TEST

Nurflügel zum Bauen

Der "Soleo" von Aeronaut


Mit 1,8 Meter Spannweite ist der "Soleo" ein kompakter, einfach zu bauender und zu fliegender Nurflügel

Während der Glider-Expo in Hülben hat Aeronaut den "Soleo" vorgestellt. Den kompakten und gepfeilten Nurflügel hat Ralf Kartes genauer betrachtet und ist begeistert von diesem Modell, mit dem der Spaß schon beim Bauen beginnt.

Meine Neugierde auf diesen Nurflügel war geweckt, als ich ihn in Hülben im Flugprogramm fliegen sah. Schon nach ein paar Tagen hatte ich den Bausatz auf der Werkbank liegen. Er besteht hauptsächlich aus Balsa- und Sperrholzteilen, die präzise gefertigt sind und kaum Nachar- beit erfordern. Eine Helling aus Karton liegt ebenfalls bei, mit der man unkompliziert und verzugsfrei die Tragflächen aufbauen kann. Der "Soleo" hat einen weiß eingefärbten GFK-Rumpf mit eingebautem Motorspant. Neben einer Tüte mit Schrauben, Anlenkungsteilen und einigem mehr, gehört auch eine Bauanleitung zum Lieferumfang, in der alles genau beschrieben und in 3D-Grafik dargestellt ist.

Zum Bau der Tragflächen habe ich die mitgelieferte Helling so auf dem Baubrett fixiert, dass die erste Tragflächenhälfte gebaut werden konnte. Recht einfach und sauber ließen sich der Holmsteg und die Rippen aus den Materialträgern trennen, dann an den entsprechenden Positionen in der Helling einstecken und miteinan- der verkleben. Nachdem die Hilfsnasenleiste aufgeklebt und die obere Kontur passend zu den Rippen verschliffen war, habe ich die Nasenbeplankung aufgeklebt. Wichtig dabei ist, dass die Beplankung in zwei Schritten aufgezogen wird: Sie wird zunächst nur auf den Holm geklebt, im zweiten Schritt dann auf die Rippen und die Hilfsnasenleiste geklebt. So kann nichts verrutschen und die Arbeit gelingt problemlos. Als Nächstes habe ich die Endleistenbeplankung sorgfältig ausgerichtet und aufgeklebt. Zwischen Nasen- und Endleistenbeplankung wurden dann die Beplankungsteile für Tragflächen- wurzel und Servoschacht eingepasst und verklebt. Zum Abschluss noch die Rippenaufleimer aus den mitgelieferten Balsastreifen zurechtgeschnitten und eingepasst. Das ging alles zügig von der Hand. Als alles gut durchgetrocknet war, habe ich die Tragfläche aus der Helling gezogen, alle Füßchen vom Holmsteg und den Rippen abgetrennt und die Trennstellen verschlif- fen. Bei diesen Arbeiten schneide, beziehungsweise säge ich am liebsten mit einer kleinen Zugsäge, da sie einen sauberen Schnitt hinterlässt.

Die Lagerung des Flächendübels besteht aus einem Rippenvorderteil aus Pappelsperrholz mit einer Ausfräsung für den Flächendübel, das mit Birkensperrholz verschlossen wird. Das Bauteil wird dann in die Fläche eingepasst und mit der Wurzelrippe verklebt. Ein Kabelkanal aus Kunststoff und das Steckungsrohr, das ich vor dem Einkleben mit Epoxydharz leicht angeschliffen und gereinigt habe, wurden ebenfalls eingeklebt. Die Endleiste habe ich mit Zuschnitten aus einer Balsa-Endleiste verstärkt. Das wirkt ein bisschen massiv, stabilisiert aber enorm und fällt kaum ins Gewicht.

Nun habe ich die Tragfläche umgedreht und in passgenaue Schablonen eingelegt, die in die Helling gesteckt wurden und den Flügel an drei Positionen unterstützen. So bleibt die Verwindung der Tragfläche beim Aufkleben der unteren Beplankungsteile erhalten. Anschließend habe ich die Rippenaufleimer und den Servorahmen eingebaut. Die Nasenleiste wurde auf die verschliffene Flügelvorderkante geklebt und mit Klebeband gesichert. Nun konnte die Tragfläche bereits komplett verschliffen werden. Die Ruderklappe wurde wieder mit der kleinen Zug-säge entlang der Ausschnitte in der Beplankung herausgetrennt. Balsaleisten dienten nun zur Verkastung der offenen Rippenfelder und als Nasenleiste für das Querruder. Die Vorderkante des Querruders wurde nach unten schräg geschliffen, um einen Ausschlag des Querruders zu ermöglichen.

Das Servo, ein "HS-82MG" (30 x 12 x 30 mm, 28 Ncm, 19 g) von Hitec, habe ich direkt auf dem Deckel des Servoschachts befestigt. Kleine Holzklötzchen, die auf die Befestigungslaschen des Servos gesteckt werden, halten es in Position. Das ist eine einfache und sichere Befestigungsmöglichkeit und kann an unterschiedliche Servoabmessungen angepasst werden. Vor allem aber ist das der direkteste Weg zum Ruder. Die Anlenkung war deshalb schnell fertiggestellt und die zweite Tragflächenhälfte konnte auf die Helling.

Als beide Tragflächenhälften fertig waren, wurden in der Nasenleiste die Positionen der Tragflächendübel lokalisiert, vorsichtig aufgebohrt und die Flächendübel eingesetzt. An den Tragflächenenden habe ich die Winglets mit je zwei Gewindeeinsätzen und den passenden Schrauben probehalber befestigt.

