TEST

Stark in der Thermik

Der "Hawk NG Spark F5J" von VR-Model


Der "Hawk NG Spark" ist ein typischer Vertreter der beliebten F3J/F5J-Klasse

Mindestens 3,5 Meter Spannweite, leicht, thermikstark und in Schalenbauweise errichtet, so sollte das nächste Modell von Thorsten Rauber ausfallen. Und: elektrisch betrieben. Fündig wurde er bei Daniel Rette und Vladimir Rucka in der Slowakei. In Deutschland erhältlich ist das Modell unter anderem bei Pollack.

Manchmal kann es so einfach sein: Eine kurze E-Mail mit grundlegenden Fragen und schon war der Kontakt hergestellt. Eine schnelle Antwort ließ Freude aufsteigen. Daniel Rette berichtete mir, dass es in Kürze eine ganz neue Version ihres Top-F5J-Modells geben würde: "Hawk NG Spark", vier Meter Spannweite, dreifache V-Form. Den Winkel der Außenohren kann man zwischen 6,5 Grad und 8,5 Grad wählen. Hierfür werden zwei verschiedene Carbon Verbinder mitgeliefert. Auch ein Ballastsystem in den Flächen ist vorhanden, für bis zu einem Kilo Messing.

Angeboten wird das Modell in mehreren Bauversionen:

- "Light" mit 20 g/qm biaxial Carbon, Rohacell-Stützstoff und 15 g/qm GFK (Fluggewicht: 1.300 g).
- "Standard" mit 40 g/qm Biaxial Carbon, Rohacell Stützstoff, 30 g/qm GFK und 30 g/qm Spread-tow D-Box (Fluggewicht: 1.450-1.500 g).
- "Storm" mit 160 g/qm Carbon, Rohacell-Stützstoff und 50 g/qm Spreadtow (Fluggewicht: 1.750-1.850 g).
- "GPS" mit 160 g/qm Carbon, Rohacell Stützstoff, 50 g/qm Spreadtow und doppeltem Holm (Fluggewicht: 1.800-1.900 g).
Ich habe mich für die "Standard"-Version des Modells entschieden: Circa 1.500 Gramm auf vier Meter Spannweite finde ich gut und bin mir sicher, dass sich damit bereits ganz schwache Bärte auskurbeln lassen. Auch ist das Standard-Layup für den Alltagspiloten vermutlich die beste Wahl. Will man damit auch am Hang fliegen, hat man nicht immer die besten Landebedingungen und ist froh, wenn die Schale ein klein wenig robuster ist.

Auch beim Thema Servos und Antrieb hat mich Daniel gut beraten. Bei den Servos fiel die Wahl auf KST- "X10 mini" an den Wölbklappen, für die Querruder und Leitwerke die KST- "HS08A". Die stabilen "X10 mini" an den Wölbklappen sind mit Bedacht gewählt. Wie schnell passiert es, dass man die Wölbklappen beim Landen minimal zu spät einfährt oder mal etwas gröber aufsetzt. Durch die wirklich großen Klappen von 9,5 Zentimeter Tiefe wirken hier starke Kräfte auf das Servo. Beziehungsweise auf das Getriebe. Für den Antrieb habe ich bei Reisenauer den "EDF Teenshock 1515/13T" mit 4.200 Kv und einem 5:1-Getriebe bestellt. Dazu eine 14 x 7 Zoll große Luftschraube mit Spinner von GM. Das Ganze an einem 3s-LiPo mit 1.300 Milliamperestunden Kapazität. Als Regler passt der "YGE 65 LVT" perfekt zu dem Modell und bietet gleichzeitig für die meisten Protokolle die volle Telemetrie-Bandbreite. Hierzu gehören zum Beispiel Akkuspannung, verbrauchte Kapazität, Motordrehzahl und die Motorleistung. Auch beim BEC lässt sich bequem über die PC-Software die gewünschte Spannung einstellen. Da die KST-Servos alle für 8,4 Volt ausgelegt sind und so die beste Leistung bringen, habe ich dies so auch eingestellt.

Obwohl ich das Modell in einem bereits sehr weit vorgefertigten Zustand bestellt hatte, habe ich mich trotzdem für den Bauservice des Herstellers entschieden. Der "Hawk NG" wird serienmäßig mit vorbereiteter IDS-Anlenkung und bereits eingebauten Servorahmen sowie vollständig verkabelten Tragflächen inklusive der Stecker geliefert. In meinem Fall wurde das Modell also vollständig gebaut geliefert. Lediglich den Empfänger und das Vario musste ich noch einbauen. Acht Wochen nach der Bestellung habe ich die ersten Bilder des frisch aus der Form geschlüpften Modells zugeschickt bekommen. Daniel und Vladimir machten sich sofort daran, die RC-Komponenten einzubauen.

