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Rasant am Hang

F3F-Fliegen mit dem "Wasabi"


Mit dem "Wasabi" bekommt der Pilot ein Hochleistungsmodell zum Hangfliegen

Der sympathische Franzose Pierre Rondel ist ein erfahrener F3F-Pilot. Er steht im ständigen Austausch mit allen wichtigen Herstellern von Voll-GFK/CFK-Hochleistungsmodellen. Mit dem "Wasabi" von Aviatik hat er ein leistungsfähiges Sportgerät gefunden. Er berichtet über seine Erfahrungen mit dem Modell.

Der Markt für Voll-GFK/CFK-Modelle scheint ja sehr gut zu laufen. Man sehe sich nur die langen Lieferzeiten und die steigenden Preise einiger Hersteller an. Außerdem sind Wettbewerbspiloten oft sehr konservativ. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass sie das gleiche Flugzeug wie ihre Mitstreiter kaufen. Nicht, weil es das beste Flugzeug ist, sondern weil sie keine Risiken eingehen wollen. Folgedessen nähern wir uns manchmal dem "Ein-Design-Wettbewerb", was sehr schade ist. Deshalb ist es interessant, sich neue Firmen anzuschauen um zu sehen, was sie anbieten. So zum Beispiel Aviatik Composites in der Slowakei mit dem "Wasabi".

Der aerodynamische Teil des "Wasabi" wurde in Zusammenarbeit mit keinem Geringeren als Dirk Pflug gestaltet. Das Modell hat eine Spannweite von drei Metern. Was etwas größer als der übliche Durchschnitt ist, dennoch im idealen Abmessungsbereich für F3F bleibt. Die Tragflächenform ist elliptisch mit abgerundeten Flügelspit- zen und einer weniger ausgeprägten Rückpfeilung. Die Quer- sowie V-Leitwerksruder gehen laut Hersteller aus praktischen Gründen nicht ganz durch. Der Rumpf ist in seiner schlanken Form vergleichbar mit einem "Freestyler 3" oder "Pike Precision 1". Er hat einen Ballastraum, zusätzlich zum Verbinder und zum Flügelballast. Es ist wichtig anzumerken, dass der "Wasabi" leicht die FAI-Grenze von 75 g/qdm Flächenbelastung überschreiten kann, wenn alle Ballasträume gefüllt sind. Daher ist es ratsam, im Wettbewerb wachsam zu bleiben um die FAI-Regeln einzuhalten.

Der "Wasabi" wird in verschiedenen Versionen angeboten. Angefangen von der einfachen "Carbon 160"- zu einem attraktiven Preis, bis hin zur doppelten "Carbon 160/160"- sowie ergänzt um die einfache oder doppelte "Carbon 90"-Bauweise. Ich persönlich wählte die Version "double carbon 160/90", die einen guten Kompromiss zwischen Robustheit und Gewicht bietet.

Die Tragflächen und Leitwerke werden in Schutztaschen geliefert, eine Rumpftasche gibt es optional. Neben den schönen Carbon-Servo-rahmen und dem LDS-System von MP-Jet bekommt man auch alle erforderlichen Kleinteile zur Montage der Servos in den Tragflächen, ebenso die Kabelbäume. Auch Rumpf- und Flügelballast sowie Distanzscheiben und eine Einstellschablone für den Flügel und das Leitwerk sind im Lieferumfang enthalten.

Die Bauteile sind sehr gut gemacht, ohne Grat und mit sehr sauberen Ausschnitten. Die Tragflächen lassen eine Liebe zum Detail erahnen. So zum Beispiel an der CFK-Wurzelrippe, die perfekt für den Einbau eines grünen Multiplex-Steckers vorbereitet wurde. Selbst Ballastraum und Verbinderkasten weisen scharfe Winkel und spiegelnde Oberflächen auf. Der Verbinder kann ohne Kraftaufwand eingesetzt werden. Der Tragflächenverbinder ist besonders breit, einteilig und weckt Vertrauen.

