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Der "Bergfalke II/55" von Grupp-Modellbau

Der "GP15 Jeta" von Baudis


Der "Bergfalke II/55" ist ein stattlicher Großsegler mit hervorragenden Flugeigenschaften

Martin Atzwanger ist ein Fan von Oldtimern. Eigentlich konstruiert und baut er selbst. Doch mit dem ARF-Modell "Bergfalke" hat er eine gelungene Ausnahme gemacht.

1935 konstruierte Egon Scheibe bei der Akaflieg München den Einsitzer "Mü13 Atalante". Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte er dieses Flugzeug weiter zum Doppelsitzer "Mü-13 E Bergfalke". Der Mitteldecker mit den negativ gepfeilten Tragflächen wurde vor allem für Schulung und Leistungsflug konzipiert. Charakteristisch war dabei der in Fachwerkbauweise aus einem Stahlrohrgerüst geschweißte Rumpf mit Stoffbespannung. Ebenso die Flügel und Leitwerke in klassisch bespannter Holzbauweise. Bereits 1953 erfolgte die Weiterentwicklung zum "Bergfalke II" und noch einmal zwei Jahre später zum "Bergfalke II/55". Besonders die leichte Montage und die gutmütigen Flugeigenschaften machten dieses Flugzeug zu einem beliebten Vereinsflugzeug. Es wurde in rund 300 Exemplaren gebaut.

Grupp-Modellbau hat sein Modell vom ursprünglichen Hersteller Pilot-RC adaptiert. Der "Bergfalke II/55" im Maßstab 1:3 ist mit 5,5 Meter Spannweite schon ein beachtliches Flugzeug. An die Packstation liefern geht nicht, das Paket ist über 2,8 Meter lang. Der Inhalt ist nicht minder beeindruckend: Die Tragfläche ist zweiteilig mit einem etwas außergewöhnlichen Design, das eher an einen Kunstflugsegler erinnert. Der Rumpf besteht in einem Stück, nur das Seitenleitwerk muss noch montiert werden.

Das Modell ist in klassischer Holzbauweise mit gelaserten Rippen und Spanten aus Pappelsperrholz aufgebaut, mit Balsaholz beplankt und vollständig dreifarbig mit "Oracover" bespannt. Die Schleppkupplung ist bereits eingebaut und die klare Kabinenhaube mit dem Haubenrahmen verklebt. Die Tragflächensteckung erfolgt mit einem rund 1,4 Meter langen CFK-Rohr und wird durch Nylonschrauben gesichert. Die Landekufe ist in Aluminium ausgeführt. Der Zubehörsatz enthält das Leichtrad sowie ausreichend dimensionierte M3-Kugelgelenkgabelköpfe, Schubstangen aus 3-mm-Stahl mit Rechts-/Linksge- winde und doppelte GFK-Ruderhörner. Dazu Kleinteile zur Servomontage und das Stahlseil zur Anlenkung des Seitenruders. Die Montageanleitung findet sich auf der Webseite von Grupp als pdf zum Downloaden.

Die einzelnen Bauteile des Modells vermitteln schon auf den ersten Blick einen positiven Eindruck: Die sichtbaren Verklebungen sind sauber ausgeführt und ordentlich bebügelt. Das testweise Zusammenstecken der verschiedenen Baugruppen zeigt keinen schiefen Winkel oder erfordert größere Nachbearbeitungen. Leider nicht im Baukasten enthalten, aber dringend zu empfehlen, ist ein Hecksporn zum Schutz des Seitenruders. Aus Holz- und Metallresten ließ sich einfach ein entsprechender Ersatz zusammenbauen. Gegenüber der ursprünglichen Version sind die Servos für das abnehmbare Höhen- leitwerk nicht mehr im Rumpf, sondern direkt in der Flosse untergebracht.

Etwas fummelig ist der Einbau der Drehstörklappen und der dazugehörigen Servos. Die Klappen sind über drei Schrauben als Achsen angeschlagen. Da diese bei mir nicht in einer Flucht waren, habe ich sie kurzerhand entfernt, alles etwas aufgebohrt und durch ein Bowdenzug-rohr und einen 2-mm-Kohlestab ersetzt. Für die Montage der Servos empfiehlt sich ein ganz kleiner Schraubendreher oder eine kleine Ratsche, da der Einbaurahmen nicht direkt erreichbar ist. Mit ein bisschen Geduld stellt dies für einen Modellbauer kein Problem dar.

