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Die Sonne scheint
goldgelb und warm vom Nachmittagshimmel im Mai, als dieses irre Geräusch
ertönt: ein schrilles Kreischen, das nicht so recht in diese ruhige
Atmosphäre passen will. Wenn eine Fliege BSE bekommen könnte,
würde es sich vermutlich ebenso anhören. Es ist aber ein Modellflugzeug:
Der Starthelfer wirft unbeirrt das schreiende Modell in die Luft und
Sekunden später bohrt es sich mit einer atemberaubenden Beschleunigung
in den Himmel. Welch abartige Steigleistung! Was wohl passiert, wenn
so ein Modell horizontal fliegt?
Uelsener Urwald
Es war Freitagnachmittag in Uelsen im Mai 2003. Der erste F5D-Wettbewerb
der Saison sollte am Samstag beginnen. Neben konzentriertem Renntraining
auf dem Pylonkurs wurden Testflüge absolviert. Am Knüppel
stand gerade Martin Schlief. Er spulte querab vom Kurs sein Testprogramm
runter: Rolle, Wende, Geradeausflug, Wende. Ein Knall verriet, dass
irgendetwas schief gelaufen sein musste, das Modell jedenfalls war vom
Himmel verschwunden und irgendwo mitten im Uelsener Urwald heruntergefallen.
Martin hätte es wissen müssen [1]. Wenn man einen Motor in
der Uelsener Heide nicht finden kann, kann man dann wenigstens ein Modell
in dem Urwald wieder finden? Die Antwort lautet: Man kann, sofern man
sich zwei Stunden Zeit nimmt.
Einblick
ins Pilotenlager in Freckenhorst: Die Masse an Technik beeindruckt,
die versteckte Kaffeemaschine sorgt für Normalität. Unter
den Pavillons schrauben und montieren die Piloten ihre Modelle. Die
räumliche Enge sorgt für einen regen Austausch zwischen den
Piloten. Man wird mit seinen Problemen nicht allein gelassen!
Kommen wir zum verlorenen Hund: Als nun zehn Leute zum gegenüber
liegenden Waldstück gingen, um das Modell zu suchen, hielt eine
vorbeifahrende Polizeistreife an und fragte, was wir da im Wald machen
würden. Die Wahrheit hätte uns bestenfalls vorübergehend
Gewahrsam wegen Verdacht auf Drogenkonsum eingebracht, immerhin liegt
Uelsen nah der holländischen Grenze. Daher musste die Notlüge
mit dem verlorenen Hund herhalten und die Streife fuhr daraufhin beruhigt
weiter. Als das Modell endlich entdeckt wurde, war klar, dass Martin
am Samstag ein Problem haben würde. Er griff dann auf den LiftOff
xxs zurück, getreu dem olympischen Motto: Dabei sein ist
alles! Das sollte sich als Glücksgriff erweisen, denn nun waren
mit Oliver Mahr und Martin Schlief zwei LiftOff xxs am Start.
Und diese Rennen hatten es wirklich in sich: Spaß und Spannung
pur! Und wenn die Abstände zwischen beiden zu groß wurden,
sorgten die Winktiere am Spitzpylon dafür, dass beide Modelle spätestens
nach der Wende wieder auf gleicher Höhe waren.
Für das Rennen am Samstag sah die Wetterprognose nicht sonderlich
gut aus, aber in Uelsen hat noch nie eine Wetterprognose sonderlich
gut ausgesehen. Dafür hielt das Wetter, was es nicht versprochen
hatte und abgesehen von ein paar Tropfen zwischendurch, blieb es trocken,
wenn auch die Luft insgesamt sehr thermisch bis böig war. Auf dem
engen Kurs in Uelsen war daher großes Pilotenkönnen gefordert.

Bier her, Bier her!-Rufe über dem Platz in Uelsen:
Die Winker im Spitzpylon machten Randale. Irgendwer hatte die Bierversorgung
vergessen. Der Rest der Menschen muss vor diesen Winktieren
aus dem Uelsener Urwald geschützt werden. Nur dank solcher Kerle
können die Wettbewerbe durchgeführt werden, deswegen ein ganz
großer Dank an alle Helfer!
Die Rennen versprachen Spannung, zumal Markus Wanner mit zehn Zellen
der Sanyo-A-TS 1950 FAUP eine neue Akkuvariante mitbrachte,
die eine Reduktion der Rundenzeiten versprach, sofern der Akku denn
überhaupt der Belastung standhielt: Bemerkenswert war die Beschleunigung
seines Modells innerhalb der ersten zwei bis drei Runden, bis die Zellen
auf Betriebstemperatur waren. Der Rest der Piloten setzte bis auf wenige
Ausnahmen neun Zellen Sanyo-RC-4/5SC ein.

