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Ganz flott elektrisch

Der "Drops 220" als F5F-Hochleistungsmodell


Der "Drops 220 F5F" bietet dem Piloten ein breites Spektrum an Flugleistung

Frank Fessler und seine "Drops"-Modellserie bilden eine Erfolgsgeschichte. Mit dem "E-Drops 220" bietet er nun auch eine F5F-Version an. Herbert Locklair, selbst langjähriger F5F-Wettbewerbspilot, hat sich mit dem Voll-GFK-Hochleister beschäftigt.

Es war 2019 auf dem Monte Lema: Frank Fessler, Inhaber der Drops Factory in Handeloh in Niedersachsen flog seinen Prototypen des "E-Drops 220". Neben ihm stand Thomas Waeckerlin, Schweizer F5B-Spitzenpilot. Der erkannte, dass dieses Modell auch für F5F (die ehemalige Zehn-Zellen-Klasse) gut geeignet wäre. Es ist schnell und die Wenden kommen ruckzuck, ohne Fahrtverlust. Die beiden Piloten unterhielten sich und letztlich wanderte der "E-Drops 220" in das Auto von Thomas Waeckerlin. Der stattete das Modell mit einem Leomotion-Antrieb und 6s-LiPo aus und nahm es mit zum Wettbewerb nach Bad Brückenau. Dort war der "E-Drops 220" zwischen zwei Wertungsflügen in der Luft und - begeisterte alle. In der folgenden Runde startete das Modell sogar im Wettbewerb. Resultat: 45 Strecken - mehr geht kaum. Auch wenn das Modell damals mit über zwei Kilogramm noch etwas zu schwer für die F5F-Aufgabe war.

Ich nahm Kontakt zu Frank Fessler auf und wollte wissen, was man beim Gewicht verändern könnte. Neben einem Verzicht auf die dünne GFK-Schicht sowie einigen Einsparungen an anderen Stellen, ging es dabei auch um einen 30 Gramm leichteren Verbinder. Auch am Rumpf sollte es noch einige Modifikationen geben. Wir waren uns dennoch schnell handelseinig.

Frank Fessler ist bekannt für seine guten und auch stabilen Segelflugmodelle. Die werden mit besten Materialien verarbeitet und verkraften somit auch problemlos den Einsatz im Dynamic-Soaring. Nach einigen Monaten erhielt ich meinen "F5F-Drops". Alles wurde genau begutach- tet: Erstklassige Arbeit, hochglänzende Oberfläche und sehr gute Vorarbeit. Die Tragfläche wurde geteilt geliefert, ebenso die beiden V-Leitwerkshälften. Der Rumpf, ganz in CFK gefertigt, ist zweiteilig mit Abziehnase. Bohrungen und Stifte befanden sich alle passgenau an richtiger Stelle, selbst die Ruderhörner für das V-Leitwerk waren komplett. Dann waren noch ein leichter CFK-Verbinder und die Flächen-Servoabdeckungen dabei. Für die Rumpf-Servos und die RC-Anlage ist Platz auf einem 3D-Druckteil, das im Endleistenbereich des Rumpfes platziert wurde. Je nach Motor oder Akku kann dieses zum Erreichen des Schwerpunktes variabel eingesetzt werden.

Beim Flächenaufbau wird in der Drops-Factory außen eine 60-g/qm-Lage IMS Spread-Tow und innen ein 39-g/qm-Biaxial-Gewebe verwendet. Die Holme werden aus der Hochmodulfaser MJ40 laminiert und der Verbinder wird als Hohlverbinder gefertigt, um noch leichter zu werden. Der Rumpf, ganz in CFK, wird aufgeblasen, damit das getränkte Gewebe sich eng an die Form drückt und somit höchste Festigkeit erzielt wird. Die Wettbewerbsmodelle werden ohne Ballastkammer gefertigt, die aber auch mitbestellt werden kann.

Die Montage des Modells ging schnell von der Hand, zumindest was die Fläche betrifft. Ich habe zwei "HS 7115"-Flächenservos (8 mm) eingebaut. Die Überkreuzanlenkung der Flächenruder ist bei so einem Modell selbstverständlich. Dann nur noch Kabel anlöten - fertig.

