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Nach dem "Champion"
und dem "Eagle" folgte nun mit dem "Evolution" das
erste serienmäßige F3B-Modell mit RDS-Anlenkung aus der Ideenschmiede
des erfahrenen F3B-Piloten Günther Aichholzer. Gebaut wird der
"Evolution" von Jirí Tuma in Tschechien, aus dessen
Werkstatt schon lange erfolgreiche und bewährte GFK- und CFK-Wettbewerbsmodelle
stammen.
Viele Piloten kennen die Situation: Man will ein neues Modell entwerfen,
das leistungsmäßig alle bisherigen übertrifft. Aber
wie macht man das? Was kann eigentlich noch verbessert werden? Es sind
die Kleinigkeiten, die es herauszuarbeiten, technische Details, die
es zu verfeinern gilt. Im Falle des "Evolution" ist hier die
RDS-Anlenkung (Rotary Driver System) gemeint, die von kleineren F3B-Teams
schon seit geraumer Zeit verwendet wird. Ich gehe davon aus, dass diese
Torsionsanlenkung in Zukunft noch mehr Anhänger finden dürfte,
da die Tragflächenaerodynamik wegen fehlender Hutzen und Abdeckungen
für die Ruderanlenkung störungsfrei bleibt. Zudem verhält
sich das Modell mit einer RDS-Anlenkung selbst bei hohen Re-Zahlen relativ
leise. Den Leistungsgewinn, der etwa im unteren einstelligen Prozentbereich
liegt, gibt es gratis dazu. Allerdings erfordert der Einbau dieser Anlenkung
einen wesentlich höheren Zeitaufwand, da alle Komponenten sehr
genau eingepasst werden müssen.
Doch nun zu den Details der neuesten Modellkreation aus dem Hause Aichholzer:
Die Seitenleitwerksfläche wurde im Vergleich zum "Champion"
wesentlich verkleinert, was den Widerstand minimiert. Das Höhenleitwerk
wurde gerade noch so groß bemessen, dass es mit dem verwendeten
Profil "SD-8025" tadellos funktioniert. Angelenkt wird das
Pendelhöhenruder mit einem Kohlestab über einen Umlenkhebel.
Dieser ist sinnvoller Weise so eingebaut, dass beim Höhenruderausschlag
nach oben der Kohlestab auf Zug belastet wird. Gerade bei knackigen
F3B-Windenstarts kann dies ein entscheidender Sicherheitsaspekt sein.
Der Rumpf besteht bis auf die Seitenleitwerksflosse oberhalb der Höhenleitwerkssteckung
hier wird GFK verbaut fast komplett aus CFK. Eine Gewichtsreduzierung
wird durch den Einsatz von Rohacell als Stützstoff in den Tragflächen
erreicht. Die Profilwölbung beim "Evolution" beträgt
nur noch 1,5 Prozent und die Profildicke liegt zwischen 8 und 8,5 Prozent.
Das Leergewicht beträgt im Lieferumfang 1.650 g.
Aktuelle F3B-Wettbewerbsmodelle werden verstärkt auf sehr gute
Schnellflugeigenschaften hin ausgelegt. Dies war auch das vorrangige
Ziel von Günther Aichholzer. Beim Zeitflug hilft dann der liebe
Gott, oder die positive Verwölbung des Profils oder auch
beides zum Obenbleiben. Berechnet hat das Tragflächenprofil
Max Steidle, der schon dem "Crossfire" vor zwei Jahren zu
ordentlich Speed verholfen hatte. Bei der Betrachtung der Tragflächengrundrisse
einiger aktueller F3B-
Modelle fällt auf, dass sich diese immer mehr angleichen. So unterscheiden
sich zum Beispiel die Grundrisse vom "Radical" (Gebr. Herrig/Martin
Weberschock) oder des "Diamant" von Josef Mögn nur unwesentlich
vom aktuellen "Evolution".
Was das Verhältnis von Gewicht zu Festigkeit betrifft, ist der
"Evolution" ziemlich ausgereizt: 2.200 g Abfluggewicht sind
ein sehr guter Wert, zumal die Oberflächen deckend lackiert sind.
Hervorzuheben ist dabei auch die insgesamt sehr steife Struktur des
