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Wenn man als
ambitionierter Großseglerpilot in den Bergen nach langer Thermiksuche
seinen Flieger landen und ihn mühsam zur Startstelle zurückschleppen
muss, denkt man über einen leistungsfähigen Elektro-Scale-Großsegler
nach. Die Wahl des entsprechenden Vorbildes bereitete mir jedoch enorme
Schwierigkeiten, denn geeignete Originale gibt es sehr wenige. Und die
Spitze eines vorhandenen Großseglers zu kappen um einen Elektroantrieb
einzubauen, schied für mich von vorneherein aus ästhetischen
Gründen und fehlenden Vorbildern aus. |
![]() Das Original
über der schwedischen Heimat. Es ist ein außergewöhnliches
Flugzeug, das trotz der geringen Spannweite von knapp über 12
m mit guten Flugleistungen glänzt.
Eine Lackierung des Urmodells mit 2K-Lack bringt nach meiner Erfahrung keine Verbesserung der Oberflächenqualität. Der Formenbau erfolgte in herkömmlicher Art und Weise. Die Anfertigung eines Trennbretts und anschließender Einbettung des Urmodells, mehrmaligem Wachsen und darauf folgendem Trennlackauftrag gingen dem Deckschichtharz und dem 7- bis 8-schichtigen Laminat voraus. Wichtig dabei ist, dass beide Formenhälften symmetrisch aufgebaut werden, um spätere Verzüge der Formenhälften zu vermeiden. Für das komplette Modell waren mehrere Urmodelle und GFK-Formen erforderlich: Rumpf, Seitenruder, zwei Winglets, Haubenrahmen, Haubenziehklotz, Motorverkleidung, Sitzwanne, Instrumentenpilz und vier GFK-Spanten. Einige der Formen sind dreiteilig. Die vier GFK-Spanten sind notwendig, um die Torsionsfestigkeit des Seitenleitwerks im Bereich des Antriebs zu gewährleisten. Die polierten Formen wurden mit weißem Polyester-Deckschichtharz eingespritzt. Nach der Aushärtung der Deckschicht wurde mit zwei Lagen Köper-Glasfasermatten diagonal laminiert. Der Motor wurde in einem Winkel von null Grad zum Höhenruder eingebaut. Da die Windex eine Einstellwinkeldifferenz (EWD) von 1,5 Grad hat, hat der Motor damit einen Sturz von 1,5 Grad, bezogen auf die Tragflächen. Motorsturz und Zug konnten leider nicht vom Original übernommen werden, da keine entsprechenden Daten vorhanden waren. Tragflächen (Profil: HQ-3,0/12) und Höhenleitwerk (Profil: NACA 0010) wurden in konventioneller Styro/Abachi-Sandwichbauweise mit Holmen gefertigt. Als Tragflächensteckung dient ein 20x3-mm-Federstahl. Mit der Anfertigung der umgekehrten Winglets war der Bau der Flächen verhältnismäßig schnell erledigt. Vorraussetzung waren das Profileprogramm Profile für Windows von Ludwig Wiechers, eine Styroporschneidemöglichkeit und ein absolut gerader Presstisch. Zu einem vorbildgetreuen Nachbau gehört natürlich ein ausgebautes Cockpit. Die Anfertigung der Cockpitwanne plus Instrumentenpilz einschließlich des Haubenrahmens beendete schließlich den Rohbau. Als Besitzer einer Vakuumtiefziehmaschine war ich in der glücklichen Lage die Klarsichthaube selbst anzufertigen. Ein Zusammenfügen der Einzelkomponenten ließ einen Eindruck des kompletten Modells erahnen. Jeder der schon einmal ein Modell in Handarbeit angefertigt hat weiß, dass nun die Arbeit erst richtig begann: Der Einbau des nicht einziehbaren Hauptfahrwerks in den Rumpf (Bugrad: 114 mm; Spornrad: 60 mm), der Öffnungsmechanismus der Haube mit Öldruckdämpfer, der Einbau des Elektromotors, der Einbau der RC-Komponenten, der Ausbau des Cockpits sowie das Anpassen der Tragflächen und des Höhenleitwerks nahmen viel Zeit in Anspruch. Für die langen Querruder wurden je zwei Hitec-Servos HS-85MG eingebaut, für die Landeklappen je ein Hitec-HS-81BB außerhalb der Wurzelrippe. Für die Anlenkung des Höhenruders kam ebenfalls ein HS-85MG zum Einsatz. Das Servo wurde direkt unterhalb des Höhenleitwerks in die Seitenruderflosse eingebaut, was eine kurze spielfreie Anlenkung (2,5x50 mm) ermöglicht. Das Seitenruder-Servo (HS-625MG) wurde direkt unter der Sitzschale in der Rumpfmitte befestigt. Die Anlenkung erfolgt über zwei Stahllitzen. ![]() ![]() ![]() Dank einer
