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Seit ein paar
Jahren schon wird der Supersonic in zwei Varianten angeboten.
Mit der V-Leitwerksvariante gewann der Schweizer Andreas Böhlen
die F3B-WM 2003. Der neue Supersonic EX hat gegenüber
der alten Kreuzleitwerksvariante eine komplett überarbeitete Rumpfversion
und wird bei Aerosport Becker in Deutschland gefertigt.
Das Tragflächenpaar hat bei Lieferung bereits mit Silikon anscharnierte
Ruder mit Dichtlippen. Als Sonderwunsch wurden für mich die bewährten
Servorahmen von Michael Frey (www.servorahmen.de)
direkt eingebaut. Für die Augschrauben zur Flächenklappenanlenkung
befinden sich die Gewinde schon in den Rudern. Zusammen mit den eingezogenen
Servokabeln ermöglicht diese weite Vorfertigung ein rasches Vollenden
der Flügel. Der beiliegende Flügelverbinder besteht aus UD-CFK-Gelege
und ist mit einem Schaumkern versehen. Leider steckte der Verbinder
etwas zu locker in den Taschen im Flügel, sodass eine Lage Tesafilm
nötig war, um eine spielfreie Verbindung der Flügel zu gewährleisten.
Bei neueren Modellen ist diese Schwachstelle, laut Markus Becker, bereits
beseitigt. Der Anschluss der Flügel an den Rumpf gelingt über
die im Flügel eingebauten Torsionsstifte einwandfrei. Auch ist
die Oberflächenqualität als gut zu bezeichnen, lässt
aber neben einer leichten Gewebestruktur aus Gewichtsgründen
wird ohne feine Gewebedecklage gearbeitet auch ein paar kleine
Macken in der Produktionsform erkennen. Als besonders positiv ist das
sehr gute Gewichts/Steifigkeits- bzw. Festigkeitsverhältnis zu
erwähnen.
Ähnliches beim Rumpf: Der Aufbau besteht überwiegend aus KFK-Gewebe,
wobei in der Rumpfröhre zusätzlich mit UD-CFK-Bändern
gearbeitet wurde. Die Rumpfröhre ist somit überaus steif und
verglichen mit anderen Rümpfen aus Serienfertigungen über
jeden Zweifel erhaben. Das Seitenleitwerk ist mit viel CFK-Gewebe und
zwei Stegen bis zur Aufhängung des Höhenleitwerks ebenfalls
sehr steif. Oberhalb der Aufhängung besteht das Seitenruder allerdings
nur noch aus einem Ruderabschlusssteg und einer Lage Kohlegewebe mit
63 g/qm. Diese Bauweise erschien mir zunächst etwas zu leicht,
beziehungsweise zu empfindlich. Um es vorweg zu nehmen: sie hat bis
jetzt sogar rauem Flugbetrieb standgehalten. Die Anlenkungen für
Seiten- und Höhenruder waren bereits eingebaut. So nahm der Ausbau
des ganz in KFK erstellten Rumpfkopfes die meiste Zeit in Anspruch.
Dieser bietet mit seinem leicht dreieckigen Querschnitt ausreichend
Platz für einen übersichtlichen Anlageneinbau.
Das Höhenleitwerk fällt durch sein geringes Gewicht bei völlig
ausreichender Steifigkeit positiv auf. Die Oberfläche ist jedoch
im Gegensatz zu den übrigen Bauteilen recht druckempfindlich, da
die Schale vollständig mit dünnem Glasgewebe aufgebaut ist.
Zur Lieferung gehörten auch eine Einstellanleitung und ein Kleinteilebeutel,
der alle zum Bau nötigen Anlenkungsteile sowie die Abdeckungen
für die Servoschächte enthält.
Nach drei bis vier gemütlichen Bastelabenden war tatsächlich
alles flugbereit. Im Flügel habe ich DS-368-Servos
von Graupner für die Querruder und DS-3728-Servos für
die Wölbklappen eingeschraubt. Die Ausfräsungen im Flügel
bedurften dabei nur geringer Nacharbeit, um die Maximalausschläge
der Klappen in Landestellung zu ermöglichen. Die Anlenkung wurde
durch das Eindrehen der Augschrauben und mit der Herstellung der Gestänge
mit M2,5-Gabelköpfen und entsprechenden Gewindestangen fertiggestellt.

