REPORTAGE

ASW-15 FES

Der Umbau des 1:3-Modells auf einen Nasenantrieb


Die "ASW-15" wurde als Gemeinschaftsprojekt gebaut. Ausführlich berichtet wurde in mehreren AUFWIND-Ausgaben 2019 und 2020

Aufmerksame AUFWIND-Leser kennen die Geschichte dieser ASW-15 von Philipp Gardemin. Es war das einzige von drei Modellen das er ohne Antrieb gebaut hat. Doch das hat er nun geändert.

Das Fliegen der "ASW-15" im Herbst 2019 und im Sommer 2020 hat mir richtig Freude bereitet. Die Flugeigenschaften und -leistungen wären geeignet gewesen, das Modell viel häufiger zu fliegen - jedoch hat meistens ein Schlepper gefehlt. Es konnte aber nicht sein, dass so ein unproblematisches Modell nicht viel unabhängiger einzusetzen war? Meine Freunde Christian Carlsson und Henning Czerny hatten mir schon längst den Mund wässerig gemacht, wenn sie von ihrer Unabhängigkeit mit dem Hacker-Antrieb in ihrer "ASW-15" erzählt haben. Drei Schritte sollten mir nun zum unbegrenzten Flugspaß mit dem schönen Modell verhelfen:

  • Ausstattung mit einem leistungsfähigen Nasenantrieb
  • Einbau eines Fahrwerks mit mehr Abstand zum Boden
  • Lackierung des vergilbten Rumpfes und ein neuer Dekorbogen


Los ging's mit dem Antrieb. Im Gespräch mit den Motorenexperten bei Kontronik kristallisierte sich der "Pyro 700-52" (520 kv, 390 g, 51 x 62 mm) in Kombination mit dem BEC-Regler "Kolibri 90" heraus. Laut Ecalc.ch würde der Motor mit einem 6s-LiPo eine 14 x 8 Zoll große Klappluftschraube mit circa 64 Ampere drehen und dabei einen Standschub von 5,4 Kilogramm erzeugen. Das würde für das Modell locker zum Bodenstart reichen und auch noch gut aussehen.

Doch vor dem Einbau musste der Rumpf ausgeräumt werden: Die 1,2 Kilogramm Trimmblei und das stabil eingeharzte Akkubrett des Empfängerakkus habe ich entfernt. Außerdem mit einer kleinen Handfräse die Verklebungen gelöst. Auch die Schleppkupplung auf dem Rumpfboden musste weichen. Etwas weiter hinten wurden der große Empfänger und die ganze Verkabelung entfernt, ebenso das FEMA-Einziehfahrwerk und das Seitenruderservo. Im nächsten Zuge habe ich den Rumpf innen ausgeschliffen und neu gestrichen.

Henning und Christian verwendeten bei ihren Modellen den Scale-Spinner von Florian Schambeck mit 42 Millimetern Durchmesser. Zugegebenermaßen nicht die preisgünstigste Lösung, dafür passt die Spinnerform geradezu perfekt zur stupsnasigen "ASW-15". Also schnitt ich die Rumpfnase passend ab und harzte von innen einen drei Millimeter dicken GFK-Motorspant mit 60 Millimeter Durchmesser ein. Den Motor schraubte ich dazu an und verlängerte die Motorwelle mit einem Alurohr. So ließ sich die Ausrichtung gut nachmessen. Drei Grad Motorsturz und ein Grad Seitenzug stellte ich ein. Mit einer Sperrholzscheibe und aufgeklebtem Schleifpapier, aufgesteckt auf die Motorwelle, ließ sich das vordere Rumpfende exakt passend zum Spinner zurückschleifen. Punkt 1 der To-Do-Liste war damit abgehakt.

So ein FES-Antrieb bringt meistens die Notwendigkeit eines erhöhten Abstands der Rumpfnase zum Boden mit sich. Der Zufall wollte es, dass Fema just in den Tagen ein FES-Fahrwerk und ein neues Dämpfungsset vorstellte. Die um 22 Millimeter längeren Schwingen vergrößerten den Abstand zum Boden deutlich. Sie würden aber auch die Radachse etwas weiter nach hinten bringen, was die Gefahr eines Kopfstandes vergrößert. Ich wollte es mir aber ersparen, auch den großen Hauptspant erneuern zu müssen. Würde das Modell damit noch gut rollen? Da ich mit der bisherigen Ausstattung des Modells nie einen Kopfstand beim Ausrollen beobachten konnte, war ich guten Mutes, dass die Zurückversetzung der Radachse ohne Folgen bleiben würde - ich ging volles Risiko.