Beim Rumpf mussten meine grauen Zellen dann doch etwas mehr arbeiten. Das gelbe 3D-Druckteil war mit Servos, Empfänger und Zepsus-Schalter schnell bestückt. Ein 2s-LiPo-Empfänger- akku mit 350 Milliamperestunden reicht für zwei Wertungsflüge. Aber wohin damit? Also: Akku, Motor und Drehzahlsteller erst einmal provisorisch einbauen, dabei den "Unilog 2" von SM-Modellbau nicht vergessen! Der ist im F5F-Wettbe- werb Pflicht. Damit lag der Schwerpunkt viel zu weit vorne. Kurzer Chat mit Thomas Waeckerlin. Der fotografierte für mich seine Lösung: Motor, dahinter Drehzahlsteller (so hatte ich es auch), aber dann direkt hinter dem Motor - unter dem Drehzahlsteller - den Unilog platzieren. Die Akkus - aus zwei 3s in Reihe zusammengesetzt - kommen dahinter und werden etwas unter den Drehzahlsteller geschoben. Der "Jazz FAI 18" von Kontronik ist schlank, das klappt. Es passen aber nur wenige Akkutypen rein. Der Akku muss ja hinten auch noch unter dem Flächenverbinder im Rumpf Platz finden. Bei mir kamen zwei 3s-LiPo "Quantum" mit 1.800 Milliamperestunden zum Einsatz. Sie wurden mit Klebeband auf einem 0,5-mm-GFK-Streifen befestigt. Die Anschlusskabel sind nur so lang, wie es gerade sein muss. Der Regler wurde an den Hacker- "B50-8L Competition" gelötet. Alles so eng aneinander wie es nur geht. Der Hacker-Motor gehört noch zu der leichteren Sorte der Motoren, andere Fabrikate sind 30 Gramm schwerer. Mit der kv von 2.750 und dem Getriebe liegt er goldrichtig für die GM-Luftschraube 18 x 18 Zoll. Noch besser sogar wären 18 x 21 Zoll. Nachdem alles passte, habe ich einen vierpoligen Ministecker am vorderen Rumpfteil oben angeklebt, die Buchse an der passenden Stelle im Rumpf. Diese vier Pole bedienen den Drehzahlsteller und den "Unilog". Dazu habe ich die Plus- und Minusleitungen jeweils zusammengelegt.

Nun folgte der Gang zur Schwerpunktwaage: immer noch viel zu weit vorne. Der Empfänger-akku muss viel weiter nach hinten. Ich habe ihn mit einem dünnen GFK-Streifen hinter den Servos platziert. Dann kam wieder alles hinein und wurde so lange verschoben, bis es passte. Die V-Leitwerksanlenkung mit einem 3-mm-CFK-Rohr habe ich mit den Servos und den Ruderhörnern verbunden. Danach das 3D-Druckteil solange ausgerichtet, bis die Ruder geradestanden. Anschließend habe ich die ganze Einheit mit zwei Schrauben von außen sicher fixiert. Der Zepsus BEC-Schalter sitzt übrigens mit Schaumgummi auf dem Empfänger. So kommt er nahe an den Rumpfrücken und das Ein- und Ausschalten mit dem Magnet funktioniert tadellos. Ich habe mich für die 6,5-Volt-Variante entschieden, weil sie genügend Spannung für kräftige Servos liefert und auch für die "HS 7115" noch nicht zu hoch ist.

Auf seiner Homepage liefert Frank Fessler sehr gute Einstellwerte für die Ruder. Ich habe das Modell genau mit diesen Werten programmiert. So viel vorneweg: sie passen absolut!

Den Erstflug habe ich mit der Luftschraube 18 x 18 Zoll gestartet, die - je nach Akku - rund 150 bis 160 Ampere zieht. Das geht jedoch nicht bei laufendem Motor. Das Modell würde dabei sofort aus der Hand gerissen. Bleibt nur: jemanden bitten, das Modell aus der Hand zu werfen, ohne Motor, aber mit Schwung. Sobald der "Drops" die Hand des Werfers verlassen hat, wird sofort der Motor eingeschaltet. Die hohe Steigung lässt die Luftschraube nicht sofort fassen, das macht dann durchaus Krach. Doch die Luftschraube greift schnell und wird leise. Mein Modell hat in knapp drei Sekunden 100 Meter Höhe erreicht und konnte mit mehr als 200 Stundenkilometer in die Strecke gehen. Obwohl extrem schnell, ist der "Drops" auch sehr gutmütig und der Geschwindigkeitsbereich sehr weit zu fliegen. Natürlich waren einige, aber nur sehr geringe Korrekturen an den Trimmungen erforderlich. Doch der Schwerpunkt passte schon mal, da musste an sich nichts geändert werden. Die Wenden muss ein F5F-ler schnell absolvieren, darf keine Fahrt verlieren, um anschließend wieder rasch zur nächsten Wende zu kommen. Auch das funktionierte blendend. Der "Drops" kam zackig und dynamisch herum, kein Fahrtverlust. So wurde die 300 Sekunden Strecke mit genügend Runden absolviert, immer vier Stück. Dann nach Durchflug A hieß es wieder: Motor anschalten - und der Hacker riss den "Drops" nach oben. Dabei reichten jeweils circa zwei Sekunden Motorlaufzeit, um wieder in die Strecke zu fliegen. Es ging auch nicht senkrecht hoch. Eher im großen Bogen, um dann vor dem Einfliegen in die Strecke genügend Geschwindigkeit aufzubauen um - mit ausgeschaltetem Motor - auf die nächs- te Wende zuzurasen.