Der Rumpfkopf bietet ausreichend Platz für einen durchdachten
und übersichtlichen Anlageneinbau.
Am Rumpf bestand die Hauptarbeit
darin, das Servobrett mit Ausschnitten für die Servos zu versehen.
Für das Höhenleitwerk verwende ich hier, wie bei den Wölbklappen,
ein DS-3728-Servo von Graupner, da dieses besonders stark,
stellgenau und robust ist. Für das Seitenruder jedoch reicht auch
ein einfaches Servo der 13-mm-Klasse, in meinem Fall ein S-3001
von Futaba aus der Vorratskiste. Ein vierzelliger NiCd-Akku und ein
Empfänger SMC-19DS von Graupner komplettierten den
Ausbau.
Zum Einfliegen des neuen Supersonic habe ich einen Schwerpunkt
von 98 mm eingestellt. Auch später, nach einigen Experimenten mit
der Schwerpunktlage, bin ich wieder exakt bei diesem Wert gelandet,
da ich dieses Stabilitätsmaß in allen Flugphasen als sehr
angenehm empfinde. Der Hochstart ist unkritisch, da sich der Supersonic
mit dem Haken im Schwerpunkt sehr gutmütig verhält. Zum Erreichen
einer optimalen Hochstarthöhe muss das Modell jedoch hart an der
Grenze zum Abriss eingestellt werden, was ich in zwei Startphasen über
die Höhenruderbeimischung realisiert habe. Bei der Betätigung
des Höhenruders sollte man entsprechend vorsichtig agieren. Die
Wirkung war bis jetzt auch in Gefahrensituationen vollkommen ausreichend.
Alle Richtungskorrekturen beim Hochstart lassen sich präzise mit
dem Seitenruder steuern, sodass das Querruder nur in Extremsituationen
gebraucht wird. Der Hochstart ist die einzige Flugphase, in der ich
das Flügelprofil HN-354 mit größeren, positiven
Wölbklappenausschlägen betreibe: Je nach Wind fahre ich die
Wölbklappen zwischen drei und sieben Grad nach unten, die Querruder
immer jeweils ein Grad weniger. Dies scheint mir sinnvoll um einer elliptischen
Zirkulationsverteilung möglichst nahe zu kommen. Darüber hinaus
hängt das Modell auch stabiler am Seil, da der Flügel somit
eine negative Schränkung erhält. Die Beschleunigung aus dem
Seil sollte in der Speedflugstellung erfolgen. Das Umsetzen der Geschwindigkeit
in Ausgangshöhe ist dann sehr gut. Mit steigender Zuladung wird
der Hochstart natürlich nicht spritziger. 3,6 kg Fluggewicht sind
aber, etwas Wind vorausgesetzt, durchaus gut auf Höhe zu bringen.
Im Zeitflug macht sich das geringe Abfluggewicht und die daraus resultierende
minimale Flächenbelastung beim reinen Abgleiten besonders bezahlt.
Darüber hinaus ist das Überziehverhalten aufgrund der geringen
Flächenbelastung als überaus gutmütig zu bezeichnen.
Das Modell ist direkt nach einem kurzen Abnicken wieder voll steuerbar.
Beim Thermikkreisen hat mich die Agilität des Supersonic
überrascht, die ich aufgrund der Größe und der tiefen
Außenflächen nicht so erwartet hätte. Erklären
lässt sich diese Eigenschaft durch die günstige Massenverteilung
mit den leichten Außenflügeln. Ein ruhiger Kreisflug wird
weiterhin durch die harmonische V-Formverteilung unterstützt. Der
Flügel besitzt neben einem zentralen V-Formknick noch einen weiteren
zwischen Querruder und Wölbklappen sowie einen als Tiplet angeformten
Randbogen.
Weiter verbessern lässt sich der Kreisflug mit dem von Aerosport
Becker außerdem angebotenen Verbinder mit zwei Grad V-Form. Die
zusätzliche V-Form ist in keiner Flugphase nachteilig, im Kreisflug
muss mit dem Querruder dann noch weniger gestützt werden.
