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Die Piloten der
manntragenden Segelflugzunft nennen sie liebevoll kleiner Renner,
die DG-800. Sie ist im Grunde ausgelegt als motorisiertes
Segelflugzeug der 18-m-Klasse. Erst nach dem Motorsegler kam die reine
Segelflugversion auf den Markt. Der Rumpf war wesentlich schlanker,
abgeleitet aus einem DG-600-Rumpf.
Wie bei der Motorvariante gab es den Segler natürlich mit Flügelteilung.
So konnte man ohne die Flügelansatzstücke an Rennklasse-Wettbewerben
teilnehmen. Die bei der Segelflugvariante verwendeten Winglets bekamen
eine neue Geometrie, eine neue Profilierung und andere Einstellwinkel
und waren somit wichtiger Bestandteil in der Gesamtoptimierung des Tragflügels.
Flugtechnisch weisen etliche Wettbewerbserfolge die DG-800S
als harten Konkurrenten zur ASW-27 oder zum Ventus-2
aus. Sie war sowohl bei europäischen als auch internationalen Wettbewerben
immer ganz vorn zu finden. Agilität und Steigvermögen in der
Thermik, insbesondere mit den größeren Außenflügeln,
überzeugten die Piloten. Die DG-800S ist zudem enorm
wendig, ruderfolgsam und mit nur geringen Ruderkräften leicht zu
steuern. Der große Tragflächeninhalt und die dadurch geringe
Flächenbelastung machen den Segler auch für den Vereinseinsatz
beliebt. Gut gelöst ist das Problem der Klappenstellung im Landeanflug:
Zieht man die Bremsklappen, gehen die Wölbklappen in jedem Fall
in den positiven Bereich mit. Damit hat die DG-800S eine
deutlich niedrigere Mindestfahrt als ein Standardflugzeug.
Dass solch ein überzeugender Segler auch in der Modellflugszene
schnell Begeisterung finden würde, war vielen Herstellern bewusst.
Auch die tschechische Firma S2G, die bereits mit vielen anderen Scale-Segelflugmodellen
am Markt ist, brachte zeitnah den kleinen Renner ins Programm. Angeboten
wird das Modell mit beiden Flügelvarianten. So bleibt
es dem Piloten überlassen, ob er die 3,75-m- oder 4,5-m-Spannweite
für sich nutzen möchte. Mit den großen Außenflügeln
läuft das Modell in der Thermik sicherlich wesentlich besser, mit
den kleinen Flügeln kann man dafür am Hang auch mal richtig
Gas geben.
Als der nette Herr vom Paketdienst den riesigen Karton durch die Haustür
schiebt, wird es förmlich dunkel im Hausflur. Irgendwie verspüre
ich ein Gefühl, als würden Geburtstag und Weihnachten auf
einen Tag fallen. Gespannt öffne ich das Paket. In reichlich Folie
staffiert sind alle Einzelteile sauber verpackt: Da ist der weiß
eingefärbte GFK-Rumpf, zwei bereits mit Oracover bebügelte
Tragflächen, zwei Winglets für die 3,75-m-Version, zwei zusätzliche
Außenflügel und passende Winglets, um die 4,5 m zu erreichen.
Höhenleitwerk, Seitenleitwerk, Kleinteile, Kabinenrahmen mit Haube
und eine sehr ausführlich bebilderte Bauanleitung runden den Lieferumfang
ab. Wer nun allerdings glaubt, es handele sich hierbei um einen Schnellbaukasten
oder ein ARF-Modell, der täuscht sich. Der erste Eindruck verdeutlicht,
dass hier noch einige Stunden in der Werkstatt notwendig sind, um die
DG erstmals in die Luft zu bringen.
Beim Rumpf weiß man nicht so recht, wo man beginnen soll. Am besten
fängt man mit dem Einbau der Flächensteckung an: Sie besteht
aus einem langen Flächenstahl in Form eines Rohres und einer GFK-Hülse.
