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Fliegen und Schleppen

Der "GM-Trainer" vom Grupp-Store mit 6s-Antrieb


Der "GM-Trainer" macht als einfach zu fliegendes Motormodell in ordentlicher Größe eine gute Figur

Als Herbert Locklair im Dezember 2020 zu Besuch bei Walter Grupp war und in AUFWIND 3/2021 darüber berichtete, wurde ihm auch der Prototyp des "GM-Trainer" gezeigt. Heute fliegt er das Modell viel und gerne und berichtet begeistert.

Der "GM-Trainer" soll nicht nur den Einstieg in die Fliegerei mit großen Motormodellen erleichtern, er soll auch zum F-Schlepp kleiner bis mittelgroßer Segelflugmodelle dienen und auch Huckepackschlepp ermöglichen. Entgegen dem üblichen Kreuzleitwerk hatte sich Walter Grupp bei dem neuen Modell für ein V-Leitwerk entschieden - für ein Motormodell eher ungewöhnlich. Doch die Vorteile sind klar: Es kann sich keine Schleppleine unter dem Höhenleitwerk verfangen und beim Huckepackschlepp muss der Aufsatz nicht so hoch sein, da der Seglerrumpf zwischen die beiden V-Leitwerkshälften passt. Zur Motorisierung stattet Walter Grupp seinen "GM-Trainer" mit 20- oder 30-ccm-Motor aus, wie zum Beispiel mit einem "3W-28i".

Gemeinsam hatten wir uns bereits im Dezember 2020 Gedanken über den Elektroantrieb des Modells gemacht. Der Rumpf hat zwischen den Tragflächen eine Klappe, durch die ein Akku-paket problemlos passt. Analog zu einem 20-ccm-Antrieb wollte ich erst einmal mit einem preiswerten 6s-Antrieb starten. Später sollte eine Powervariante mit 10s-Antrieb folgen. Mit-te 2021 sollte das Modell lieferbereit sein. In der Zwischenzeit wurde auch schon Kontakt mit Kontronik aufgenommen, um die Antriebsvarianten festzulegen. Als Motor für die 6s-Variante zeichnete sich schnell der "Kondor XL 30-37" ab, mit einem "Kolibri 90 LV I"-Regler und dem leistungsstarken 10-A-BEC.

Im Juli konnte ich dann auch mein Modell abholen. Die Qualität hat mich begeistert, keine Falte in der Folie, Inhalt und Zubehör waren bis auf Servos, Kabel, Empfänger und Antrieb komplett und hochwertig. Angeboten wird der "GM-Trainer" im Bundle mit den preisgünstigen GM-Servos "GM 5513MD" (40,5 x 20,2 x 44,2 mm, 55,6 g, 12,25 kg bei 6 Volt). Lediglich für die V-Leitwerksanlenkung kommen bei mir die kleineren "GM 2106" (29,2 x 13,9 x 31 mm, 21,3 g, 6,85 kg bei 6 Volt) zum Einsatz. Ein Elektromotor schüttelt nicht alles durch und die Kraft der Servos ist mehr als ausreichend. Auch sind sie zusammen knapp 40 Gramm leichter. Natürlich landeten alle Komponenten des Modells vorab auf der Waage: Rumpf mit Tragflächen zusammen 3.000 Gramm, das V-Leitwerk 375 Gramm, alle übrigen Teile zusammen 1.000 g.

Verklebung und Befestigung des V-Leitwerks sind gut und einfach gelöst. Die Leitwerkshälften sind genau passend geschnitten, der Gehrungsschnitt ebenso. Sie werden mit einer Dreiecksleiste dauerhaft verklebt, am besten mit eingedicktem Harz. Dazu muss man die Mulde im Rumpf mit Haushaltsfolie auskleiden, die Klebestellen einstreichen und die Leitwerks-hälften positionieren. Anschließend dann die Leitwerkshälften festhalten, die Dreiecksleiste einsetzen und verschrauben. Am nächsten Tag ist alles bombenfest. Für die kleineren V-Leitwerksservos mussten noch Servobrettchen geschnitten und in den Rumpf geklebt werden. Nun galt es nur noch die Kabel nach vorne hin zu verlängern, die Ruderhörner an die Ruder anzuschrauben und die Gestänge herzustellen. Da diese wieder mit Links- und Rechtsgewinde ausgestattet sind, lässt sich das Gestänge einstellen, ohne die Kugelgelenke abzubauen.

War ich jetzt schon einmal beim Rumpf, wurde auch gleich der Motor befestigt. Mit vier Aluminium-Rundbolzen mit Innengewinde ließ sich der Motor so platzieren, dass der Spinner gut abschließen konnte. Der Mittelpunkt zum Bohren der entsprechenden Befestigungslöcher ist am Motorspant passend platziert. So stimmt alles von vornherein. Auch der Drehzahlsteller fand im Rumpf ganz vorne seinen Platz. Der Flugakku wird auf einem Brett befestigt, das vorne am Motorspant von einer Lasche und hinten mit einer M5-Nylonschraube gehalten wird. Unter dem Akku wurde durch eine vorhandene Öffnung das Bugradservo eingebaut. Sowohl dafür, wie auch für das Schleppkupplungsservo dienen im Bausatz enthaltene Servokästen. Auch die Schleppkupplung wird von Walter Grupp angeboten. Sie konnte direkt in der dafür vorgesehenen Öffnung im Modell verschraubt werden. Als Letztes blieben dann noch Motorhaube und die vordere Windschutzscheibe zu verschrauben, sowie Luftschraube und Spinner und die Radschuhe. Auch an den Tragflächen war nicht mehr viel zu tun, da die Ruder bereits ab Werk mit Scharnieren gelagert waren. Also mussten nur noch die Ruderhörner an- und die Servos eingeschraubt und das Gestänge hergestellt werden. Auch hier wieder mit den vorhandenen M3 Kugelgelenken. Alles zusammenge- steckt ergaben sich 6.380 Gramm mit dem Flugakku 6s-LiPo mit 5.000 Milliamperestunden. Jetzt wurde der "GM-Trainer" einfach an der Flächensteckung gehoben und der Schwerpunkt gesucht. Ganze zwei Messingbolzen mit zusammen 400 Gramm waren noch direkt hinter dem Motor erforderlich. Ein Testlauf des Motors im Stand mit der Luftschraube 17 x 10 Zoll Xoar PJN ergab 63 Ampere Stromaufnahme bei knapp 7.000 Umdrehungen.