gesamten Modells. Der Vorfertigungsgrad bewegt sich im F3B-üblichen
Rahmen: Die Anlenkungen für Seiten- und Höhenruder sind eingebaut
und arbeiten präzise und spielfrei. Unter der Abziehhaube kommt
ein geschlossenes Rumpfboot zum Vorschein, in dem die Ausschnitte für
die RC-Komponenten bearbeitet werden. Auf die Verwendung einer Rumpfballastkammer
wurde bewusst verzichtet. Der Vorteil: Der Rumpfquerschnitt kann in
diesem Bereich aerodynamisch klein gehalten werden. Der Nachteil: Man
muss neben der Flügelballastierung (max. 820 g) über den Holmverbinder
Gewicht aufnehmen. Der sitzt jedoch vor dem Schwerpunkt. Das bedeutet,
es werden rund 10-15 g Ausgleichgewicht am Heck benötigt, damit
sich alles wieder im waagerechten Zustand befindet. Das relativ klein
gehaltene Rumpfboot hält nur begrenzt Platz für die RC-Anlage
bereit. Da heißt es genau überlegen, wie man die gesamte
Ausrüstung unterbringt. Der verstellbare Hochstarthaken ist bereits
fix und fertig eingebaut, eingestellt auf 8 mm vor dem Schwerpunkt.
Die Lagerung des CFK-Verbinders für das Pendelhöhenleitwerk
erfolgt in der Seitenflosse in einer Messingbuchse. Das Höhenruderservo
ist ein "DS-3728" von Graupner, für das Seitenruder wurde
ein "S-3150" von Robbe-Futaba eingebaut.
Die Tragflächen sind bis auf den Servoeinbau komplett. Wölbklappen
und Querruder sind als Elastik-Flaps jeweils unten angeschlagen. Auf
der Oberseite sorgen Dichtlippen für den sauberen Übergang.
Die RDS-Anlenkungsteile liegen dem Modell ebenfalls bei. Damit die Wölbklappen
und Querruder leicht laufen und kein Ruderspiel aufweisen, muss das
Einpassen sorgfältig erfolgen: Einbautipps siehe separate Technik-Box.
In den Tragflächen befinden sich herstellerseitig Stützrippen
aus Herex. Diese bewirken eine sehr gute Torsionsfestigkeit. An Servos
wurden an den Wölbklappen "DS-3068" von Graupner und
an den Querrudern wieder "S-3150" eingebaut.
Nach dem Einstellen der Ruderausschläge und des Schwerpunktes (96
mm) der EWDAbstand Höhenleitwerksendkante zu Rumpfunterseite:
77 mm erfolgte der Erstflug aus der Hand. Nach einem weiteren
Handstart mit kurzem Gleitflug ging es an die F3B-Winde zum Hochstart:
Die ersten Starts verliefen problemlos und dienten der Anpassung an
das neue Modell. Nach ein paar weiteren Starts mit einigen kleinen Einstellungsänderungen
zeigte sich, dass der "Evolution" schön Druck am Seil
aufbaut und diesen dann beim "Schuss" gut in Höhe umsetzt.
Das Fahrtaufholen vor dem Einflug in die Speedstrecke ist gut, ebenso
die Mitnahme der Fahrt aus der Wende heraus. Der "Evolution"
liegt in allen Flugmanövern stabil und ist jederzeit beherrschbar.
Korrekturen der Flugbahn sind leicht und präzise. Das Verhältnis
von Rumpflänge zur Spannweite zeigte sich als sehr guter Kompromiss
zwischen Agilität (Wendigkeit) und Flugstabilität.
Beim Speed- und beim Streckenflug bleiben die Wölbklappen im Profilstrak.
Beim Zeitflug in ruhiger Luft werden die Wölbklappen auf +4 mm
verwölbt, bei auffrischendem Wind +2 mm. Der Windenhochstart bei
Gegenwind gelingt mit +14 mm recht gut. Bei Seiten- oder leichtem Rückenwind
genügen zum Ausbrechen bereits +12 mm.
Die Hochstartleistung (Höhe) kann sich ebenfalls sehen lassen:
Das Tragflächenprofil hat auch hier seine Qualitäten. Die
Querruder werden bei der Startstellung immer um 2-3 mm geringer als
die Wölbklappen nach unten verwölbt, sodass der Flügel
geometrisch leicht geschränkt bleibt.

