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Ist es nicht
schön, wenn man Freunde hat? Die an der gut angeströmten Hangkante
bereits auf einen warten. Mit nichts, als dem frischen Wind um die Nase.
Schweigend...
Schweigend? Dass ich nicht lache! Kaum oben angekommen, das neue
Modell nicht einmal ausgepackt, geht die übliche Grundsatzdiskussion
los: Zeig mal her, was haste denn heute mit? Vier Klappen oder sechs?
Wie lang und wie tief? Maximaler Ausschlag? Wie viel Differenzierung?
Zum Landen die Klappen runter? Oder hoch? Oder beides? Nein, ich halte
es nicht mehr aus! Denn bis die Fragen alle beantwortet sind, dreht
der Wind um 180 Grad.
Endlich gibt es einen Weg, um alle notorischen "Klappenfetischisten"
zu ärgern: mit dem "Dread" von Decker-Planes. Wie, noch
nie gehört? Doch, haben Sie! Dahinter steckt Andreas Decker, der
seit etlichen Jahren Händler wie den Himmlischen Höllein oder
PAF mit exzellenten Laser- bzw. CNC-Bausätzen beliefert. Und jetzt
der "Dread". Ich gebe es ja zu, als ich den Namen das erste
Mal hörte, konnte ich einen mittelschweren Kopfschüttler nicht
unterdrücken. "Dread" heißt nämlich "sich
fürchten". Die Frage ist nur, meint Andreas Decker damit den
Piloten oder das Modell? Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten,
aber im Verlauf des Testes werden wir die Frage ziemlich sicher klären.
Hoppla, einen Schritt zurück! Der "Dread" ärgert
deshalb die "ich kann nicht ohne sechs Klappenflügel an den
Hang"-Fraktion, weil er keine Ruderklappen am Flügel hat!
Nicht eine einzige. Trotzdem ist er um alle drei Achsen gesteuert! Lediglich
für Seite und Höhe hat das Modell Ruderklappen am V-Leitwerk.
Der "Dread" ist ein so genannter Flächenverwinder. Noch
nie gehört? Sie Glücklicher! Dann kennen Sie die "Wilden
Sechziger" nicht persönlich, sondern nur von der "Flower
Power"-CD. Mensch, bin ich neidisch! Also aufgepasst, das ist jetzt
für Sie: Stellen Sie sich vor, Sie schleppen heimlich eine Ihrer
Lieblingstragflächen aus dem Keller, legen sie auf den Küchentisch
- und sägen sie genau in der Mitte so einfach wie herzlos durch.
Mitten rein kleben Sie in jede der zwei Hälften ein Rohr, verbunden
durch einen fetten Stahlstab. Nun noch zusammenstecken und die Flächenhälften
an dieser Achse gegeneinander verdrehen fertig ist der Flächenverwinder!
Okay, Ihre Lieblingstragfläche fliegt nach diesem minimalinvasiven
Eingriff nur noch in die Mülltonne. Wie gern bringen wir nicht
Opfer für die Wissenschaft...
Alles verstanden? Dann genug der Theorie, hin zum Bau des "Dread".
Viele Modellflieger haben heute einen unerklärlichen Horror vor
Bausätzen. Verständlich, wenn ich an die teilweise übelst
gestanzten "Werkstoffpackungen" der letzten drei Dekaden denke.
Aber bei Andreas Decker ist alles anders, nämlich aufs Zehntel
gelasert. Ganz unter uns: besser geht nicht! Salopp auf den Punkt gebracht,
stecken sie den Flieger wie ein Puzzle zusammen, lassen es dann Sekundenkleber
regnen und schon klebt alles am Tisch. Ganz so locker geht es
natürlich nicht. Aber wenn Sie die feinen Rippchen auf den stabilen
Kohleholm auffädeln, die Endleiste ablängen und anpassen,
dann alles ausrichten und kleben ist es tatsächlich komplett. Ein
etwa zwei Finger breites Mittelstück der Tragfläche bleibt
starr am Rumpf fixiert. Das ist nebenbei der Grund, warum unser Experiment
mit der zersägten Fläche auf dem Küchentisch niemals
funktioniert hätte! Unter diesem festen Mittelteil werkelt ein
zugkräftiges Servo von Hitec, ein "HS-85MG". Das ist
stark genug, um beide Tragflächenhälften sicher auf und ab
zu verdrehen. Kleine Stahlhebelchen, die bis hinter die Nasenleisten
reichen, leiten die Kraft vom Servo in die Tragflächen ein. Das
bringt uns nun zum Rumpf. Der ist ganz klassisch aus Balsa und Sperrholz
aufgebaut. Knapp zwei Stündchen auf dem Baubrett, das wars.
Wenn Sie mit dem Rohbau des "Dread" länger als zwölf
Stunden im Keller zubringen, dann sollten Sie intensiv über einen
Hobbywechsel nachdenken. Briefmarkensammeln bei offenem Fenster soll
sehr entspannend sein...
Weiter mit dem RC-Einbau: Vor dem zentralen Servo für die Flächensteuerung
sitzen zwei weitere für Höhen und Seitenruder. 9-g-Servos
reichen kräftemäßig aus. Davor parken wir einen Vierkanalempfänger
und den Akku, einen simplen Vierzeller in Würfelform. Zum Beispiel
die 650er-"KAN"-Zelle oder der etwas größere "Twicell".
