Inspiriert von dem Trend aktuelle F3A-Modelle auf Elektroantrieb umzurüsten, stellt sich die Frage, ob anspruchsvoller Kunst-flug auch mit kleinen und preiswerten Modellen zu haben ist. Und da hat Hyperion sich mit seinen ARF-Modellen innerhalb kurzer Zeit einen sehr guten Ruf in punkto Qualität und Preis-/Leistungsverhältnis erworben. Gleiches gilt auch für das Equipment. Grund genug, sich mal den „Helios 10“ anzuschauen, ein F3A-Modell in halber Größe.

     Alle Teile sind in einem stabilen Transportkoffer mit Tragegriff aufbewahrt und einzeln verpackt. Die Holzteile sind in feiner CNC-Lasertechnik gefertigt und mehrfarbig bespannt. Spanten und Rippen sind mehrfach miteinander verzahnt und durch Aussparungen gewichtsoptimiert. Lediglich die Folienbespannung, die im Übrigen exzellent ausgeführt ist, hat den langen Transport aus China mit Faltenwurf quittiert. Mangels „Oracover“-Qualität führt ein Nachbügeln zu nur mäßigem Erfolg. Der Lieferumfang ist absolut komplett. Räder, Fahrwerk, Radschuhe und Motorhaube aus GFK, Dekorbogen sowie sämtliche Anlenkungsteile vervollständigen das Paket. Die spärliche Bauanleitung umfasst sechs Seiten, mit 3D-Zeichnungen, Maßangaben sowie wenigen englischen Textpassagen der einzelnen Arbeitsschritte. Der Zusammen- bau geht dennoch wegen der qualitativ guten Komponenten zügig voran. Im Zeitalter von ARF beschränkt sich dies auf den Einbau der Leitwerke, dem Anbringen der Ruderflächen, der Motor- und Fahrwerksmontage sowie dem Einbau der RC-Komponenten.

     In den Tragflächen wurden die Ausschnitte für den Einbau der Servos mit dem Lötkolben von der Folie befreit. Die Größe der Ausschnitte wurde noch an die Servoausschnitte angepasst. Bei der Wahl der Servos galt es angesichts der Kunstflugeignung auf die Belastung der Getriebe zu achten. Meine Wahl fiel schließlich auf die Hitec-Servos „HS-45HB“ mit Karbonitgetriebe. Hitec liefert die Servos bereits mit überlangen Anschlusskabeln, sodass eine sonst übliche Verlängerung entfiel. Die GFK-Ruderhörner und die Gestänge habe ich positioniert und mit einer Madenschraube an den Servos befestigt. Anschließend die Tragflächen auf einen mit GFK beschichteten Holm gesteckt und mit je zwei Rundzapfen in der Wurzelrippe gegen ein Verdrehen gesichert.

     Bevor ich die Leitwerke eingeklebt habe, musste die Folie an den Klebestellen entfernt werden. Dringend zu beachten war auch, dass zuerst die Ruderfläche eingeschoben, und dann erst das Höhenleitwerk eingemes?sen und mit Holzleim verklebt wird. Die Seiten- und Höhenruder habe ich dann noch – wie auch schon die Querruder – mit Vliesscharnieren angeschlagen. Eine Anlenkung erfolgte wieder mit Hitec-Servos „HS-45HB“. Jedoch mussten hier die Kabel entsprechend verlängert werden.

     Die Fahrwerksbefestigung ist eine Schwachstelle an vielen ARF-Modellen und konnte auch hier nicht überzeugen. So sollte der Aluminium-Fahrwerksbügel mit zwei kleinen 3x8-mm-Blechschrauben befestigt werden. Diese Lösung ist aber für einen Rasenplatz viel zu schwach, und auch bei einer Hartpiste wäre wohl Vorsicht geboten. Also habe ich  zusätzlich eine 3-mm-Sperrholzauflage mit Einschlagmuttern von innen verklebt. Für die Befestigung sorgen nun zwei 3-mm-Kunststoffschrauben. Ein schickes Accessoire sind natürlich die bereits lackierten und aus GFK gefertigten Radschuhe.

     Für den Antrieb hat man sich bei Hyperion dazu entschlossen ein passendes Antriebsset zu schnüren: ein Außenläufer „Z 2213-16“ in Kombination mit einem 30-A-Regler, einem APC-E-Propeller 9x4,5” und einem 3s-LiPo 1.500 oder 1.800 mAh. Diese Kombination bringt ihre Leistung im Bereich von 20 bis 24 A. Der Kopfspant des Modells mit verstärkter GFK-Platte war bereits auf die Heckbefestigung des empfohlenen Motors vorbereitet. Selbst Seitenzug und Motorsturz waren bereits vorgegeben.

