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Gut gebaut

Es ist sinnvoll, in einen Modellbautisch zu investieren


Die in AUFWIND 4/2021 final vorgestellte "Antonov" nahm als erstes Modell Platz auf dem Tisch

Die Tische aus der Manufaktur des Modellwerker-Teams haben ihren Reiz - und ihren Preis. Doch Individualität und Ergonomie stehen dabei ganz oben. Auch Philipp Gardemin hat sich für das Premium-Produkt entschieden.

Seit fast 40 Jahren baue ich meine Flugmodelle auf ganz verschiedenen Tischkonstruktionen. Begonnen habe ich auf dem antiken Eichentisch meiner Eltern. Die Einschnitte der Laubsäge sind noch heute zu sehen. Dann tat ein Türblatt auf zwei Böcken seinen Dienste, später kam eine schwere Werkbank auf Stahlschränken an die Reihe und zuletzt ein Tisch auf Rollen. Den konnte ich je nach Bedarf durch die Werkstatt schieben.

Doch mit den Aufgaben wachsen auch die Bedürfnisse. Der Bau des "Taylorcraft" (vgl. AUFWIND 1/2022) und des sechs Meter großen "SF- 27M"-Motorseglers standen im Raum. Beide Modelle waren definitiv zu groß für die bisherige Werkbank mit 170 Zentimeter Länge. Speziell bei der "SF-27M" musste ich überlegen, wie ich am besten die jeweils drei Meter langen Tragflächenhälften aufbauen konnte. Ein Aufsatz aus Spanplatten? Schön und gut, doch wohin damit, wenn der Bau beendet war? Bei meinem Besuch bei dem Modellwerker-Team (vgl. AUFWIND 6/2021) sprach ich das Thema an und gemeinsam entwickelten wir die Lösung für mein (Luxus-) Problem: Ein Tisch für die vorhandene Nische mit 170 Zentimeter Länge. Abnehmbare Verlängerungen sollten den Tisch links und rechts auf über drei Meter verlängern. Von meiner Idee, die Tischplatten mit Scharnieren anzubauen, hat mir Modellwerker-Designer Roland Schulz abgeraten. Die Plattendicken würden dann die effektiv nutzbare Länge des Tisches in der Nische reduzieren. Die anstehende Korrektur nahm ich also gerne auf. Auch die Tiefe des Tisches wurde den verbliebenen Elementen der alten Werkbank angepasst. Alle weiteren Details der Modellwerker-Konstruktion - wie zum Beispiel die Steckdose und ein weiterer, kleiner Anbautisch als Werkzeugablage - begeisterten mich so sehr, dass ich an Ort und Stelle meinen Auftrag platzierte. Der Preis bewegte sich im Rahmen eines zehntägigen Pauschalurlaubs mit der Familie am Mittelmeer. Doch der Tisch ist als Investition in ein Modellbauer-Leben zu sehen.

Apropos Preis: Auf die elektrische Höhenverstellung wollte ich ursprünglich aus Kostengründen verzichten - die hatte ich in 40 Jahren Modellbau nicht vermisst. Warum also sollte sich das jetzt ändern? Doch am Mustertisch im Ausstellungsraum spielte ich ein wenig damit herum, simulierte meine Arbeit und fand schließlich Gefallen daran. Also wurde meine Bestellliste auch um diesen Punkt ergänzt. Um es gleich vorwegzunehmen: Ich hatte die Höhenverstellung tatsächlich nie vermisst. Doch heute will ich sie nicht mehr missen. Die vier programmierbaren Höhen habe ich exakt auf mein ergonomisches Arbeiten ausgerichtet: einmal im Sitzen, einmal im Stehen. Zwei weitere Positionen sind "maximal hoch" und "maximal tief". Sehr ähnlich ging es mir mit der drehbaren Arbeitsplatte. Die ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal der Modellwerker, von deren Sinn ich selbst auf meiner Heimreise noch nicht so recht überzeugt war - doch dazu später mehr.

