TEST

Leichter Flieger

Thermikfliegen mit dem "Aurora TT" von Composite RC Gliders


Mit dem "Aurora TT" hat der AUFWIND-Autor (s)einen Lieblingsgleiter gefunden

Fasziniert beobachtet Thomas Rauber auf seinen Spaziergängen jeweils die Vögel über den Feldern beim Kreisen in der Thermik. Um beim Fliegen die engen und schwachen Thermikbärte in sehr geringer Höhe zu nutzen hatte er bisher kein passendes Modell. Mit dem "TT Aurora" hat er es nun gefunden.

Während eines Spaziergangs mit meinen Hunden erinnerte ich mich an die letzte Faszination Modellbau in Friedrichshafen. Dort hatte ich am Stand von Composite RC Gliders eine ausgiebige Kaffeepause genutzt, um mir den neuen "TT Aurora" genauer anzuschauen. Die Erinnerungen an den leichten Flieger machten eines klar: zum Thermikfliegen über den Wiesen und Feldern sollte es ein "TT Aurora" werden. Composite RC Gliders bietet das Modell in drei Ausführungen an: "Standard" (Modell, Zubehörteile und Kabelbaum), "Full Build Kit" (Modell, Zubehörteile, Servo-Set, Akku und Magnetschalter) und "RTF - Ready to Fly" (fertig gebaut, nur noch Empfänger rein).

Ich habe mich für die "Full Build Kit"-Variante entschieden. Dank Social-Media war der Kontakt zum Hersteller schnell erledigt. Noch bevor ich den Spaziergang beenden konnte, hatte ich schon die Antwort mit den Bestelldetails auf dem Handy. Unkompliziert und nach nicht einmal einer Stunde war das neue Modell bestellt. Am selben Abend kam noch die Versandmeldung, am nächsten Vormittag überreichte mir die nette Mitarbeiterin von GLS ein großes, stabiles Paket.

Ich habe den Karton vorsichtig geöffnet und die Teile genau unter die Lupe genommen. Schon beim Auspacken zauberte mir das perfekt gelegte Spread-Tow-Gewebe an Rumpf und Tragfläche ein breites Grinsen ins Gesicht. Die spiegelglatte und hochglänzende Oberfläche machte das Ganze perfekt. An den Leitwerken wurde - zum Vorteil des Gewichts - auf Spread-Tow verzichtet und ein leichteres, stabiles Carbongewebe verwendet. Wie bei all meinen Modellen erhoffte ich mir auch bei dem "TT Aurora" sehr gute Qualität und Passgenauigkeit. Meine Erwartungen diesbezüglich wurden absolut erfüllt. Kurz zusammengefasst: Service, Lieferzeit und Qualität trafen genau meinen Geschmack.

Ausgepackt waren inzwischen Rumpf, Leitwerke und Tragflächen. Da musste aber noch mehr im Paket sein. Ruderhörner für alle Ruder, Anlenkungsseile, Quetschhülsen und alles Nötige zur Anlenkung der Querruder waren ebenfalls im Lieferumfang enthalten. Bei dem "Full Build Kit"-Set gehören vier Servos "KST X08" sowie ein Akku für die Empfängerstromversorgung noch dazu. Passend für die Servos wurde auch ein 3D-gedrucktes Servobrett mitgeliefert. Beim Akku handelt es sich um ein 2s-LiPo von Hacker mit 350 Milliamperestunden.

Bei einem Modell wie dem "TT Aurora" gibt es neben Qualität und Stabilität noch einen weiteren Gesichtspunkt zu betrachten: Das Gewicht der einzelnen Teile spielt bei DLG-Modellen dieser Leistungsklasse eine sehr große Rolle. Ziel ist es natürlich, das Fluggewicht so gering wie nur möglich zu halten. In meinem Fall stellten sich die Gewichte der gelieferten Teile wie folgt dar: Rumpf 36,83 g, Höhenleitwerk 6,16 g, Seitenleitwerk 6,93 g und Tragfläche 118,54 g. Im Gesamten also knapp 169 Gramm.

Wie bei DLG-Modellen üblich, werden auch bei diesem Modell Höhen- und Seitenruder mit ei- nem vorgespannten Federstahldraht versehen und mit nur einem Seil auf Zug angelenkt. Durch die Federkraft des Drahtes steht das Servo dauerhaft leicht unter Spannung. Dies bringt große Vorteile zum Thema Rückstellgenauigkeit der Servos, beziehungsweise der Ruder. Vor allem beim Höhenruder ist es enorm wichtig, immer die exakt selbe Nullstellung des Ruders zu bekommen.

