TECHNIK

Eheähnliche Gemeinschaft

Der Graupner-Sender „MX-16 IFS V3“

 

„Darum prüfe wer sich ewig bindet“ ist so ein altbekannter Spruch (nicht nur) im Münsterland. Gemeint sind damit jene, die den ewigen Bund der Ehe eingehen wollen. Ähnlich verhält es sich auf dem Markt der 2,4-GHz-Anlagen: Entscheidet man sich für ein System, so legt man sich, zumindest momentan, recht dauerhaft fest. Anders als noch bei den 35-MHz-Anlagen, bei denen die meisten Empfänger vieler Hersteller untereinander kompatibel sind, kann man bei den 2,4-GHz-Anlagen immer nur die herstellereigenen Empfänger nutzen. Deshalb sollte man sich ruhig mit den in Frage kommenden Anlagen auseinandersetzen. Zugegebenermaßen ist allerdings – entgegen der meisten Ehen – eine spätere Trennung finanziell überschaubar.

Die neue „MX-16 IFS“ von Graupner gefiel bei der Auswahl nicht allein durch die technischen Daten. Nein, insbesondere die Handlichkeit, der Bedienkomfort und das einfache Programmierprinzip überzeugten mich auf Anhieb. Geliefert wird unter der Bestellnummer 23000 der „MX-16 IFS“-Sender mit eingebautem 2.000-mAh-NiMh-Akku, ein bidirektionaler Achtkanal-Empfänger „XR-16 IFS“, ein Servo „DS-5077“, ein Schalterkabel und eine sehr ausführliche Bedienungsanleitung. Wer allerdings, wie in der Anleitung beschrieben, als Erstes seinen Sender laden möchte, der sollte ein Ladekabel mitbestellen. Dieses ist in dem Set nicht enthalten. Bei Verwendung vorhandener Ladekabel ist natürlich auf die richtige Polarität zu achten.

Hier die Funktionen auf einen Blick:

  • Acht Steuerfunktionen mit vereinfachter Zuordnung von Bedienelementen für Zusatzfunktionen.
  • Freie Zuordnung aller Schalter zu Schaltfunktionen durch einfaches Umlegen des gewünschten Schalters.
  • Zwölf Modellspeicher sowie ein modernes Backup-System ohne Lithium-Batterie
  • Vier Schalter, ein Taster, ein Analogsteller und zwei Digitalsteller eingebaut und vielfältig frei program- mierbar einsetzbar.
  • Funktions-Encoder mit Drehwalze (3D-Steller) und drei Momenttasten ermöglichen vereinfachte Programmierung und präzise Einstellung
  • Einfache Umschaltung des Betriebs-Mode 1 bis 4.
  • Grafische Servo-Anzeige (Servomonitor) für einen schnellen Überblick und zum Überprüfen der Servo- wege.
  • Umfangreiche Flächen- und Helimenüs.
  • Servoweg-Verstellung für alle Servokanäle und für jeden Endausschlag getrennt einstellbar.
  • Sub-Trimm zur Einstellung der Neutralstellung aller Servos.
  • Zweistufiges Expo-/Dual-Rate-System, einzeln ein stellbar und während des Fluges umschaltbar.
  • Mixerfunktionen, programmierbare Fail-Safe-Funk- tion „Halten“ oder „Voreingestellte Positionen anfahren“ für jeden einzelnen Servokanal getrennt einstellbar.
  • Stoppuhren/Countdown-Timer mit Alarm-Funktion.
  • Modell-Kopierfunktion für Modellspeicher.

