|
Mein Wunsch war
es, einen großen Segler in Holzbauweise zu bauen wie man ihn nicht
in jedem Modellbauladen sieht. Natürlich sollte es
ein Scalemodell sein. Und das Flugbild, die Abmessungen und die Hebelverhältnisse
sollten gute Flugeigenschaften erwarten lassen. Diese Forderungen führten
schließlich zur Auswahl des Reiher III im Maßstab
1:4.
|
Ein Scale-Oldtimer mit zeitloser Eleganz. Der Reiher
begeisterte schon 1937 die Segelflugwelt mit der formschönen und
eingestrakten Kabinenhaube. Die vom Konstrukteur Hans Jacobs realisierte
Lösung stellte bis dahin eine der besten aerodynamischen Verkleidungen
des Pilotensitzes dar.
Für die Rippen und Spanten wurde 3-mm-Balsasperrholz verwendet, das ich aus drei Lagen Balsa und zwei Lagen 25-g/qm-Glasgewebe mit Weißleim herstellte. Die Beplankung besteht aus 0,8- und 0,4-mm-Birkensperrholz. Die restlichen Beschläge und die Ruderhörner entstanden dann aus Alu-Profilen. Das Seitenruder wird mit zwei Drahtseilen auf Zug angelenkt. Neben dem Servo ist noch ein Entlastungspendel. Das Höhenruder wird mit einer Schubstange aus Holz bewegt, da diese die gleiche Längenausdehnung wie der lange Rumpf haben sollte. Gegen den Einbau der Servos direkt in das Leitwerk sprachen die langen Servolitzen und die Gewichtsbilanz. Grundiert wurde der Rohbau mit Weiß eingefärbtem Nitrolack. Dann hieß es: schleifen, spachteln, schleifen, spachteln usw. Die offenen Rippen-Felder und die Ruder wurden mit Antikfolie bebügelt. Und das Abkleben der Rippenfelder und das Lackieren mit weißem DD-Lack (Matt) ergab die richtige Oldtimeroberfläche. Insgesamt trug diese Lackierung 780 g auf. Den Piloten erhielt ich von einem Modellflieger Freund, der Fliegerhut und die Haltegurte wurden von meiner Frau genäht. Die Haubenverglasung entstand aus zwei Lagen gezogener Kabinenhauben. Zufällig hatte eine Modellbaufirma die passende Größe im Sortiment. Aufgeschraubt ist die Verglasung auf einem Holzgerüst aus verleimten Kiefernholzstreifen. Die Aufkleber für die Kennung und den Namenszug fertigte mir ein Hersteller für Reklameschriften nach den Originalfotos. Auch der Cockpitausbau entstand nach diesen Fotos, lediglich die Instrumente sind zugekauft und wurden noch mit Ringen und Verglasung versehen. Mit einigem Herzklopfen kam nun der erste Flug. Ein Versuch mit einem Gummikatapult an einem kleinen Hang brachte wegen des Modellgewichts von 8,2 kg und fehlendem Wind nur eine Rutschpartie. Besser ging es dann mit der Elektrowinde: aufbauen, ausrichten, Fläche in die Stützgabel und abspannen mit drei dünnen Paketgummis über das Seitenleitwerk und einem Erdnagel. Tief durchatmen, dann Vollgas! Das Seil spannte sich und als die Vorspannung groß genug war, rissen die Paketgummis und der Reiher hob schnurgerade ohne eine Korrektur ab. Bereits dieser erste Flug zeigte, dass der errechnete Schwerpunkt und die Einstellwinkeldifferenz, um die ich mir einige Sorgen gemacht hatte, stimmten. Doch bei der Landung nach dem dritten Flug bekam die Freude einen gewaltigen Dämpfer: Ich flog den Reiher in der Landekurve zu tief. Und als eine kräftige Windböe eine Tragfläche anhob, war ein hartes Aufsetzen nicht mehr zu vermeiden. Dadurch brachen ein Holmgurt einmal und der andere zweimal mit ganz kurzer Bruchstelle. Das war die Lehre daraus, dass sich steifes Kohlegewebe und elastische Kiefer nicht vertragen. Eine Reparatur erschien zwar möglich, um aber auf Dauer volle Sicherheit zu garantieren, habe ich dem Bau neuer Tragflächen den Vorzug gegeben. Die noch vorhandenen Teile und die Helling werden dabei sehr helfen. Auch einige kleine Verbesserungen, vor allem beim Aufbringen der Beplankung lasse ich dabei gleich mit einfließen. Ein so großer und umfangreicher Eigenbau ist ein ganz besonderes Erlebnis und nicht mit dem Bau eines Baukastenmodells zu vergleichen. Und meine Gedanken kreisen bereits um den nächsten Scale-Nachbau eines Segelflugzeuges. Adolf
Stärk
Auch beim
Cockpit-Ausbau wurde Wert auf Detailtreue gelegt. Die Gestaltung erfolgte
entsprechend dem Vorbild des OSC Wasserkuppe.
![]() ![]() Die Holzbauweise des Reihers ist filigran. Sämtliche Einbauten im Cockpit, einschließlich der Komponenten für die Fernsteuerung wurden wegen der besseren Zugänglichkeit bereits in diesem Baustadium funktionsfähig eingebracht. |
![]() Das Modell ist eine Meisterleistung des klassischen Holzbaus. Die Holmkonstruktion war schon 1937 am Original aufgrund des dünnen Profils am Rumpfanschluss eine handwerkliche Herausforderung. |
Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 3/2004 Das komplette Inhaltsverzeichniss 3/2004 Zur Heftbestelluwng bitte hier entlang. © AUFWIND 2004 |