     Die Kabinenhaube des „Helios“ war bereits lackiert und angepasst. Vorne zentriert sie eine Zunge aus Sperrholz, hinten sorgen zwei Rundmagnete für einen sicheren Halt. Das Lösen der Kabinenhaube ge-stattet den Zugang zu den RC-Komponenten sowie zu der Auflage für den Flugakku. Abschließend habe ich noch die GFK-Motorhaube mit vier Schrauben in Position gebracht. Hilfreich war hier die Montage des optional erhältlichen 32-mm-Spinners samt der Luftschraube, damit die Ausrichtung passt.

     Zu guter Letzt kamen ein ACT-Empfänger „DSQ 8“ und der Hyperion-Regler „HP-Titan 30 PW 3“, der ein Kabel mit einer LED als Unterspannungswarnung beinhaltet, in das Modell. Die Befestigung des LiPo-Akkus erfolgt direkt auf der großzügig dimensionierten Akkuauflage mit den „Tolle-Kletten“-Klettverschlüssen (Bezug bei www.l-a-s.com). So konnte auch der Schwerpunkt problemlos erreicht werden.

     Komplett aufgebaut und mit eingesetztem Akku blieb die Waage bei 735 g stehen. Für den Erstflug habe ich den Schwerpunkt auf den Mittelwert von 75 mm eingestellt und die Ausschläge entsprechend der Anleitung übernommen. Mit Expo und Dual-Rate von jeweils 40 bzw. 60 Prozent und einer weiteren Flugphase mit Maximalausschlägen ging es nun ans Werk.

     Trotz der kleinen Räder und der Radschuhe war der Bodenstart auf der kurz gemähten Rasenpiste problemlos. Der Antrieb reißt das leichte Modell nach nur wenigen Metern in den senkrechten Steigflug. Minimale Trimmkorrekturen waren schnell erledigt und das Vertrauen zum „Helios“ stellte sich ein. Richtungsstabil zog das Modell durch das Kunstflugprogramm. Langsame Rollen, gesteigert durch eine Vierpunktrolle kamen auf Anhieb wie an der Schnur gezogen. Auch im Messerflug war ein Abtauchen nicht zu beobachten – es bedurfte jedoch der Unterstützung durch das Querruder, um das Modell in der Messerlage zu halten. Für den Rückenflug ist nur ein minimaler Tiefenruderausschlag erforderlich. Eine Paradedisziplin stellt der Slip, beziehungsweise Seitengleitflug dar, den man auch hervorragend für kurze und steile Landeanflüge verwenden kann. Zu normalen Landungen schwebt man weiträumig mit Schleppgas heran und setzt die Maschine punktgenau auf. Hierzu trägt natürlich auch die relativ geringe Flächenbelastung bei. Durch die überwiegenden Halbgaspassagen ergab sich eine Motorlaufzeit von 13 Minuten. Der vorgegebene Sturz und Seitenzug sowie die Ruderausschläge erwiesen sich im Rahmen der weiteren Flugerprobung als praxisgerecht. Lediglich den Schwerpunkt habe ich noch auf 77 mm zurückverlegt. Immer wieder staunte ich über den großen Geschwindigkeitsbereich. Mit der 3D-Schaltung mit Maximalausschlägen wirkt der „Helios“ sehr unruhig. Es zeigt sich, dass die Modellauslegung auf ein dynamisches F3A-Kunstflugprogramm zugeschnitten ist.


Wer den „Helios 10“ so sieht, denkt eher an ein größeres Modell.



bildDie Qualität der gelieferten Bauteile ist auf einem ganz hohen Level.



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Das RC- und Antriebsequipment auf einen Blick. Das Antriebsset wurde von Hyperion passend zum Modell ausgelegt.



Große Ruderflächen und direkte Anlenkungen versprechen wendige Flugeigenschaften.




Standard im Elektro-Motorflug: Rückwandmontage am Sperrholzdom.




Kreuzbrav lässt sich das Modellchen zur Landung auf die Wiese ziehen.



Im Messerflug taucht das Modell nicht ab, es bedarf jedoch der Unterst ützung durch das Querruder



Auch das einfache „Herumdüsen“ macht mit dem „Helios 10“ viel Spaß.




Der Flugakku wird von oben in den Rumpf gelegt und mit Klettbändern befestigt.

 

Der „Helios“ ist eine rundum gelungene Konstruktion, die begeistert. Qualität und Vollständigkeit sowie die Flugleistungen konnten überzeugen. Aufgrund der geringen Größe lässt sich das Modell auch noch montiert befördern. Es ist ein perfekter kleiner F3A-Kunstflugtrainer, mit einem vor Jahren nicht denkbarem Leistungspotenzial. Bei Hyperion hat man das Potenzial erkannt und bietet nun auch weite-re Versionen an, in der 25er-, 63er- und 90er-Größe.

Thomas Navrath
Fotos: Karl-Heinz Mauser,
Thomas Navrath



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