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Schon in meiner
Jugend faszinierte mich das Segelflugzeug "Fafnir". Das Taschenbuch
"Fliegergeschichten" machte mich mit den Bildern und auch
mit der Geschichte des Seglers vertraut. So war der Pilot Günther
Groenhoff für mich zu einer Legende geworden. Spannend und lebensnah
war seine Erzählung des Fluges vom Jungfraujoch, bei dessen Start
aus dem Schnee heraus Groenhoff eine Hälfte des Höhenruders
verlor und trotzdem unversehrt im Tal landete. Was waren die Segelflieger
der 30er-Jahre doch für enthusiastische und begeisterungsfähige
Menschen. Schon allein der Transport zum Startplatz im Hochgebirge stellte
eine Tortur dar; ohne befestigte Wege und ohne motorisierte Zugmaschine.
Der geistige Vater des "Fafnir" war Dr. Alexander Lippisch.
Dieser war schon zu Beginn des Segelfluges in Deutschland als hervorragender
Konstrukteur bekannt, stammten doch auch die Segelflugzeuge "Professor"
und die daraus entwickelte "Wien" aus seiner Hand. Nachdem
diese beiden Typen erfolgreich flogen, machte sich Lippisch bereits
1929 an den Entwurf des "Fafnir". Benannt nach der Drachengestalt
aus der Siegfried-Sage, da der schuppenförmige Sperrholzübergang
vom Rumpf zum Flügel an dieses Tier erinnerte. Allerdings lag genau
hier, wie auch in der Sage, der Schwachpunkt des "Fafnir"
doch dazu später mehr. Aus all den Erfahrungen heraus, wagte
man sich nun 1929 an einen Segler mit freitragendem Flügel ohne
die damals noch üblichen Verstrebungen. Ein Novum zum Ende der
Pionierzeit der Segelflugzeuge. Man hielt zudem den Rumpfquerschnitt
äußerst gering und passte diesen optimal der Körperform
seines Piloten (Groenhoff) an. Der Rumpf war praktisch um den Piloten
herumgebaut. Der Flügelknick diente zur Erhöhung der Bodenfreiheit
beim Start und zur besseren Kurvenstabilität beim Kreisen. Dieser
kam somit mit dem "Fafnir" in Mode und prägte fortan
das äußere Erscheinungsbild der Segelflugzeuge der 30er-Jahre.
Der "Fafnir" wurde in seiner Geschichte mehrfach umgestaltet.
Vor allem der Rumpf erhielt mehrere Modifikationen, insbesondere im
Kabinenbereich. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass die
ursprüngliche Ausführung nicht nur eine schlechte Sicht bot,
sondern der schuppenartige Übergang sich derart auf die Leistungen
auswirkte, dass sich die Strömung am Flügel dabei ablöste.
Erst nachdem der Übergang durch rechtwinklig aufeinander verlaufende
Flächen ersetzt wurde, überzeugte das Flugzeug auch fliegerisch.
Groenhoff bewältigte mit dem "Fafnir" mehrere große
Strecken sowie einen Startüberhöhungsrekord. Zudem wurde er
1931 Sieger im Rhönwettbewerb. Bereits ein Jahr später ereilte
ihn aber ein tragisches Schicksal: Bei einem Start am 23. Juli 1932
