TECHNIK

Wissen, was der Antrieb macht

Zwei neue Telemetrie-Regler von YGE


Die beiden Probanten im direkten Größenvergleich

Elektroflugkenner schwören auf die Produkte von YGE. Fimenchef Heino Jung ist ganz nah dran an der Szene und entwickelt laufend neue Produkte. Milan Lulic stellt die aktuellen "35LVT"- und "65LVT"-Regler vor.

Die beiden neuen Regler von YGE sind professionell gefertigte Produkte mit vielen interessanten Features. Dazu zählen: komplett überarbei- tete 32-Bit-Hard- und Software, Sinusanlauf, Strombegrenzung, automatische PWM-Frequenzanpassung, Drehzahlregelung ("Governor-Mode"), aktiver Freilauf (dadurch unbe- grenzt teillastfest), ein einstellbares HV-BEC und einstellbare Parameter per PC-Software. Auch werden beispielsweise die minimalen und maximalen Werte während des Flugs geloggt und können nach dem Flug im optionalen PC-Tool angezeigt werden. Ebenso werden die Feinjustage und Wahl des Telemetrieprotokolls per PC durch- geführt, wozu aber ein optionaler USB-Adapter erforderlich ist.

Der "YGE 35LVT" ist ein sehr leichtes und kompaktes Bauteil, aufgebaut auf nur einer Platine. Selbstverständlich ist der Regler mit einem starken, getakteten HV-BEC von fünf Ampere ausgerüstet und kann dementsprechend an bis zu 6s-Lithium-Akkus verwendet werden. Die Leistungsstufen werden von einem STM 32F103 Mikroprozessor über CMOS-Treiber-ICs angesteuert. Ein separater 3,3-Volt-Spannungs-Regler ist zuständig für die Prozessor-Spannungsversorgung. Auf der Platinenseite des Leistungsteils befinden sich die Leistungs-MOSFETs, die mit einem zwei Millimeter dickem Alu-Kühlblech gekühlt werden, und die Drossel mit Elektronik für das starke BEC. Für die Akku- und Motoranschlüsse sind die hochwertigen Silikonkabel blank, was dem Benutzer gestattet, sein bevorzugtes Stecksystem zu verwenden. Das Empfängeranschlusskabel ist mit 24 Zentimetern sehr lang und hat einen großen Querschnitt. Der Regler ist zudem mit zwei 220µF/25V Stütz-Elkos ausgestattet. Er hat aber keinen Antiblitz und das HV-BEC ist nicht pufferbar.

Auch der "YGE 65LVT" ist ein sehr kleiner und dünner Regler, aufgebaut auch auf nur einer Platine, aber in Sechs-Layer-Technik. Er stellt ein HV-BEC von acht Ampere Nennleistung und 18 Ampere Peak zur Verfügung. Demzufolge kann auch er mit bis zu 6s-LiPo-Akkus betrieben werden. Die Leistungsstufen werden von einem STM 32F103 Mikroprozessor über CMOS-Treiber-ICs angesteuert. Ein separater 3,3-Volt-Spannungs-Regler ist zuständig für die Prozessor- Spannungsversorgung. Auf der Platinenseite des Leistungsteils befinden sich die Leistungs-MOSFETs, der Shunt-Widerstand für die Strommessung und die Anti-Blitz Elektronik. Das Empfänger-Anschlusskabel ist sogar 39 Zentimeter lang. Auch dieser Regler ist mit zwei 220µF/ 25V Stütz-Elkos ausgestattet.

Vor dem ersten Betrieb habe ich mit den beiden Reglern das Modus-Setup für die Grundprogrammierung durchgeführt. Es stehen sieben Modi zur Verfügung, wie beispielsweise Governor, E-Segler oder F3A-Modell. Es ist wichtig, zuerst den gewünschten Modus einzustellen, dann sind alle wichtigen Parameter schon eingestellt. Anschließend können, falls nötig, die weiteren Parameter mit dem PC-Tool "YGE Connect" nachträglich eingestellt, beziehungsweise geändert werden.