Dank des mitgelieferten Zubehörs gab es keine Zwangspausen beim Bau. Der "TT Aurora" war schnell bereit für den Erstflug. Viel zu machen gab es ja auch nicht. Die Vorbereitung des Herstellers war vorbildlich. Arbeiten wie Ruderhörner, Servobrett und Leitwerke ein- und ankleben waren schnell erledigt. Dann noch die An- lenkungen fertigstellen sowie den Wurfpin und die Haubenbefestigung verkleben. Zwei Tage nach Ankunft des Modells stand der Erstflug schon bevor. Die Einstellungen dafür findet man auf der Homepage von Composite RC Gliders. Den Schwerpunkt habe ich auf 68,5 Millimeter eingestellt. Damit lag das Abfluggewicht bei 254,5 Gramm. Für den Transport können die einteilige Tragfläche und das Höhenleitwerk demontiert werden. Hierfür sind lediglich vier Schrau- ben zu lösen. Die Querruderanlenkungen lassen sich dabei leicht aushängen. Ebenso einfach lässt sich das Seil am Höhenruder ein- und aushängen.

Am folgenden Morgen genoss ich bei einem Blick aus dem Fenster meinen Kaffee. Die Sonne schien und die Blätter an den Bäumen hielten still - das perfekte Wetter für den Erstflug des "Aurora". Also: alles ins Auto gepackt und eine schö-ne große Wiese aufgesucht. Den ersten Wurf bei einem DLG empfehle ich immer auf die klassische Art und Weise, im Speerwurf. Dieser erste Wurf ergab keine bösen Überraschungen und so konn-te es mit zarten Schleuderwürfen losgehen. Die Höhenrudertrimmung um zwei Klicks auf Höhe ließ das Modell beim Start Richtung Himmel steigen.

Entsprechend angekommen habe ich meinen Flieger in die Waagrechte gebracht und die Startphase im Sender deaktiviert. Jetzt befanden wir uns im Normalflug. Lammfromm flog der "TT Aurora" seine Bahnen ab, ein sanftes Abgleiten der Höhe. Dann, in circa 25 Metern ein plötzliches, leichtes Anheben der linken Tragflächenhälfte. Auf der Stelle habe ich den "Aurora" nach links eingekreist. Meine Vermutung war richtig! Das Anheben des Flügels kam von einem sehr zarten Thermikbart, den das Modell mit der linken Flächenspitze durchquert hat. Leichtes Steigen ließ sich erkennen. Mit der Thermikphase schaltete ich die Querruder um zwei Millimeter nach unten um das Profil etwas zu verwölben. Der "TT Aurora" wurde noch langsamer und lag tatsächlich noch etwas stabiler in der Luft. Jetzt begann der Spaß so richtig. Das Zentrum des Thermikbarts war gefunden. Es folgte Kreis um Kreis und der neue DLG stieg munter - und das bereits beim Erstflug.

Thermik kreisen und Bärte in dieser Höhe zu finden ist ein absolutes Erlebnis. Dank dem Empfänger mit integriertem Variometer ließ ich mir die aktuelle Flughöhe ansagen. Es waren inzwischen schon 70 Meter erreicht. Perfekte Sicherheitshöhe um meine Landephase und die Auswir- kung der bremsenden Ruder zu testen. Aus Erfahrung heraus weiß ich, dass die Tiefenruderzumischung selten auf Anhieb passt. Ein solcher Test in ausreichender Höhe verhindert böse Über- raschungen bei der ersten Landung. Hierfür habe ich den Bart bewusst verlassen. Als Nächstes wur- de die Bremse komplett ausgefahren. Das Modell verlor sichtbar an Fahrt und nahm die Nase etwas nach oben. Jetzt konnte ich mich darauf einstellen, bei der Landung etwas Tiefenruder steuern zu müssen. Ich bevorzuge es, dass meine Modelle bei ausgefahrenen Bremsklappen die Na- se minimal nach unten nehmen. Dies dient während der Landung auch für eine stabile Fluglage.

Bevor es jedoch an die tatsächliche Landung ging, wollte ich noch die Speedphase testen. Hierbei wurde, wie auch in der Startphase, das Profil etwas entwölbt. Ein kurzes Andrücken ließ den "TT Aurora" Fahrt aufnehmen. Ein deutlicher Abfangbogen war zu sehen. Dank der flugphasenspezifischen Trimmung war das Ganze durch wenige Klicks am Tiefenruder erledigt. Jetzt flog das Modell wie ich es mir vorgestellt habe. Die gewonnene Geschwindigkeit wurde noch schnell in einen Looping und in zwei Wenden in niedriger Höhe umgesetzt - jetzt konnte ich landen. Die Klappen ausgefahren und ein wenig Tiefe gesteuert, ganz gemütlich und beeindruckend langsam setzte der "TT Aurora" auf der Wiese auf.

Die Landephase wurde nachgestellt und los ging es mit dem nächsten Wurf. Die erreichte Höhe von 45 Metern fand ich für den Anfang schon ganz gut. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel und ich hatte große Hoffnung einen weiteren Bart zu finden. Beim langsamen Abgleiten der Höhe hatte ich dieses Mal zwar keine Thermik gefunden, doch zur Landung passte die Landephase perfekt und der "Aurora" kam genau in meine Hand.