beim Rhönwettbewerb brach erneut das Höhenruder nach Berührung
mit einer Bodenwelle. Das Seitenruder blockierte und machte das Flugzeug
steuerlos. Groenhoff konnte zwar noch mit dem Fallschirm abspringen,
doch der öffnete sich wegen der zu geringen Absprunghöhe nicht
mehr. Günther Groenhoff verunglückte tödlich. Der "Fafnir"
selbst wurde wieder aufgebaut und von Peter Riedel geflogen. Er wurde
mit dem Flugzeug Gesamtsieger des 14. Rhönwettbewerbs. Im März
1934 stellte Hanna Reitsch mit dem "Fafnir" einen Streckenweltrekord
für Frauen auf, als sie 160 km weit von Darmstadt nach Reutlingen
flog. Nach der aktiven Zeit wurde der "Fafnir" dem Berliner
Luftfahrtmuseum übergeben. Dort wurde er 1943 bei einem Bombenangriff
zerstört.
Untrennbar mit dem "Fafnir" verbunden bleibt aber der Pilot
Günther Groenhoff, der es verstand, die Leistung des Seglers optimal
auszunutzen und viele Hochleistungen mit der Maschine zu erfliegen.
Er wurde 1908 in Stade geboren und begeisterte sich schon als Jugendlicher
für die Modellfliegerei. Mit 18
Jahren erfolgten seine ersten Flugversuche auf einer manntragenden Maschine.
Nach einem weiteren Jahr absolvierte er in Rossitten auf der Kurischen
Nehrung seine praktische und theoretische Prüfung für die
Verkehrsfliegerei. Nach drei Jahren kehrte er als Fluglehrer für
die Rhön-Rossitten-Gesellschaft auf die Wasserkuppe zurück.
Von da an begann seine legendäre Laufbahn mit vielen Strecken-
und Dauerflugrekorden.
Kommen wir zum Modell: Für den Nachbau wählte ich den für
mich nach meinem "Doppelraab" (vgl. AUFWIND 6/2005) gewohnten
Maßstab 1:2,5. Eine sehr gute Dreiseiten-Zeichnung fand ich in
dem Buch "Segelflugzeuge 1920 bis 1945" von Martin Simons
(www.equip.de). In einem Copyshop ließ ich die Zeichnung vergrößern.
Das riss zwar ein gewaltiges Loch in das Baubudget, ersparte mir aber
die Erstellung von Zeichnungen, die erheblich viel Zeit in Anspruch
genommen hätten.
Die einzelnen Rumpfschnitte klebte ich auf Karton, was Schablonen für
die Holzspanten ergab. Sie wurden auf 4-mm-Pappelsperrholz übertragen
und ausgesägt. 6x6-mm-Kiefernleisten verwendete ich als Rumpfgurte.
Den Rumpf baute ich zweigeteilt entlang der Längsachse. Dadurch
war es möglich, mit 4-mm-Sperrholz die Rumpfkonturen im Seitenprofil
auszuschneiden. Die in der vertikale halbierten Rumpfspanten konnten
dann, unter Be- rücksichtigung der jeweils 4-mm-breiten Mittelstücke,
an ihren entsprechenden Stellen befestigt werden. Mit dieser Methode
ersparte ich mir auch die Erstellung einer aufwändigen Helling.
Danach wurden die beiden Hälften einfach zusammengeleimt, wodurch
das Rumpfgerippe auch ohne die Außenhautbeplankung bereits eine
hohe Festigkeit erhielt. Da die Beplankung in Naturholz erfolgen sollte,
habe ich mir 0,4- und 0,6-mm-Birken- sperrholz besorgt. Damit begann
