TEST

Klein und Fein

Der "CX-RES mini" von Aviation Toys


So ein kleiner Zweiachs-Segler macht richtig Freude

Vincent Merlijn lebt in den Niederlanden und hat mit Aviation Toys ein kleines Unternehmen auf die Beine gestellt. Sein Freiflugmodell "Rookie" ist zum Hit geworden. Mit dem "CX-RES mini" bietet er nun auch ein RC-RES-Modell an. Steve Streff hat sich mit dem handlichen Gleiter beschäftigt. Dabei kommen bei ihm sogar Erinnerungen an seine Kindheit auf.

Aufmerksam auf Aviation Toys wurde ich durch das Freiflugmodell "Rookie". Ausgerüstet mit einem Mini-Elektromotor, der über einen Kondensator mit Strom versorgt wird, ist das ein ideales Modell für Kinder. Als dann jedoch der "CX-RES mini" erhältlich war, musste ich direkt zuschlagen. In der bekannten RES-Klasse steht RES normalerweise für Rudder, Elevator und Spoiler (Seitenruder, Höhenruder und Bremsklappe). Laut Firmenchef Vincent Merlijn steht bei seinem Modell das "S" allerdings für Sexy, da sein Modell nur über Seiten- und Höhenruder gesteuert wird. In der Tat sieht der "CX-RES mini" sehr gut aus und erinnert mich etwas an die Freiflugmodelle meiner Kindheit. In der Ebene kann das Modell mit einem Bungeeseil gestartet werden. Mit fünf Meter Gummischlauch (6/3 mm) und zehn Meter Seil kommt es auf rund 50 Meter Höhe. Aber auch aus einem normalen Wurfstart heraus gelingt mir locker eine Platzrunde.

Geliefert wird der Bausatz mit dem erforderlichen Zubehör, um das Modell flugfertig aufzubauen. Sauber gelaserte Holzteile, Rippen aus Balsaholz, Heckausleger aus CFK, Anlenkung aus CFK, Kleinteile und sehr leichtes "Oralight"-Bespannungsmaterial in Weiß -Transparent, runden den kompletten Bausatz ab. Einen Plan oder eine Bauanleitung gibt es nicht, aber eine sehr detaillierte Bilderanleitung. Man kann sie als pdf von der Homepage herunterladen und am Smartphone darstellen. Als Kleber wird Weißleim empfohlen. Ich habe allerdings alles mit Sekundenkleber bearbeitet.

Das vordere Rumpfteil besteht aus einem Kastenrumpf aus Sperrholzteilen mit zwei Millimeter Stärke. Zuerst habe ich die Laserteile herausgetrennt, dann mit dem Einkleben der Metallmuttern begonnen. Sie nehmen später die Tragflächen und Leitwerke auf. Die Teile waren sehr passgenau und mussten nicht oder nur sehr wenig nachgearbeitet zu werden. Sobald alle Teile an der richtigen Stelle sind, wird der komplette Kastenrumpf miteinander verklebt. Die Rumpfnase besteht aus sechs Lagen 2-mm-Balsaholz und gibt bereits die grobe Form vor. Die abnehmbare Kabinenhaube wurde ebenfalls aus vielen 2-mm-Balsaholzschichten zusammengeklebt und mit einer M3-Schraube gesichert. Die Bohrungen habe ich mit Sekundenkleber getränkt, damit das Balsaholz in diesem Bereich härter und robuster wird. Nachdem der komplette Zusammenbau erledigt war, wirkte der Rumpf zunächst eckig und kantig. Doch dann habe ich alles in eine ansprechende runde Form gebracht. Am schnellsten gelingt dies mit einem Schleifklotz. Zuerst mit etwas grobkörnigem und dann mit feinkörnigem Schleifpapier. Obwohl dem Bausatz das "Oralight"-Bespannmaterial beilag, wollte ich doch meine eigene Note einbringen. So habe ich für den Rumpf - passend zu dem CFK-Rumpfausleger - schwarze "Oralight"-Folie genommen. Die Überlappung der zugeschnittenen Teile erledigte ich an den Kanten, so sind sie fast nicht sichtbar.