In Freckenhorst wurde
zum ersten Mal das mobile Pylon-Equipment eingesetzt, das Klaus Brettner
mit Unterstützung von Höllein und Simprop entwickelt hat.
Das kann zu jedem Wettbewerb mitgebracht und verliehen werden. Das erleichtert
das Ausrichten von F5D-Pylon-Wettbewerben erheblich
In den ersten Runden konnten sich durch konstant niedrige 70er-Rundenzeiten
die ersten drei allmählich vom Rest des Feldes absetzen, nur Michael
Schlotter schien noch ein Wörtchen mitreden zu wollen. Wenn man
bedenkt, dass er mit zwei Jahre alten Akkus unterwegs war, ist diese
Leistung um so beachtlicher! In der sechsten Runde nahm Dirk Belting
den hinteren Breitpylon etwas eng, was seinem Avionic D
leider nicht gut bekam. Durch diesen Streicher konnten sich Jens Bartels
und Markus Wanner einen kleinen Vorsprung erarbeiten. So endete der
erste Wettbewerbstag. Abends beim Lagerfeuer saßen alle noch lange
beisammen.
Martin
Schlief mit seinem LiftOff xxs, dem Rettungsflieger
von Uelsen. Als Notlösung geboren, hat es sich im Laufe der Saison
als feste Instanz etabliert: Duelle werden über mehrere Runden
Flügelspitze an Flügelspitze ausgetragen. Auch Mid-Airs
stecken die robusten Modelle klaglos weg und fliegen einfach weiter
Am Sonntagmorgen musste die Entscheidung fallen: Nach elf geflogenen
Runden lag Markus Wanner auf dem ersten Platz, Jens Bartels knapp dahinter.
Als Markus landete, standen auf seiner Uhr 71,8 Sekunden. In der darauf
folgenden Gruppe Fünf hätte Jens Bartels mit einer Zeit unter
70 Sekunden alles klar machen können, aber er flog eine 70,2. Reichte
das? Ja, es reichte und zwar für zweimal Platz 1! Das Reglement
sagt dazu, dass in diesem Fall ein Stechen geflogen werden soll, wenn
es möglich ist. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass die Zeit zu
knapp war. So blieb nur die Zeit für die Siegerehrung mit
zwei verdienten Siegern!

David Dzida, der tragische
Held. Absturz am Sonntagmorgen bei seinem Heim-Rennen in Kirchdorf und
zugleich der undankbare vierte Platz in der Deutschen Meisterschaft
Ergebnis Uelsen:
1. Markus Wanner 717,10 (100 Prozent)
1. Jens Bartels 717,10 (100 Prozent)
3. Dirk Belting 723,30 (99,73 Prozent)
Freckenhorst
Der Ort Freckenhorst war auf der Pylon-Landkarte bisher nicht verzeichnet,
aber das sollte sich nun ändern. Bernhard Onken stand wieder als
Wettbewerbsleiter zur Verfügung und der Rest machte den Eindruck,
als wären hier schon immer F5D-Rennen geflogen worden. Respekt
für diese tolle Leistung!
Dirk Belting deutete
bei den ersten beiden Flügen an, dass heute sein Tag sein könnte,
holte sich aber einen Cut (zehn Prozent Zeitaufschlag) wegen Schneiden
eines Pylon im dritten Lauf. David Dzida rollte derweil das Spitzenfeld
von hinten auf, mit jedem Flug wurden seine Zeiten besser. Die Überraschung
war aber Gerald Coors: In Uelsen wurde er noch von heftigen technischen
Problemen geplagt und konnte nur einen einzigen Wertungsflug absolvieren.
Nun hatte er mit seiner nagelneuen Ariane P5 ein Modell,
das zusammen mit sieben GP-3000-Zellen nicht nur technisch
für eine Überraschung sorgte, sondern auch verdammt schnell
unterwegs war. Gerald ist fremdgegangen, eigentlich fliegt er F3D und
das Training erkennt man deutlich am blitzsauberen Flugstil.
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Die drei
Erstplatzierten der Deutschen Meisterschaft (von links): Markus Wanner
(3), Jens Bartels (1) und Dirk Belting (2). Das viele Edelmetall auf
ihren Schultern kommt dadurch, dass jeweils Pilot und Helfer geehrt
werden. Jens Bartels schaffte auf diesem Wege das Triple: Als Helfer
von Dirk und Markus sowie als Pilot hat er sich alle drei Medaillen
sichern können
Wo aber blieb Jens Bartels? Ihm klebte in Freckenhorst das Akku-Pech
förmlich an den Händen. Egal, in welche Akkukiste er griff,
er erwischte stets faule Akkus, mit denen nichts los war. Ein guter
alter Sanyo-Cut-Off-Pack hätte sicher besser ausgesehen,
behaupteten zumindest einige unbesiegbare Lästermäuler.
Mit einem halb toten Akku um den Kurs zu kriechen sieht aus, als
hätte jemand eine Schleimspur in der Luft ausgelegt. Höchststrafe!