Eine echte Herausforderung dagegen ist das Auswiegen des Modells! Schon alleine der Aufbau im Haus ist bei 5,6 Meter Spannweite nicht bei jedem möglich. So habe ich auf den nächsten schönen Nachmittag gewartet und das Ganze auf die Wiese hinterm Haus verlegt. Laut Beschreibung liegt der Schwerpunkt bei 19 Millimeter hinter der Flügelvorderkante. Das liegt noch im Bereich der Rundung der Nasenleiste. Deshalb ist auch eine entsprechende Schwerpunktwaage zur exakten Bestimmung sinnvoll. Rund 1.800 Gramm Blei sollten gemäß Anleitung nötig sein. Bei mir waren es exakt 2.312 Gramm, um den angegebenen Schwerpunkt zu erreichen. Ich habe deshalb statt einem großen Akku die vorhandene Akkuhalterung mit Blei aufgefüllt. Zur Empfängerstromversorgung kommt die duale Akkuweiche von Emcotec mit zwei 2s-LiPo mit 1.300 Milliamperestunden und Magnetschalter zum Einsatz.

An einem recht wolkenverhangenen und windigen Tag erfolgte der Erstflug. Wie bei solch einem Modell nicht anders zu erwarten: unspektakulär und pflegeleicht. In den Kurven wurde das Flugverhalten bei den windigen Verhältnissen etwas "schwammig". Ganz offensichtlich war die Flächensteckung doch etwas zu weich und die Flügel begannen zu schwingen. Zuhause habe ich deshalb das CFK-Rohr mit einen gut eingeharzten Buchenstab verstärkt.

Die nächsten Flüge konnten bei bestem Flugwetter gestartet werden. Als Schleppmaschine fungierte die "Bölkow-Junior", ebenfalls von Grupp-Modellbau. Bei leichtem Wind herrschten nun perfekte Bedingungen für meinen "Bergfalken". Schon wenige Meter nach dem Start war das Modell in der Luft und folgte brav seinem Schlepper. Nach dem Ausklinken und der Landung der Schleppmaschine dann das beeindruckende stille Segeln. Mit etwas Abstand kaum vom manntragenden Original zu unterscheiden, spielte das Modell seine Stärken aus. Es war ein majestätischer Anblick bei gutem Gleiten mit geringer Sinkrate. Nur bei den Querrudern musste etwas nachgetrimmt werden. Ansonsten passten die vorgegebenen Einstellungen. Dank der nun verstärkten Flächensteckung hielt das Modell nun auch bei steileren Kurven die Linienführung exakt ein. Im Landeanflug ließ sich der "Bergfalke" gut ziehen, mit den Störklappen war die Landung unkompliziert und punktgenau

Kurzum, die Flugeigenschaften sind gutmütig und entschleunigend, das Flugbild ist majestätisch. Deshalb eignet sich der "Bergfalke" auch gut zum Einstieg in den Großsegelflug. Grupp-Modellbau bietet damit ein preiswertes und sehr attraktives Großmodell mit Hauptaugenmerk für den Thermikflug an.

Martin Atzwanger


Fakten

"Bergfalke II/55" von Grupp-Modellbau
Ein Großsegler zum Einstieg

Spannweite 5.530 mm
Länge 2.660 mm
Gewicht: 13.500 g
Fläche xxx qdm
Flächenbelastung xx,xx g/qdm
Preis: 999,- Euro
Bezug bei Grupp-Modellbau
Tel.: 07365/919044
www.gruppstore.de


Alle Bauteile sind bebügelt und sauber verpackt


Die Höhenruderservos befinden sich in der Flosse und lenken die Ruder auf kürzestem Wege an


Die Drehachse der Störklappen wurde gegen einen Kohlestab im Bowdenzugröhrchen ausgetauscht


Rund 2,3 Kilogramm Trimmgewicht inklusive Empfängerakus waren in der Rumpfnase notwendig


Der Tragflächenverbinder wurde mit Buchenholz aufgefüllt um ihn auszusteifen


Im Schlepp ging es zum Erstflug nach oben, von Beginn an problemlos


Das Flugbild des großen Modells ist majestätisch, die Flugeigenschaften sind tadellos


Landungen gelingen mit den gut wirkenden Klappen hervorragend



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