TEST

Thermik-Jäger

Das F5J-Modell "Asperatus" von DNZ-Gliders


Der "Asperatus" aus Tschechien ist ein Geheimtipp unter Thermikfliegern

Zbynek Nadrchal in Tschechien bietet den selbst entwickelten "Asperatus" an. Das Modell hat sich zu einem Geheimtipp unter Thermikfreunden entwickelt. Olaf Ketelsen hat es ausgiebig geflogen und berichtet darüber.

Gegen Ende der letzten Saison entschied ich mich, ein neues Projekt anzugehen. Dieses Mal eher fliegerisch als bautechnisch. Die F5J-Klasse war für mich vielversprechend, auch beim Blick auf Wettbewerbe. Um tatsächlich an Meisterschaften teilzunehmen brauche ich jedoch noch viel Übung. Vor allem muss ich mich vom "gewohnten" Flugstil trennen - doch dazu später mehr. Im Internet entdeckte ich DNZ-Gliders in Tschechien und den "Asperatus". Das Modell habe ich in einer ARF-Ausführung in der Version "relax" bestellt und meine Wünsche mit dem Hersteller besprochen. Drei Monate später kam das große Paket an.

Der "Asperatus" war sehr sauber gefertigt, die dünnen, filigranen Bauteile ordentlich gearbeitet und die Endleiste messerscharf und gerade. Auch die Oberflächen waren beeindruck- end sauber. Der Hersteller verwendet dünnen Airex-Schaumstoff als Stützstoff, damit die Profiltreue am Flügel über die gesamte Spannweite gewährleistet ist. Die Ruder waren mit einem dünnen Band abgedichtet. Alles wirkte sehr hochwertig. Die Gewichte im Einzelnen:
Rumpf 390 g
Außenflügel 195 g
Mittelteil 530 g
Höhenleitwerk 55 g
Seitenleitwerk 45 g

Am CFK-Rumpf gab es kleine, minimale "Bläschen". Mehr war nicht zu beanstanden. Sie wa-ren auch nur bei genauer Betrachtung zu sehen. Die Naht des leichten Rumpfes war sauber verarbeitet und das ganze Modell ordentlich lackiert. Das Seitenleitwerk wird mit einem klei- nen Holm aufgesteckt. Die Kabinenhaube habe ich aus Sichtcarbon anfertigen lassen. Das gibt dem Modell ein schickes und hochwertiges Aussehen. Das Design und die Farbgebung kann man bei DNZ-Gliders auswählen. Ich habe mich für die Farben des Storchs entschieden: Schwarz-Weiß. Das passt auch zum Flugbild sehr gut, wie sich später noch zeigen sollte. Die Tragfläche ist dreiteilig und mit CFK/Schaum-Holmen ausgestattet. Man kann verschiedene Verbinder mit wahlweise fünf oder sieben Grad bestellen, um die V-Form am Außenflügel zu erhöhen, beziehungsweise zu verringern.

In meinem Modell wurden vom Hersteller die empfohlenen KST-Servos eingebaut: zwei "DS145MG" im Rumpf und vier "DS125MG" in der Tragfläche. Ebenso auch der "Mega 16/15/5CE"-Motor und ein "Castle Talon 35"-Regler. Lediglich die Klappluftschraube 10 x 6 Zoll tauschte ich gegen ein etwas höherwertiges Exemplar von Freudenthaler aus. Der Spinner passte sich sogar noch besser der Rumpfkontur an. Das Gewicht blieb das selbe wie bei dem mitgelieferten Alu-Spinner. Mit 3s-Lipo 1.800 mAh (145 g), Empfänger und Vario-Sensor kam mein "Asperatus" schließlich auf ein Abfluggewicht von 1.715 Gramm. Für die robuste "relax"-Allroundversion ein guter Wert. DNZ-Gliders bietet den "Asperatus" auch in CFK-Bauweise als "competition"-Version an, was noch mal 200 bis 300 Gramm einspart. Außerdem Leergewichte von 950 bis 1.200 Gramm.

