REPORTAGE

F5J-Szene

Der Saisonauftakt in Italien


Der "Plus-X" von Thomas Truffo im Landeanflug vor dem atemberaubenden Panorama des Monte Viso

Im April fand der Saisonsauftakt der CONTEST-Eurotour F5J in Italien statt: die Coppa VO.LI F5J Città di Torino. Tobias Schua war dabei und berichtet.

So ein Saisonauftakt ist immer etwas Besonderes. Die Piloten kennen sich zwar untereinander sehr gut, dennoch weiß keiner so genau, wie viel die Konkurrenten trainiert, oder welche Änderungen die anderen an ihren Modellen vorgenommen haben. Ebenso weiß niemand, wie gut jedem der Start in die neue Saison gelingen wird. 60 Piloten aus unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien und Tschechien hatten sich auf dem Fluggelände des Aero Club VO.LI getroffen, circa zehn Kilometer vom Turiner Stadtzentrum entfernt. Die mit Abstand weiteste Anreise hatte sicher Lennart Arvidsson aus Schweden. Für die Anreisestrapazen wurden die Piloten auf dem Flugplatz durch ein atemberaubendes Panorama des 3.841Meter hohen Monte Viso entschädigt.

Stand der Freitag noch ganz im Zeichen von Anreise und Training, waren für Samstag und Sonntag acht Vorrunden und für Sonntag noch zwei Runden Fly-Off angesetzt. Die Wettervorhersage ließ darauf schließen, dass die leichten Modelle höchstwahrscheinlich die meiste Zeit auf dem Boden bleiben, und den festen und schweren Fliegern den Vortritt lassen müssen. So nutzten am Freitag schon viele Piloten die Gelegenheit, den Platz bei mäßigem Wind zu erkunden und die optimale Ballastierung der Flieger zu erproben. Am Freitagnachmittag wurde die Wettervorhersage für den kommenden ersten Wettbewerbstag immer eindeutiger: Es war mit Sturm zu rechnen.

Schon bei den Trainingsflügen am Freitag zeigte sich, dass die eingesetzten Modelle fast ausschließlich alte Bekannte sind. Die häufigsten Modelle waren der "Plus-X" (Mahmoudi Modellsport), der "Explorer BF" und "Explorer Q4" (Cumulus Modellbau) sowie der "Prestige 2PK" (Samba). Es konnten aber auch zwei Newcomer im Teilnehmerfeld entdeckt werden. Zum einen der "Liberty" (Mahmoudi Modellsport) und zum anderen der "Jantar Magic" (Byrski Wojciech). Der "Liberty" verfügt über ein auffallendes Kreuzleitwerk mit vorgelagertem Seitenruder, der "Magic" hingegen weist mit seinen ausgefallenen Designs ein sehr elegantes, unverkennbares Erscheinungsbild auf. Beide Modelle können gut mit dem bestehenden Leistungsniveau mithalten und so wurde mit Spannung erwartet, wie sich beide Modelle im Wettbewerbseinsatz schlagen würden.

In der Nacht auf Samstag frischte der Wind immer weiter auf, sodass Wettbewerbsleiter Denis Truffo beim Briefing am Samstagmorgen verkünden musste, dass keine Wertungsflüge möglich sind. Den kompletten Samstag lag die Windgeschwindigkeit deutlich über elf Meter/ Sekunde. Somit war nach den Regeln kein Wettbewerb möglich. Den Tag verbrachten die Piloten mit Fachsimpeln und Drachensteigen. Lediglich ein paar wenige Mutige trauten sich hin und wieder, einen Testflug zu starten. Bei diesen Flügen wurde das Landefeld jedoch meist nur durch Einschalten des Motors getroffen. Am späten Nachmittag war es dann offiziell - an diesem Tag werden keine Wertungen mehr geflogen. Dafür war die Wettervorhersage für den Sonntag sehr vielversprechend.

Pünktlich um 8 Uhr am Sonntag startete die erste Gruppe von neun Piloten bei Windstille. Die erste Gruppe eines neuen Wettbewerbstages ist auch immer wieder interessant, denn die Thermik ist um diese Zeit oft noch sehr schwach. Die gesamte erste Gruppe startete auf über 110 Meter. Lediglich Dominik Prestele schaffte die vollen zehn Minuten aus 128 Meter Starthöhe. Erst gegen 9 Uhr, in der fünften Gruppe, gelang es Julian Benz und Malcik Radek mit 63 Meter und 49 Meter die zehn Minuten voll zu fliegen und somit mit Starthöhen von unter 100 Metern erfolgreich zu punkten. Ab diesem Moment verringerten sich die Starthöhen deutlich und die 1.000 Punkte für den Gruppenbesten wurden mit Starthöhen von 20 bis 40 Metern gehandelt. Die Bedingungen wurden im Laufe des Tages etwas komplizierter, zum Glück aber nur mit leichtem Wind. So gab es durchaus Gruppen, in denen von zehn Piloten lediglich drei Teilnehmer eine Wertung schafften. Da es bei fünf Runden im F5J einen Streicher gibt, wird die letzte Runde meist nochmals richtig spannend. Piloten, die bereits vier gute Flüge haben, können jetzt richtig angreifen und ein höheres Risiko eingehen. Piloten, die in den ersten vier Flügen schon Punkte abgegeben haben, dürfen sich jetzt keinen Fehler mehr erlauben und müssen eine gute Wertung erzielen. So hat die letzte Vorrunde immer eine gewisse Dynamik. In dieser letzten Runde schaffte es Lukas Dietrich mit einer Starthöhe von 13 Metern und einer Flugzeit von 9:57 den 1.000-er mit der geringsten Ausgangshöhe zu erzielen.

