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Der "Slope Infusion" von Höllein


Der "Slope Infusion" ist ein alltagsgerechter Elektrosegler mit herausragenden Flugleistungen

Für die ganz in Holz gebauten Elektrosegler des Konstrukteurs Ralf Grüner ist das Höllein-Team bekannt. Der neueste Coup ist ein Vier-Klappen-Segler mit zwei Meter Spannweite. Philipp Gardemin hat sich mit dem "Slope Infusion" beschäftigt.

Zwei Meter Spannweite, ein modernes Profil "S7012" mit geringer Dicke, Vier-Klappen-Flügel und ein schnittiges Äußeres. Diese Eckpunkte erwartet man von einem dieser Voll-GFK-Modelle. Sie sind seit Jahren - oft aus Fernost - auch auf dem deutschen Markt populär. Aber als Holzmodell mit Kastenrumpf, Brettchenleitwerken und Tragflächen in Holm-Rippenbauweise? Dazu gehört Mut! Mit seinem neuen "Slope Infusion" hat der Konstrukteur Ralf Grüner einen Spagat geschafft: Er bietet dem Modellbauer einen angenehmen und kurzweiligen Zeitvertreib in der Werkstatt und gibt dem Modellsport- ler ein leistungsfähiges Elektrosegelflugmodell in die Hand! Und wer könnte so ein Modell besser anbieten als Der Himmlische Höllein?

Wer die Konstruktionen von Ralf Grüner kennt wird bestätigen, dass der Konstrukteur nichts dem Zufall überlässt. Da passt auch das kleinste Teil exakt in die vorgesehene Position. Ein Nacharbeiten der lasergeschnittenen Holzteile ist nicht nur überflüssig, sondern würde sogar die perfekte Passung zunichte machen. Gleiches gilt für die Reihenfolge des Baus, wie sie in der Anleitung beschrieben ist. Ein spontan vom Erbauer vorgezogener Arbeitsschritt kann durchaus zu Problemen führen, weil das jeweilige Teil sich beispielsweise gar nicht mehr an seine Position bewegen lässt. Die umfangreiche Bauanleitung in A5-Format, versehen mit 3D-Zeichnungen aller Arbeitsschritte und der mehrfarbig (!) ausgedruckte Bauplan tragen außer- dem zur erfolgreichen Fertigstellung bei.

So war dann auch der Bau des "Slope Infusion" ein ständiges Wiederkehren von drei Arbeitsschritten: die benötigten Teile gemäß Bau- anleitung heraussuchen, aus den Laserbrettern befreien und schließlich verkleben. Das lief alles in einer so entspannten Weise ab, dass sich das Modell quasi wie von selbst gebaut hat. Fehler in der Anleitung, falsch nummerierte Teile oder nicht passendes Zubehör? Fehlanzeige!

Der Rumpf ist eine Kastenkonstruktion. Dazu wurden die Rumpfseiten - übrigens als "L"(inks) und "R"(echts) gekennzeichnet - jeweils zweilagig vollflächig verklebt. Die Spanten wurden in entsprechende Nuten gesteckt und verklebt. Mit einem Strich als Mittellinie auf dem Baubrett wurde der Rumpf ausgerichtet. Klare Empfehlung ist hier die Verwendung von Weißleim, das gibt Zeit und Ruhe, die Arbeitsschritte wirklich exakt auszuführen. Beplankt wurde dann oben und unten mit Brettchen mit Quermaserung. Die mussten auch nicht von einer Meterware abgeschnitten werden, sondern lagen gelasert und nummeriert bei. Der ausgefräste Klotz zum Einbau des Motors passte ebenso exakt in das Rumpfvorderteil. Mit aufgeklebtem GFK-Motorspant ließ sich das ganze Kunstwerk dann auch formschön schleifen. Ein schönes Detail übrigens die Leisten für den Servoeinbau: Dafür gibt es etwas längere Nuten in den Innenlagen der Rumpfseiten. So kann der Abstand passend zu den verwendeten Servos eingestellt werden - auch nach dem Finish des Modells.