Die Hülse ist auf die entsprechende Länge zu kürzen und
in die Bohrung im Rumpf einzukleben. Wenn man beim ersten Schritt mit
wenig Klebstoff lediglich fixiert, bleibt die Möglichkeit für
spätere Korrekturen. Nun heißt es Platz schaffen und die
Tragflächen an den Rumpf stecken. Die Profilübergänge
passen gut, doch bei der rechten Fläche entsteht im Bereich der
Nasenleiste ein Spalt von knapp 2 mm. Die linke Fläche dagegen
passt saugend. Wo liegt der Grund? Das Problem ist schnell gefunden:
Wie das Maßband zeigt, ist der Abstand zwischen Seitenleitwerk
und rechter Tragfläche unterschiedlich zum Abstand zur linken Fläche.
Die Flächenstahlaufnahme im Flügel sitzt also nicht hundertprozentig
gerade. Dies zu ändern ist eigentlich unmöglich und macht
auch nicht wirklich Sinn. Ob es Auswirkungen auf das Flugverhalten hat,
wird sich zeigen. Den Spalt kann man natürlich mit Balsa oder Harz
auffüttern muss aber nicht sein. Da der Hersteller keinen
Vorschlag für die Sicherung der Tragflächen am Rumpf vorgibt,
fällt die Entscheidung auf zwei Ösenschrauben in den Wurzelrippen,
die während des Fluges mit einem Kabelbinder verbunden sind. Zieht
man diesen Kabelbinder entsprechend fest an, verformt sich der Rumpf
leicht und von dem 2-mm-Spalt ist kaum noch was zu sehen.
Als Nächstes geht es an das Seitenleitwerk. Die Seitenleitwerksflosse
ist recht weich. Es schadet hier nicht, Verstärkungen einzuarbeiten,
wie etwa einen senkrecht stehenden Holm oder auch eine Art GFK-Löffel,
der unten bis in den Rumpf läuft. Diese Art der Verstärkung
verhindert ein Verdrehen des Leitwerks. Auch die Abschlussleiste, in
die man das Höhenruderservo und die Seitenruderstützen einbaut,
muss sehr sorgfältig eingeharzt werden. Der Rumpf ist an dieser
Stelle so weich, dass hier schnell ein Verzug entstehen kann, der sich
dann wiederum auf den einwandfreien Sitz des T-Leitwerkes auswirkt.
Durch mehrere Trockenübungen ohne Klebstoff ist die exakte Position
zu ermitteln. Mit den beiliegenden Drahtseilen entsteht eine spielfreie
Seitenruderanlenkung. Spanten für den Servoeinbau liegen bei.

Saubere Teile im Lieferumfang. Es bleibt dennoch einiges an Arbeit,
bis der Großsegler zum Fliegen kommt

Das Fahrwerk ist nicht vorgesehen, bietet aber Vorteile für
die F-Schlepp-Starts und die Landungen in der Ebene
Die Befestigung des Höhenleitwerkes
ist nicht kompliziert. Die Löcher sind nach den Maßen der
Baubilder zu bohren und entsprechende Einschlagmuttern sorgen für
ausreichenden Halt der beiden Befestigungsschrauben. Das Höhenruderservo,
ein HS-85MG von Hitec passt sauber in die Seitenruderstütze.
Die Anlenkung läuft dann verdeckt.
Beim nächsten Arbeitsschritt hätte ich mir einen höheren
Vorfertigungsgrad gewünscht. Der Kabinenrahmen aus GFK ist sehr
stabil und in einer Form hergestellt. Leider passt die Form nicht zum
Rumpf. Weder in der Länge noch in der Breite noch innen, noch außen.
Hier ist an allen Punkten mühevolles Abschleifen erforderlich.
Das wirft einen zeitlich weit nach hinten. Und so richtig saugend bekommt
man es dennoch nicht hin. Nach rund drei Stunden war bei mir der persönliche
Toleranzbereich erreicht. Jetzt noch die stabile Haube zuschneiden und
aufkleben, den Kabinenverschluss rein fertig. Ein Cockpitausbau
ist ursprünglich nicht vorgesehen. Aber mal ehrlich: Ein solch
super Modell ohne passendes Cockpit? Nein! Nun müsen also ein Instrumentenpilz
gebaut nach Originalskizzen aus dem Internet und eine
Sitzwanne das Modell aufwerten.
