REPORTAGE

Große Klasse

Ein außergewöhnlicher Großsegler im Eigenbau


Drei "JS-2" wurden bisher fertiggestellt und geflogen. Der Erstflug des Originals steht noch aus

Chris Adrian und Johan Bruwer leben in Südafrika und gehören dort zu den Aktivsten der kleinen Großsegler-Szene. Ihr letztes Projekt war der Nachbau der "JS-2 Revenant" im Maßstab 1:2,45 - kompromisslos ausgelegt zum GPS-Triangle-Fliegen. Chris Adrian berichtet.

Wir Südafrikaner haben ein besonderes Faible für die Flugzeuge von Jonker Sailplanes. Das Unternehmen befindet sich in Potchefstroom, rund 180 Kilometer im Südwesten von Pretoria in Südafrika. Uys und sein Bruder Attie Jonker hatten das Unternehmen 2004 gegründet. Die "JS-1 Revelation" flogen sie erstmals zwei Jahre später. 2016 kündigten sie das Nachfolgemodell "JS-3 Rapture" an: Ein einsitziges Segelflugzeug der 15-m-Klasse, das aber auch mit 18 Meter Spannweite geflogen werden kann. Der Prototyp mit dem Kennzeichen ZS-TES flog erstmals am 12. Dezember 2016. Bei der Segelflug Weltmeisterschaft ein Jahr später in Benellae erreichten die Brüder Jonker - jeweils in einer "JS-3" - den elften, beziehungsweise zwölften Platz in der 15-m-Klasse. Am 24. Mai 2017 erfolgte der Erstflug in der 18-m-Konfiguration. Sowohl die "JS-1" wie auch die "JS-3" sind als Großmodelle erhältlich.

Mit der "JS-2 Revenant" sollte noch einmal ein Hochleistungssegler mit 18, beziehungsweise 21 Meter Spannweite für die Offene Klasse geschaffen werden. Der Erstflug ist zum Jahreswechsel 2020/2021 geplant.

Die "JS-2" ist der erste selbststartfähige Jonkers-Segler. Er besitzt die Flügel der "JS-1" in der 18- und 21-Meter-Version, hat aber einen komplett neu konstruierten Rumpf. Ich hatte schon im Jahr 2011 ein Modell im Maßstab 1:2,5 der "JS-1" gebaut und flog damit bei der GPS-Weltmeisterschaft 2013. Somit konnte ich auf einige For- men und Teile zurückgreifen. Der Flügel der "JS-2" ist allerdings eine komplette Neukonstruktion

Mit der Entwicklung unseres Modells habe ich mit Johan Bruwer zusammen Anfang 2018 begonnen. Um es gleich vorwegzunehmen: Der Erstflug war im April 2019 - deutlich vor dem Original. Die Größe des Modells wurde auf eine maximale, jedoch noch im Fluggepäck transportierbare Größe angepasst. Ebenso an das maximale Fluggewicht von 25 Kilogramm (ballas- tiert). So kamen wir auf den Maßstab 1:2,45, was 8,6 Meter Spannweite und 2,94 Meter Länge entspricht. Durch eine mehrfache Teilung des Modells kommen wir auf ein Packmaß von 1,7 x 0,55 x 0,5 Meter. Damit sind wir in der Lage, das Modell weltweit bei GPS-Wettbewerben einzusetzen.

Als Konstruktionsvorgaben setzten wir eine hohe Flugleistung mit einem Gleitwinkel von circa 1:37 fest. Außerdem legten wir ein problemloses Handling, einen möglichst engen Kurvenflug ohne Abschmiertendenzen und eine hohe Robustheit zugrunde. Den Flügel legten wir direkt mit zehn Klappen sowie dreistöckigen Schambeck-Störklappen aus - mehr geht nicht. Innenliegende Anlenkungen sind obligatorisch. Der Profilstrak wurde selbst entwickelt und resultierte in ein "CA-11" auf "CA-15" mit acht Prozent Dicke und nur sehr wenig Wölbung. Das Höhenleitwerk wurde mit einem vollsymmetrischen "CA-2" mit 9,5 Prozent Dicke ausgestattet. Hier etwas dicker, um genügend Platz für Servos und Anlenkungen zu haben. Für alle Ruder wurden "MKS-6130"-Servos vorgesehen mit LDS-Anlenkungen von Ober. Den Rumpf konstruierten wir im Verhältnis zum Modellmaßstab um fünf Zentimeter verlängert, mit dem Ziel, so mehr Richtungsstabilität zu erhalten. Auch das Seitenruder wurde vergrößert, um den Kurvenflug zu unterstützen.