Bernhard Onken (Bild)
und Walter Hildel leiteten die Wettbewerbe mit großer Freude
und einem Engagement, das wirklich begeisterte. Die Sprüche
per Funk und Megafon ließen häufig mal ein Grinsen aufkommen
Der Sonntag
blieb der Rekordjagd vorbehalten: Christian Rößler flog
mit 65,3 Sekunden und zehn FAUP-Zellen die schnellste
je auf einem F5D-Wettbewerb gemessene Zeit, während Toumas
Pietinen seinen finnischen Rekord auf 78,0 verbessern konnte
beides jeweils im letzten Lauf! Am Sonntagmittag schien die Luft
sehr schnell zu sein, munkelten die Pylon-Auguren.
Dirk Belting gewann den Wettbewerb und sicherte sich damit seine
Teilnahme an der WM 2004 in York (Großbritannien) vorzeitig.
Der Freudensprung bei der Siegerehrung war sehenswert, nach dem
Modellverlust in Uelsen ein schöner Ausgleich.
Ergebnis Freckenhorst:
1. Dirk Belting 582,6 (100 Prozent)
2. David Dzida 589,9 (99,60 Prozent)
3. Gerald Coors 591,5 (99,51 Prozent)

Die Lästerbank
von Kirchdorf an der Iller, der ideale Platz um das Geschehen auf
dem Flugplatz zu beobachten und zu kommentieren
Regenspiele
von Kirchdorf
Wer in diesem Jahrhundertsommer das Wort Regen in den
Mund genommen hat, erntete bestenfalls mitleidige Blicke. Auf die
Hitzewochen der F3B-WM folgte Regen, Regen und noch einmal Regen
warum aber bitte genau an diesem Wochenende, dem Saisonfinale?
Damit war am Samstagmorgen erst einmal warten auf Wetterbesserung
angesagt. Und so unwahrscheinlich es schien, gegen 12 Uhr war nur
ein leichtes Tröpfeln geblieben, die Gruppe für den Null-Lauf
wurde vom Wettbewerbsleiter Walter Hildel zum Start aufgerufen.
Als diese Gruppe landete, hatte der Regen seinen Dienst komplett
eingestellt und der Wettbewerb konnte beginnen.
Das Saisonfinale wurde von der LiftOff xxs-Gruppe eröffnet:
Paul Schreiber flog seinen modifizierten LiftOff xxs
mit Expresso-Rumpf verdammt eng und tief um den Kurs.
Zu eng, wie sich in der letzten Wende am Spitzpylon zeigte, als
der Flügel durchbrach! Der Einschlag war der erste, aber nicht
der letzte Modellverlust an diesem Wochenende. In den darauf folgenden
Läufen sah der Himmel immer weniger nach Regen aus, dafür
kam ein heftiger und sehr böiger Wind auf. Der Start der Modelle
erfolgte in den Leewirbeln des nahe gelegenen Flugplatzwaldes, ideal
um das Geschehen beim Start von der Kirchdorfer Lästerbank
aus zu verfolgen aus sicherer Entfernung versteht sich.
Die Zeiten der Läufe schwankten je nach Wind- und Wetterlage
sehr deutlich, zumal der Regen nicht im Traum daran dachte, sich
für dieses Wochenende zu verabschieden. Der eine oder andere
Schauer zwischendurch unterbrach den Wettbewerb. Im Nachhinein ist
es erstaunlich, wie unter diesen widrigen Bedingungen neun Läufe
absolviert werden konnten. Der Samstag wurde gegen 19 Uhr mit dem
sechsten Lauf beendet und pünktlich setzte Dauerregen ein,
der die ganze Nacht anhielt. Damit stellte sich die Frage, wie es
um die DM stand. Jens Bartels und Dirk Belting waren sicher dabei,
aber wer wird der Dritte im Bunde? Die Entscheidung musste zwischen
Markus Wanner und dem Lokalmatador David Dzida fallen. Was kaum
auffiel: Letzterer hat diesen Wettbewerb maßgeblich organisiert
und ganz nebenbei eine herausragende fliegerische Leistung gezeigt,
was bei dieser Doppelbelastung wirklich beeindruckt hat.