Wo wir schon mal bei den Originalzeichnungen im Netz sind, vergleichen
wir doch gleich mal die Maßstabstreue. Na, das hätten wir
besser nicht angefangen: Alle Maßstäbe passen zwar, nur sind
diese bei den einzelnen Komponenten jeweils unterschiedlich. Der Rumpf
ist zu klein, die Flächen zu groß, das Höhenleitwerk
noch größer. Auffallen wird es allerdings nur den Punktrichtern
bei Scale-Meisterschaften.

Das HS-85-Servo passt sauber in die Seitenleitwerksflosse.
So verschwindet die Höhenruderanlenkung komplett zwischen Seitenleitwerk
und -ruder

Mit zwei Kunststoffschrauben wird das Höhenleitwerk montiert.
Eine sinnvolle Sollbruchstelle
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Der Instrumentenpilz
ist nach Originalplänen nachempfunden und wertet das Erscheinungsbild
des schönen Modells deutlich auf

Für den F-Schlepp wurde
eine Schleppkupplung in die Rumpfspitze gebaut
Die
Tragflächen machen zum Glück erheblich weniger Arbeit. Die
Gesamtqualität geht in Ordnung, auch wenn hier und da die Nasenleiste
vielleicht etwas exakter verschliffen sein könnte. Im Übrigen
besteht die Aufnahme für das Flächenrohr aus Kunststoff.
Nicht irgendein Kunststoff, nein es scheint wirklich PE-Rohr zu sein,
wie es die Elektriker als Kabelführung auf dem Bau verwenden.
Das sieht man selten, aber es hält einwandfrei. Die doppelstöckigen
Störklappen sind werksseitig montiert und nur noch anzulenken.
Die Wölbklappen und Querruder liegen jedoch außerhalb meines
persönlichen Toleranzbereiches was die Maßgenauigkeit betrifft.
Der Abstand Ruder/Rumpf, Ruder/Ruder und Ruder/Winglet ist mir zu
groß. Eine Maximalwertmessung ging knapp an die 4 mm heran.
Das heißt also, die Folie vorsichtig auftrennen, mit Balsa auffüttern
und wieder überbügeln. Das hört sich komplizierter
an, als es wirklich ist. Als nächstes gilt es eine nicht unwesentliche
Entscheidung zu treffen: Wird die Fläche in der Länge variabel
oder nicht? Da der Haupteinsatzzweck ausschließlich in der Ebene
liegt, sich also rein auf Thermik konzentriert, wird es ein starrer
langer Flügel. Den Aufwand, die Winglets so aufzuarbeiten, dass
sie gut steckbar und schnell zu befestigen sind, bleibt mir so erspart.
Allerdings ist das eine persönliche Entscheidung. Die Steckung
des Außenflügels ist werksseitig so exakt gefertigt, dass
es kein großes Problem wäre, hier dauerhaft beide Varianten
nutzen zu können. Die Querruder der Außenflügel sind
über einen kleinen Stift vom Hauptquerruder mitgeführt.
Die Passung ist genial, die Funktion einwandfrei. Jetzt noch verkabeln,
Servos einschrumpfen, einharzen und Ruder anlenken fertig!
Na ja, letzteres dauert natürlich auch sein Zeit, ist aber bei
fast allen Modellen vergleichbar. Die mitgelieferten Plastik-Ruderhörner
muss man mögen, wesentlich stabilere Messingvarianten wären
hier sinnvoller.
Sind alle Montagearbeiten abgeschlossen, gilt es die Schwerpunktlage
laut Plan einzustellen. Mit lediglich 150 g Blei und vier 2400er-Akkuzellen
ist der Schwerpunkt von 95 mm hinter der Nasenleiste schnell erreicht.
Im Ganzen ergibt sich ein Fluggewicht von knapp 5 kg.
Einige Erstflugtermine sind wegen des verregneten Frühjahrs förmlich
ins Wasser gefallen. Sämtliche Ruderwege immer wieder kontrolliert,
die Akkus mehr als formiert. Irgendwie muss das neue Modell aber nun
langsam mal in die Luft. So sollte die DG-800S als Sahnestückchen
an Pfingsten mit auf die Wasserkuppe kommen. Die Vereinsfahrt ist
zwar ein schöner Termin um einen Erstflug durchzuführen,
dennoch ist das Risiko an so belebten Hängen nicht gering. Man
wird zu leicht abgelenkt und steigert seine Nervosität durch
den Gedanken eines möglichen Zusammenstoßes in der Luft.
