SPECIAL

Kunstflug-Schlepper

Elektro-Motorflug mit der "Zlin Z-50" von Radim Horky


Die 30 Zoll große Dreiblattluftschraube ist genauso vorbildgetreu wie das Flugzeug selbst

Mit der "Zlin Z-50" hat Radim Horky ein vorbildgetreues Voll-GFK-Motorflugmodell geschaffen. Im Team um TUN-Modellbau in der Schweiz hat es sich bereits als kräftiger Schlepper erwiesen. Philipp Gardemin berichtet.

Zum Test- und Demoweekend von TUN-Modellbau 2018 nahe Schaffhausen brachte Radim Horky die Tragfläche eines neuen Motorflugprojekts mit. Schnell wurde das Objekt herumgereicht. Das Bauteil begeisterte die Anwesenden durch das geringe Gewicht und die sowohl makellose, wie detailreiche Oberfläche. Viel war damals nicht zu erfahren, nur - dass es eine "Zlin" werden sollte.

Im Mai 2019 bekam TUN-Chef Ueli Nyffenegger sein persönliches Exemplar - natürlich elektrisch: Ein Hacker-"Q100-6L" sorgt mit 14s-LiPo an einer vorbildgetreuen Dreiblatt-Luftschrau-be 30 x 14 Zoll für eine gewaltige Kraft. Bei der GPS-Weltmeisterschaft im September 2019 in Spanien wurde die "Zlin" sogar als Schlepper im Wettbewerb eingesetzt. Parallel zu den Schleppern mit Benzinmotoren. Die Hochleistungs-Großsegler mit bis zu 25 Kilogramm stellten für Modell und Antrieb kein Problem dar, ganz im Gegenteil, da war noch reichlich Luft nach oben.

Im Original begannen die Konstruktionsarbeiten für die "Zlin Z-50" bereits 1973. Am 18. Juli 1975 startete der erste von insgesamt drei Prototypen zum Jungfernflug. 1976 belegte das Flugzeug bei der Kunstflug-Weltmeisterschaft in Kiew den 2. Platz in der Mannschafts- und den 3. Platz in der Einzelwertung. Ende der 1970er-Jahre ging die "Z-50LA" mit Verstellpropeller-Regelung in Serie. Eine etwas leistungsschwä- chere Version mit dem preisgünstigeren "M-137AZ"-Motor hieß "Z-50M" und flog erstmals 1988. Zuletzt flog die von Red Bull gesponserte Kunstflugstaffel "Flying Bulls Aerobatics" bis 2014 die "Zlin Z-50LX".

Für Radim Horky war die Realisierung dieses Flugzeugs als vorbildgetreues Modell eine Art Herzensangelegenheit. Sozusagen von Geburt an - im selben Jahr war nämlich der Erstflug des Prototypen - begleitet ihn die "Zlin Z-50". Sie war in seiner Geburtsregion ein damals sehr populärer Flugzeugtyp. Bis heute gilt sie dort als Inbegriff des Kunst- und Sportflugzeugs.

Die Idee zum Modellnachbau entstand bereits 2005. Doch es sollten 13 Jahre vergehen, bis die Konstruktion, die Urmodelle und die Formen fertiggestellt waren. Radim Horky wollte mit diesem Modell einmal mehr seinen Hang zur Perfektion, zur Vorbildtreue und der Detailverliebtheit ausdrücken. Als besonders gelungene Merkmale bezeichnet er die Oberfläche des Modells mit zahllosen Nieten- und Deckelimitationen, die Streben des Höhenleitwerks und die technischen Details, wie beispielsweise die ausbalancierten Ruderflächen. Aufgebaut ist das Modell zudem mit zahlreichen CFK-Rippen, Stringern und Spanten. Damit konnte die Schale des Modells sehr dünn ausgeführt werden. Was zum einen das Gewicht niedrig hält und zum anderen den Eindruck einer dünnen Blechstruktur oder auch Bespannung vermittelt. Die vollsymmetrische Profilierung wurde vom Original übernommen, ebenso die hohe Profildicke. Die gro- ßen Querruder können am Stück belassen, wahlweise aber auch in Landeklappen und Querruder aufgetrennt werden.