die aufwändige Beplankung des Rumpfes. Zum Glück hatte ich
gute Bilder des Originals, nach denen ich die einzelnen Sektionen gestalten
konnte. Als Kleber für die Beplankung verwendete ich temperaturbeständigen
Kontaktkleber. Die einzelnen Beplankungsstücke habe ich auf Gehrung
geschliffen, sodass an der Klebenaht wieder die volle Materialstärke
vorhanden war.
Das Höhenruder ist als Pendelruder ausgelegt und zweigeteilt. Da
Beplankung und Hauptholm im ersten Drittel sind, musste ich auch hier
die Steckverbindung und den Drehpunkt unterbringen. Im Rumpf habe ich
ein T-Stück aus 3-mm-Aluminium angefertigt, das die beiden Seilzüge
aufnimmt und die Drehbewegung auf das Höhenruder überträgt.
Die elliptische Form der Endleiste fertigte ich aus 3-mm-Pappelsperrholz,
das ich dann mit 0,4-mm-Birkensperrholz beklebte. Die Rippen sind ebenfalls
aus Pappelsperrholz, jedoch 4-mm-stark. Beplankt ist das Leitwerk mit
0,4-mm-Birkensperrholz und die Hauptholme bestehen aus 3x12-mm-Kiefernleisten.
Analog ist auch das Seitenruder hergestellt, jedoch habe ich aus Verzugsgründen
den senkrechten Holm mit Kohlefaser mehrfach verstärkt, was allerdings
nicht dem Original entspricht. Ich bin jedoch überzeugt, dass auch
Lippisch diesen modernen Werkstoff wäre er schon verfügbar
gewesen eingesetzt hätte. Die Abdeckungen der Rippen, sprich
Rippenaufleimer, habe ich ebenfalls mit Kontaktkleber aufgeklebt. Die
vielen Ecken der Rippenverstärkungen habe ich gleich in der 0,4-mm-Beplankung
mit einer Schablone herausgeschnitten. Die Arbeit mit diesem dünnen
und doch stabilen Sperr_holz bietet den großen Vorteil, dass die
meisten Teile mit der Schere ausgeschnitten werden können. Allerdings
ist beim Verschleifen Vorsicht geboten: Schnell hat man in das dünne
Holz ein Loch geschliffen.
Als Ruderscharniere habe ich im Baumarkt Klavierband besorgt, an das
ich 3-mm-Gewindestifte hartgelötet habe. Diese wurden dann in der
Dämpfungsflosse und im Seitenruder verschraubt. Löst man nun
den Verbindungsstift, kann man mühelos das Seitenruder abnehmen.
Die Tragflächen wurden in bewährter Doppel-T-Holm-Ausführung
ausgelegt, dabei fertigte ich zuerst die Hauptholme. Die Verjüngung
des Hauptholmes zum Außenflügel hin wurde auf der Kreissäge
erstellt. Somit hatte ich die Maße für die Rippenaussparungen
und konnte nun mit dem Flügelaufbau beginnen. Insgesamt musste
ich zweimal 86 Rippen erstellen, was insgesamt sechs Rippenblöcke
erfor_derte. Das Profil, ein "Clark Y mod." hatte sich schon
beim "Doppelraab" bewährt. Für den "Fafnir"
wurde es jedoch auf 15 Prozent aufgedickt. Die Flächenaufnahme
habe ich mit Aluminiumrohr 46x2x600 mm als ausreichend errechnet.
Modell/Original
Spannweite: 7.600 mm/19.000 mm
Länge: 3.100 mm/7.760 mm
Fluggewicht: 21 kg/220 kg