Nach 300 Sekunden ging es an die zehn Minuten Thermikaufgabe, mit gesetzten Klappen und leichtem Höhenrudertrimm. Aus dem vormals beißenden Tier wurde ein lammfrommes, das da oben genüsslich nach Thermik suchte. Und die wurde auch gleich angezeigt - mit Unterstützung des Varios. Also schipperten wir die Gegend ab. Das Kreisen gelang gut, ein Abkippen war kaum zu beobachten. Auch nicht, wenn extrem langsam geflogen wird. Schaut man genau hin, kündigt der Drops das gegebenenfalls sogar rechtzeitig an und man kann gut gegensteuern. Ganz reichte es an diesem Tag nicht, um die zehn Minuten ohne Motor zu schaffen. Also musste ich noch einmal einschalten - für maximal drei Sekunden. Dann schoss der "Drops" im steilen Winkel noch einmal fast die gleiche Strecke nach oben. Das Modell verwandelt die Geschwindigkeit problemlos in noch mehr Höhe um. Laut dem Vario: mehr als 200 Meter.

Beim späteren F5F-Wettbewerb in Biebertal kamen gleich fünf "Drops" zusammen. Der Austausch der Piloten war natürlich rege. Vor allem wurden die einzelnen Detaillösungen diskutiert. Im Wettbewerb hatte ich dann die 18 x 21 Zoll große GM-Luftschraube montiert, damit ging es noch mehr zur Sache. Die erlaubten 1.300 W*Min waren dann schon nach 25 Sekunden Motorlaufzeit vorbei. Da es jedoch schneller nach oben ging, reichte es um über die Runden und den Zeitflug zu kommen.

Inzwischen kann ich den "Drops" auch gut alleine starten. Dazu schalte ich auf Thermik-Flugphase, werfe das Modell mit Schwung horizontal und lege dann sofort den Motorschalter nach vorne. Der "Drops" lässt sich natürlich auch mit weniger Leistung fliegen. Das macht bestimmt genau so viel Spaß. Zum Beispiel mit 3s an einem Innenläufer mit Getriebe.

Mit dem "Drops 220 F5F" hat Frank Fessler ein ganz heißes Eisen im Feuer. Bei der Herstellung wird weder Aufwand gescheut, noch an Material gespart. Was geliefert wird, ist erstklassig und hochwertig. Das Ergebnis ist genial: Schnell, wenn man will, zahm in der Thermik. Wer einen F5F-Wettbewerbsantrieb einbaut, wird alles aus dem Modell rausholen können.

Herbert Locklair


Fakten

"Drops 220" von Frank Fessler
Ein F5F-Hochleistungsmodell

Spannweite 2.200 mm
Länge 1.200 mm
Gewicht 1.789 g
Fläche 40,24 qdm
Flächenbelastung 44,46 g/qdm

Motor "BL 50-8 L Competition", Hacker
Drehzahlsteller "Jazz 118 FAI", Kontronik
Luftschraube 18 x 18 Zoll, GM
Preis: 1.580 Euro
Bezug bei Drops Factory
Tel.: 0171/6262399
www.drops-factory.com


Der Lieferumfang enthält nur wenige Teile, dabei aber sehr gut vorgefertigt und in hoher Qualität


Die Abziehschnauze nimmt gleichzeitig den Antriebsakku auf


Im Lieferzustand nur 756 Gramm Leergewicht


Das 3D-gedruckte RC-Einbauteil nimmt Servos, Empfänger und den Empfängerakku auf. Letzterer ist über ein GfK-Plättchen aus Schwerpunktgründen nach hinten gewandert. Der Zepsus BEC-Schalter drückt sich durch den Schaumstoff direkt an die Rumpfwand


Die Antriebseinheit mit Hacker- "B50-8L Competition", Kontronik- "Jazz FAI 18" und 6s-Akku verschwindet fast komplett in der Abziehnase


Mit 1.789 Gramm flugfertig. Die Nase wird mit einer sehr kurzen M4-Schraube von unten gesichert


Der Eigenstart ist kein Thema. Allerdings nur in Thermikstellung und ohne Motor


Bei schnellen Geradeausflügen liegt der "Drops" wie ein Brett in der Luft


Beim F5F-Wettbewerb in Biebertal fanden sich gleich fünf Teilnehmer mit dem "Drops" (von links): Gerben van Berkum, Thomas Waeckerlin, Frank Fessler, Herbert Locklair und Ralf Dieckmann



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