Da das neue FES-Fahrwerk auch mehr Baulänge mit sich brachte, war es erforderlich, den hinteren Spant neu anzufertigen. Außerdem kam ja auch das Dämpfungsset in der Länge hinzu. Mit dem Proxxon-Handfräser entfernte ich den alten Spant und seine Epoxydreste. Naturgemäß stimmten nun auch die Fahrwerks-klappen nicht mehr. Also habe ich die Klappen von außen auf der Rumpfunterseite mit Klebeband fixiert und abgedichtet, die Spalten mit eingedicktem Harz von innen aufgefüllt und schließlich noch zwei Lagen 163-g/qm-Gewebe auflaminiert. Nach dem Ausspachteln und Verschleifen der Außenseite konnten nun die Klappen neu ausgeschnitten und mit durchgehen- den Röhrchen auch neu anscharniert werden. Den hinteren Spant habe ich anhand einer Pappschablone konstruiert, aus 6-mm-Flugzeugsperrholz ausgeschnitten und schließlich komplett mit angeschraubtem Fahrwerk eingeharzt. Der Hauptspant konnte damit drinbleiben. Der be- kam nur zwei Schraubbohrungen für das schwingende Befestigungsstück des Fahrwerks. Die Fahrwerksklappen wurden mit ummanteltem Rundgummi aus dem Schneidereibedarf an der Radachse fixiert und werden beim Ein- und Ausfahren einfach mitgenommen.

Für das Einziehfahrwerk hatte ich bei Fema direkt auch die entsprechenden Servohalter mitbestellt, in diesem Fall für das Seitenruder- und das Einzieh-/Ausfahrservo. Auf eine Radbremse verzichtete ich, die hatte sich schon bei den bisherigen Flügen, beziehungsweise Landungen als nicht notwendig erwiesen. Einer Achillesferse gleich kamen bei der alten Ausstattung des Modells die beiden Low-Volt-Servos am Fahrwerk, die nicht nur schwächlich waren, sondern sich auch als kaum belastbar erwiesen. Eines davon brannte sogar durch, was einen langanhaltend üblen Geruch im Rumpf hinterließ. Hier war ich eindeutig zu blauäugig vorgegangen. Also war es nun an der Zeit, sich nach zwei neuen Servos umzusehen. Im Sortiment von Grupp-Modellbau wurde ich fündig. Firmenchef Walter Grupp bietet ein kleines, aber sehr feines Sortiment an hochwertigen und stabilen Servos für seine Großmodelle an. Er empfahl mir für das Seitenruder ein "GM 5521MD" (40 x 20 x 38 mm, 61 g, 21,3 kg/cm bei 7,4 Volt) und für den Einzieh-/Ausfahrvorgang ein "GM 737MD" (40 x 20 x 41 mm, 80 g, 30 kg/cm bei 7,4 Volt). Der Empfehlung folgte ich gerne und griff auch auf einen seiner eigens entwickelten Aluminiumhebel zurück - denn dieses Mal wollte ich unbedingt alles richtig machen. Und tatsächlich: Den Ein- und Ausfahrvorgang erkannte ich nicht wieder, so leichtfüßig wie das Servo ihn bediente.

Einen sonnigen Tag im Februar habe ich genutzt, um den Rumpf im Garten anzuschleifen, zu grundieren und aus der Sprühdose in hellem Weiß zu lackieren. Vorher hatte ich noch die Rumpfnähte verspachtelt und beigeschliffen. Auch eine ausgeprägte rote Rumpfnase wurde auflackiert, ebenso wurden die Spinnerkappe und die Propellerblätter rot lackiert. So ist der FES-Antrieb nur auf dem zweiten Blick wirklich erkennbar. Mit einem Dekorbogen von Michael Stumpf wurden Logos, Kennzeichen und weitere Details aufgeklebt. Hierzu lehnte ich mich an die Schriftgrößen am Modell von Christian Carlsson an und bat ihn, mir einfach das Gleiche zu bestellen.

Der für mich wohl schönste Moment des ganzen Umbaus folgte nun mit dem Einbau der Technik. So kam der Motor wieder an seinen Spant und der Regler wurde direkt dahinter an der Rumpfseite in einer Halterung aus Holz fixiert. Eine liegende Schleppkupplung habe ich direkt hinter dem Motor auf dem Rumpfboden montiert. Auch das Servo, ein Hitec-"HS-645 MG" wurde liegend montiert. Es war im alten Modell für das Seitenruder zuständig. Den 12-Kanal-Empfänger habe ich exakt am Hauptspant fixiert, direkt davor kam das Vario-Modul mit TEK-Anschluss von Multiplex auf das Brett. Ebenfalls dort platziert wurde das "Snipe"-GPS-Modul. Ich wollte ja mit der "ASW-15" auch mal Dreiecke in der "SLS"- und "Scale/1:3"-Klasse fliegen. Die Servokabel wurden mit Kabelbinder und entsprechenden Selbstklebehalterungen an den Rumpfseiten fixiert.