Das "YGE Connect"-Tool bietet mehrere Menüs: "Generelles", "Spezielles", "Erweitert", "Log und Alarme" und "App Update". Im Menü "Generelles" werden die wichtigsten Parameter, wie die Unterspannungs-Abschaltung für LiPos von 2,9 bis 3,4 Volt, LiFe von 2,2 bis 2,7 Volt, die BEC-Spannung von 4,8 bis 8,4 Volt so-wie der Bremstyp und die Bremshärte von 0 bis 80 eingestellt. Im "Spezielles"-Menü können neben anderen Parametern auch die Knüppelwerte genau in µs (Mikrosekunden) fixiert werden. Die Telemetriesysteme können im "Erwei- tert"-Menü beauftragt werden: YGE, Mikado, HoTT, Jeti, MPX, Spektrum, FrSky, Futaba, Po-wer Box und "Andere" (Industrial). Telemetrie-Log und Alarme stellt man in "Log und Alarme" ein, ein Update wird im "App Update" durchgeführt.

Die starken HV-BEC-Schaltungen sind ein besonderes Merkmal der YGE-Produkte. Für beide Regler wurde absichtlich die BEC-Spannung auf sechs Volt eingestellt, ein maximaler Wert für analoge Servos und ältere Empfänger. Wer hauptsächlich digitale Servos und aktuelle Empfänger benutzt, wird die BEC-Spannung sicherlich höher einstellen um das ganze Potenzial der digitalen Servos auszunutzen. Beide Regler ha-ben über eine gelbe Status-LED und eine rote LED. Durch ihre Blinkfolge kann der Benutzer schnell eventuell aufgetretene Fehler erkennen.

Das Diagramm 1 zeigt die Belastung des BEC im "YGE 35LVT". Das BEC wurde mit einem Dauerstrom von fünf Ampere belastet. Bei einer Eingangsspannung von 20 Volt, einer Leerlauf- spannung des BEC von sechs Volt und einer etwa 60 Sekunden langen Dauerbelastung von fünf Ampere, wurde eine konstante Spannung von 5,7 Volt gemessen, was einen Spannungsverlust von 0,3 Volt bedeutet. Das ist ein sehr guter Wert, wenn man bedenkt, dass der Spannungsverlust teils auch durch Versorgungskabel und JR-Stecker entsteht. Nach 60 Sekunden wurde am BEC eine Temperatur von maximal 28 Grad gemessen.

Im Diagramm 2 sind die Belastungskurven des BEC im "YGE 65LVT" dargestellt. Auch dieses BEC wurde mit einem Dauerstrom von fünf Ampere belastet, mit einer Eingangsspannung von 20 Volt. Mit einer Leerlaufspannung des BEC von sechs Volt und einer etwa 60 Sekunden langen Dauerbelastung von fünf Ampere wurde eine konstante Spannung von 5,6 Volt gemessen (Spannungsverlust: 0,4 Volt). Auch dies ist ein sehr guter Wert. Nach 60 Sekunden wurde am BEC eine Temperatur von maximal 24,8 Grad gemessen. Nach weiteren 60 Sekunden wurde das BEC weiter mit fünf Ampere und abwechselnd mit kurzen Impulsen von etwa zwölf Ampere belastet. Die Spannung blieb konstant auf fünf Volt stehen und die Temperatur des BEC betrug nur 26,8 Grad.

Im Diagramm 3 wird die Wirkungsweise der Unterspannungs-Abregelung des "YGE 35LVT" dokumentiert. Es wurde ein 4s-LiPo-Akku benutzt und die Abregelung auf den höchsten Wert von 3,4 Volt pro Zelle eingestellt. Wie auf unserem Diagramm erkennbar, nimmt die Abregelung bei 13,7 Volt die Motorleistung kontinuierlich zurück, die Akkuspannung bleibt auf 13,68 Volt konstant und nach 72 Sekunden schaltet der Regler den Motorstrom ab. Die Abregelung funktioniert gut und sicher. Die etwas unregelmäßige Motordrehzahl bei der Abregelung soll den Piloten warnen, die Landung alsbald einzuleiten, um im Akku noch ausreichend Restkapazität für Empfängerversorgung zu haben.

Auch die Unterspannungs-Abregelung (Diagramm 4) im "YGE65LVT" funktioniert genauso gut. Es wurde wieder ein 4s-LiPo-Akku benutzt und die Abregelung auf den höchsten Wert von 3,4 Volt pro Zelle eingestellt. Bei einer Spannung von 13,6 Volt nimmt die Abregelung die Motorleistung kontinuierlich zurück, die Akkuspannung bleibt auf 13,6 Volt konstant und nach 55 Sekunden schaltet der Regler den Motorstrom ab. Die Abregelung funktioniert auch hier sehr genau und verlässlich. Besonders in dem unteren Strombereich ist eine deutliche Unregelmäßigkeit zu sehen (die Pilotenwarnung).

