TEST

Leichtgewicht mit Leistung

Der "Freestyler 6" von TUD-Modelltechnik


Der "Freestyler-6" ist ein prominenter Vertreter der F3J/F3B/F3F-Modellflugklassen

Thorsten Rauber fliegt schon lange die Modelle aus der "Freestyler"-Familie. Doch mit dem neuesten Projekt wollte er eine besonders leichte Ausführung realisieren.

Ein "Freestyler-6" im sogenannten F3J-Layup war das Ziel. Nach wenigen E-Mails und einem netten Telefonat mit TUD-Chef Franz Demmler war geklärt, wie mein neuer "Freestyler" aufgebaut werden sollte: Die Schale der Tragflächen mit 40 g/qm Carbonwave als Außenlage, dann der Stützstoff, gefolgt von einer weiteren Lage des 40-er Carbonwave. Zusätzlich im inneren Drittel der Tragfläche eine D-Box aus dem 40-er Carbonwave. Auch am Holmaufbau wollte ich etwas Gewicht sparen und ließ ihn schwächer als in der Serie belegen. Voraussetzung war natürlich, dass der Holm den Hoch- und auch Bungeestarts standhalten wird. Außerdem wurden Ballasttaschen eingebaut. Wie schon bei meinen anderen "Freestyler"-Modellen bekam auch der neue Rumpf eine extra Lage 129-g/qm-Hochmodul-Carbonfasern, um auch bei ruppigen Landungen am Hang genug Stabilität zu bieten. Für die Anlenkung der Querruder und Wölbklappen habe ich LDS-Systeme vorgesehen. Hierfür hatte ich bereits vom Hersteller das Ruderhorn und die Rippe für das Gegenlager einbauen lassen. Das Leitwerk wurde mit Carbongewebe "Carboline" gebaut. Am Telefon berichtete mir Franz Demmler, dass es für die "Freestyler" auch einen extra leichten Verbinder mit sechs Grad V-Form gibt, also einem Grad mehr als die Standardausführung und mit lediglich 80 Gramm Gewicht. Durch die erhöhte V-Form erhoffte ich mir ein noch stabileres Kreisverhalten. Schutztaschen für Tragflächen und Leitwerke sind serienmäßig dabei. Meiner Bestellung habe ich noch die Kabelsätze, den Messingballast und ein passend gegossenes Nasenblei hinzugefügt. Mit dem Messingballast von TUD-Modelltechnik kann das Modell um 1,6 Kilogramm aufballastiert werden.

Rund acht Wochen nach der Bestellung bekam ich Bescheid, dass mein "Freestyler" abholbereit ist. Gleich nach dem Auspacken testete ich die Druckfestigkeit der Schale, die Steifigkeit der Tragflächen und die Torsionssteifigkeit der Ruder. In allen drei Punkten hatte das neue Modell meine Erwartungen übertroffen. Nun war ich noch gespannt, wie schwer die gelieferten Teile waren. Das Ergebnis:

Rumpf: 296 g
Leitwerke: je 28 g
Tragfläche links: 499 g
Tragfläche rechts: 492 g

Alle Servos sind von KST. In den Tragflächen arbeiten "X10 Mini" (30 x 10 x 30 mm, 23 g, 5,6 kg/cm) und auf dem V-Leitwerk jeweils ein "X12" (23 x 12 x 27,5 mm, 20 g, 5,2 kg/cm). Mit diesen Servos habe ich in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Rückstellgenauigkeit der "X12" ist hervorragend und daher für mich genau die richtige Wahl für das Leitwerk. Die Stromversorgung stammt aus einem 2s-LiIon-Akku mit einer Kapazität von 3,5 Amperestunden (7,4 V, 114 g). Wie bei all meinen Modellen habe ich den Akku selbst aus zwei Einzelzellen gelötet. Auch beim Variometer bin ich dieses Mal einen anderen Weg gegangen: Das "MicroVario" von SM-Modellbau (vgl. AUFWUND 2/2021) ist inklusive Anschlusskabel gerade mal 5,4 Gramm schwer, sehr kompakt und verfügt über einen TEK-Düsenanschluss. Zugegeben, eine TEK-Düse an solch einem Modell ist doch eher selten zu sehen. Die Vorteile jedoch, meine Neugierde auf diesen Sensor und der vergleichsweise geringe Preis haben mich überzeugt, es mal zu testen.

Zurück zum Modell: Beim genauen Begutachten der Teile ist mir der sehr weit ausgeführte Vorbereitungsgrad aufgefallen. An den Wurzelrippen und der Tragflächenanformung am Rumpf waren passgenaue Ausschnitte für die sechspoligen Multiplex-Stecker ausgefräst. Die Anlenkungen am V-Leitwerk waren komplett und mit Kugelköpfen versehen und im Rumpf lagen bereits die Carbon-Schubstangen. Auch diese waren zum Anschluss am Leitwerk bereits mit Kugelpfannen verklebt. Somit war die einzig am Leitwerk verbliebene Arbeit das Aufstecken, das Einklipsen der Kugelköpfe und das Aufkleben der Hutze.

Im Rumpf wurde bereits in der Form ein zusätzlicher Spant zwischen Leitwerk und Tragflächen eingeklebt, in dem die Schubstangen nochmals geführt werden. Im Servobrett wurden Ausschnitte für 12-mm-Servos ausgefräst. Auch ein verstellbarer Hochstarthaken war bei der Auslieferung bereits verbaut.

