|
Kaum zu glauben,
dass man in einem Zulieferunternehmen für Faserverbundwerkstoffe
soviel Zeit verbringen kann. Die Firmenbesichtigung beginnt in der Gewebekonfektionierung.
Sie muss dem Laien wie ein Tuchhandel anmuten. Der Modellbauer jedoch
sieht sich hier im Paradies: Hunderte Meter Glas-, Kohle-, Aramid- und
andere technische Fasern werden tagtäglich mit modernsten Umspulmaschinen
zu Gewebe- und Gelegerollen verarbeitet.
Seit der Gründung des Unternehmens im Jahre 1981 hat sich das Einsatzgebiet
der angebotenen Werkstoffe permanent erweitert. Am Anfang stand die
Idee, dem ambitionierten Modellbauer entsprechende Werkstoffe anzubieten.
Heute deckt der Modellbau noch 25 Prozent des Umsatzes. Den überwiegenden
Teil nimmt der industrielle Sektor mit Luftfahrt, Rennsport, Medizin
und Sportgeräteherstellung ein, um nur einige Bereiche zu nennen.
So wurde zum Beispiel der Rennrodel von Georg "Schorsch" Hackl
ebenso aus Materialien von R&G gebaut, wie auch das Ultraleichtflugzeug
"Silence" in Wabensandwich-Bauweise. Doch konzentrieren wir
uns auf den RC-Modellbau: Einige der 40 Mitarbeiter betreiben in ihrer
Freizeit selbst Modellsport. Wir sprechen mit Stefan Ott, der ausgebildeter
Modellbaumeister ist und die RC-Gemeinde betreut und Michael Groß,
Geschäftsführer des Unternehmens. Stefan Ott selbst würde
sich als konsequenter "Diätjunkie" bezeichnen. Denn neue
Produkte werden von ihm ausgiebig getestet, bevor sie in die umfangreiche
Produktpalette aufgenommen werden. Die Frage, ob er seine nach Feierabend
laminierten Teile noch vor dem Beginn des nächsten Arbeitstages
entformt, hat er mit einem zustimmenden Lächeln beantwortet. Wer
würde nicht gerne mit ihm tauschen?
AUFWIND: Woher stammt das technische Know How?
Stefan Ott: R&G befasste sich schon immer mit Leichtbau.
Viele Verfahren, wie etwa die Wabensandwichbauweise und Vakuumtechnik,
wurden früh erprobt und weiter entwickelt. Mit Harz- und Faserherstellern
sowie hoch spezialisierten Unternehmen in der Kundschaft besteht ein
reger Dialog. Die von Anfang an enge Zusammenarbeit mit Universitäten
und Fachhochschulen hat sich als segensreich erwiesen, sichert sie doch
den Know-How-Transfer auf hohem Niveau. So ist bei R&G über
die Jahrzehnte ein breiter Pool an Wissen entstanden. Als Werkstoffspezialist
stellen wir vor allem innovative Produkte zur Verfügung. Dienstleistungen,
wie das Berechnen von Laminaten und Erstellen von Laminierplänen
werden bei Bedarf an erfahrene Ingenieurbüros aus dem Flugzeug-
oder Bootsbau vermittelt.
AUFWIND: Wo sehen Sie ihr Unternehmen in der
Zukunft?
Michael Groß: Die Faserverbundtechnologie ist ein stark
wachsender Markt mit besten Zu-kunftsaussichten. Das allgemein verfügbare
und oft leicht umsetzbare Know-
How führt dazu, dass immer mehr Anwendungen für diese faszinierenden
Werkstoffe entstehen. Das technische Wissen in unserem Unternehmen,
die offene Kommunikation mit den Kunden und die tatsächliche Verfügbarkeit
der Materialien ist etwas, was uns von etlichen Mitbewerbern unterscheidet.
Vielen kleinen und mittleren Herstellern, insbesondere auch im Modellbau,
können wir durch gute Beratung und Versorgung mit innovativen Produkten
zu exzellentem Markterfolg verhelfen. Diesbezüglich bieten wir
zusätzlich das bekannte R&G-Handbuch sowie auch kostenlose
Arbeitsanleitungen, ein Laminatberechnungsprogramm und Filme auf unserer
Webseite an. Ein Diskussionsforum vervollständigt dieses Angebot.
AUFWIND: Wie wird das "schwarze Gold"
CFK hergestellt?
Michael Groß: Kohlenstofffasern bestehen, wie ihr Name
schon vermuten lässt, zu über 90 Prozent aus reinem Kohlenstoff.
Die Fasern entstehen durch Pyrolyse (Verkohlung) nicht schmelz barer
Kohlenstoff-Polymerfäden. Das Ausgangsmaterial besteht aus einer
Polyacrylnitrilfaser, dem so genannten PAN-Precursor. Die Höhe
der Temperatur und auch die Vorspannung der Faser bestimmen deren Endeigenschaften,
wie zum Beispiel Zugfestigkeit, Zug-E-Modul (Steifigkeit) und die Bruchdehnung.
|

