Flügel mitlaminierte Wurfblade. Dies ist in der DLG-Szene derzeit wohl einzigartig und es macht Spaß dieses in den Randbogen integrierte Teil zu betrachten und in der Fingern zu haben – eine perfekte Lösung der Befestigung des Wurfpins oder Blades am oder im Flügel. Viele andere mir bekannten Modelle lösen dies mit einem nachträglich in den Flügel einzubauenden Teil. Der Holm ist mit einem mit CFK-Schlauch ummanteltem Styrodurkern und CFK-Rovings auf-gebaut. Der hintere Klappensteg ist aus GFK-beschichtetem Balsaholz.

     Da ich im Vorfeld immer wieder von zerflatterten „Blaster“-Modellen gehört habe, bin ich die Anlenkung der doch bedingt durch die größere Flächentiefe auch größeren „Querruder“ etwas vorsichtiger angegangen. Der Konstrukteur hat die Klappen auf der Profilunterseite angeschlagen, aber auch die Anlenkung der Ruder auf der Profilunterseite vorgesehen. Mit langen Ruderhebeln mag das funktionieren, war für mich aber auch ein Grund für das mögliche Flattern der Ruder. Die Vorgabe zur Ansteuerung mit Dymond-Servos „D-47“ kann diesen Effekt ebenfalls noch unterstützen. Um dies von vorneherein auszuschließen habe ich mich entschlossen, die Querruder diago-nal durch den Flügel anzulenken und als Servos Dymond-„ D-60“ einzusetzen, da mir hier die mechanische Festigkeit der Servogetriebe auch besser geeignet erscheint. Also wurde der dem Modell beigefügte CFK-Ruderhebel entsprechend gekürzt um auf der Profiloberseite verbaut werden zu können. Nachdem der notwendige Durchbruch für das Gestänge auf der Profiloberseite angezeichnet und vorsichtig geöffnet war, konnte der hintere Holmsteg U-förmig zur Durchführung des Querrudergestänges aufgefeilt und angepasst werden. Ich habe mehrfach das Servo und die Gestänge trocken im Flügel eingesetzt und somit die ideale Position für die erforderlichen Ausschläge ermittelt. Nachdem dies alles aus meiner Sicht passte wurde das Servo eingeschrumpft und mit 5-Minuten-Epoxy im Flügel verklebt. Damit habe ich eine spielfreie Anlenkung der Ruderklappen erreicht und bisher hat auch nichts geflattert. Dieser Mehraufwand ist aus meiner Sicht in jedem Fall zielführend und hilfreich.

     Die Leitwerke sind ebenfalls komplett in Formen gefertigt. Der Aufbau erfolgt mit einer Außenhaut aus GFK, die auf gefräste Kerne aus verschieden harten Schäumen direkt in der Form aufgebracht wird. Die Schäume wie Styrodur übernehmen beispielsweise die Krafteinleitung der Aufhängung oder der Kle-bestelle zum Rumpfrohr in das Bauteil. Das Seitenleitwerk ist profiliert und muss noch am Rumpfrohr angebracht werden. Hierfür ist das Rumpfrohr bereits dem Profil entsprechend ausgefräst und erleichtert die winkelgerechte Aufnahme. Das Höhenleitwerk ist als Pendelleitwerk ausgeführt und ebenfalls mit einem Drela-Profil versehen. Es wird auf einem CFK-Pylon, der gleichzeitig Ruderachse und Anlenkung ist, verschraubt und ist somit äußerst transportfreundlich, da leicht abnehmbar. Im Kleinteilesatz sind Kunststoffrohre und CFK-Schubstangen zur Anlenkung der Leitwerksruder beigelegt. Mehr aus Gewohnheit und auch, da eine Seilanlenkung in jedem Fall gewichtsmäßig leichter hinzubekommen ist, bin ich hier auf das Gewohnte zurückgekommen und habe die Leitwerke mit Seilanlenkungen und die Ruder mit Torsionsfedern als Gegenzug ausgestattet. Am Höhenleitwerk habe ich eine abgewandelte Version einer Torsionsfeder eingesetzt. Dazu muss der Pylon an einer Stelle durchbohrt werden, damit der 0,5 mm Stahldraht sicher eingesetzt werden kann, das freie Ende drückt gegen die Profilunterseite und drückt das Leitwerk auf Höhenruderposition. Mit dem Seilzug wird dann Tiefenruder erzeugt.