Auch der Ausbau des Rumpfes machte nicht viel Arbeit. Der Motorspant war ja bereits ab Werk eingeklebt. Deshalb war die erste Arbeit das Öffnen des Lufteinlaufs an der linken Seite der Rumpfnase mit einem kleinen Fräser sowie das Bohren oder Fräsen von zwei Luftauslässen am Rumpfheck. In diesem Fall in Form von zwei Dreiecken. Außerdem habe ich das Brettchen für die Tragflächenverschraubung aus 5-mm-Pappelsperrholz mit 5-Min.-Epox eingeklebt. Die fertigen Tragflächen wurden nun zusammengesteckt und in die Tragflächenauflage eingepasst, sodass sie möglichst exakt in der Anformung des Rumpfes sitzen. Hier musste noch ein bisschen an der Nasenleiste geschliffen werden, da-mit die Flügel ganz nach vorne rutschen. Dann wurden die Bohrungen für die Flächenverschrau-bung gesetzt und die Einschlagmuttern in den Rumpf eingeklebt. Damit war bereits der Rohbau des Modells beendet.

Zum Finish wurden die Flächen entstaubt und zweimal mit Porenfüller behandelt. Den Rumpf habe ich geschliffen und mit 2K-Lack in Blau-Metallic ("San Marino Blau") lackiert. Die Tragflächen wurden mit Oratex-Gewebefolie gebügelt und dann ebenfalls blau lackiert. Mit etwas Deko in der Optik von gebürstetem Alu sah der kleine Nurflügel jetzt recht spektakulär aus.

Zum Abschluss wurde das Modell ausgerüstet und eingestellt. Bei der Wahl der Antriebskomponenten habe ich mich an die Empfehlungen des Herstellers gehalten und die als Power-Antrieb bezeichnete Variante eingebaut: Einen "actro-n 35-4-1100"-Moto mit einem "actrocon"-60-A-Regler. Dazu den passenden Z-Spinner mit der Klappluftschraube "Cam Carbon Z" mit 12 x 8 Zoll. Die Energie liefert ein 3s-LiPo von Hacker 2,4 Amperestunden. Das Gewicht meines "So-leo" pendelte sich damit auf 1.550 Gramm ein, lediglich 150 Gramm über der Mindestangabe des Herstellers. Mit dieser vorgeschlagenen Ausrüstung war der Schwerpunkt ohne Zugabe von Ballast möglich. Ganz wichtig: Der Schwerpunkt wird beim "Soleo" von der Tragflächen-Hinterkante ausgemessen.

Weil nun im Herbst das Wetter nicht mehr so beständig war, gingen ein paar Tage ins Land, bis der "Soleo" seinen Erstflug hatte. Nach einem kleinen Funktionscheck ging es an den Start. Zweidrittel Motorleistung, ein Schubs mit leicht nach oben gerichteter Modellnase und der "Soleo" stieg flott auf eine sichere Ausgangshöhe. Korrekturen waren nicht erforderlich, die von Aeronaut angegebenen Werte passten prima. Nach ein paar Runden, um mit dem Modell vertraut zu werden, war ich schon recht begeistert. Ein echt schönes Modell, das sehr gutmütig fliegt und ein tolles Flugbild hat. Der "Soleo" kann flott und langsam geflogen werden, ist sehr agil, aber keinesfalls zappelig. Seine Stärke ist eindeutig das Herumturnen am Himmel: Rollen, Loopings, Rückenflug, steile Wenden machen Spaß. Ausgedehnte Thermikflüge sind wohl eher nicht sein Ding, soweit ich das an den Herbsttagen erfliegen konnte.

Kurzum, der "Soleo" ist wiedermal ein echt gelungenes Modell von Aeronaut. Die Bauanleitung zeigt in 3D-Grafik jeden Bauschritt, die Helling garantiert einen korrekten Aufbau der Tragflächen. Mit dem Power-Antrieb, für den ich mich entschieden habe, steigt das Modell senkrecht nach oben und ist ein sehr flotter Allrounder. Durch die zweiteilige Tragfläche ist der "Soleo" zudem recht kompakt und einfach zu transportieren. Egal ob am Hang oder in der Ebene, der "Soleo" macht mir einen Mega-Spaß!

Ralf Kartes


Fakten

"Soleo" von Aeronaut
Ein Nurflügel zum Bauen

Spannweite 1.800 mm
Länge 780 mm
Gewicht 1.550 g
Fläche 54 qdm
Flächenbelastung 28,7 g/qdm
Preis: 239,- Euro
Bezug im Fachhandel
www.aeronaut.de


Der Bausatz besteht aus gelaserten Holzteilen und dem GFK-Rumpf. Die Ausstattung wurde direkt zu Baubeginn mitbestellt


Der Aeronaut-Antrieb passt perfekt zum Modell


Die ausführliche Bauanleitung mit den 3D-CAD-Darstellungen ermöglicht einen fehlerfreien Aufbau


Die Rippen werden mit ihren Füßchen in die Helling gesteckt


Auch das Beplanken geht schnell von der Hand


Die massiv erscheinenden Endleistenstücke stabilisieren die Tragfläche erheblich


Umgedreht wird die Tragfläche auf drei Negativrippen gelegt und kann nun fertig ausgebaut werden


Bespannt wurde die Tragfläche mit "Oratex"-Gewebefolie, die zudem eine hervorragende Lackierbasis darstellt


Im Herbst geht die Sonne früh unter, da ist es schön, ein so schnell flugfertiges Modell am Start zu haben


Wendig und flott ist der "Soleo" unterwegs und macht daher auch viel Spaß


Der empfohlene Antrieb verleiht dem Modell einen kraftvollen Steigflug



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