Ein paar Tage später wurde mir ein großer stabiler Karton übergeben. Auch wenn man vorab bereits Bilder des Modells und des Designs gesehen hat, ist es doch immer wieder spannend, wie das dann in der Realität aussieht. Also schnell das Modell ausgepackt und im Garten zusammengesteckt. Ich war begeistert, die Leuchtfarben kamen richtig gut zur Geltung. Mein erster Gedanke, als ich die drei Flächenteile in der Hand hielt: Wow, sind die leicht. Wobei im Gegenzug der Rumpf einen sehr stabilen Eindruck machte. Diese Auslegung ist meiner Meinung nach genau richtig. Wenn man im Wettbewerb auf die Sekunde genau landen muss, kann es schon mal passieren, dass das Modell unsanft auf den Boden gedrückt wird. Dabei sollte der Rumpf schon etwas aushalten. Der Spinner und die Luftschrauben der Firma GM haben eine makellose Oberfläche. Die Carbon-Optik und die per- fekt anliegenden Blätter rundeten das Ganze ab.

Als Nächstes stand die Prüfung des Bauservices an. In der Rumpfnase wurde ein kleines, stabiles CFK-Brettchen eingeklebt, auf dem die KST- "HS08A" verschraubt wurden. Die Anlenkungen und Schubstangen sehen sauber und stabil aus. Ein weiterer Punkt ist natürlich die Spielfreiheit und Leichtgängigkeit der Ruder, beziehungsweise der Gestänge. Nur wenn dies gegeben ist, können die Ruder auch präzise in die Nullstellung rückstellen. Die Anlenkungen von Höhen- und Seitenruder werden bei der Montage der Leitwerke gesteckt.

Bevor ich mit dem Empfängereinbau und der Programmierung begann, warf ich noch einen Blick in die Servoschächte der Tragfläche. Dank der kompletten Fertigstellung von Daniel und Vladimir war auch hier bereits alles komplett. Die saßen fest verschraubt in 3D-gedruckten Servorahmen. Die Überkreuzanlenkung, beziehungsweise die IDS waren sauber gelöst und auch aerodynamisch eine absolut zeitgemäße Lösung.

Nach der Begutachtung aller Teile packte ich mit großer Zufriedenheit den "Hawk" in die Werkstatt und begann mit dem Einbau des Jeti-Empfängers und Variometers. Bei einem Schwer- punkt von 114 Millimetern ab der Nasenleiste brachte der "Hawk NG" nun 1.545 Gramm auf die Waage. Um diesen Schwerpunkt zu erreichen, habe ich den Akku ganz nach hinten geschoben und unterhalb des Seitenruders noch fünf Gramm Trimmblei in die Rumpfröhre geklebt. Für die Einstellungen lag dem Modell ein Blatt mit den empfohlenen Daten bei.

Zwei Tage später stand ich bei Windstille am Westhang. Wie erwartet und völlig unspektakulär glitt das Modell hinaus. Trotz gefühlt toter Luft war kaum ein Sinken zu spüren. Nach einigen Metern Geradeausflug zeigte das Modell bereits das erste Aufwindfeld, beziehungsweise leichte Thermik an. Ein zartes Zucken nach oben am linken Außenflügel hat mir signalisiert, dass sich dort etwas bewegt. Nun gab es zwei Möglichkeiten: Entweder hat der rechte Flügel ein Abwindfeld erwischt oder, was ich natürlich mehr hoffte, der linke Flügel war durch eine Thermikblase durch. Die Option mit dem Abwindfeld blendete ich sofort aus und ließ den "Hawk NG" linksherum einkreisen. Die Wirkung des Seitenruders konnte sich absolut sehen lassen. Und tatsächlich, mein Gefühl hat mich nicht getäuscht: Das Variometer signalisierte leichtes Steigen. Nachdem ein paar Sicherheitsmeter gewonnen waren, wollte ich testen, wie gutmütig der "Hawk NG" ist, beziehungsweise ab wann er sich kritisch verhält. Ich habe das Seitenruder voll ausgeschlagen und sonst nichts betätigt. Der "Hawk" zog enge Kreise und erhöhte dabei seine Geschwindigkeit. Das Variometer piepste fröhlich vor sich hin und so wurde weiter Meter um Meter an Höhe gewonnen. Wie üblich stand nun das Testen der Butterflyfunktion an. Ich war sehr gespannt, denn der "Hawk" hat ja wirklich riesige Wölbklappen, die beim Butterfly um 80 Grad nach unten gefahren werden. Am Sender habe ich die Tiefenruderzumischung für Butterfly wie immer auf einen Drehgeber gelegt, um direkt einstellen zu können. Viel Korrektur war hier jedoch nicht nötig: Der "Hawk" verringerte sichtbar seine Geschwindigkeit und nahm die Nase leicht nach unten. Nach wenigen Sekunden sah es tatsächlich so aus, als würde das Modell in der Luft stehen. Selbst senkrecht nach unten und mit voll gezogener Bremse kam der "Hawk" kaum vorwärts.