     Die Einstellung des Höhenruders und somit auch der Einstellwinkeldifferenz (EWD) erfolgte gemäß den Angaben im Beiblatt zum „Blaster 2“. Mit dem Einbau der Rumpfservos und der Verbindung der Flächen-servos an den Empfänger geht der Ausbau dem Ende zu. Nachdem im Vorfeld der Schwerpunkt mit der Position von Empfänger, Servos und Empfängerakku bereits eingestellt wurde, sind für den Erstflug lediglich drei Gramm Sicherheitsblei in der Rumpfspitze befestigt worden. Im Laufe der ersten Flüge wurde dieses jedoch wieder entfernt, da die Herstellerangabe für mein Empfinden sehr gut passt. Somit konnte ein Abfluggewicht von unter 300 g erreicht werden. Das ist bei der Größe des „Blaster 2“ sicherlich noch ein sehr guter Bereich.

     Nach den ersten SAL-Starts zeigte sich für mein Empfinden eine sehr starke Tendenz zum Aufbäumen, die mit viel negativen Klappen und Tiefenruder im Steigflug zwar mehr oder weniger zu kompensieren war, für mich aber keine Lösung darstellt, da man bei etwas mehr Wind Probleme bekommen kann. Ich vermutete einfach zuviel EWD und wurde beim Nachmessen zu Hause bestätigt: 2,5° EWD sind für einen DLG einfach zu viel. Dies wurde dann durch das Pendelhöhenleitwerk schnell verändert und jetzt sind im Normalflug 1° EWD eingestellt. Im Steigflug sind es mit der Schwerpunktlage von 80 mm etwas über Null Grad und somit ist für meine Gewohnheit alles passend und die erzielbaren Höhen sind sehr gut.

     In Normalflugstellung gleitet der „Blaster 2“ eher wie ein großes F3J-Modell, ähnlich der „Supra“ (vgl. AUFWIND 6/2006) aus dem gleichen Hause. In Thermikstellung, das heißt positiv verwölbt, gleicht er einem Drachen, nimmt die geringste Thermik bereitwillig an und setzt sie gut in Höhengewinn um. Die Querruder sind für diesen Zweck sehr stark diffe-renziert und das Flugverhalten ist sehr harmonisch. In Strecken- bzw. Startstellung ist diese Differenzierung reduziert, die Reaktion um die Längsachse sehr agil und es macht Spaß, Rollen aller Art mit dem „Blaster 2“ bei flotterer Gangweise zum Höhenabbau zu fliegen.

     Resümierend darf festgestellt werden, dass der „Blaster 2“ ein durchaus wettbewerbsfähiges DLG-Modell ist, das speziell in ruhiger Luft seine Stärken hat. Der Umbau der Querruderanlenkung ist aus meiner Sicht sehr empfehlenswert und sichert auch für kräftige Werfer einen flatterfreien Start. Man erhält ein konkurrenzlos günstiges Modell für einen problemlosen Einstieg in die Klasse der F3K-Wett-bewerbsmodelle. Und wenn man dann genügend F3K-Blut geleckt hat, ist der „Blaster 2“ auch für den erfolgreichen Wettbewerbseinstieg mehr als geeignet.

Alexander Wunschheim


Mit Schmackes in die Thermik!


abildDer „Blaster 2“ ist ein wettbewerbsfähiges DLG-Modell, das speziell in ruhiger Luft seine Stärken hat.


bild
In flotterer Gangart ist das Modell sehr agil und es macht Spaß Rollen aller Art zu fliegen.


Die gelieferten GFK-Teile sind von sauberer Machart und sind sinnvoll verstärkt.



Auch die Kleinteile sind von hervorragender Qualität.



Der Rumpf ist im Gegensatz zum Vorgänger jetzt mit einem Abziehkonus ausgestattet.


Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist der am Flügel mitlaminierte Wurfblade.

a
Zwei „D-47“- und zwei „D-60“-Servos sowie ein kleiner Empfänger mit entsprechendem Empfängerakku werden in das einlaminierte Holzbrett gesetzt.



Kreuzbrav lässt sich der „Blaster 2“ anfliegen...

 


...und nicht minder brav direkt in die Hand landen.



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 5/2008

Das komplette Inhaltsverzeichnis 5/2008
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

© AUFWIND 2008