REPORTAGE

F3J-Szene

Mit neuem Regelwerk gegen den Abwind


Mitte Mai trafen sich Mitglieder der europäischen F3J-Szene bei der "Fribourg's Trophy" in der Schweiz. Vorherrschendes Gesprächsthema unter den Piloten war das neue Reglement. Christian Hunkeler berichtet.

Der Wettbewerb "Fribourg's Trophy" ist Teil der CONTEST-Eurotour und fließt in die Weltcup-Wertung ein. Über 50 Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, Italien, Tschechien, aus der Slowakei und der Schweiz lieferten sich bei anspruchsvollen Witterungsbedingungen einen spannenden Wettbewerb. Es war einer der ersten F3J-Wettbewerbe, der nach den neuen Regeln ausgerichtet wurde.

Die Änderungen betreffen hauptsächlich die Startmethode und das Gewicht der eingesetzten Modelle. So sind im F3J neben dem Handschlepp nun auch Elektrowinden zugelassen, wie im F3B seit 1989 üblich. Superleichte Modelle sind nicht mehr erlaubt. Sie müssen heute eine minimale Flächenbelastung von 20 Gramm/ Quadratdezimeter inklusive Leitwerksfläche aufweisen. Zuvor lag dieser Wert bei 12,5 Gramm pro Quadratdezimeter. Ziel der neuen Bestimmungen ist es, F3J für eine breitere Schicht von Modellfliegern attraktiv zu machen. In den vergangenen Jahren ist die Teilnehmerzahl bei Wettbewerben regelrecht eingebrochen.

Das neue Gewichtslimit wurde mit dem Gedanken eingeführt, den Sport weniger materialintensiv und finanziell erschwinglicher zu gestal- ten. Wer bislang an der Spitze mitfliegen wollte, musste über mindestens drei Modelle für unterschiedliche Wind- und Thermikbedingungen verfügen. Einen leichten Super-Floater für schwa- che Bedingungen, ein Modell für mittlere Ver- hältnisse und ein etwas schwereres Modell für stärkeren Wind. Bei Modellpreisen zwischen 1.500 und 1.900 Euro ohne Elektronik eine kostspielige Angelegenheit.

Dann die Startmethode: F3J war bislang ein Teamsport. Für jeden Hochstart mit Handschlepp braucht es zwei sportliche Läufer. Mit der Möglichkeit des Windenstarts wollte man dafür sorgen, dass vermehrt Piloten an Wettkämpfen teilnehmen, die nicht über ein zugkräftiges Schleppgespann und entsprechende Trainingsmöglichkeiten verfügen. Die Schweizer Nationalmannschaft zum Beispiel musste ihre Schlepper in der Vergangenheit teilweise im Ausland rekrutieren.

Während des Wettbewerbs-Wochenendes habe ich mich ein bisschen unter die Teilnehmer gemischt und mich mit ihnen über die neuen Regeln unterhalten. Die meisten Piloten begrüßen die Möglichkeit der Elektrowinde. Vor allem, weil man weniger auf Helfer angewiesen ist. "Nie mehr Bullenschlepp", sagte zum Beispiel ein langjähriger Wettbewerbsteilnehmer aus der Schweiz, der nach eigenen Angaben Mühe beim Handschlepp hat. Ein anderer meinte: "Früher waren Piloten mit guten Schleppern deutlich im Vorteil. Das neue Reglement gleicht dies zugunsten jener, mit weniger geübten Läufern etwas aus. Bei uns in der Schweiz haben wir nicht so oft Gelegenheit, im Team zu üben. Mit dem Windenstart zählt nun das fliegerische Können mehr." Doch nicht alle sind Fans der neuen Regelung. Es gibt auch kritische Stimmen in der F3J-Familie: "Der Bullenschlepp war ein Markenzeichen unserer Wettbewerbsklasse - das ist nun vorbei", hörte ich einige sagen. Auch in sportlicher Hinsicht äußerten manche Piloten ihr Bedauern: "Mit einem gut eingespielten Schleppgespann und der entsprechenden Starttaktik konnte man sich früher je nach Wettersituation einen kleinen, aber vielleicht entscheidenden Vorteil herausholen", sagte beispiels- weise ein Mitglied des deutschen Teams Coburg-Kermess. Bei der "Fribourg's Trophy" wurden ausschließlich Winden eingesetzt. Ein deutliches Zeichen, dass dieser Teil der Regeln auf Akzeptanz stößt.

Negativer äußerten sich die meisten Piloten zu den neuen Regeln betreffend Modellgewicht. "Die Änderung hat dazu geführt, dass viele Piloten ihre leichten Modelle nicht mehr einsetzen können", sagten einige Teilnehmer. Und verkaufen könne man sie kaum, weil die Modelle für den reinen Freizeitbereich zu leicht sind. Der Verband hätte eine Übergangsfrist von einigen Jahren setzen sollen. Damit hätten die Piloten Zeit für das Umrüsten der Wettbewerbsflotte. Das Argument, F3J werde erschwinglicher, weil die Piloten weniger teure Modelle einsetzen müssten, ziehe zumindest kurzfristig nicht. Ein weiterer, langjähriger F3J-Pilot äußerte sich deutlich zur Beschränkung der minimalen Flächenbelastung: "Wettbewerb ist immer High-end, solche künstlichen Limits töten den Wettkampf."