Ein weiterer Wurf ging direkt in eine Thermikblase. Das Modell gerade gestellt und das Variometer signalisierte sofortiges Steigen. Der Bart war wirklich gut und so zog ich meine Kreise mit den Rudern im Strak. Piep, Piep, Piep - das Variometer leistete volle Arbeit und der "TT Aurora" wurde immer kleiner. Jetzt konnte ich etwas testen: Das Modell senkrecht nach unten, die Bremse komplett ausgefahren. Das sah aus, als würde das Modell in Zeitlupe vom Himmel kommen. Das Ganze nun bis auf wenige Meter Höhe beibehalten, dann den "TT Aurora" wieder in die Waagrechte und direkt gelandet. So macht das Modell richtig Laune.

Die nächsten Flüge wollte ich am Hang machen. Am folgenden Tag stand ich schon am Westhang, es blies ein sehr ordentlicher Wind. Da ich den Hang gut kenne und weiß, dass es bei Starkwind gerne mal etwas bockig wird, habe ich noch zwei Gramm Blei in die Nase gegeben um den Schwerpunkt etwas weiter nach vorne zu nehmen. Ich wurde aber das Gefühl nicht los, dass der "TT Aurora" bei diesem Wind kaum vorwärts kam. Ich habe das Modell mit einem kleinen Schubs den Hang runtergeworfen. Die ersten Höhenmeter waren sofort gemacht und ich bekam direkt Lust, das Modell als Hangflitzer zu bewegen.

Es war kaum vorstellbar, dass ein so leichtes und thermikstarkes Modell bei diesem Wind so viel Spaß bringen kann, und vor allem so gut gegen den Wind penetriert. Von links nach rechts und wieder zurück - in Dauerschleife. Wie war es nur möglich, dass bei diesem starken Wind die 250 Gramm Fluggewicht so gut vorrankommen? Dank des programmierten Snapflap und der manuellen Mitnahme des Seitenruders waren saubere und schnelle Wenden kein Problem.

Zeit für den sogenannten "Hangstyle". Das ist kunterbunter Kunstflug nah an der Hangkante. Wenn das so gut funktioniert wie der Rest der Flugerprobung, wäre bestätigt: der "Aurora" ist wirklich sehr vielseitig. Und siehe da, alles lief wie am Schnürchen: Egal ob Turn, Vier-Zeiten-Rolle oder einfach ein schneller Rückenflug entlang der Hangkante. Das Thema Kunstflugtauglichkeit war damit auch abgehakt.

Jetzt fehlte nur noch eine saubere Landung trotz des starken Windes. Die Start- und Lande-stelle liegt direkt zwischen einem Wald und der Hangkante. Somit ist ein entspanntes Anfliegen aus dem Rückraum nicht möglich. Ich flog also den Hang von der Seite an und versuchte das Modell in circa 45 Grad zur Hangkante auszurichten. So starken Wind möchte man beim Landen weder von hinten noch von der Seite abbekommen. Für die Landung stellte ich mich mitten auf die Wiese. Der Anflug war aufregend. Immer wieder spürte ich kräftige Wirbel, die das Modell aus der Bahn warfen. Auf diese Situation hatte ich mich geistig bereits eingestellt. Trotzdem ließ sich der "TT Aurora" sauber steuern. Das Modell kam zum Greifen nahe und die Bremse wurde ausgefahren. Schlagartig verringerte das Modell die Geschwindigkeit, sodass ich es direkt in die Hand landen konnte.

Für mich ist klar: die Wahl des "TT Aurora" von Composite RC Gliders war die richtige Entscheidung. Service, Qualität und Flugeigenschaften haben meine Erwartungen in allen Punkten erfüllt.

Thorsten Rauber


Fakten

"Aurora TT" von Composite RC Gliders
Ein leistungsfähiges DLG-Modell

Spannweite 1.500 mm
Länge 1.100 mm
Gewicht: 253g
Fläche: 20,4dm²
Flächenbelastung: 12,4 g/dm²
Preis: ab 749,- Euro
Bezug bei Composite RC Gliders
Tel.: 02405/4067752
www.composite-rc-gliders.com


Die Bauteilqualität ist sehr fein und hochwertig gemacht


Das Zubehör wird von Composite RC Gliders im Set angeboten


Der 3D-gedruckte Rahmen nimmt alle vier Servos auf. Die Querruder werden aus dem Rumpf heraus angesteuert


Zum Ausrichten der Ruderhörner in den Querrudern wird ein Stab durchgesteckt


Das Ruderhorn im Höhenruder ist hinten offen, um die Seilschlaufe leicht entfernen zu können


Der Wurfpin wird vollflächig im Randbogen eingeklebt


Direkt unter der Tragfläche werden seitlich die Anlenkungen der Querruder herausgeführt


Schon nach wenigen Probestarts wurde geschleudert


Die Flugleistungen haben sich als ausgewogen, dynamisch und immer voll kontrollierbar erwiesen


Landungen in die Hand sind die Paradedisziplin dieser Modelle


Auch am Hang macht der "Aurora TT" durch seine dynamische Wendigkeit viel Spaß



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