Warum hört
mir hier eigentlich keiner zu? Wettbewerbsleiter Walter Hildel
bei der Arbeit in Kirchdorf. Markus Wanner (links) kann sich ein
Grinsen nicht verkneifen, während Dirk Belting mit einem der
Wertungsrichter etwas zu besprechen hat
Sonntagmorgen,
die Wiese war noch
klitschnass vom nächtlichen Regen, als der siebte Lauf begann.
Die zweite Gruppe war am Start, als David Dzidas Modell nach verrissenem
Wurf und eineinhalb gerissenen Rollen einschlug. Der Traum von der
Teilnahme an der WM war auf dem asphaltierten Feldweg zerplatzt.
Markus lag nun mit 199,20 Prozent durch die vorhergehenden Wettbewerbe
uneinholbar vorn und löste so als Dritter das Ticket zur WM.
Das Ergebnis der Deutschen Meisterschaft bestimmt zugleich den A-Kader
für die F5D-WM 2004 in York (Großbritannien). Für
Deutschland werden somit Jens Bartels, Dirk Belting und Markus Wanner
antreten. Robert Wimmer flog diese Saison nicht mit, aber er kann
als amtierender Weltmeister von seinem Einzelstartrecht außerhalb
der Mannschaft Gebrauch machen.
Ergebnis Kirchdorf:
1. Jens Bartels 489,0 (100 Prozent)
2. Christian Rößler 495,9 (99,57 Prozent)
3. David Dzida 505,0 (99,01 Prozent)

Saisonfazit
Stefan Weibel, Tom Henkel und Christian Rößler sind die
Aufsteiger des Jahres, sie haben sich im Laufe der Saison konstant
nach vorne gearbeitet. Mit etwas Glück hätte Christian
in Kirchdorf sogar zeitgleich mit Jens Bartels sein können,
ein Cut im ersten Lauf verhinderte dieses Traumergebnis. Es gibt
darüber hinaus einige viel versprechende Nachwuchspiloten wie
Daniel und Günter Mayr, Paul Schreiber und Sebastian Kraemer
- die nächste Saison wird sicher spannend. Die Wettbewerbsberichte
der drei Teilwettbewerbe 2003 können in aller Ausführlichkeit
unter www.magazin.rc-network.de/f5d/ nachgelesen werden.
Mit den LiftOff xxs-Rennen hat sich eine neue Klasse
entwickelt, die unter dem F5D-Limited-Reglement [3]
in der nächsten Saison zusammengefasst wird. Vielleicht ist
das der beste Grund, nächstes Jahr bei F5D-Pylon vorbeizuschauen?
Es gibt nun keine Ausreden mehr, dass alles zu teuer, zu aufwändig
ist und man gar nicht weiß, ob man überhaupt der richtige
Typ dafür ist. Wenn man auf einer deutschen Autobahn fährt
und ganz ehrlich zu sich selbst ist, kann es nur eine Antwort geben:
Jeder hat den Racer in sich! Also lasst die Ausreden sein, kommt
dahin, wo man echtes Racing ausleben kann: Go fast and turn left!
Hartmut
Siegmann
Fotos: Hartmut Siegmann, Stefan Keller, Patrizia Brettner, Ralf
Metzger

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