TEST

Flotter Flügel

Der "Lilloo"-Nurflügel von Onewing.de


Kurz vor dem Schuss mit der Flitsche, der "Lilloo" macht irre viel Spaß

Gerade einmal 76 Zentimeter Spannweite hat dieser kleine Nurflügel von Martin Stobbe, Inhaber von Onewing.de. Für Hangflugfan Thorsten Rauber ist diese quirlige Rakete genau das Richtige. Hier ist sein Bericht.

Die Auslegung und Entstehung des "Lilloo" konnte man in manchen großen Foren verfolgen. Wie schon beim "Xbow²" (vgl. AUFWIND 4/2021) hat sich Martin Stobbe auch für den "Lilloo" wieder kompetente Partner ins Boot geholt. So zum Beispiel Uwe Heuer, der in der Nurflügler-Szene kein Unbekannter ist. Die Profilauslegung steuert in Richtung Hangflug und Dynamic-Soaring. Der Kleine sollte also sehr gut in meinen Hangar passen. Auch die Materialwahl des Herstellers kann sich sehen lassen: In den Tragflächen liegt Doppelcarbon-SpreadTow und der Rumpf wird stabil und leicht aus Klassik-Carbon gefertigt. Als Scharnier wird auf Aramidgewebe gesetzt.

Als ich vom "Lilloo" erfahren habe, wurde die Bestellung sofort ausgelöst. Ich erhielt einen der ersten Vier aus der Serie. Vorab hatte ich mit Martin meine Wunschfarben besprochen. Das Dekor wird serienmäßig vor der Auslieferung von Martin Stobbe persönlich aufgebracht. Somit beschränkte sich meine Arbeit lediglich auf den Servo- und Anlenkungseinbau der Tragfläche. Empfänger, Variometer und Akku lassen sich dank der geräumigen Abziehhaube gut platzieren.

Bei der Servowahl verlasse ich mich immer auf die Servos von KST. Im "Lilloo" wurden es die acht Gramm leichten "KST X08H", die sich mit ihrer Stellkraft von knapp drei Kilogramm als die perfekte Wahl herausstellten. Eingebaut habe ich die Servos in Kunststoffrahmen von Servorahmen.de. Passend zu den IDS-Abtriebshebeln werden entsprechende Adapter angeboten, um damit eine M2,5-Überkreuzanlenkung zu realisieren und den Drehpunkt so nah wie möglich am Servo zu halten. Ziel war es den Servoeinbau möglichst unsichtbar zu realisieren. Die mitgelieferten CFK-Ruderhörner passen gut und mit dem 3,5 Millimeter langen Abtriebshebel am Servo ergibt sich eine sehr steife und starke Anlenkung. Durch die Übersetzung von Abtriebshebel zu Ruderhorn (1:2,6) liegt an den Rudern in allen Situationen genug Kraft an. Der Deckel des Servoschachts passt perfekt und vom Servo ist nichts mehr zu sehen. Beim Akku habe ich mich für zwei Zellen Lithium-Ionen mit 450 Milliamperestunden entschieden. Den 6-Kanal-Jeti-Empfänger habe ich aus dem Gehäuse entfernt und in Schrumpfschlauch gepackt. Dadurch lässt er sich noch weiter vorne in der Rumpfnase platzieren. Beim Variometer fiel meine Wahl auf das "MicroVario" von Hepf - ein Gewicht von gerade mal ein Gramm kann sich sehen lassen. Das Ganze ist so konzipiert, dass es direkt in den Telemetrieeingang des Empfängers eingesteckt wird - ohne Verbindungskabel. Die Höhenauflösung von 0,1 Meter ist wie bei den meisten Varios.

Akku und Empfänger finden weit vorne in der Rumpfnase Platz und so war nur wenig zusätzliches Gewicht nötig. Das erforderliche Blei wurde in Form von 1-mm-Bleikügelchen und Harz in die Nase gegossen. Dadurch bildete sich dort ein stabiler Stand für den Einbau des Flitschenhakens. Bei einem Schwerpunkt von 33,5 Millimetern ab der Nasenleiste lag das Abfluggewicht bei 258 Gramm. Ich bin mir sicher, dass man den "Lilloo" auch mit unter 250 Gramm Gewicht gebaut bekommt, wenn man beim Ausbau darauf achtet. Möchte man den "Lilloo" schwerer fliegen, so gibt es im Rumpf, unter der Tragfläche, ausreichend Platz für Ballast.