Alle Festigkeitsrechnungen wurden mit Belastungstests der Struktur hinterlegt. Die Berechnungen wurden auf 10 G ausgelegt. So bekam der Innenflügel eine Hartschale mit Torsionsbox und integriertem Holm. Der Außenflügel ist ganz traditionell als Sandwich mit Kern aus Rohacell 71 aufgebaut, belegt mit Spreadtow-Doppelkohle 100 Gramm/Quadratmeter. Der ganze Flügel ist übrigens achtteilig, um das Packmaß zu erreichen. Die Urmodelle haben wir aus "Necuron"-Blockmaterial gefräst. Die Formen wurden mit hellblauem Oberflächenharz und Epoxid-Formenharz als Matrix gebaut.

Der Rumpf ist fast genau mittig teilbar und wurde im vorderen Teil aus Glas aufgebaut. Er bekam dort auch keine CFK-Verstärkungen, um so ein Optimum zum Empfangen und Senden von GPS- und 2,4-GHz-Signalen zu bieten. Im hinteren Teil wurde der Rumpf aus drei Lagen Carbon 200 Gramm/Quadratmeter aufgebaut. Sei- tenleitwerk und Ruder bestehen aus zwei Lagen 100 Gramm/Quadratmeter Spreadtow-Carbon. Die Seitenruderanlenkung ist innenliegend, ausgestattet mit einem "MKS-747"-Servo in der Seitenflosse und LDS-Anlenkung. Auch das Sporn- rad haben wir einziehbar konstruiert - nicht nur, um den Bedarf an Servos in die Höhe zu treiben. Inklusive Schleppkupplung und Einziehfahrwerk fliegen 16 Servos in der "JS-2" mit.

Die Empfangsanlage besteht aus dem bewähr- ten "Gizmo HV"-Empfänger von Weatronic mit 22 Kanälen. Zur Stromversorgung werden zwei 2s-LiOn-Akkus mit jeweils sechs Amperestunden verwendet. Das Klapptriebwerk ist ein "Orbis 3.0 20 Zoll" mit einem 10s-LiPo 5.000 Milliamperestunden. Der Prototyp wurde mit einem Gleitwinkel von 1:36,5 gemessen, bei einer Flächenbelastung von 110 bis 120 Gramm/Quadratdezimeter. Die 25 Kilogramm Fluggewicht er- reichen wir mit 2,5 Kilogramm Ballast.

Das zweite Serienmodell wurde auf der GPS-WM im September in Spanien geflogen, aber noch als "JS1 MM" klassifiziert. Das Original war ja bis dahin nicht geflogen. Ich erreichte damit einen sehr guten zehnten Platz in der Gesamtwertung. Das dritte Serienmodell flog direkt im Anschluss im Oktober erstmals, die Nummer vier ist in der Fertigstellung. Diese Formen sind nicht für eine große Serie ausgelegt. Vier Einheiten pro Jahr lassen sich aber sicherlich daraus erstellen.

Chris Adrian


Johan Bruwer (links) und Chris Adrian leben in Südafrika und fliegen seit vielen Jahren aktiv in der GPS-Szene mit


Die selbst gebauten Formen sind auf eine Kleinserie von circa vier Modellen pro Jahr ausgelegt


Durch den teilbaren Rumpf und die mehrteilige Tragfläche kann der "JS-2" in einer IATA-konformen Kiste transportiert werden


Das Profil ist eine Eigenentwicklung und hat nur acht Prozent Dicke


Die Flotte an Großseglern und Schleppern im Kollegenkreis von Johan Bruwer und Chris Adrian wächst zunehmend


Der "JS-2" ist der erste selbststartende Segler des südafrikanischen Herstellers Jonker



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