Dank einem hohen Vorfertigungsgrad hielten sich die Ausbauarbeiten am Modell in Grenzen. An nur wenigen Abenden war der "Freestyler" bereit zur Programmierung. Bei einem Schwerpunkt von 103 Millimetern lag das Abfluggewicht bei 1.896 Gramm. Die Einstellungen, die mir Franz Demmler mitgegeben hatte, habe ich direkt programmiert. Damit war alles bereit für den Erstflug.

Es war ein Tag mit wenig Sonne und etwas Ostwind. Da unser Osthang einer meiner Lieblingshänge ist, sprach nun alles für einen gelungenen Erstflug. Alles passte und ich warf das neue Modell über die Kante. Der "Freestyler-6" flog gerade aus und ich schaltete gleich mal die Thermikstellung zu. Der leichte Windhauch war ausreichend, um das Leichtgewicht zu bewegen. Etwas weiter draußen gab es Thermik. Der Bart wurde zentriert und das Modell begann, langsam an Höhe zu gewinnen. 200 Meter höher habe ich getestet, was das Modell alles mitmacht und wann der Strömungsabriss einsetzt. Es war wirklich toll zu erleben, wie langsam sich das Modell machen ließ. Das Kreisverhalten und die Stabilität im Kreis waren noch besser als erhofft. Das eine Grad mehr V-Form am Verbinder trug hier sicherlich auch seinen Teil dazu bei.

Als Nächstes hat mich interessiert, wie es um die Beschleunigung des Modells bestellt war. Also wurde der Knüppel nach vorne gedrückt und der "Freestyler" nahm die Nase steil nach unten. Die gewonnene Höhe wurde im Sturzflug abgefeiert und direkt an der Kante vorbei abgefangen. Erstaunlich, wie schnell das leichte Modell bereits aus rund 200 Meter Ausgangshöhe wurde. Schnell noch zwei Wenden geflogen, dann ging es wieder auf die Suche nach Thermikbärten. So lief es an diesem Tag mehrfach. Schnell wurde klar, dass der "Freestyler" in dieser Ausführung wirklich das kleinste bisschen Thermik, beziehungsweise Aufwind in Höhe umsetzen kann. Ein weiterer Test sollte bei etwas mehr Wind und auch im DS stattfinden.

Beim nächsten stärkeren Süd-West-Wind stand ich mit dem "Freestyler" wieder am Hang. Das Modell hatte ich auf circa 2.500 Gramm aufballastiert. Dann mit Schwung in den Wind geworfen und der Spaß ging los: Turnen und an der Kante entlang pfeifen machte der "Freestyler" wie erwartet hervorragend. Dann ging es ab in die ersten DS-Kreise. Da ich bis hierhin absolut keine Ahnung hatte, wie stabil das Modell in dem geänderten Layup wirklich war, habe ich mich langsam rangetastet. Ich habe wenige Kreise geflogen und genau darauf geachtet, wie sich die Tragflächen bei engeren Manövern verhalten. Doch alle Bedenken waren wie weggewischt, präzise ließ sich das Modell im Kreis steuern. Das "MicroVario" meldete mir Geschwindigkeiten von über 230 Kilometern pro Stunde, und es war keine Biegung der Tragflächen zu sehen. Das war schon sehr beeindruckend für ein so leicht gebautes Modell.

Ein paar Tage später stand kein Wind, aber dafür ordentlich Sonne an. Ideal also, um die ersten Starts mit der Flitsche zu machen. Trotz der Sonne blieb die Thermik nahezu aus. Kaum tragende Luft, der "Freestyler" konnte sich trotzdem einige Zeit in der Luft halten.

Ich kann also zusammenfassen, dass Gewicht und Stabilität in dieser Ausführung als hervorragend zu bewerten sind. Auch bei höheren Geschwindigkeiten nimmt der "Freestyler" alle Befehle direkt an. Was dafür spricht, dass auch die Ruder ausreichend torsionssteif sind und das Original TUD-LDS die richtige Wahl war.

Ich bin wirklich begeistert. Bei der Auswahl des Modells dachte ich, es an den zarten Tagen einzusetzen. Doch wie sich nun bewiesen hat, ist der "Freestyler-6" im beschriebenen "F3J-Layup" für nahezu jedes Wetter geeignet. Ob schwaches Tragen oder sehr starke Bedingungen - das Modell hat mich beeindruckt.

Thorsten Rauber


Fakten

"Freestyler-6" von TUD
Ein Hochleistungsmodell

Spannweite 2.920 mm
Länge 1.433 mm
Gewicht 1.896 g
Fläche 57,72 qdm
Flächenbelastung 32,8 g/qdm
Preis: 1.885 Euro
Bezug bei TUD Modelltechnik
Tel.: 037206/489306
www.tud-modelltechnik.de


Bauweise und -ausführung sind von ganz besonders feiner Machart


Der verstellbare Hochstarthaken ist nur ein Beispiel des hohen Vorfertigungsgrades


Die Anlenkungen der Leitwerksruder werden von einer kleinen Kappe abgedeckt


Die vier Tragflächenservos "X10 Mini" (30 x 10 x 30 mm, 23 g, 5,6 kg/cm) mit der LDS-Anlenkung von TUD-Modelltechnik


Nach wenigen Abenden war das Modell bereit zum Erstflug


Die Flugleistungen und -eigenschaften erwiesen sich erwartungsgemäß als top


Auch das Auskurbeln von Thermikbärten ist mit dem "Freestyler-6" ein Genuss


Landungen und Abstiege sind dank der großen Klappen besonders einfach


Dass der "Freestyler-6" Spaß macht, ist dem Piloten wohl anzusehen



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