Vom Äußeren unterscheidet sich die „MX-16 IFS“ nur unwesentlich von der altbekannten „MX-16“. Die zwei Doppelkipptaster sind nun durch einen so genannten 3D-Cylinder-Rotary-Switch (3D-Steller) ersetzt. Damit fällt das Navigieren durch die Menüs noch leichter. Und die Antenne ist natürlich mit ihren 14 Zentimetern wesentlich unempfindlicher als die langen Stahlstengel der 35- bzw. 40-MHz-Variante. Die inneren Werten hingegen sind teilweise geändert: So ist die Funktion DSC (Direct Servo Control), also die direkte Servokontrolle, über ein Diagnosekabel bei den IFS-Anlagen aus technischen Gründen nicht mehr möglich. Die DSC-Buchse dient damit lediglich für den Lehrer-Schüler-Betrieb sowie als Schnittstelle zu Flugsimulatoren. Dafür lässt sich die Leerlaufposition bei der Verwendung von Störklappen nun invertieren. Das ist bei älteren Anlagen nicht der Fall. Auch gibt es Änderungen zu älteren IFS-Versionen: Die neue Version 3 unterstützt nun auch FHSS, ein permanentes Hopping-Verfahren über 16 Kanäle. In Summe gibt es damit fünf Hopping-Modes, wobei drei davon für Europa zurzeit freigegeben sind. Das vorausschauende Hopping-Verfahren wie in der IFS-Version 2, das FHSS und ein adaptiv permanentes Verfahren, das sich durch Weiterentwicklung aber noch ändern kann. Und auf Weiterentwicklung ist die neue Anlage auch ausgelegt: Sie ist zu 100 Prozent updatefähig. Hierzu kann es aber erforderlich sein, sämtliche IFS-Komponenten (Sender und Empfänger) einzuschicken. So ist es auch beim kostenlosen Update von der Version 2 auf die Version 3. Entsprechende Informationen sind dazu unter www.graupner-ifs-system.de erhältlich. Weiter lassen sich nun mehrere Neben- und Zusatzempfänger parallel zum Hauptempfänger einsetzen. Nebenempfänger zeichnen sich im Wesentlichen durch die Möglichkeit der Nutzung getrennter Spannungsversorgungen aus. Zusatzemp- fänger dienen der unterschiedlichen Platzierung von Antennen um eine noch höhere Empfangssicherheit zu gewährleisten.

Der im Set mitgelieferte Empfänger „XR-16 IFS“ ist ein vollwertiger, sehr kompakter Achtkanal-Empfänger. Die Antenne ist komplett im Gehäuse gekapselt und hat gerade mal eine Länge von drei Zentimetern. Allerdings ist sie stehend auf dem Empfänger montiert, was den Einsatzzweck in kleinen Rümpfen teilweise einschränkt. Neben den zahlreichen Programmiermöglichkeiten, wie das Vertauschen von Servoausgängen, der Failsafe-Funktionen und der Nutzung von Telemetrie-Einheiten, ist eine Unterspannungsanzeige implementiert: Sobald die Versorgungsspannung einmal unter 4,4 Volt lag, wird dieses durch eine Status-LED angezeigt. Das ist auch sinnvoll, denn viele Störungen sind auf zu niedrige Spannungsversorgungen zurückzuführen. Gerade bei dieser Anlage, wo die Servoausgänge mit einer Kanal-zu-Kanal-Ver-zögerung von 71 Mikrosekunden (0,000071 Sekunden) eigentlich zeitgleich geschaltet werden, kann es durchaus zu nicht unbeträchtlichen Stromspitzen und damit auch zu Spannungseinbrüchen kommen. Der Vorteil dieser kurzen Verzögerungszeit liegt zum Beispiel bei der 120-Grad-Ansteuerung von Taumelscheiben ohne gegenseitige Beeinflussung der Servos. Zum Einbau des Empfängers sind in jedem Fall die Herstellerhinweise zu beachten. Die Antenne, und damit eigentlich der gesamte Empfänger, darf in ei-nem Abstand von fünf Zentimetern nicht im Bereich von größeren metallischen Gegenständen, Strom führenden Leitungen oder in Kohlefaserrümpfen platziert werden. Eine solche Position ist aber nicht immer einfach zu finden. In der im Test verwendeten „Pilatus B4“ oder dem Multiplex-„Acromaster“ ist die Montage allerdings problemlos möglich. Mit den Neuheiten 2009 hat Graupner aber die Palette der Empfänger erweitert. So wird es bald auch Varianten mit flexibler Antenne geben, die man aus den Rümpfen herausführen kann.