Der Tragflächenanschluss mit CFK-Holmverbinder mit Ballast_kammern
sowie dem Hochstromstecker. Gut erkennbar auch die geringe Profildicke
von 8 Prozent

Die Tragflächengeometrie ist "state of the art": Einfache
V-Form, gerundete Nasenleiste mit am Außenflügel nach vorne
laufender Endleiste

Einige Einzelteile, die dem "Evolution" beiliegen. Links
unten die Anlenkungsteile für die RDS-Anlenkung

Die kleine Anformung an der Seitenleitwerksflosse lässt das Höhenleitwerk
in jeder Stellung aerodynamisch sauber anliegen

Die Butterfly-Stellung mit maximalem Wölbklappenaus-schlag, nur
wenig nach oben gestellten Querrudern und geringer Tiefenruderbeimischung
ermöglicht präzise Landeanflüge
Fakten: F3B-Wettbewerbsmodell
Spannweite: 3.130
mm
Länge: 1.490 mm
Profil: M-1580/M 1585, M 08
Flächeninhalt: 59,58 qdm
Fluggewicht: 2.200 g
mit Ballast: 3.400 g
Ruderausschläge:
Start:
Höhenruder: -8/+7 mm
Querruder: -22/+0 mm
Wölbklappen: -0/+0 mm
Wölbklappenstellung: +12-14 mm
Strecke:
Höhenruder: -10/+9 mm
Querruder: -22/+12 mm
Wölbklappen: -7/+5 mm
Speed:
Höhenruder: -11/+10 mm
Querruder: -22/+15 mm
Wölbklappen: -7/+6 mm
Thermik:
Querruder: -25/+10 mm
Wölbklappen: -0/+0 mm
Höhenruder: -11/+10 mm
Wölbklappenstellung: +2-4 mm
Butterfly:
Querruder: 12 mm
Wölbklappen: +45 mm
Preis: 1.080,- Euro
Bezug bei Günther Aichholzer,
E-Mail:guenther.aichholzer@aon.at,
und Jirí Tuma,
E-Mail: jitom@mbox.vo.cz, www.jitom.com
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Der "Evolution" bei der Wende. Das Modell ist sehr wendig
und die Fahrtminahme ist enorm
RDS-Anlenkung
Um eine glatte, strömungstechnisch optimale Tragflächenoberfläche
ohne herausstehende Rudergestänge an Segelflugmodellen zu erhalten,
wurden schon viele Detaillösungen gefunden und realisiert.
Die RDS-Anlenkung ist eine innovative Möglichkeit, die sich
inzwischen bei einigen F3B-Wettbewerbsmodellen bewährt hat.
Hier eine Bilddokumentation über den Einbau:



Der erste Arbeitsschritt ist das Abformen des Servo-Antriebszahnrades.
Mit Flüssigtrennwachs den Abtrieb zwei bis drei Mal behandeln,
dazwi-schen abtrocknen lassen. Das Epoxiharz (UHU-Plus Endfest 300)
auf beiden Seiten auftragen und das Aluteil mit Drehbewegung aufsetzen.
Anschließend die Madenschraube anziehen und mindestens zwölf
Stunden aushärten lassen.

Zum Trennen wird das Aluteil in einen Schraubstock gespannt und
mit einem Gabelschlüssel das Servo vorsichtig weggehebelt.
Nach dem Reinigen des Servoabtriebs das Aluteil nur mit Teflonfett
wieder montieren. Sollte das Abformen nicht genau erfolgt sein,
das Aluteil mit einem 6-mm-Bohrer wieder ausbohren und nochmals
abformen.