Die Leitwerke bestehen aus gelaserten Einzelteilen, die im verklebten Zustand erstaunlich steife, verzugsfreie und federleichte Brettchenkonstruktionen ergeben. Dass das Höhenleitwerk mit zwei M3-Nylonschrauben abnehmbar gestaltet ist, überrascht an dieser Stelle auch nicht mehr - im positiven Sinne! Selbst zum Einkleben der aus GFK gefrästen Ruderhörner wa-ren entsprechende Schlitze gelasert.

Die dreiteilige Tragfläche war, von der Anzahl der Teile her gesehen, das aufwändigste Bauteil des Modells. Was aber nicht heißen soll, dass man da besonders lange dran bauen muss. Ganz im Gegenteil: Die Rippen wurden auf die CFK-Rohre aufgeschoben, über dem Plan ausgerichtet und fixiert, schließlich mit dünnflüssigem Sekundenkleber verklebt. Die Nasenleiste ist ein 2-mm-CFK-Stab. Also musste auch hier nichts geschliffen werden. Lediglich beim Aufbau der mittleren Zentralrippe sowie den jeweiligen Anschlussrippen an den Teilungen sollte man sich ein wenig mehr konzentrieren, um hier keinen Fehler einzubauen. Andere Hersteller nennen solche Bauteile "Multifunktionsrippen" - bei Ralf Grüner sind es schlicht ideal gelöste Konstruktionen. Ein Highlight übrigens auch die Servodeckel aus Sperrholz. Hier wurden zum Verschrauben der Servos keine banalen Holzklötzchen beigelegt, sondern mehrteilig aufzubau- ende Winkel konstruiert. Die waren wiederum in entsprechende Nuten einzusetzen. Fertig aufgebaut, musste an den Tragflächenteilen nur an ganz wenigen Punkten die Schleifleiste angesetzt werden. Eine tolle Idee übrigens der Aufbau des Randbogens aus einem Laserteil aus 1,5-mm-Flugzeugsperrholz. Warum? Weil dieser Randbogen erstens auch beim Bügeln gerade bleibt und zweitens auch bei einem Radschlag des Modells nicht kaputt geht. Und wenn doch, kann vom Rest des Modells auch nicht mehr viel übrig sein.

Somit lag nach rund 16 Baustunden der rohbaufertige "Slope Infusion" auf der Werkbank. Die Feinwaage zeigte 378 Gramm - ein sehr gu-ter Wert. Mit weißer Oracover-Folie und Reststücken "Magenta-transparent" wurde schließlich bespannt und gestaltet.

Zur technischen Ausstattung des Modells habe ich exakt die Empfehlung des Höllein-Teams befolgt, weil es aus Erfahrung passt und erprobt ist: Zum Antrieb ein Hacker-Motor "A20-12XL" (28 x 40 mm, 78 g, 1.039 kv) mit 40-A-BEC-Regler und 10 x 6 Zoll großer Klappluftschraube im 35-mm-Spinner. Dazu passend ein 3s-LiPo mit 1.300 Milliamperestunden. Für die Tragfläche noch vier Servos "DS-140" (23 x 9 x 29 mm, 9,5 g, 48 Ncm) und für den Rumpf zwei KST-"DS113" (23,9 x 11,7 x 27,7 mm, 12 g, 18 Ncm). Und weil halt alles so gut gepasst hat, war der Ausbau eine Sache von knapp zwei Stunden. Ganz ohne Modifikationen oder Anpassungen.