Im Maßstab von 1:2,5 konstruiert, hat die "Zlin Z-50" genau 3,5 Meter Spannweite. Die Tragflächenhälften sind jeweils inklusive der Holmbrücke genau zwei Meter lang und 70 Zentimeter tief. Der Rumpf ist von der Rückkante des Seitenruders bis zur Vorderkante der Motorhaube 2,5 Meter lang. Das Seitenleitwerk hat eine Höhe von stolzen 80 Zentimetern. Die Flächengröße wird mit 208 Quadratdezimetern angegeben, was bei 18 Kilogramm Gewicht eine Flächen- belastung von 86,5 Gramm/Quadratdezimeter ergibt.

Das erste Modell aus der Form - wie bereits eingangs erwähnt - wurde mit einem Hacker-Motor "Q100-6L" und 14s-LiPo motorisiert. Der 2,3 Kilogramm schwere Motor hat 113 Millimeter Durchmesser und 28 Pole. Damit wiegt die "Zlin" 18,5 Kilogramm, ist mit zwei seitlich unter dem Cockpit angebrachten Schleppkupplungen ausgestattet und fliegt heute im Dauereinsatz bei Ueli Nyffenegger. Er bietet mit seiner Firma TUN-Modellbau die Modelle von Radim Horky in der Schweiz an. Als Motorisierung mit Benzin- oder Viertaktmotoren empfiehlt Radim Horky einen Valach mit 170 ccm, einen DA-200 oder auch einen MVVS-190.

Der vorbildgetreue Motorkunstflug, dynamisch, kraftvoll und formschön ist die Domäne der "Zlin Z-50". Piloten berichten, dass sich das Modell wie ein Kunstflugtrainer fliegen lässt. Macht man es zu langsam, sackt es einfach durch, fällt aber nicht ins Trudeln. Bei zahllosen Einsätzen hat sich die "Zlin" mit Ueli Nyffenegger am Knüppel auch als Powerschlepper bewährt. Sind die 1:3-Scalemodelle der GPS-Fliegerei keine echte Herausforderung mehr für Modell und Antrieb, wurde zuletzt sogar eine 43 Kilogramm schwere "K-6" geschleppt. "Eine Herausforderung, aber problemlos", beurteilte Ueli Nyffenegger die Aktion abschließend.

Philipp Gardemin


Fakten

Kunstflugmodell "Zlin Z-50"
Ein Meisterwerk von Radim Horky

Spannweite 3.500 mm
Länge 2.700 mm
Gewicht 18 kg
Fläche 208 qdm
Flächenbelastung 86 g/qdm
Preis: 4.250,- Euro
Bezug bei TUN-Modellbau
www.tun.ch


Die "Zlin Z-50" ist mit 3,5 Meter Spannweite ein zeitlos elegantes Motorflugmodell


Die Schalenbauweise wird um zahlreiche Spanten und Rippen ergänzt


Die Detaillierung des Modells wurde von Radim Horky auf die Spitze getrieben, was sich in einer Serienfertigung machen lässt


Die Montage der Höhenleitwerke ist dank der Rumpflänge auch im Stehen bequem möglich


Due Höhenruderblätter werden von je einem Servo direkt angelenkt. Zu beachten sind auch die vorbildgetreu gemachten Streben


Die Querruderblätter können geteilt werden. Auch hier eine tolle Detaillierung aus der Form


Ein vorbildgetreuer Start ist mit halber Motorleistung möglich und sieht auch noch richtig gut aus


Das Motorfliegen mit der "Zlin" ist Genuss pur


Das Flugbild ist stimmig, die Flugleistungen prima und die Flugeigenschaften gutmütig


Kunstflug ist nur eine der herausragenden Möglichkeiten mit dem Modell


Bei Landungen mit voll gesetzten Klappen könnte man einen Motorsegler vermuten



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