Die Tragfläche habe ich komplett aus Balsaholz aufgebaut. Sie besteht aus einem Mittelstück, zwei Außenteilen und zwei Ohren, hat also eine doppelte V-Form. Zuerst wurden die Rippen vom Mittelstück auf den unteren Holm aus Balsa aufgefädelt. Anschließend dann der obere Holm eingesetzt, die Rippenfläche auf dem Baubrett plan aufgelegt und die Rippen mit den Holmen verklebt. Die Rippen haben unten zwei Stege, was einen verzugsfreien Aufbau ermöglichte. Um die Endleiste anzukleben, habe ich nun die Tragflächenoberseite auf das Baubrett gelegt, die Endleiste an den Rippen fixiert und, sobald alles sauber und plan auflag, verklebt. Die gleiche Vorgehensweise empfahl sich bei den Flügelohren und Tragflächenenden. Danach konnten die Tragflächenteile auf ihrer Ober- und Unterseite beplankt werden. So ergaben sich robuste Teile, ausschließlich aus Balsaholz aufgebaut. Die Beplankung im mittleren Bereich war mit 1-mm-Balsaholz vorgesehen. Ich habe dann aber 0,6-mm-Birkensperrholz benutzt, um diesen Bereich deutlich robuster zu machen, bei nur minimalem Mehrgewicht. Alle Teile wurden nun verschliffen und zu einer Tragfläche zusammengeführt. Die Holme gaben die V-Form vor. Abgerundet wurde mit einem formschönen Randbogen aus 2-mm-Balsaholz mit einem schönen Logo, dem holländischen Holzschuh von Aviationtoys.nl. Nachdem alles sauber verschliffen war, habe ich die Tragfläche mit "Oralight"-Folie bespannt. Die Folie wurde zuerst nur an der Beplankung, den Rippen und den Endleisten mit niedriger Temperatur fixiert. Nachdem alle Folienteile angebracht waren, habe ich die Temperatur erhöht. So kann sich die Folie optimal zusammenziehen, ohne dass sich die Tragfläche verzieht.

Die Leitwerke wurden wie ein Puzzle zusammengesetzt. Ich habe zuerst alle Teile mit Nadeln auf dem Baubrett fixiert bis alles passte, und anschließend mit dünnflüssigem Sekundenkleber verklebt. Die Leitwerke inklusive Ruder wurden in einem Stück aufgebaut, verschliffen und erst anschließend voneinander getrennt. Entgegen der Bilderanleitung habe ich zuerst die Ruder vom Leitwerk getrennt, dann erst bespannt. Die Folie dient oben beim Höhenruder als Ruderscharnier.

Für das Seitenleitwerk wurde das CFK-Rohr mit einem Schlitz versehen und eingeklebt. Für das Höhenleitwerk habe ich zuerst einen Pylonen aus Sperrholz und Balsaholz aufgebaut. Anschließend das Höhenleitwerk mit einem auf- geschraubten Pylonen auf dem Heckausleger rechtwinklig ausgerichtet und mit Sekundenkleber verklebt. Somit konnte ich sicher sein, dass die Leitwerke rechtwinklig zueinander aufgebaut wurden. Nun erst habe ich das CFK-Rohr in den Rumpf geschoben, das Höhenleitwerk parallel zu den Tragflächen ausgerichtet und das CFK-Rohr mit dem Rumpf verklebt.

Vincent Merlijn hat die KST-Servos "X06" empfohlen. Mit etwas Anpassung am Servorahmen können aber auch die günstigeren Hitec- "HS-40" eingesetzt werden. Angelenkt werden Seiten- und Höhenruder über 1-mm-CFK-Schubstangen. Die Führungsrohre liegen im CFK-Rohr und werden im Bereich der Leitwerke nach außen zu den Rudern geführt. Die Bohrungen hierfür sollten mindestens fünf bis sechs Zentimeter vor den Rudern liegen, damit die Anlenkungen schön leichtgängig funktionieren. Für die Einstellung der Ruderausschläge übernahm ich die Empfehlung des Herstellers: Höhenruder +/- 18 mm, Seitenruder l/r 32 mm.

Als Empfänger benutze ich den Jeti-Mini-Empfänger. Daran werden die Servokabel direkt angelötet. Als Empfängerakku verwende ich einen 2s-LiPo mit 300 Milliamperestunden und ein Mini-BEC, das die Spannung auf fünf Volt reduziert. Würde man die empfohlenen KST-Servos nutzen, kann auf das BEC verzichtet werden, da diese Servos hochvoltfähig sind.

