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Es war eine von
diesen Zugfahrten zwischen Zürich und Karlsruhe, die nie zu Ende
gehen wollen. Irgendwo zwischen Basel und Freiburg habe ich zum x-ten
Mal das Modellsportmagazin des Mitbewerbers in die Hand genommen und
durchgeblättert endlich einmal Zeit die Anzeigen zu studieren.
Und dort fiel mir die kleine Meldung auf, in der Eduard Seidl für
seine Piper Super Cub warb. Einmal mit 4 m und einmal mit
3,6 m Spannweite. Genau mein Ding: ganz in Holz und zudem CNC-gefräst.
Als der ICE dann doch noch in Karlsruhe ankam, konnte ich die Anzeige
auswendig.
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Einfach schön!
Ungewohnt ist die Tragflächensteckung: Sie besteht aus jeweils zwei massiven Buchenrundhölzern, die in die jeweils ersten drei Rippen der Tragflächenhälften eingeklebt werden und später in die doppelte Anschlussrippe am Rumpf greifen. Hier war die Passung der ausgefrästen Rundlöcher äußerst knapp bemessen, weshalb die Aufnahmelöcher in Tragfläche und Rumpf mühsam ausgeschliffen werden mussten. Ein tragendes Element stellen die Flächenstreben dar. Ohne sie halten die Flügel nicht einmal am Boden an dem Rumpf. Selbstredend, dass auch sie aus Holz gefertigt wurden: Dafür werden zwei lange Kieferleisten in Tropfenform mitgeliefert, außerdem ein langes Stück Flachaluminium und eine vermaßte Zeichnung, die Aufschluss darüber gibt, mit welchen Längen und Winkeln die Streben aufgebaut werden müssen. Viel Arbeit gekostet hat dann aber erst einmal der Umstand, dass die Streben beim Original unterschiedlich breit sind, die Kieferleisten in Tropfenform jedoch identische Maße hatten. Also wurde wieder der kleine Hobel geschwungen und zwei der vier abgelängten Leisten passend zurecht gehobelt. Aus dem Aluflachmaterial sägte, feilte und bohrte mein Vereinskollege Michael Reiser die Befestigungsanschlüsse für die Streben. Verschraubt wurden sie auf den Holzleisten mit M3-Senkkopfschrauben und Stoppmuttern. Und die Anschlüsse an Rumpf und Tragfläche werden jeweils mit M4-Inbuskopfschrauben geschraubt. In der Tragfläche wurden dazu Einschlagmuttern eingelassen, am Rumpf wird eine Stoppmutter aufgedreht. Und das Ergebnis war verblüffend: Bocksteif sitzen die Flügel am Rumpf. Da dreht und wendet sich nichts mehr! Es versteht sich, dass hier schon bei der Herstellung der Streben, vor allem was das Anschrauben der Beschläge angeht, exakt gemessen, ausgerichtet und dann auch so gearbeitet werden muss. Ein schweres Stück metal-work war das Hauptfahrwerk. Es wurde komplett montiert geliefert und ist mit zwei Zugdämpfern auch voll gefedert. Allerdings war es mit 1.452 g auch ziemlich schwer. Und später stellte ich noch fest, dass es im Vergleich mit den Abmessungen eines Originalfahrwerks auch noch um genau 16 mm zu breit war. Also bin ich noch einmal zu meinem Vereinskollegen Michael Reiser gefahren: Er beschnitt die Grundplatte und die Fahrwerksbeine an Vorder- und Hinterkante und fräste schließlich noch die Grundplatte großflächig aus. Satte 284 g Gewichtsersparnis waren dadurch drin, zudem ein wesentlich authentischeres Aussehen am Modell. Für die Befestigung am Rumpf wurden vier M5-Einschlagmuttern im Rumpfinneren umgedreht auf der Sperrholzplatte fest geharzt. Als Räder habe ich auf die 140 mm großen Vollgummiräder von FEMA zurückgegriffen. Sie sehen nicht nur sehr vorbildgetreu aus, sondern sind auch aufgrund ihrer Beschaffenheit ideal für so große und schwere Modelle.
Detailstudie
am Randbogen. Er besteht aus 20 Einzelteilen.