Die Höhenruderwirkung ist sehr präzise. Das Profil HT-14
von Prof. Mark Drela scheint tatsächlich kein ausgeprägtes
Totband zu haben und reagiert prompt auf kleine Anstellwinkeländerungen.
Mit dem Seitenruder muss dagegen sorgfältig gearbeitet werden.
Dabei sind recht große Ausschläge notwendig. Mit dem Verwölben
des Tragflügels bin ich eher vorsichtig, da das HN-354-Profil
schon einen besonders ausgeprägten Druckanstieg auf der Oberseite
hat. Dieser wird durch kräftiges Wölben noch verstärkt,
was zu früherer Grenzschichtab-lösung und somit zusätzlichem
Widerstand führt. Meine Wölbklappenstellung variiert daher
je nach Situation zwischen einem und drei Grad. Die Querruder werden
aus den oben genannten Gründen jeweils ein Grad weniger nach unten
gefahren.
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Der Supersonic
EX zeichnet sich durch besonders ausgewogene Flugeigenschaften
und ein harmonisches Erscheinungsbild aus. Beim Fliegen dicht über
der Hangkante vermittelt er dank sehr guter Richtungsstabilität
und exzellentem Ansprechverhalten auf die Ruder ein sicheres Gefühl.

Der Supersonic
EX findet schnell viele Freunde am Hang!
Der Landeanflug kann mit den tiefen Wölbklappen, die fast bis
90° in der Landestellung abgesenkt werden können, sehr
steil, stabil und langsam erfolgen. Um die letzten Landepunkte einzusammeln,
kann der Supersonic problemlos auch härtere Landungen
wegstecken; die Zelle ist dieser Belastung gewachsen.
Beim Streckenflug, insbesondere in den Wenden, macht sich die günstige
Massenverteilung und die daraus resultierende gute Rollwendigkeit
bemerkbar. Um die Massen zentral zu halten, ballastiere ich für
den Streckenflug im Rumpf auf. So lassen sich auch noch bei langsamem
Streckenflugtempo die Wenden angenehm steuern. Da die Zuladung für
den Streckenflug moderat ist, hält sich die zusätzliche
Verbinderdurchbiegung in Grenzen. Um den Hauptdruckanstieg auf der
Profiloberseite etwas zu entschärfen, fahre ich alle Flächenklappen
um ein bis zwei Grad nach oben, was die laminare Ablöseblase
beim Streckenfliegen klein hält, somit Widerstand einspart
und zusätzlich die Wendigkeit erhöht. Diese Klappenstellung
kann sehr vorteilhaft auch beim Überbrücken von Abwindfeldern
zwischen den Aufwinden beim Thermikfliegen eingesetzt werden.
Für mich macht der Speedflug mit dem Modell den größten
Spaß. Die Beschleunigung beim Stürzen ist ebenso ansprechend
wie die Geschwindigkeit in der Strecke. Die Auslegung des Flügels
mit nicht zu großer Zuspitzung und damit hoher Reynoldszahl
zeichnet sich über weite Strecken des Flügels durch geringen
Profilwiderstand aus. Die Wenden lassen sich auch ohne Highspeed-Servo
enger fliegen, als es sinnvoll ist. Damit meine ich, dass ein möglichst
enger Wenderadius beim Supersonic nicht der schnellstmögliche
ist. Das Modell kann durch zu enge Wenden abgestellt
werden. Zu viel positiv Wölbklappe/Querruder beim Snapflap-Mix
hat hier einen ähnlichen Effekt wie zu viel Höhenruder.
Gut funktioniert hat bei mir die Snapflap-Einstellung Querruder
neutral und Wölbklappen ein Grad positiv, bei voll gezogenem
Höhenruder in der Speedflugstellung. Durch die gute Hochstartleistung
kann der Speedflug recht schwer geflogen werden, was sich vor allem
in der Beschleunigungsphase auswirkt. Den Ballast bringe ich für
den Speedflug in Form von Blei unter, das in 15-mm-Kupferrohre gegossen
wurde und so perfekt in die Ballastkammern des Flügels passt.