Für den Erstflug zeigte sich das Wetter nach einigen Regenwochen dann doch noch gnädig. Anfang März konnte ich den "Asperatus" einfliegen. Noch war es nicht zu thermisch und ich hoffte, auch die Feineinstellungen erfliegen zu können. Mit laufendem Motor schubste ich das große Modell in die Luft. Es stieg zügig und schnurgerade ohne Korrekturen mit einem Winkel von etwa 45 Grad auf "Sicherheitshöhe". Dabei zeigte sich im Segelflug, dass sich der "Asperatus" sehr ausgewogen steuern lässt. In "Speed"-Stellung (Wölbklappen 1-2 mm nach oben) marschierte das Modell brav und gerade los. Danach wölbte ich in die "Thermik"-Stellung um. Das Vario hatte kurz gepiepst. Gleich nahm das Modell die Fahrt raus und mit einem Kick ins Seiten- und Querruder kreiste es sicher und souverän. So konnte ich bis zum nächsten Durchstarten schon acht Minuten motorlos oben bleiben. Dann wieder Wölbung auf "Normal"-Stellung, den Motor an, leicht ziehen und der Steigflug begann erneut. Das machte ich mit dem 1,8 Amperestunden großen Akku ungefähr fünf Mal hintereinander. Für die Landung habe ich die "Butterfly"-Stellung auf den Gasknüppel gelegt und zehn Prozent Tiefenruder beigemischt. Stabil ging der "Asperatus" in den langsamen Sinkflug über und ließ sich dabei noch relativ gut mit den Querrudern steuern. Bei böigem Wetter sollte man allerdings aufpassen, da die Querruderwirkung nicht mehr sehr stark ist.

Der "Asperatus" ist ein sauber gebautes F5J-Modell mit elegantem Aussehen und Flugbild. Die Flugleistungen sind beeindruckend. Gleichzeitig ist das Modell so einfach zu fliegen, dass es für mich eine Art "Luft-Yoga" bedeutet. Das Kreisverhalten ist gutmütig und die Überzieheigenschaften sind harmlos. Wird man zu langsam, nickt das Modell nur weg und fängt sich dann rasch wieder.

Idealerweise fliege ich das Modell im Flachland. An die für mich neue Flugweise muss ich mich noch gewöhnen. Das bedeutet: auch in niedrigen Höhen von fünf bis zehn Metern noch locker einzukreisen und Thermik auszufliegen. Mit meinen bisher geflogenen Großseglern habe ich zu dem Zeitpunkt schon längst die Landung eingeleitet. Mit dem "Asperatus" fängt das F5J-Fliegen da aber erst an. Vor allem bei der Teilnahme an Wettbewerben. Das ist mein Ziel für die neue Saison.

Olaf Ketelsen


Fakten

"Asperatus" von DNZ-Gliders
Ein F5J-Modell für jedermann

Spannweite 3.730 mm
Länge 1.850 mm
Gewicht 1.715 g
Fläche 76,6 qdm
Flächenbelastung 22,3 g/qdm
Preis: 1.460 Euro (kpl. ausgestattet)
Bezug bei DNZ-Gliders
Tel.: 00 420/606/653660
www.dnzgliders.com


Geliefert werden sauber gefertigte Teile, mit einem Leergewicht ab circa 950 Gramm


Der Pylon für das Höhenleitwerk ist stabil ausgelegt. Das Leitwerk selbst wird mit zwei Schrauben befestigt


Der Rumpfkopf bietet ausreichend Platz auch für größere Komponenten


In seiner Auslegung entspricht der "Asperatus" dem F5J-Standard. Was sich auch bei der Montage bemerkbar macht


Mit einem leichten Schubs und Motorkraft geht das Modell einfach aus der Hand


Die Steigleistung passt perfekt zum Modell und überfordert auch den F5J-Einsteiger nicht


Thermikfliegen ist mit dem Modell ein besonderer Genuss


In der Butterflystellung und mit zehn Prozent Tiefenruder gelingen Landeanflüge völlig entspannt



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