Kosten beide nicht die Welt. Und beim moderaten Stromverbrauch der drei
Servos bleiben Sie damit sowieso stundenlang in der Luft. Ach ja, da
der Segler keine Wahnsinns-Programmierungen erfordert ein Mischer
fürs V-Leitwerk reicht tut es durchaus eine günstige
Einsteigerfunke.
So, endlich geht es in die Luft. Flott den "Dread" ins Auto
(ab "Smart for two" aufwärts) und ab an die Hangkante.
Kommen Sie gar nicht erst auf die Idee, es mit dem "Dread"
in der Ebene zu probieren, Seil oder Flitsche oder so wenn überhaupt,
dann höchstens für die ersten Trimmflüge und dem groben
Check der EWD. Wenn auch mit Rippen, ist und bleibt der "Dread"
eine pure Hangfräse, und nur da bringt er das, was wir alle immer
wieder suchen: Flugspaß ohne Ende!
Fakten
"Dread"
Gelasertes Holzmodell
Spannweite: 1.570 mm
Länge: 960 mm
Profil: HN-20925 mod.
Profildicke: 9,5 Prozent
Gewicht: ca. 500 g
Preis: 79,- Euro
Bezug bei Andreas Decker,
Tel. 02293/3671 (ab 18 Uhr),
www.decker-planes.de
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Mit nur wenig Ausschlag geht der "Dread" schon rasant
um die Ecken

Der "Dread" ist eine agile Hangfräse, fliegt sich
aber auch wie ein normaler Hangsegler
Letzte Kontrolle
der Ruder, stimmen die Richtungen? Ich kann nicht behaupten, dass
ich mich da noch nie vertan hätte. Der Gesichtsausdruck bei
so einem Fehler ist jedenfalls immer ziemlich einmalig der
Flug übrigens auch! Dann aber ein beherzter Griff an die Rumpfkeule
und raus mit dem Teil. Siehe da, der "Dread" fliegt. Und
wie! Und flott, Donnerwetter! Obwohl das vom Profilpapst Norbert
Habe eigens für den "Dread" entwickelte Profil auf
den ersten Blick relativ dick aussieht (...fette 9,5 Prozent), marschiert
der gut 500 g schwere Hangsegler damit ganz schön los. Nichts
für zarte Naturen, die instinktiv immer wieder am Höhenruder
ziehen. Der "Dread" will laufen. Wer ihn wie einen HLG
aushungert und schleichen lässt, wird mit krassem Spaßentzug
und unter Umständen folgender Brettlägrigkeit bestraft.
So, fragen Sie jetzt, und was soll das ganze Getue mit der Flächenverwindung?
Nun, das müssen Sie einfach mal selbst erfliegen. Mit nur ein
paar Millimetern Ausschlag geht der "Dread" um die Ecken,
das glauben Sie nicht. Und das, ohne böse Fahrt einzubüßen.
Okay, für einen vorderen Platz bei einem F3F-Wettbewerb an
der stürmischen Ostseeküste langt es natürlich nicht.
Aber Sie fahren ja auch nicht mit einem Dreizylinder-Kleinwagen
bei der Formel 1 mit oder?
Zurück an die Hangkante: Der "Dread" geht wirklich
wie am Schnürchen durch die Rollen und fliegt auf dem Rücken,
als wäre das seine normale Fluglage. Entzückend! Aber
er will geflogen werden, und scheidet daher als Modell für
Einsteiger definitiv aus. Obendrein ist der Kreisflug nur mit der
Flächenverwindung nicht wirklich schön. Erst mit dem Seitenruder
dabei wird es eine runde Sache.
So weit die Pflicht, und nun zur Kür! Der "Dread"
kann etwas, was sonst keiner kann. Probieren Sie es selbst, aber
bitte erst in ordentlicher Sicherheitshöhe: Sie ziehen voll
Höhe, geben voll Seite und verwinden die Tragfläche in
die entgegengesetzte Richtung. Natürlich mit richtig gepfeffertem
Ausschlag! Sofort beginnt dieser ungewöhnliche Hangflieger,
ganz langsam um sich selbst zu rotieren. Dabei sinkt er in weniger
als Schrittgeschwindig-keit senkrecht nach unten ab, und legt sich
schließlich weich vor unseren Füßen ins Gras. Cool,
oder? Wenn Sie das erst einmal raus haben, sind Sie am Hang der
ungekrönte König der Kante! Glauben Sie nicht? Na ja,
fotografieren lässt sich das nicht gut, aber auf der Website
von Andreas Decker (www.decker-planes.de)
gibt es ein schönes Video dazu.
Der "Dread" ist eine agile Hangfräse, mit geringem
Bauaufwand und das zu einem mehr als akzeptablen Preis. Wenn der
Pilot will, fliegt sich das Modell wie ein normaler Hangsegler.
Wenn Sie mehr Spaß wollen, und sich gern ins Fäustchen
lachen, wenn allen anderen Piloten der Mund vor Staunen offen stehen
bleibt, dann turnen Sie die Höhe halt erst ab und landen dann
in der "Autorotation". Ist er jetzt zum Fürchten,
der "Dread"? Auf jeden Fall, denn wenn Sie diesen Abstieg
erst einmal voll drauf haben, fürchten sich Ihre Freunde an
der Kante vor Ihren Flugkünsten. Ganz ehrlich, wollten Sie
das nicht schon immer?

Das Servo für die Flächensteuerung wird aufrecht am Hauptspant
eingebaut
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