Mehrfach wechselten an den Tagen nach meinem Besuch CAD-Zeichnungen zwischen Roland Schulz und mir hin und her. Manchmal waren es nur kleine Details, manchmal auch größere Verbesserungen und Änderungen. Ich war begeistert von seinem Engagement, das Optimum für mich herauszuholen. Dann standen alle Eckpunkte fest, der Auftrag wurde fixiert und Schreinermeister Bernd Wack stellte die Maschinen an. Drei Wochen später die heiß ersehnte Nachricht: "Dein Tisch ist fertig, du kannst ihn abholen." Ein Versand mit Spedition wäre natürlich möglich, auch international, doch das Erlebnis der Abholung wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Die Modellwerker hatten den Tisch für mich montiert und eingestellt. Als kleines Extra hat Roland Schulz meinen Namen geplottet und auf die Längsträger geklebt. Punkt für Punkt sind wir alles durchgegangen. Dann hieß es die Demontage zu machen und das gute Stück im Golf Variant zu verstauen. Auch ein großes Sortiment an Zubehör hatte ich mitbestellt, insbesondere um die Vorteile der Nuten in der Tischfläche nutzen zu können. Auf der Rückfahrt verbreitete die leicht eingeölte Arbeitsplatte den Duft einer finnischen Sauna und vergrößerte die Vorfreude auf ein völlig neues Arbeitserlebnis.

Zuhause hatte ich den Tisch innerhalb einer knappen Stunde montiert. Das war nicht nur sehr kurzweilig, sondern auch eine gute Gelegenheit sich mit allen Details vertraut zu machen. Und wie es bei Premiumprodukten immer Usus sein sollte: Stecker rein und alles funktionierte auf Anhieb. Ohne Anbauplatten passt der Tisch perfekt in die Nische - mit den Anbauplatten kann ich ihn um 90 Grad herausdrehen.

Das erste Objekt auf dem neuen Tisch war die "Antonov" (vgl. AUFWIND 4/2021). Dafür habe den Tisch um eine der beiden Anbauplatten verlängert, und das Modell sicher darauf platziert. Wenn ich schwenken möchte, lässt sich das Fahrwerk des Modells an den Nuten fixieren. Mit der Höhenverstellung kann ich die Platte auf die gewünschte Höhe fahren, und so bequem und ohne Verrenkungen am Modell arbeiten. Die benötigten Werkzeuge und Kleinteile haben ihren Platz auf dem kleinen Anbautisch. Der wird im vorderen Längsträger eingehängt und kann verschoben werden. Damit bleibt die Arbeitsfläche immer aufgeräumt. Um von oben im Rumpf zu arbeiten, fahre ich die Platte wieder ganz nach unten. Das macht wirklich Spaß. Somit erwies sich der Tisch schon mal als Basis für Wartungsarbeiten aller Art, die ja im Laufe einer Saison immer wieder anfallen.

Wirklich ernst wurde es für den Modellwerker-Tisch mit dem Bau des "Taylorcraft". Die beiden Tragflächenhälften sind zusammen rund drei Meter lang. Die konnte ich, mit beiden angesteckten Tischverlängerungen der Länge nach gleichzeitig aufbauen. Doch was viel wichtiger war: Dank der Präzision der Arbeitsplatten konnte ich die Tragflächen direkt auf der Oberfläche aufbauen - es war also kein weiteres Baubrett notwendig. Selbst die Übergänge zu den Aluprofilen waren absolut eben. Da die Tischplatte gewendet werden kann, wählte ich hier die Seite ohne Nuten. Dank der Deckschicht aus Pappelsperrholz kann hier auch mit Stecknadeln fixiert werden. Zum Drehen der Arbeitsplatte waren beide Tragflächenhälften zu lang, mit einer alleine wäre es jedoch gegangen. Zum Verschleifen der Nasenleisten fuhr ich den Tisch ganz nach oben, um so bequem im Stehen zu arbeiten. Wenn meine Füße müde wurden, ging es wieder nach unten. Nach diesen Erfahrungen konnte ich nun entspannt dem Aufbau der Motorsegler-Tragflächenhälften entgegensehen.