In den Tagen vor der Glider-Expo in Hülben unternahm ich den Erstflug: Den "GM-Trainer" auf die Graspiste gerollt, Rudercheck und den Gasknüppel langsam nach vorn geschoben, setzte sich das Modell in Bewegung. Es beschleunigte zügig und nach circa zehn bis 15 Meter war das Bugrad oben und kurze Zeit später das ganze Flugzeug in der Luft. Erst mäßig am Höhenruder gezogen um noch Geschwindigkeit aufzunehmen, dann etwas mehr und im Winkel von circa 45 Grad ging es nach oben. Die Leistung ist mit dem 6s-Antrieb mehr als ausreichend für so einen Trainer. Lediglich 12 bis 15 Ampere genehmigte sich der "Kondor XL 30-37"-Motor beim Herumfliegen. Die Reaktionen auf die Ruder sind direkt, aber nicht kräftig - ganz ein Trainer eben. Die von Walter Grupp angegebenen Ausschläge passen auch gut. Es ist angenehmes Fliegen, extrem gutmütig. Zur Landung ist keine Tiefenruderbeimischung erforderlich, da deckt sich meine Erfahrung mit der Angabe von Walter Grupp.

Fliegerisch ist mit dem "GM-Trainer" vieles machbar, die Festigkeit der Zelle macht alles mit, auch etwas ruppige Landungen. Kunstflug kann selbstverständlich auch absolviert werden, je nach Können des Piloten. Selbst ein schöner Messerflug ist machbar - trotz V-Leitwerk.

F-Schlepp habe ich während der Schleppwoche auf dem Glocknerhof im Drautal ausprobiert. Premiere mit einer sechs Kilogramm schweren "Ka-8b" am Schleppseil. Der Segler wurde auf einen Startwagen gesetzt, da er sonst auf der Kufe gelegen hätte. Langsam setzte sich das Gespann in Bewegung. Erst hob der Segler ab, dann war auch der "GM-Trainer" frei. Mit circa drei Meter/Sekunde ging es vorbildähnlich nach oben. Somit ist F-Schlepp mit Seglern bis zu fünf Kilogramm problemlos möglich. Wer mehr will, sollte einen kräftigeren Antrieb nehmen. Auch zehn LiPo-Zellen mit rund sechs Amperestunden passen noch in den Rumpf. Als Motor schwebt mir da ein "Pyro 850-24" vor, der dann auch mehr als neun Kilogramm Schub liefern soll. Die Propellergröße ist bis maximal 20 Zoll am Modell möglich. Die Hälfte des Mehrgewichtes durch den Powerantrieb kann dabei durch das Entfernen des Trimmgewichtes eingespart werden. Doch darüber dann demnächst mehr hier in AUFWIND.

Kurzum, der "GM-Trainer" ist ein außergewöhnliches Modell mit hervorragendem Design, sehr weiter Vorfertigung und in exzellenter Qualität. Er ist auf alle Fälle eine Empfehlung wert, nicht nur zum Einstieg in die Großmodellfliegerei.

Herbert Locklair


Fakten

"GM-Trainer" von Grupp
Ein Motorflugtrainer und Schlepper

Spannweite 2.244 mm
Länge 1.900 mm
Gewicht 6.780 g
Fläche 86,73 qdm
Flächenbelastung 78,17 g/qdm
Preis: 595,- Euro
Bezug bei Grupp Modellbau
Tel.: 07365/919044
www.gruppstore.de


Abgeholt wurde das Modell direkt in der Werkstatt der AUFWIND-Redaktion


Die gelieferten Teile sind komplett und von sauberer Qualität


Das aufgelaserte Fadenkreuz zeigt, wo sich die Mitte des Motors am Motorspant befinden soll


Motorhaube und Tragflächenwurzel stehen stellvertretend für die hohe Qualität des Modells


Die acht GM-Servos. Die beiden kleineren reichen bei Elektroantrieb für das V-Leitwerk vollkommen aus


Am V-Leitwerk muss zum Verkleben mit der Dreikantleiste noch etwas Folie entfernt (links) werden


Auch der Blick in das Rumpfinnere zeigt: alles sauber gelasert und verklebt, eine durchdachte Konstruktion


Der Kontronik-Motor "Kondor XL 30-37" sorgt für adäquate Leistung mit 6s-LiPo. Er wird über vier Alubolzen befestigt, leider waren noch 400 Gramm Trimmgewicht erforderlich


Kraftvoll ging es von der Wiese in Hülben zum Erstflug


Dank der gut wirkenden Klappen lässt sich das Modell perfekt an die Flugaufgaben anpassen


Der "GM-Trainer" hat sich als eigenstabil fliegendes, und dennoch leistungsfähiges Motorflugmodell erwiesen



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2022

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