Die „MX-16 IFS“ bietet, wie viele Anlagen dieser Klasse, etliche Funktionen wie Mischer, Stoppuhren, Flugphasen und Lehrer-Schüler-Betrieb. Fantastisch gemacht sind spezielle Funktionen, die insbesondere zur Sicherheit beitragen können: So wird akustisch und mit einer Textmeldung gewarnt, wenn der Gashebel nicht auf Nullposition steht. Auch gibt es diese Art der Meldung bei Unterspannung des Senderakkus. Es kommt aber noch besser: Ist einmal die Unterspannungswarnung ausgelöst, so ist ein Modellspeicherwechsel nicht mehr möglich. Sicherheit geht vor! Zur Erleichterung der Programmierung und zur Kontrolle der Servowege wird mit einem Druck auf den 3D-Steller im Display ein Servomonitor aktiviert. Dieser Monitor veranschaulicht, welche Servos bei Bewegung von Gebern angesteuert werden. Das dient nicht allein der Übersicht, sondern erleichtert auch das Zuordnen der Servos beim Umbau von Empfängern. Mit einem erneuten Druck auf den Steller kommt man zurück zur Normalanzeige.

Das absolute Highlight der „MX-16 IFS“ ist allerdings das einfache Programmierprinzip. In wenigen Schritten ist es dem Nutzer möglich, ein neues Modell zu programmieren. Im ersten Menüpunkt wird dazu einer der zwölf Modellspeicher gewählt. Bei einem neuen Modell steht hier die Bezeichnung „**frei**“. Anschließend wird der Modelltyp abgefragt, also Fläche oder Hubschrauber. Im zweiten Menüpunkt „Grundeinstellung“ wird Schritt für Schritt der Modellname vergeben, die Steueranordnung 1...4 gewählt, festgelegt ob Motor oder nicht Motor, der Leitwerkstyp und die Anzahl Servos für Querruder und Wölbklappe definiert. Auch findet sich hier die Einstellung der Flugphasenzuordnung, der Servoausgänge und ob dieses Programm für den Lehrer-Schüler-Betrieb genutzt wird. Ja richtig, alle Servoausgänge lassen sich frei zuordnen. Das bietet natürlich eine enorme Flexibilität. Dennoch ist es gerade für den Be-ginn einfacher, wenn man bei der Standardbelegung bleibt. In wenigen Minuten sind die Grundeinstellungen hinterlegt. Der dritte Menüpunkt bietet Einstellmöglichkeiten der verwendeten Servos. Die Werte für Richtung, Mittelstellung, Weg (linear oder asymmetrisch) sind tabellarisch dargestellt und über den 3D-Steller einfach zu ändern. Mit diesen drei Menü- punkten lassen sich die meisten Modelle so weit einstellen, dass ein Erstflug zeitnah möglich ist. Die Schalterzuordnung rundet das Prinzip „keep it simple“ ab: Wird ein Schalter für bestimmte Funktionen, wie beispielsweise als Geber für die Schleppkupplung oder zur Flugphasenumschaltung benötigt, lässt er sich durch einmalige Bedienung während der Programmierung zuordnen. Klasse gemacht! Natürlich gibt es noch weitere Menüpunkte, in denen man Geberzuordnungen, Flugphasentrimmungen oder auch Dual-Rate-Einstellungen vornimmt. Diese sind durchgängig selbsterklärend, aber auch in der ausführlich bebilderten Anleitung genau beschrieben.

Mit der neuen „MX-16 IFS V3“ hat Graupner einen sehr handlichen Sender platziert, der für Modelle bis acht Servoausgänge keine Wünsche offen lässt. Die Bedienung ist intuitiv und mit wenig Übung auch ohne Anleitung möglich. Beim Testeinsatz im „Acromaster“ als auch in der „Pilatus B4“, die teilweise bis zur Sichtgrenze den thermischen Aufwinden folgte, funktionierte alles einwandfrei und absolut problemlos. Auch gab es mit dem eingesetzten Vier-Zellen-Empfängerakku im Segler kein Erreichen der Unter- spannungsgrenze.

Klaus Löcker


Das Set ist fast komplett. Es fehlt nur das Ladekabel.


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Eine robuste Technik, sauber verarbeitet.


Das Kernstück des Senders ist natürlich das Sendemodul.



Als Erprobungsträger musste der „Acromaster“ herhalten.

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Im „Acromaster“ findet der kleine kompakte Empfänger problemlos Platz, während er in der „Pilatus B4“ fast „untergeht“.

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Der Unterschied zwischen der 35-MHz- (rechts) und der neuen IFS-Anlage ist äußerlich kaum erkennbar.

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Sicherheit pur: Warnungen optisch und akustisch.

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Basisanzeige mit Zeitdarstellung seit letztem Ladevorgang.

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Der Servomonitor ist ü Übersichtlich und sehr hilfreich.

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Das Menü zur Einstellung der Servowerte.

 



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