Dann kam es zum Rumpf des "Taylorcraft": Die Modellwerker haben ein System an Zubehörteilen entwickelt, die es ermöglichen, eine variable Bauhelling für Rümpfe zu bilden. So schraubte ich beispielsweise das Fahrwerksbrett des Rumpfes auf einer Aluminiumschiene fest und fixierte die wiederum in den Nuten. Von hier ausgehend konnte ich den Rumpf aufbauen und mit senkrechten Stützen, die wiederum durch waagerechte Aluschienen verbunden werden, exakt ausrichten. Zugegeben, das Einrichten des Aufbaus dauert immer seine Zeit. Doch das Arbeiten an dem so fixierten Rumpf war bequem und sicher. Ich löste ihn auch erst aus der Fixierung, nachdem er komplett ausgebaut war. Auch schwenken konnte ich den Rumpf mit der Arbeitsplatte. Das war ein Geschenk, als es zum Beispiel um den Schliff der Seitenwände ging. Und das Wichtigste: Die Klemmfixierung der geneigten Arbeitsplatte hat allen Schleifarbeiten standgehalten.

AUFWIND-Leser wissen, schon länger benutze ich ja auch die Modellständer von Teil-Q. Mit Christian Janda hatte ich schon auf dem Heimweg mit dem Modellwerker-Tisch im Kofferraum telefoniert. Er entwickelte einen Adapter, um den "Wingfix"-Ständer auf dem Modellwerker-Tisch zu fixieren. Für den Ausbau des "SF-27M"-Rumpfes war dies eine Top-Lösung. Ich liebe es ja, wenn sich Innovationen kombinieren lassen. Und ich weiß, dass hier zwischen Teil-Q und den Modellwerkern noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Bei weitem nicht das letzte Wort gesprochen ist auch, was die Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten des Modellwerker-Tisches betreffen: Je länger ich mich mit ihm beschäftige, um so vielfältiger werden die Ideen und Möglichkeiten, die sich bieten. Das Modellwerker-Team freut sich nämlich nicht nur über Anregungen, sondern setzt diese auch um. Und ich freue mich auf die weiteren Modellprojekte mit und auf diesem Tisch! In der kommenden Saison wird so manches Modell zu Wartungs- und Pflegearbeiten (bequemen) auf ihm Platz finden.

Philipp Gardemin


Die Modellwerker Bickenalbstraße 6 66453 Gersheim/Peppenkum Tel.: 0171/6024711 www.modellwerker.de


Mit dieser 3D-Zeichnung wurde der Auftrag platziert


Fix und fertig aufgebaut und eingestellt, wurde der Tisch übergeben.


In Einzelteilen zuhause angekommen, konnte der Tisch direkt wieder montiert werden


Der Klemmmechanismus ist versenkt eingebaut und kann von oben bedient werden. Er ist zudem in seiner Klemmwirkung einstellbar


Der kleine Anbautisch ist Gold wert. Er dient zur Ablage von Werkzeug und Kleinteilen und kann verschoben werden. Der Getränkehalter stammt wiederum von Teil-Q


Mit zusätzlichen Bauteilen kann zum Beispiel eine Rumpfhelling, beziehungsweise -auflage realisiert werden


Das Schwenken der Arbeitsplatte eröffnet eine völlig neue Bearbeitungsmöglichkeit


Mit hochgefahrener Tischplatte kann auch stehend gearbeitet werden, ohne den Rücken krumm zu machen


Christian Janda (Teil-Q) hat einen Adapter entwickelt, mit dem der "Wingfix" auf dem Modellwerker-Tisch in den Nuten fixiert werden kann


Mit der schwenkbaren Arbeitsplatte kann nun auch bequem an seitlich gelegenen Punkten des Rumpfes gearbeitet werden


Freuen sich gemeinsam über den neuen Modellwerker-Tisch (von links): Konstrukteur Roland Schulz, Philipp Gardemin und Schreinermeister Bernd Wack



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 2/2022

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