Wenige Tage nach der Fertigstellung des Modells wurde leichter Ostwind angekündigt - diese Chance wollte ich gleich nutzen. Da sich der "Lilloo" sehr gut am Rumpf fassen lässt, startete ich den Erstflug direkt aus der Hand. Ein klein wenig Trimmung am Höhenruder war nötig und der "Lilloo" flog seine Bahn. Das Erfliegen des perfekten Schwerpunkts hat dann noch mehrere Starts erfordert. Ein Nurflügel ist ja bekannter Weise etwas sensibler, was das Thema Schwerpunkt angeht. Dennoch waren Flug- und Steuerverhalten des "Lilloo" in keiner Situation kritisch. Das Tragen an diesem Flugtag war nicht besonders gut, für die ersten Kreise am Hang hat es jedoch gereicht. Die Flüge am Mittag nutzte ich dafür, die Einstellungen nach meinem Belieben anzupassen. Auch hatte ich Expo auf Höhenruder und Querruder etwas erhöht, denn Agilität und Reaktion auf die Ruder sind sehr knackig. Als sich dann Schwerpunkt und Einstellungen für mich gut anfühlten, ließ sich der "Lilloo" angenehm am Hang fliegen. Vor lauter Euphorie hatte ich mich tatsächlich bei einer schnellen Kurve etwas verschätzt und der "Lilloo" landete krachend im Baum. Dank der geringen Spannweite blieb das Modell aber nicht hängen und purzelte durch das Geäst zu Boden. Siehe da, er war unbeschädigt. Wer hätte das gedacht. Die robuste Bauweise und Wahl der hochwertigen Materialien machen sich halt bezahlt.

Etwas später wurde das Sturmtief "Klaus" angekündigt - sicherlich das richtige Wetter, um den "Lilloo" ausgiebig zu testen. Ich war sehr gespannt, wie sich die rund 250 Gramm Abfluggewicht bei 80 Stundenkilometern Wind schlagen würden. Gesagt, getan, der Sturm war da und ich stand mit dem "Lilloo" am Hang. Dieses Mal wollte ich das Modell zur Sicherheit flitschen, da die Hangkante circa 100 Meter vom Startplatz entfernt ist. Etwas Sicherheitshöhe beim Start ist daher ganz gut. Das Gummi ausgelegt und ab ging es. Kaum hatte das Modell die Kante erreicht, ging es ab nach oben. Der starke Wind war deutlich zu spüren. Es war erstaunlich, wie gut der Zwerg bei diesem Sturm marschierte. Die Einstellungen waren nun fast perfekt. Lediglich in der DS-Phase musste ich das Ganze noch etwas milder einstellen. Also: den "Lilloo" gelandet und die Einstellungen schnell angepasst. Dann wieder ab ans Gummi. Dieses Mal wurden die ersten DS-Kreise getestet. Da der "Lilloo" doch sehr quirlig ist, habe ich mich erstmal langsam rangetastet. Immer wieder habe ich das Ei kurz getroffen und der "Lilloo" hat schlagartig beschleunigt. Den Kreis perfekt zu halten, habe ich an diesem Mittag leider nicht geschafft - aber noch ist nicht aller Tage Abend.

Ich konnte den "Lilloo" an diesem Tag ja noch ausgiebig fliegen und ein wenig besser kennenlernen. Hätte mir vorab einer erzählt, dass dieser Flitzer, trotz des niedrigen Abfluggewichts so stolz marschiert, hätte ich es nicht für möglich gehalten. Wie schon erwähnt, gibt es im Rumpf noch jede Menge Platz für Ballast. Die Ballastkammer hierfür ist serienmäßig nicht vorgesehen und so kann es jeder nach Belieben um- setzen. Aufgrund der geringen Spannweite ist der "Lilloo" selbstverständlich nichts für weiträumiges Fliegen. Wer aber eine quirlige Hangrakete sucht, mit der man es auch im DS krachen lassen kann, der ist mit dem "Lilloo" absolut richtig aufgestellt.

Thorsten Rauber


Fakten

"Lilloo" von Onewing.de
Ein Nurflügel mit Leistung

Spannweite 760 mm
Länge 445 mm
Gewicht 258 g
Fläche 8,5 qdm
Flächenbelastung 30,35 g/qdm
Einstellungen Thermik:
Höhenruderanstellung -1,7 mm
Querruder +7,5/-6 mm
Höhenruder +4/-4,5 mm
Einstellungen Hang:
Höhenruderanstellung -1,5 mm
Querruder +7,5/-6 mm
Höhenruder +4/-2 mm
Dynamic-Soaring:
Höhenruderanstellung -1,3 mm
Querruder +4/-3 mm
Höhenruder +4/-2 mm
Preis: 339,- Euro
Bezug bei Onewing
Tel.: 0163/2934365
www.onewing.de


Dank der Abziehschnauze sind die Einbauten gut zugänglich


Das KST-Servo "X08H" passt perfekt in den Flügel


Bauweise und -qualität sind frei von Fehlern


Im Transportkoffer kann das Modell sicher befördert werden


Der Empfänger passt ohne Gehäuse perfekt in den Rumpf, hier schon mit eingestecktem Hepf-Vario


CFK-Ruderhörner und Gabelköpfe passen perfekt zusammen, sind quasi aus einem Guss


76 Zentimeter Spannweite und nur 258 Gramm Gewicht sind die Eckdaten des kleinen Modells



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 5/2021

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