15 Gramm Blei wurden noch in der Nase benötigt, um den Schwerpunkt zu erreichen. Jetzt fehlte nur noch der Haken, um den "CX-RES mini" in der Ebene mit dem Bungee auf Höhe zu bringen. Der Bungee-Haken wird so weit wie möglich vorne am Rumpf befestigt und mit Sekundenkleber fixiert. Da durch den Bungeestart größere Kräfte auftreten können, habe ich den Haken mit dem Blei zusätzlich mit etwas 24-Stunden-Epoxydharz endgültig verklebt.

Bei strahlend blauem Himmel konnte der "CX-RES mini" dann getestet werden. Zuerst mit einigen Handstartversuchen, um den Schwer- punkt zu überprüfen. Das Modell flog auf Anhieb, schön langsam, aber auch präzise an den Rudern. Für den Bungee-Start habe ich das Höhenruder leicht auf Höhe getrimmt. Nach einigen Starts und entsprechender Feintrimmung des Höhenruders gelangen die Starts sehr einfach und effektiv. Das kleine leichte Modell beschleunigt sehr schnell, macht Höhe und baut dann nochmals Geschwindigkeit auf, bevor der Haken auslöst und die Geschwindigkeit dann noch in restliche Höhe umgesetzt werden kann. Die erreichbaren Höhen betrugen bei den ersten Tests zwischen 20 und 30 Meter. Dann testete ich mit 20 Meter Seil. Der Bungeestart funktionierte damit noch besser und es wurden Höhen von 30 bis 40 Meter erreicht, ohne Gegenwind.

Der "CX-RES mini" fliegt sich sehr angenehm und ist auch für einen Anfänger sehr leicht zu beherrschen. Das Kreisen gelingt sehr schön, erfordert aber ausreichend Ruderausschläge. Mit etwas Geschwindigkeit lassen sich auch Loopings fliegen. Punktgenaue Landungen gelingen nach einiger Übung.

Ja, es muss nicht immer groß, teuer und High-End sein. So ein Holzbausatz macht bereits beim Aufbau sehr viel Spaß und das entschleunigte, entspannte Fliegen ist der Hammer. Die nächstgelegene Wiese reicht locker aus um einige Runden zu drehen. Tragfläche und Höhenleitwerk sind abnehmbar, sodass der "CX-RES mini" immer noch zum Urlaubsgepäck ins Auto passt. Übrigens: Wer sich den Aufbau nicht zutrauen sollte, kann den "CX-RES mini" auch fertig aufgebaut bekommen.

Steve Streff


Fakten

"CX-RES mini" von Aviation Toys
Ein Kleinsegler mit tollen Flugleistungen

Spannweite 1.000 mm
Länge 930 mm
Gewicht 145 g
Fläche 13,08 qdm
Flächenbelastung 11,1 g/qdm
Preis: 89,95 Euro
Bezug bei Aviation Toys
Tel.: 0031-6/12876317
www.aviationtoys.nl


Der "CX-RES mini" hat genau einen Meter Spannweite und ist auch recht schnell gebaut


Der Rumpf wird wie ein 3D-Puzzle aufgebaut. Alles passt perfekt


Schleifarbeit gibt es dann bei der Rumpfnase und den Randbögen der Tragfläche


Mit einem guten Schleifklotz geht die Schleifarbeit schnell vonstatten


Die Tragfläche wird ganz in Balsa aufgebaut und ist dank der durchdachten Konstruktion absolut stabil


Ein schönes Detail ist auch das gelaserte Firmenlogo, der holländische Holzschuh mit Flügeln


Die Tragfläche wurde abschnittsweise bespannt, so ergaben sich keine Verzüge


Auch die Leitwerke wurden aus gelaserten Teilen zusammengesetzt und sind hervorragend stabil


Um die "HS-40"-Servos einsetzen zu können, musste das Servobrett leicht nachgearbeitet werden. Die empfohlenen KST- "X-06" passen aber perfekt


Die Segelflugleistungen des kleinen Modells sind beeindruckend gut


Geflogen und gelandet werden kann auf engstem Raum, wie zum Beispiel im eigenen Garten



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 4/2022

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