Durch diese Maßnahme kann der Supersonic sehr
schwer, aber mit leichtem Rumpf geflogen werden, was die Verbinderdurchbiegung
sichtbar minimiert.
Am Hang überzeugte mich der Supersonic auch: Direkt
an der Kante fliege ich ihn gerne in der Streckenflugphase. Die
hierbei erreichte Geschwindigkeit ist auch bei geringer Flächenbelastung
sehr beachtlich. Ab etwa Windstärke vier jedoch sind kleinere,
wendigere F3F-Modelle aufgrund ihrer noch besseren Wendigkeit im
Vorteil und lassen sich leichter eng am Hang fliegen. Auffällig
beim Supersonic ist, dass die Wenden auf verschiedene
Arten geflogen werden können, ohne dass die Fahrt verloren
geht. Einen Abschwung als Wende zu fliegen ist hier ebenso so möglich,
wie eine etwas überrollte Messerflugwende. Beim
Ausleiten solcher Wenden bin ich vom direkten Ansprechen und der
Querruderwirksamkeit begeistert. Aufgrund dieser Wendigkeit kann
der Supersonic problemlos dicht am Hang gewendet und
auf engem Raum geflogen werden.
Bei thermisch schwierigen Bedingungen hat man mit der minimalen
Flächenbelastung von 35 g/qdm gute Chancen nicht zu jenen Piloten
zu gehören, die zuerst landen müssen. Auch bei härteren
Windverhältnissen kommt das Modell mit einer maximalen Flächenbelastung
von 70,5 g/qdm nicht so schnell an die Belastungsgrenzen.
Auch wenn der Supersonic kein ausgewiesenes Kunstflugmodell
ist, so sind durch das direkte Ansprechen aller Ruder doch einige
Figuren möglich. Sehr viel Spaß macht zum Beispiel das
U-Turnfliegen an der Hangkante. Das Drehen im Turn ist praktisch
nur mit dem Seitenruder schön zu lenken.

Das Kreuzleitwerk
im Detail: Die beiden Höhenruderhälften werden vor dem Seitenleitwerk
mit einem kleinen Streifen Tesafilm gegen Abrutschen gesichert. Die
Anlenkung des Seitenruders ist strömungsgünstig verkleidet.
Aufgrund der hohen Festigkeit und
dem angenehmen Steuerverhalten bei hohen Geschwindigkeiten, habe ich hinter
der Hangkante auch ein paar DS-Kreise im dynamischen Segelflug geflogen.
Die dabei auftretenden Belastungen können bei entsprechenden Bedingungen
enorm werden und die Belastbarkeitsgrenze eines jeden F3B-Modells übersteigen.
Die g-Belastung hängt dabei im Wesentlichen vom Kreisradius ab. Mit
dem Bewusstsein, quasi am Höhenruderknüppel die Belastung für
das Modell vorzugeben, lassen sich mit dem Supersonic große
Kreise und Achten fliegen. Das Modell zeichnet sich auch hier durch eine
angenehm hohe Kursstabilität aus.
Auch die präzisen Landeeigenschaften erweisen sich am Hang als sehr
hilfreich. So kann das Modell selbst bei bockigen Windverhältnissen
auf kleinem Raum sicher gelandet werden. Die hohe Robustheit ist in dieser
Situation eine weitere Sicherheit.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Supersonic ein handwerklich
solide gefertigtes und sehr gut durchdachtes Flugzeug ist. Wer auf die
feinsten Bauteilnähte und das letzte bisschen Bauoptik steht, für
den gibt es andere Flugzeuge. Wer aber einen Hochleistungssegler mit handlichem
Packmaß zum Immer-Dabei-Haben oder eine neue F3B-Wettbewerbsmaschine
sucht, für den gehört der Supersonic EX in die erste
Wahl. Das geringe Gewicht der Zelle, die sehr gute Aerodynamik und das
modern profilierte Kreuzleitwerk machen die hervorragenden Flugeigenschaften
und -leistungen aus.
Benjamin
Rodax
Fotos: Artur Blömker, Julian Holtz,
Jens Kleinert, Benjamin Rodax
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