Der Verwaltungsbau des Unternehmens in Waldenbuch, südlich
von Stuttgart

Auf modernsten Maschinen wird produziert, abgepackt...

...und geschnitten
AUFWIND:
Woher stammt die momentane Verknappung der Kohlefasern und der Epoxydharze?
Michael Groß: Eine Wachstumsbremse ist die Rohstoffverknappung,
die wegen der hohen Nachfrage bei Windkraftflügeln und im Großflugzeugbau
ausgelöst wurde. China mit seinem steigenden Bedarf tut sein
Übriges. Harz- und Faserhersteller investieren derzeitig in
neue Produktionskapazitäten. So hoffen wir, dass in den nächsten
Jahren die Produktion mit der Nachfrage wieder Schritt hält
und die Preise einigermaßen stabil bleiben.
AUFWIND:
Wo sehen Sie die Neuheiten und innovative Produkte?
Stefan Ott: Gewebe, beziehungsweise Gelege aus Basaltfaser
sind eine kostengünstige Alternative für Anwendungen,
die nicht zwingend Kohlefaser benötigen. Ein Gelege mit 250
g/qm wird primär für die Aussteifung von Bauteilen wie
zum Beispiel Leitwerksträgern verwendet, die primär sehr
biegesteif sein müssen. Der große Vorteil: die Antenne
kann ohne Probleme im Rumpf verlegt werden und Empfangsprobleme
ge-hören wieder der Vergangenheit an. Ein weiteres innovatives
Produkt ist Glashohlfasergewebe. Durch die hohlen Filamente reduziert
sich das Laminatgewicht um bis zu 40 Prozent. Mit einzigartigen
Eigenschaften, die geringes Gewicht, hohe spezifische Festigkeit
sowie hohes Ernergieaufnahmevermögen in sich vereinen, eignen
sich speziell auch für den Rumpfbau, zum Beispiel im F3B/J/F-Bereich.
Das "Textreme"-Gewebe, aus gespreizten 12k-Kohlegarnen
gefertigt, stellt ebenfalls ein revolutionäres Produkt dar.
Das Gewebe vereint alle Vorteile eines Geleges (zum Beispiel die
geringe Fadenumlenkung) mit den Vorteilen eines Gewebes (zum Beispiel
einfache Handhabung). Durch die sehr flach liegenden Kreu-zungspunkte
können so insgesamt wesentlich höhere Faservolumengehalte
erzielt werden.
Der Autor könnte noch tagelang von einigen der über 3.000
Produkte schreiben. Verbundfasertechnik befindet sich in Wachstumsposition,
althergebrachte Produktionsmethoden zu ersetzen. Der Leser ist herzlich
eingeladen, das R&G-Team auf den Verbrauchermessen, anzusprechen.
.

Eine hohe Lieferquote hat sich das Unternehmen zum Maßstab
gesetzt
|