Am V-Leitwerk befindet sich je eine CFK-Wurzelrippe. Höhenruderhörner und Zentrierstifte waren ebenfalls vorhanden. Der einzige Nachteil - wenn man es als solchen bezeichnen will - war für mich, dass die Gabelköpfe nicht völlig frei zugänglich sind, wenn das Leitwerk an seinem Platz ist. Es fehlen nur wenige Millimeter für einen perfekten Zugang.

Im Rumpf war das Ballastrohr schon eingebaut. Und das mit Gewindeeinsätzen für M2-Schrauben bestückte Servobrett war bereit für den Einbau der Servos. Die Trennnaht des Rumpfes ist fast unsichtbar und zeigt eine hervorragende handwerkliche Verarbeitung. Die Anlen- kungen bestehen aus teflonbeschichteten Glasfaserstäben, die in einer Kunststoffhülse gleiten. Mir persönlich gefällt diese Lösung, die ich einem starren CFK-Stab vorziehe. Da auch der vordere Rumpf aus CFK besteht - was für mich eine klei-ne Überraschung war - müssen die Antennen herausgeführt werden. Ein 2,4-Ghz-freundlicher Rumpf kann aber bestellt werden.

Ich begann mit der Vorbereitung und Fertigstellung der Kabelbäume für den Rumpf und die Flügel. Der Einbau der Höhenruderservos in den Rumpf war eine Freude. Kein Bohren, kein Ausfräsen - einfach MKS-"HV6125e" (23 x 12 x 27 mm; 19,9 g) einsetzen und mit M2-Schrauben fixieren. Zur Fertigstellung der Anlenkungen montierte ich das Leitwerk auf den Rumpf, befestigte die Ruder mit etwas Papierklebeband in die Neutralstellung, maß dann genau die Länge aus und klebte die Messing-Gewindekupplungen auf. Als Empfängerakku kam ein 2s-Lithium-Ionen-Akku 18650 in den Rumpf, als Empfänger ein "REX6" (38 x 25 x 11 mm; 11 g) von Jeti. Der befindet sich horizontal über dem Akku, direkt vor den Servos.

An den Tragflächen ging es nun um den Einbau der LDS-Anlenkungen und Servohalterungen. Zuerst wurden die Hörner und die GFK- Arme auf die Ruderseite geklebt. Zu beachten war dabei, dass der Arm senkrecht zum Scharnier steht. Die Querruderarme sind etwas kürzer als die Wölbklappenarme, was der Servoneutralstellung und der Wegdifferenz geschuldet ist. Als Servos habe ich die ausgezeichneten MKS-"HBL 6625 mini" (30 x 10 x 29,9 mm; 28 g) eingebaut. Die Servorahmen wurden eingeklebt - alles Routine. Es blieb noch, den grünen Stecker an der Wurzelrippe einzukleben, zur Vergrößerung der Klebefläche mit zwei kleinen Holzkeilen hinter der Rippe.

Mein "Wasabi" in der Doppel-Carbon-Version 160/90 wog ohne Ballast nun 2.500 Gramm. Das ist etwas mehr als die Angabe auf der Website des Herstellers - aber nichts Kritisches. Den Schwerpunkt legte ich auf 92 Millimeter fest. Der erste Flug fand unter idealen Bedingungen statt. Für diesen Erstflug habe ich das Modell auf knapp 2,9 Kilogramm ballastiert. Gleich nach dem Abwurf zeigte der "Wasabi" viel Energie und Geschwindigkeit. Also begann ich, einige Runden zu drehen um das Potential zu erkennen. Und ich wurde nicht enttäuscht: Der "Wasabi" hat eine hohe Geschwindigkeit auf der Flugbahn und viel Griffigkeit in den Kurven mit hoher Belastung. Und das zusätzlich zur hohen Wendigkeit und Reaktionsfähigkeit aller Ruder. Ich konnte eine Reihe von Runden drehen, ohne dass dem "Wasabi" die Luft ausging.