Nachdem der im wahrsten Sinn Wortes Rohbau nun abgeschlossen war, konnten die Verfeinerungen beginnen. Ich hatte mir zur Vorgabe gemacht, nicht nur eine Piper unter vielen zu bauen, sondern vor allem was Lackierung und Detaillierung betrifft, für mich völlig neue Wege zu gehen. Doch dazu brauchte ich erst einmal ein Originalflugzeug: Es gibt noch unzählige Super Cubs im aktiven Flugdienst, viele sehr schön restauriert, gehegt und gepflegt, viele aber auch einfach nur benutzt. Auf meiner Suche nun kam ich auch auf die Internetseite www.airliners.net, einer ständig wachsenden Sammlung von bisher fast 500.000 Flugzeugfotografien. Dort fiel mir die Aufnahme der HB-PQM auf. Und genau so sollte mein Modell aussehen. Über ein E-Mail an den Fotografen Jerome Zbinden bekam ich Kontakt zum Flugzeugbesitzer Hansjörg Huber. Und im Rahmen einer Geschäftsreise nach Zürich traf ich mich mit ihm, um die HB-PQM ausgiebig zu fotografieren, Details nachzumessen und natürlich die Lackierung aufzunehmen. Hansjörg Huber versorgte mich dabei nicht nur mit einem Mittagessen, sondern noch mit vielen Infos über ein Flugzeug (dazu mehr im zweiten Teil des Artikels) und zahlreichen Fotos. Wir trennten uns mit dem Versprechen uns wieder zu treffen, sobald das Modell fertig ist, um gemeinsam zu fliegen. Wieder zu Hause angekommen wurden die Fotos und Skizzen am Modell umgesetzt: Da war einmal das Höhenruder. Die Modellkonstruktion sah Höhenruderblätter mit Hornausgleich vor, die HB-PQM hat sie nicht. Also mussten die Hornausgleichstücke der Ruder abgeschnitten und an die Dämpfungsflossen geklebt werden. Als nächstes die Kabine: Die HB-PQM war eine Militärversion und hatte deren weit nach hinten gehenden eckigen Fensterausschnitte und die großen Dachfenster. Die Modellkonstruktion dagegen hatte die halbrunden Ausschnitte. Mit zusätzlichen Sperrholzaufleimern auf dem Rumpf und dem Einsatz einer Feinsäge wurde auch dieses optische Detail eingestellt. Dann der Innenausbau. Die markante Stahlrohrkonstruktion des Originals im sichtbaren Kabinenbereich wollte ich mit Buchenrundhölzern imitieren. Holz um Holz wurde in den Rumpf eingesetzt, und genau so entfernte ich Stück um Stück des ursprünglichen Spantenaufbaus sowie einige der Kieferleisten natürlich immer die strukturelle Festigkeit im Auge. Mit jedem Rundholz fasste ich mehr Mut. Der reichte jedoch nicht mehr aus, um die Hauptspanten herauszunehmen, die dann ebenso von Buchenhölzern ersetzt werden könnten. Vielleicht später einmal. Zum Schluss noch eine Hutablage aus Balsaholz, die Oberteile der Sitze aus Styropor und das Instrumentenpanel. Und im Ergebnis war das schon sehr ansehnlich und wahrscheinlich auch das i-Tüpfelchen der schönen Konstruktion. Weitere Details, wie zum Beispiel Instrumente, Stellhebel etc. wurden für später geplant, nach dem Finish. Im Februar war es dann endlich soweit: Der Rohbau der großen Piper Super Cub konnte zum ersten Mal montiert ins Tageslicht gebracht werden. Ein wirklich schönes und großes Flugzeug. Und mit exakt 9.000 g, inklusive Fahrwerk, Räder und Spornrad, auch noch voll im veranschlagten Bereich. Und dieses Gewicht teilte sich wie folgt auf: Rumpf: 2.600 g Motorhaube: 490 g Fahrwerk und Räder: 1.650 g Höhenleitwerke: 490 g Tragflächen: 3.340 g Streben: 430 g Unter Zurechnung von Pauschalwerten für das RC-Equipment, das Folienfinish und natürlich Antrieb und Akku soll damit ein Fluggewicht von 16,5 kg erreicht werden können. Doch darüber steht dann mehr im nächsten Teil des Artikels. Außerdem berichte ich über Auswahl und Einbau des Torcman-Antriebs sowie den völlig neuartigen LiPo-Akkupack. Außerdem werde ich von den hoffentlich erfolgreichen ersten Flügen mit HB-PQM berichten können. Philipp
Gardemin
Der Aufbau
des ganzen Modells besteht fast vollständig aus Flugzeugsperrholz.
Am Ende kamen 9 kg Rohbaugewicht heraus, inklusive Fahrwerk, Motorhaube
etc.
Der Motorspant
für den Monster-Motor von Torcman. Vier 10-mm-Kohlerohre
halten den Spant auf 230 mm Abstand zum Rumpf. Später wird er
noch mit diagonalen Kieferleisten abgestrebt, damit sich auch unter
Last nichts mehr verdrehen kann.
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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 3/2004 Das komplette Inhaltsverzeichniss 3/2004 Zur Heftbestelluwng bitte hier entlang. © AUFWIND 2004 |