Mit 877 Gramm (Angabe von Höllein: 900 g) lag der "Slope Infusion" schließlich flugbereit da. Der Schwerpunkt ließ sich perfekt mit dem Flugakku einstellen. Und weil man ja weiß, dass die Modelle aus dem Stand weg gut fliegen, gab es auch keinerlei Bedenken zum Erstflug. Mit voller Motorleistung wurde das Modell kraftvoll in die Luft geschoben. Nach wenigen Metern waagerecht ging es sogleich senkrecht nach oben. Das alles aber nicht nervös schnell, sondern ruhig, konstant und in absolut stabiler Fluglage. Die empfohlenen Ruderausschläge er- wiesen sich als ideal. Dann den Motor aus und im Segelflug ging es direkt weiter. Nur unmerklich langsamer zog der "Slope Infusion" seine Bahnen. Schnell wurde klar, das Modell will gesteuert werden. Sauber geflogene Kurven quittiert es ohne Fahrtverlust - ganz gleich, ob schnell oder langsam. Aus dem Gleitflug heraus lassen sich Loopings und Rollen fliegen, im Rückenflug ist nur wenig Tiefenruder notwendig. Auch der Gleitwinkel wird nur wenig schlechter auf dem Rücken. Werden die Flaps positiv verwölbt, wird der "Slope Infusion" deutlich langsamer, aber nicht schwammig. Mit voller Motorleistung lässt er sich wie ein Pylonflitzer bewe- gen, das Flugbild sieht entsprechend aus. Nur sollte man "mit einem harten und mit Motorleistung um die Ecken ziehen" die Festigkeit nicht herausfordern. Mit voller Butterflystellung geht es senkrecht nach unten. Es kann auf Handtuchgröße gelandet werden.

Heute, nach circa 50 Flügen, lässt die Begeisterung noch immer nicht nach. Das Modell ist alltagsgerecht, leistungsfähig, abwechslungsreich und ebenso Thermikjäger wie auch Akrobat. Hinzu kommt, dass es dank der Zerlegbar- keit auch in die kleinsten Lücken des Kofferraums passt. Ralf Grüner und das Höllein-Team haben mal wieder gute Arbeit geleistet. Das schreit doch förmlich nach einer baldigen Fortsetzung.

Philipp Gardemin
Fotos: Pascal Fempel, Philipp Gardemin


Fakten

"Slope Infusion" von Höllein
Ein Elektrosegelflugmodell mit Leistung

Spannweite 1.950 mm
Länge 1.110 mm
Gewicht 877 g
Fläche 30 qdm
Flächenbelastung 29,2 g/qdm
Preis: 169,- Euro
Bezug bei Der Himmlische Höllein
Tel.: 09561/555999
www.hoelleinshop.com


Die lasergeschnittenen Teile sind von hervorragender Material- und Schnittqualität


Die Brettchenleitwerke werden mit bereits geschnittenen Teilen sinnvoll abgesperrt


Die Nuten für die Ruderhörner sind ebenso vorgesehen, wie auch eine schraubbare Befestigung des Höhenleitwerks


Der GFK-Spant wird aufgeklebt und passend zum Spinner zusammen mit dem Balsaklotz runtergeschliffen


Die Tragfläche besteht aus einem großen Rohrholm mit aufgezogenen Rippen


Der Randbogen ist aus Flugsperrholz, damit sehr robust und alltagtauglich


Die im Text erwähnten Servodeckel mit den Servobefestigungen


Der Rohbau des Modells wog lediglich 378 Gramm


Das Antriebs- und RC-Set stammt komplett von Höllein. Der Empfehlung kann ohne Bedenken gefolgt werden


Die Tragflächenservos werden direkt auf dem Deckel verschraubt. Bespannt wurde erst nach dem Verlegen der Kabel


Mit leichtem Schwung aus einem großen Schritt heraus lässt sich das Modell problemlos starten


In der Luft zeigt sich der "Slope Infusion" mit allerbesten Flugleistungen und -eigenschaften


Auch bodennah lässt sich herumsegeln, lediglich unterbrochen von ganz kurzen Laufzeiten des Motors


Dynamischer Kunstflug steht dem Modell gut und macht viel Spaß


Mit voll gesetztem Butterfly sind steile und kurze Anflüge möglich



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