Auch unter schwächeren Bedingungen geht es mit dem "Wasabi" gut. Allerdings bestraft ihn dann sein ballastfreies Gewicht von 2,5 Kilogramm mit etwas mehrTrägheit. Wenn wir bedenken, dass das ideale Gewicht bei einem Wind von drei Metern/Sekunde etwa 2,3 Kilogramm beträgt, bedeutet dies, dass dieses Modell bei fünf Metern/Sekunde zu "atmen" beginnt. Ab sechs Meter/Sekunde können wir ballastieren, mit 100 Gramm pro zusätzlichem Meter/Sekunde Windgeschwindigkeit. Dies bitte als Näherungswert verstehen, der je nach Hanglage, Höhe und Effizienz angepasst werden muss.

Insgesamt leistet der "Wasabi" in der F3F-Flugaufgabe wirklich gute Arbeit. In Kurven kombiniert er eine ausgezeichnete Energierückgabe, Beschleunigung und Geschwindigkeitserhaltung. Die Ballastverteilung ist nicht die günstigste für die schrittweise Ballastierung, aber der Ballast-raum des Rumpfes erlaubt es, den Schwerpunkt durch Vor- oder Rückwärtsbewegen des Ballasts zu regulieren. So verbleibt die eigentliche Last auf dem anfänglichen Schwerpunkt.

Auch bei eher sportlichem Fliegen reagiert der "Wasabi" sehr angenehm. Und das sowohl bei der Thermikjagd und beim Kreisen als auch beim Kunstflug. Die Rollen sind perfekt zentriert und den Rückenflug kann man endlos halten, wenn es die Bedingungen und das Flugvolumen erlauben. Auch vertikale Manöver sind mit einer großen Amplitude und entsprechender Geschwin- digkeit sehr gut.

Kurze und steile Landungen sind mit der Butterflystellung ein Kinderspiel. Man sollte nur da-ran denken, dem Modell kurz vor der Bodenberührung eine gewisse horizontale Geschwindigkeit zu geben. Vor allem, wenn das Flugzeug mit Ballast beladen ist.

Kurzum, der "Wasabi" hat alle Eigenschaften, die ich von einem Segelflugzeug mit dieser Spannweite erwarte. Leider hatte ich im vergangenen Jahr keine Gelegenheit, das Modell im Wettbewerb einzusetzen. Aber ich bin zuversichtlich, dass der "Wasabi" konkurrenzfähig ist und seinen Wert schnell unter Beweis stellen wird.

Pierre Rondel
Bilder: Joël Marin, Pierre Rondel


Fakten

"Wasabi" von Aviatik
Ein Hochleistungs-F3F-Modell

Spannweite 3.000 mm
Länge 1.452 mm
Gewicht ab 2.500 g
Fläche 56,2 qdm
Flächenbelastung ab 44,5 g/qdm
Preis: ab 1.250 Euro
Bezug bei Aviatik Composites
E-Mail: stancekjuraj@gmail.com
www.aviatikcomposites.sk


Die Bauteile sind von erstklassiger Qualität, komplett mit Zubehör, Ballast und Einstellschablone


Die Flügelwurzelrippe ist aus Carbon und zeigt die hervorragende Handwerkskunst des Herstellers


Das Ballastrohr im Rumpf ist installiert. Die Servoschale ist mit M2- Messingeinsätzen versehen


Passgenauigkeit und Finish sind ausgezeichnet. Hier am Beispiel des Heckbürzels mit dem V-Leitwerk


Der verfügbare Platz für die Servos im Rumpf ist wegen des Ballastrohrs begrenzt, aber ausreichend


Das ausgezeichnete LDS-System von MP-Jet ist mit schönen CFK-Servorahmen ausgestattet


Der "Wasabi" ist ein Sportgerät für den leistungshungrigen Modellpiloten


Sportliches Fliegen steht dem "Wasabi" sehr gut, wie auch die Thermikjagd und der Kunstflug



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