Doch auch der Sommer will diesmal nicht so recht zeigen, was in ihm
steckt. Ein kalter Nordwest-Wind zieht über die Abtsroder Kuppe.
Durch die eher schlechten Notlandemöglichkeiten ist dies kein
perfekter Hang für einen Erstflug. Dennoch treibt mich der innere
Wille an. Alle Ruder sind nochmals gecheckt, es sind kaum andere Modelle
in der Luft, die Bahn ist frei. Jetzt schiebt der Starthelfer nach
einem kurzen lauten Start! die neue DG-800S
kraftvoll über die Kante. Sie fliegt! Und wie sie fliegt! Majestätisch
zieht sie die erste Runde, weiträumig und flach wie auf einem
Teller. Von links gehts an der Kante vorbei. Der Aufwind wird
konsequent in Höhengewinn umgesetzt. Jetzt heißt es rausgehen
und weiter Höhe aufbauen. Die Wölbklappen sind dabei leicht
positiv gesetzt. Das Seitenruder auf Anschlag, ein Kreis folgt dem
anderen. Einfach genial! Mit reichlich Überhöhung dann leicht
Anstechen und die Ruder loslassen. Die Form des weichen Abfangbogens
bestätigt die richtige Lage des Schwerpunktes. Gedanklich wiege
ich mich in Sicherheit, scheint doch alles auf Anhieb zu passen. Jeder
weiß sofort: Hier sind Profis am Werk. Na ja, fast. Wenn da
nicht die Landung wäre. Den Lee-Bereich vollkommen überschätzt,
die Geschwindigkeit zu langsam und dann auch noch die Störklappen
voll durchgezogen schlechter kann man eine Landung nicht machen.
Recht hart ist der erste Kontakt im hohen Gras, zu hart für die
Höhenleitwerksschrauben, die sofort nachgeben. Alles andere bleibt
heil. Das mit den Profis beschränkt sich damit wieder auf den
Hersteller und den Starthelfer. Der Pilot muss wohl noch mal durch
die Anfängerschule.
Die gebrochenen Schrauben sind ersetzt, die Nervosität in erträglichen
Grenzen gehalten der zweite Flug kann kommen. Wieder raus und
Landen üben. Doch erst einmal ausgiebig fliegen. Das Modell liegt
auch bei etwas böigem Wind ruhig in der Luft, lässt sich
ohne Verwölbung recht flott machen. Sind die Wölklappen
gesetzt, nimmt es Aufwindfelder konsequent mit, kreist sehr langsam
und lässt sich durch die hohe Wendigkeit auch auf engstem Raum
bewegen. Nimmt man das Modell mal richtig ran, biegen sich die Flächen
schon gut durch. Sie halten sicherlich nicht das aus, was man einer
Voll-GFK-Maschine vielleicht zutraut, aber man muss es ja auch nicht
auf die Spitze treiben. Quält man das Modell nicht mit Kunstflugfiguren,
hält die DG-800S allen normalen Belastungen in der
Luft stand.
Die Arbeit hat sich gelohnt! Wer bereit ist, ein paar Stunden in der
Werkstatt zu verbringen, der kann einen fantastischen Großsegler
in die Luft bringen für gut 500,- Euro. Die Flugleistungen
sind begeisternd, besonders in der Thermik fühlt sich der Segler
richtig wohl. Ein ausgewogenes Steuerungsverhalten gibt auch dem Einsteiger
in diese Größenklasse die Möglichkeit, sich sowohl
im F-Schlepp aber auch am Hang auszutoben. Sicherlich sind manche
der tschechischen Detaillösungen so außergewöhnlich
wie das Preis-/Leistungsverhältnis. Doch genau diese Faktoren
machen das Hobby rund um die großen Pötte oder
den kleinen Renner für viele Modellflieger erschwinglich.
Klaus Löcker
Ausreichend Platz im großen
Rumpf. Da bietet sich auch ein Scale-Ausbau an. Das S2G-Modell ist
eine dankbare Basis dafür
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