Für die eigentliche Montage wird die Lage der Tasche und
des Stegs auf der Tragflächenunterseite angezeichnet. Die Einheit
so positionieren, dass der Knickdorn in der Mitte der Tasche liegt.
Die Position entsprechend markieren und die Servohalterung einkleben.
Anschließend Loch im Steg bohren und das kurze Messingrohr
fluchtend einkleben. Der Knickdorn wird vor dem Einkleben gut aufgeraut
und entfettet. Wichtig ist, dass der Knick im Stahl mit der Scharnierlinie
fluchtet. Am einfachs-ten geht dies, indem Harz auf den Stahl aufgetragen
und in das Aluteil eingeschoben wird. Anschließend die Anlenkung
sozusagen nass-in-nass montieren. Die Madenschraube im Aluteil muss
oben liegen. Dann Klappe, beziehungsweise Ruder ein paar Mal auf
und ab bewegen und der Stahl zentriert sich. Klappe, beziehungsweise
Ruder fixieren und aushärten lassen. Danach noch einmal demontieren,
Teflonfett auf den Stahl und in die Messingbuchse einbringen.
Fotos: Günther Aichholzer
Der "Evolution"
ist ein Wettbewerbsmodell, das konsequent entsprechend den Anforderungen
der F3B-Wettbewerbsklasse ausgelegt ist. Das heißt, geringes
Gewicht gepaart mit maximaler Steifigkeit und ausgewogenem präzisen
Handling. Beides haben die Konstrukteure erreicht. Allerdings muss
sich der Käufer des "Evolution" bewusst sein, dass
die Robustheit einer Hartschalenbautechnik hier nicht erreicht wird.
Wer also überwiegend am Hang fliegen und landen will, sollte
sich ein dafür ausgelegtes Modell anschaffen. Wer jedoch den
Windenstart bevorzugt und eine einigermaßen gepflegte Landewiese
zur Verfügung hat, wird mit dem "Evolution" sehr
gut zu recht kommen. Die Stärken des "Evolution"
liegen ganz klar im Speed- und Streckenflug. Die Thermikleistungen
sind aufgrund des niedrigen Fluggewichtes ebenfalls mehr als ordentlich.
Die Seitenruderwirksamkeit ist trotz der verkleinerten Fläche
völlig ausreichend.
Der "Evolution" wird zu einem vergleichsweise günstigen
Preis angeboten, sicher ein weiteres Argument für dieses neue
F3B-Modell. Ein Pluspunkt ist auch das im Flug sehr gut sichtbare
Design der Tragflächenunterseite. Insgesamt dürfen Bauqualität
und Verarbeitung als gut bis sehr gut bewertet werden. Für
den Wettbewerbseinsatz ist der "Evolution" ein absolut
konkurrenzfähiges F3B-Modell, was der zweite Platz in der Gesamtwertung
und den zweite Platz in der Speedwertung von Andreas Böhlen
beim Oktoberfestpokal 2007 sowie weitere sehr gute Platzierungen
bei F3B-Wettbewerben eindrucksvoll bestätigen. Dieses neue
Modell kommt meinen Vorstellungen von einem perfekten F3B-Wettbewerbsmodell
sehr nahe.
Gerald
Reischl,
Fotos: Redaktion Großsegler

Der Messingballast für den CFK-Holmverbinder. Links im Bild
die beiden Ausgleichsgewichte für zwei, beziehungsweise vier
Messingteile. Die Ausgleichsgewichte werden einfach innen im Seitenruder
platziert

Der Randbogen mit kleinem Gigaflap am "Evolution" ist
nur leicht nach oben gebogen

Der Zugang zu den RC-Komponenten sowie der Einbau der Servos für
Seiten- und Höhenruder erfolgt beim "Evolution" von
unten. Der Platz ist zwar nicht üppig, jedoch ausreichend
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