Eine große Akkuwanne konstruierte ich am CAD und fräste sie aus 3-mm-Pappelsperrholz aus. Sie bietet Platz für den 6s-Flugakku mit 6.300 Milliamperestunden von Lemon-RC, beziehungsweise Pichler. Mit ein wenig Abstand zum Motor klebte ich die ganze Einheit mit eingedicktem Langzeitharz auf den Rumpfboden. Nun waren nur noch 350 Gramm Blei notwendig, um den bereits mit dem alten Modell erflogenen Schwerpunkt wieder herzustellen. Das Gesamtgewicht des Modells belief sich nun auf 10.350 Gramm - dem Erstflug mit Eigenantrieb konnte ich sehr entspannt entgegen sehen.

Dann war es soweit: Fahrwerk ausgefahren, die Modellnase in den leichten Wind gestellt und mit kurzem Softanlauf den Motor eingeschaltet. Zügig beschleunigte die "ASW-15" und hob erstaunlich früh ab. Von der zuvor befürchteten Neigung des Kopfstandes war nichts zu sehen. Gleich nach dem Abheben das Fahrwerk eingefahren und mit fast sieben Meter pro Sekunde ging es bei 74 Ampere Stromaufnahme aufwärts. Stieg ich etwas flacher, ging der Strom auf 65 Ampere zurück. Was mir gleich auffiel: Das Verhalten des Modells und das Laufgeräusch des Motors passten perfekt zusammen, alles sah auch noch sehr harmonisch aus.

Auf 250 Meter angekommen schaltete ich den Antrieb aus und segelte los. Ja, da hatte ich meine alte ASW-15 wieder. Mit 52 Stundenkilometer ließ sie sich herrlich bewegen, kurbelte traumhaft schön. Ich hatte durchaus das Gefühl, dass die 450 Gramm Mehrgewicht durch den Umbau dem Modell sehr gut standen. Tiefe Vorbeiflüge und hochgezogene Fahrtkurven waren ein Genuss für Auge und Ohr, dann den Motor ein und wieder hinauf. In späteren Flügen hat sich eine Steigrate von 5,5 Meter/Sekunde bei 51 Stundenkilometern als optimal erwiesen. Die Stromaufnahme betrug damit circa 63 Ampere. Auch das Landen war immer noch so unkompliziert, wie noch vor dem Umbau. Lediglich das ehemals so metallisch klingende Rumpeln war nun dank des gedämpften Fahrwerks völlig beseitigt.

Die "ASW-15" und der Kontronik-Antrieb sind ein prima Team. Der 5-m-Segler macht viel Spaß und ist universell einsetzbar. Ich würde sagen, der Umbau mit den Ergänzungen war ein voller Erfolg.

Philipp Gardemin
Fotos: Philipp Gardemin, Ueli Nyffenegger


Der Kontronik-Antrieb hat sich als goldrichtig erwiesen. Er passt perfekt zum Modell


Der Akkuschacht ist direkt hinter dem Motor, an dessen Vorderseite wurde noch Trimmblei aufgehängt


Das FES-Fahrwerk von Fema mit dem Dämpfungsset erhöht die Bodenfreiheit des Propellers deutlich


Zwei Gummidämpfer werden mit der Einsteckplatte aus Kohle am hinteren Spant verschraubt


Das Fahrwerk kann leicht aus der CFK-Platte ein- und ausgesteckt werden


Zwei Servos von Grupp dienen dem Seitenruder (links) sowie dem Ein- und Ausfahrvorgang


Vor dem Hauptspant ist ausreichend Platz für den RC-Ausbau. Die zwei Schrauben sichern das Fahrwerk


Der neue Dekorbogen ließ sich prima mit der auflackierten Nase kombinieren


Der Bodenstart ist an Einfachheit kaum zu überbieten. Lediglich den Flügel sollte man mit der Fußspitze etwas hochhalten


Mit 5,5 Metern/Sekunde geht es kraftvoll und sicher nach oben


Der Segelflug mit der neu gestalteten "ASW-15" ist ein großer Genussn


Der Haubenschutz kommt von Stich & Faden und dient vor allem auch dem Hitzeschutz im Sommer



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