Dabei hat der Teilnehmerschwund an F3J-Wettbewerben vielfältige Gründe. Welchen Einfluss die neuen Regeln auf das Interesse haben, ist schwer abzuschätzen. Tatsache ist, an der "Fribourg's Trophy" nahmen rund ein Drittel weniger Piloten teil als im Vorjahr. Bei anderen Wettbewerben ist der Rückgang noch dramatischer. Am F3J-Wettbewerb in Italien einige Wochen zuvor hatten sich nur 27 Teilnehmer eingeschrieben. Einst waren es bis zu 120 Piloten. Die F3J-Gemeinde hofft natürlich, dass der Trend bald wieder in die andere Richtung geht. Die meisten Piloten sind eher skeptisch, dass die neuen Regeln zum Umschwung führen. Gewiss ist aber, dass die neue Elektroklasse F5J eine Konkurrenz für F3J darstellt.

Zurück zur "Fribourg's Trophy": Das Team um OK-Präsident Markus Schneuwly und die zahlreichen Helfer der Modellfluggruppe Freiburg hatten großes Wetterglück. Bis zur Wochenmitte fegte ein kräftiger Nordostwind mit Geschwindigkeiten bis 70 Stundenkilometern durch die Westschweiz. Und für das ganze Wochenende sagten die Meteorologen Regen voraus. Doch Petrus zeigte sich gnädig, beide Wertungstage blieben vom Regen verschont. Erst unmittelbar nach dem Fly-Off fielen die ersten Regentropfen. Am Samstag wurden sieben Durchgänge geflogen und am Sonntag ein Durchgang sowie ein Fly-Off bei den Junioren und Senioren mit je drei Durchgängen. Zusammengezählt ergaben das insgesamt 510 Wertungsflüge.

Die Flugbedingungen waren anspruchsvoll. Der Himmel war über das ganze Wochenende wolkenverhangen. Thermik gab es, aber sie war während der Dauer des Wettbewerbs schwach. Die Piloten waren also gefordert. Nicht selten wiesen Rotmilane oder Mäusebussarde den Weg zum Aufwind. Dabei fand der gesamte Wettbewerb auf sehr hohem Niveau statt. Auffällig war die Konstanz der Top-Piloten im Fly-Off, entsprechend gering die Abstände in der Wertung. Beeindruckend, wie Piloten kleinste Aufwinde nutzten um ihre Modelle 15 Minuten lang in der Luft zu halten und anschließend auf die Sekunde genau eine Punktlandung hinlegten. Der Sieg ging schließlich an Jan Littva (Slowakei), vor Tobias Lämmlein (Schweiz) und Yvan Moquereau (Frankreich). Bei den Junioren hatte Louis Tack (Deutschland) die Nase vorn. Hinter ihm platzierten sich Jean-Baptiste Senouque (Frankreich) und Jean-Christoph Weihe (Deutschland) auf den Ehrenplätzen.

Die Flugbedingungen waren anspruchsvoll. Der Himmel war über das ganze Wochenende wolkenverhangen. Thermik gab es, aber sie war während der Dauer des Wettbewerbs schwach. Die Piloten waren also gefordert. Nicht selten wiesen Rotmilane oder Mäusebussarde den Weg zum Aufwind. Dabei fand der gesamte Wettbewerb auf sehr hohem Niveau statt. Auffällig war die Konstanz der Top-Piloten im Fly-Off, entsprechend gering die Abstände in der Wertung. Beeindruckend, wie Piloten kleinste Aufwinde nutzten um ihre Modelle 15 Minuten lang in der Luft zu halten und anschließend auf die Sekunde genau eine Punktlandung hinlegten. Der Sieg ging schließlich an Jan Littva (Slowakei), vor Tobias Lämmlein (Schweiz) und Yvan Moquereau (Frankreich). Bei den Junioren hatte Louis Tack (Deutschland) die Nase vorn. Hinter ihm platzierten sich Jean-Baptiste Senouque (Frankreich) und Jean-Christoph Weihe (Deutschland) auf den Ehrenplätzen.

Bei den eingesetzten Modellen gab es im Vergleich zum Vorjahr nicht viel Neues: Am häufigsten setzten die Piloten die verschiedenen Ver- sionen von "Explorer" (Nan Models), "Pike" (Samba) und "Maxa" (Vladimir) ein. Weniger oft im Einsatz war der "Cyclone" (Mibo). Mehrere deutsche Piloten vertrauten auf die nicht käufliche Eigenentwicklung "New Generation". Vereinzelt sah man noch den "Satori" (Aer-O-Tec).

Christian Hunkeler


Ein Wort des Veranstalters

"Wir versuchten einen Wettbewerb zu gestalten, der dem neuen Reglement entspricht und eine optimale Möglichkeit der Vorbereitung für die EM in Polen bietet. Dabei konnten wir nicht auf die Erfahrungen von anderen Wettbewerben zurückgreifen. Da ich kein Freund von zusätzlichen Vorschriften bin, haben wir das Reglement genommen, wie es steht. Keine Bahnwechsel, dafür mehr Flüge! Das Reglement kennt keinen Bahnwechsel, also verzichteten wir darauf. Refly auf einer fremden Winde wurde von den Piloten akzeptiert. Interessant war auch, dass alle Piloten, die bei der Anmeldung noch Handschlepp als Startart angaben, schliesslich mit der Winde gestartet sind. Für die Junioren haben wir absichtlich ein eigenes Fly-Off mit allen neun anwesenden Junioren organisiert, was sehr guten Anklang fand. Die sehr positiven Reaktionen der Piloten zur "Fribourg's Trophy" gaben mir den Eindruck, dass dies der richtige Weg ist. Es wird sicher weitere Anpassungen geben. Aussagen, dass das neue Reglement F3J tötet, teile ich nicht im Geringsten. Solange sich Veranstalter und Sponsoren für die Organisation solcher Wettbewerbe finden, lebt F3J auch." OK-Präsident Markus Schneuwly





































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