Wie erwartet also bringen die sehr großen Wölbklappen eine enorme Bremswirkung. Ein weiterer Vorteil der großen Klappen ist, dass man dadurch die Verwölbung stark verändern kann und so für jede Situation die passende Einstellung hat. Empfohlen werden zwei Thermikphasen. Manch einer denkt vermutlich, wozu braucht man dies - so ging es mir auch. Der Unterschied der beiden Phasen ist jedoch stark spürbar. Bereits mit der geringeren Verwölbung lässt sich der "Hawk" sehr langsam und präzise fliegen. Aktiviert man die zweite Thermikphase und vergrößert somit die Verwölbung, wird das Modell nochmals langsamer. Nach einigen schönen Flügen an diesem Vormittag wurde der "Hawk" zum Gesprächsthema unter den Kollegen am Hang. Mein erster Eindruck zu den Flugeigenschaften war gut und ich war begeistert, wie thermikstark und unkritisch das Modell zu fliegen ist.

Bereits am nächsten Abend stand ich mit dem "Hawk" auf dem Flugplatz und wollte das schöne Modell mal in der Ebene testen. Dank des starken Antriebs war auch hier der Start völlig problemlos. Der "Hawk" steigt mit diesem Setup senkrecht. Der Reiz bei Modellen für die Klasse F5J ist es natürlich, bei einer möglichst geringen Ausgangshöhe noch Thermikanschluss zu bekommen und eine lange Flugzeit zu erzielen. Obwohl die Sonne schon nicht mehr so stark schien, habe ich über dem Maisfeld noch einige Zeit warme Luft gefunden. Es wurde ein sehr schöner Abendflug.

Bei einem Flugtag des MFC Kusterdingen war auch ich eingeladen und sollte den Zuschauern Einblick in das F5J-Fliegen bieten. Um es nicht langweilig werden zu lassen, wurde die Flugzeit von zehn auf fünf Minuten reduziert. Also schnell am Sender einen Timer eingestellt, der fünf Minuten abwärts läuft. In der letzten Minute werden alle Zehn-Sekunden-Schritte genannt. Während der letzten zehn Sekunden wird im Sekundentakt runtergezählt. Als Landepunkt legte ich ein Geschirrtuch auf die Wiese. Nach dem Start stellte sich der Moderator zu mir, um den Timer immer im Blick zu haben. Schließlich möchten die Zuschauer ja auch erfahren, wie es aktuell mit der Zeit aussieht. Bei 100 Meter Ausgangshöhe schaltete ich den Antrieb ab, die Zeit lief. Jetzt hieß es Thermik finden. Fünf Minuten klingen nicht lang. Hat man jedoch keinerlei tragende Luft, sind die fünf Minuten aus dieser Höhe nicht zu schaffen. Die ersten zwei Minuten waren absolut tote Hose und ich entschloss mich, den Standort nochmals zu wechseln. Siehe da, in circa 40 Meter Höhe habe ich ganz leichtes Steigen bemerkt und sofort versucht, diesen zarten Bart sauber zu zentrieren. Großes Steigen war nicht drin, aber für einen Null-Schieber hat es gereicht. Ich muss zugeben, ich war etwas angespannt. Jetzt aus dem Bart fallen würde bedeuten, dass ich die fünf Minuten Flugzeit nicht erreichen kann. Die restliche Zeit gelang es mir, das Modell im Fenster zwischen 50 und 60 Meter Höhe zu halten. Bei Beginn der letzten 35 Sekunden setzte ich zum Landeanflug an. Meine Anspannung stieg und der Moderator gab die Zeit über das Mikrofon bekannt. Als die letzten zehn Sekunden liefen, wurde jede Sekunde laut und deutlich angesagt. Exakt als der Moderator bei der Sekunde Null endete, kam auch die Rumpfspitze auf dem Landepunkt auf. Ein tolles Gefühl.

Kurzum, den "Hawk NG Spark" in meinen Hangar aufzunehmen war zu 100 Prozent die richtige Entscheidung und macht Lust auf mehr.

Thorsten Rauber


Fakten

F5J-Modell "Hawk NG Spark"
Ein neuer Hochleistungssegler

Spannweite 3.983 mm
Länge 1.840 mm
Gewicht ab 1.300 g
Fläche 80,74 qdm
Flächenbelastung ab 16,1 g/qdm
Preis: ab 1.790 Euro
Bezug bei Modellbau Pollack
Tel.: 0981/14224
www.modellbau-pollack.de


Die Fertigungsqualität des Modells ist fehlerlos


Die Tragflächenservos wurden mit 3D-gedruckten Servorahmen eingebaut


Die Höhenruderanlenkung wird automatisch beim Festschrauben des Leitwerks angeschlossen


Auch die Leitwerksservos im Rumpf wurden liegend montiert


GM-Luftschraube und -Spinner passen perfekt zum schlanken Rumpf


Der Getriebeantrieb kommt von Reisenauer


Der IDS-Antrieb ist nahezu unsichtbar montiert


Die Gleitleistungen und die Gutmütigkeit haben begeistert und machen Lust auf viel mehr


Die großen Klappen wirken stark und bremsen das Modell quasi bis zum Stillstand ab



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