eigenen Vakuum-Ziehvorrichtung für Kabinenhauben konnte die
Haube selbst hergestellt werden. Die Bilderserie zeigt die einzelnen
Arbeitsschritte
Bedingt durch die Lage des Motors in der Seitenruderflosse wurde auch die Problematik der doch recht langen Verbindungskabel vom Motor zum Regler, beziehungsweise dem Flugakku diskutiert. Die Kabel zwischen Regler und Antriebsakku haben nun eine Länge von 5 cm, sind somit sehr kurz. Die Verbindungskabel zwischen Regler und Elektromotor haben dagegen die beachtliche Länge von 110 cm. Damit kein zu hoher Spannungsverlust entsteht, wurde für diese Kabel ein Querschnitt von 4 qmm gewählt. Um den errechneten Schwerpunkt (110-120 mm ab Nasenleiste) einstellen zu können, mussten dann noch 150 g Trimmblei unter der Sitzwanne platziert werden. Letztendlich stand ein wunderschöner Elektrosegler auf der Werkbank. Mittlerweile war es Januar geworden und an einem sonnigen aber kalten Wintertag konnte ich es kaum erwarten, den neuen Flieger endlich in die Luft zu bringen. Beim ersten Startversuch musste ich feststellen, dass die Windex dazu neigte, auf die Rumpfspitze zu kippen. Diese Unart kennen die meisten Modellflieger von Seglern mit Klapptriebwerk. Der zweite Versuch zeigte jedoch, dass bei zunehmender Startgeschwindigkeit dieser Effekt aufgrund der besseren Anströmung des Höhenruders nicht mehr auftritt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsrunde begann ich die Ruderwirkung zu testen. Rollen, Rückenflug, negativer Looping, Turn und viele andere Figuren meisterten Modell und Pilot ohne Unarten. Die ersten Flüge verliefen also erfolgreich und das schöne Modell zeigte hervorragende Flugeigenschaften. Die Leistung des Elektroantriebs stellte sich als ausreichend heraus. Motorlaufzeiten von fünf Minuten mit dem 18-zelligen 3.300-mAh-Flugakku sind durchaus möglich. Mit 15 Zellen ist die Windex gerade noch eigenstartfähig. Ganz nach meiner Devise Fliegen heißt Landen begann ich die Langsamflugeigenschaften auszutesten. Die Störklappenwirkung war ideal, der Segler schwebte zu seiner ersten butterweichen Landung auf die Piste ein. Die Windex behielt dabei ihr neutrales Flugverhalten, ein Zumischen von Höhen-, beziehungsweise Tiefenruder war nicht notwendig. Mittlerweile hat die Windex 1200 C unzählige Male ihre Flugtauglichkeit unter Beweis gestellt. Auf zahlreichen Flugtagen konnten sich inzwischen Zuschauer, Piloten, Laien und Fachleute vom außergewöhnlichen Flugbild überzeugen. Auch nach dem Abschalten des Motors begeistert das Modell mit sehr guten Segelflugeigenschaften. Trotz des relativ hohen Fluggewichtes zeigt die Windex absolut kein kritisches Abrissverhalten. Das Kreisen in der Thermik ist ausgewogen und problemlos. Die bisher verwendete starre Zweiblatt Luftschraube führt im Segelflug natürlich zu geringen Leistungseinbußen. Optimal wäre ein Verstellpropeller oder eine nach vorne klappende Klappluftschraube. Dies werde ich noch testen. Mein ursprünglicher Wunsch, lange Fußmärsche in den Bergen zu vermeiden, habe ich inzwischen verwirklicht. Die Realisierung des Projektes mit diesem hervorragenden Resultat spornte mich wieder zu neuen Projekten an über die ich demnächst berichten werde. Werner Zerahn
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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2006 Das komplette Inhaltsverzeichniss 4/2006 Zur Heftbestelluwng bitte hier entlang. © AUFWIND 2006 |