Der Pilot hat schon Platz genommen

Der Rumpf im Rohbau zeigt schon eindrucksvoll die Dimension des
Eigenbauprojektes
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Am Rumpfkopf lässt sich der immense Bauaufwand erahnen. Das
Aufbringen der Beplankung erforderte ordentlich Zeitaufwand

Der Rohbau ist geschafft Adolf Geier mit seinem schönen
"Fafnir"

Das wunderschöne
Modell zieht überall begeisterte Blicke auf sich
Aufgebaut wurden
die Tragflächen in jeweils zwei Teilen. Erst die Mittel- und
dann die Außenflügel ab dem Knick. Die Rippen sind aus
ausgesuchtem 3-mm-Hartbalsaholz, wobei einzelne tragende Rippen
mit 5-mm-Sperrholz verstärkt wurden. Die Endleiste ist aus
4x20-mm-Kiefernholz und der Hauptholm wurde mit 3-mm-Pappelsperrholz
verkastet. Im Bereich der Flügelwurzel wurde hierfür beidseitig
5-mm-Buchensperrholz verwendet. Die Nasenleiste ist aus 10x25-mm-Abachi.
Aus Sicherheitsgründen baute ich zur Verbesserung der Sinkrate
Störklappen auf der Flächenoberseite ein, die seinerzeit
im Original noch nicht bekannt waren. Man wollte ja fliegen und
nicht bremsen! Unbeplankt wurden dann beide Flügelteile am
Knick zusammengeleimt und mit jeweils 5-mm-Sperrholz seitlich verstärkt.
Danach erfolgte der Servoeinbau. Pro Querruder fanden zwei Hitec
Power-Servos Verwendung, die auch für die sonstigen Funktionen
eingebaut wurden. Das Querruder habe ich erst anschließend
aus dem Flügel geschnitten und die filigranen Diagonalverbindungen
eingeklebt. Nach dieser Prozedur ging es erneut an die Beplankung:
Die Mittelflügel wurden mit 0,6- und die Außenflügel
mit 0,4-mm-Birkensperrholz beplankt. Danach wurden die Rippenaufleimer
angebracht und die Flügel waren rohbaufertig.
Insgesamt habe ich etwa 500 Stunden, die mir sehr viel Freude aber
auch manche grauen Haare brachten, an dem neuen Modell gearbeitet.
Bespannt wurde der "Fafnir" mit Oratex-Bügelseide.
Die Lackierung des Sperrholzes wurde, nachdem ich es zweimal mit
Porenfüller vorbehandelt hatte, mit Kunstharz-Bootslack aufgetragen.
Beim Auswiegen erlebte ich dann meine erste Überraschung: 2,8
kg Blei schluckte die Rumpfnase. Damit brachte das Modell ein Gesamtgewicht
von 21 kg auf die Waage. Bei 30 qdm Flächeninhalt ergab das
eine Flächenbelastung von etwa 70 g/qdm.
Der Erstflug des großen "Fafnir" erfolgte hinter
dem Schleppmodell meines Fliegerfreundes Rainer Frey, eine 4-m-"Elster"
mit einem 100-ccm-"King"-Motor. Zum Starten, der "Fafnir"
hat ja nur eine Kufe, hatte ich mir noch einen abwerfbaren Kuller
gebaut. Dann die 30 Meter Schleppleine eingeklinkt, Vollgas und
der stolze "Fafnir" hob bereits nach etwa 10 Meter Rollstrecke
ab. Ein problemloser Schlepp, ohne Ruderkorrektur, wie auf Schienen
am Seil. Ausklinken und der "Fafnir" war in seinem Element:
Ein wenig Tiefenruder und der Oldie lag mit einem traumhaften nostalgischen
Flugbild in der Luft. Mich überraschte, dass trotz der großen
Querruder zum Kurvenwechsel jeweils Vollausschläge für
die Bewegung um die Längsachse notwendig waren. Doch dafür
lag er wie ein Brett in einer einmal eingeleiteten Kurve. Den Landeanflug
setzte ich ein wenig höher an um die Wirkung der Störklappen
ausprobieren zu können. Die erste Landung gelang ohne jegliche
Probleme und mit einem Glas Sekt wurde dann der Jungfernflug begossen.
Ich bin glücklich über diesen gelungenen Eigenbau. Schon
beim zweiten Start hatte ich Thermikanschluss und konnte eine Flugstunde
lang Oldtimerflair genießen. Vergessen waren die teils mühsamen
Stunden im Hobbyraum. Der "Fafnir" ist aber auch ohne
Frage ein in der Luft anspruchsvolles Modell, das dem Piloten, außer
im Geradeausflug, Können und hohe Konzentration abverlangt.
Bereits leichte Thermik nimmt das Modell sehr gut an und zeichnet
sich durch überdurchschnittliches Steigen aus.
Sollte nun jemand an diesem Oldtimer sich begeistern können
stehe ich ihm gerne mit Rat zur Seite.
Quellen:
1. Martin Simons "Segelflugzeug 1920 45", EQIP
Werbung & Verlag GmbH
2. Brinkmann/Zacher
"Die Evolution der Segelflugzeuge", Bernhard U. Graefe
Verlag

Satte 60 cm Flächentiefe liegen auf dem Baubrett. Ein Teil
der Beplankung auf der Tragflächenunterseite ist bereits aufgeklebt

Beide Tragflächen im Rohbaustadium. Als Tragflächenverbindung
wurde ein 46-mm-Alurohr verwendet. Die Störklappen wurden entgegen
dem Original als Kompromiss für bessere Landeeigenschaften
eingebaut

Das Buch "Die Evolution der Segelflugzeuge" lieferte zur
Recherche wertvolle Informationen

Das obligatorische Erinnerungsfoto vor dem Erstflug mit dem neuen
"Fafnir"
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