Der angegebene Strom der Regler ist der maximale Dauervollgasstrom bei guter Kühlung. Wo das nicht gewährleistet ist, sollte man die Regler nur bis etwa 70 Prozent der maximalen Last Angabe nutzen. Mit dem PC-Tool lässt sich die Strombegrenzung auch reduzieren, sodass eine stromgeführte Regelung möglich wird. Und noch eine Besonderheit aller YGE-Telemetrie-Regler: Beim Erreichen des Peakstroms wird nicht abgeschaltet, sondern der Strom solange gehalten, bis die Temperaturrückregelung eingreift. So wird bei 80 °C eine Warnung über die Telemetrie ausgegeben. Bei 90 °C wird die Drehzahl um 25 Prozent und bei 100 °C um weitere 25 Prozent reduziert. Bei 107 °C schaltet der Regler den Motor aus Sicherheitsgründen ganz ab.

Die hier vorgestellten zwei Telemetrie-Regler von YGE glänzen mit vielen interessanten Features und sind durch ihre vielseitigen Programmiermöglichkeiten für alle Anwendungen, egal ob Flächenmodelle oder Helis, geeignet. Besonders zu erwähnen ist sicherlich ihre Telemetriefähigkeit mit 2,4-GHz-Systemen von Graupner, Jeti, MPX, Power Box und anderen. Die Live Daten von relevanten Parametern des Antriebs und Warnungen werden fortdauernd am Sender angezeigt.

Besonders hervorzuheben ist noch ihr feinfühliges Stell- und Regelverhalten und die starken, zuverlässig getakteten BEC. Im praktischen Betrieb haben beide Regler ohne Ausfälle und Beanstandungen funktioniert. Es gab keine Wärmeprobleme im Teillastbetrieb oder beim Betrieb des BEC mit digitalen Servos. Berücksichtigt man die integrierten Telemetriesensoren und den dadurch gesparten Platz und das extra Geld für Sensoren, sind die Preise für diesen außergewöhnlichen Regler - zudem in Deutschland hergestellt - durchaus angemessen.

Milan Lulic


Fakten

"35LVT" und "65LVT"
Zwei neue YGE-Regler

Regler YGE 35LVT YGE 65LVT
Zellenzahl Lixx 2-6s 2-6s
Belastbarkeit Dauer 35 A 65 A
Belastbarkeit Peak 60 A 110 A
S-BEC Dauerlast 5 A 8 A
S-BEC Peak 10 A 18 A
Maße 47 x 25 x 8 mm 64 x 26 x 9 mm
Gewicht (mit Kabel) 25 g 48 g
Preis 99,- Euro 149,- Euro
Bezug im Fachhandel
www.yge.de


Die Platinen offenbaren eine blitzsaubere Arbeit, hergestellt in Deutschland


Der USB-Adapter ist optional, wird aber zum Programmieren benötigt


Mit dem PC-Tool "YGE Connect" können weitere Parameter nachträglich eingestellt, beziehungsweise geändert und die neuste Software auf den Regler installiert werden


Die Telemetrie unterstützt zahlreiche Protokolle, hier auf dem Display eines Multiplex-"Royal SX 16" (Akkuspannung, Motorstrom, Drehzahl und Reglertemperatur)


Und hier die Telemetrie Werte auf dem Senderdisplay eines HoTT-"mz-32"


Diagramm 1 ("YGE 35LVT"): S-BEC-Dauerlast-Test mit einem Nennstrom von fünf Ampere


Diagramm 2 ("YGE65LVT") S-BEC-Dauerlast-Test mit fünf Ampere und anschließenden kurzen Stromimpulsen von etwa 12 Ampere


Diagramm 3: Arbeitsweise des Unterspannungsschutzes beim "YGE 35LVT"-Regler mit 4s-LiPo-Akku


Diagramm 4: Auch der Unterspannungsschutz des "YGE 65LVT" weist keine Besonderheiten auf - außer, dass er perfekte Arbeit verrichtet



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