Nach fünf Vorrunden standen die Teilnehmer beim abschließenden Fly-Off fest: Dominik Prestele, Benedikt Feigl, Helmut Röhner, Anna Schütz und Lukas Dietrich waren die deutschen Teilnehmer. Hier ist zu erwähnen, dass Anna und Lukas noch Jugendliche sind, die sich hier in der Gesamtwertung behaupten konnten, und dem einen oder anderen mit jahrelanger Erfahrung einige Punkte in den Vorrunden abgenommen haben. Die eingesetzten Modelle im Fly-Off waren "Plus-X", "Explorer", "Prestige 2PK" sowie ein "Pike Dynamic".

Im Fly-Off wird die Reihenfolge der elf besten Piloten aus der Vorrunde auf null gestellt und komplett neu ausgeflogen. Dazu ändern sich die Regeln nur dahingehend, dass nicht mehr zehn Minuten, sondern 15 Minuten pro Runde geflogen werden. Im ersten Durchgang der zwei Fly-Offs startete keiner über 60 Meter. Die Mehrheit startete auf 20 bis 30 Meter und versammelte sich in ein und derselben Thermikblase. Man kann sich sicher vorstellen, dass es in einer Thermikblase mit sechs Modellen, die jeweils um die vier Meter Spannweite haben und alle auf annähernd gleicher Höhe fliegen, bisweilen recht eng wird. Leider kam es im ersten Fly-Off dabei zu einer Modellberührung, was zu einer Wiederholung, dem Refly, führte. Somit bekamen alle Piloten noch eine weitere Chance für die erste Runde im Fly-Off. Im Refly und in der zweiten Runde im Fly-Off wählte die Mehrheit eine Starthöhe von 20 bis 40 Metern. In der zweiten Runde flogen fast alle Teilnehmer die Zeit voll. Die 1.000-er holten sich Radek Malcik (CZE), Fred Fillilo (FRA) und Paolo Rota (ITA). Da Paolo im ersten Fly-Off 999,5 Punkte und im Refly 996,8 Punkte holte, stand er damit als Sieger fest.

Zum Wettbewerbsabschluss haben sich noch alle "Plus-X"-Piloten zu einem Gruppenbild zusammengefunden, das umgehend zum Modellhersteller Vladimir Gavrilko in die Ukraine geschickt wurde - ein Herzensgruß der Piloten.

Gewonnen hat den Saisonauftakt schließlich Paolo Rota mit 1.999,5 Punkten. Er flog einen "Plus-X". Der zweite Platz ging an Fred Filliol aus Frankreich, mit 1.994,6 Punkten und einem "Prestige 2PK" an den Knüppeln. Der dritte Platz ging an Radek Malcik aus Tschechien, mit 1.993,6 Punkten und ebenfalls einem "Prestige 2PK". In der Jugendwertung konnte sich Lukas Dietrich, gefolgt von Alessandro Aramini und Anna Schütz behaupten.

Im Großen und Ganzen war die Coppa VO.LI F5J Città di Torino ein gelungener, wenn auch teils stürmischer Saisonstart. Die Teilnehmer der deutschen F5J-Nationalmannschaft haben durch die Bank einen starken Auftritt hingelegt. Somit wird es sich auf alle Fälle lohnen, die Saison weiter zu verfolgen.

Tobias Schua
Fotos: Lillo Condello


Die "Plus-X"-Piloten sandten einen Herzensgruß an Vladimir Gavrilko in der Ukraine


Anna Schütz startet voll konzentriert in einen Wertungsflug


Mit acht Modellen im selben Thermikbart wurde es schon mal eng


In der Jugendwertung konnte sich Lukas Dietrich, gefolgt von Alessandro Aramini und Anna Schütz behaupten


Der "Jantar Magic" von Byrski Wojciech weist mit seinen ausgefallenen Designs ein sehr elegantes, unverkennbares Erscheinungsbild auf


Der "Liberty" von Mahmoudi Modellsport hat ein auffallendes Kreuzleitwerk mit vorgelagertem Seitenruder


Gewonnen hat den Saisonauftakt schließlich Paolo Rota vor Fred Filliol und Radek Malcik


Am Samstag konnte aufgrund des Windes nicht geflogen werden, also galt es ein Alternativprogramm zu finden



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