SPECIAL

Gut gebaut

Der Modellbautisch, ganz neu entworfen


Jürgen Schulz, Bernd Wack und Roland Schulz (von links) sind Die Modellwerker

Wer seine Modelle baut, wartet und pflegt braucht dazu eine angemessene Arbeitsfläche. Das Team von Die Modellwerker hat das Thema völlig neu angefasst und in ein Premiumprodukt umgesetzt. Philipp Gardemin hat sich das einmal angeschaut und berichtet:

Nach Gersheim im Südosten des Saarlands dürfte sich kaum jemand zufällig verirren. Die Gemeinde liegt etwa 20 Kilometer südlich von Homburg und 25 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Saarbrücken, fernab der großen Autobahnen und Bundesstraßen. Knapp 7.000 Menschen leben hier. Zwei davon sind Bernd Wack und Roland Schulz. Sie kennen sich seit ihrer Jugend. Bernd Wack ist Inhaber einer Schreinerei und aktiver Modellbauer und -flieger. Roland Schulz ist Maschinenbautechniker, technischer Illustrator und betreibt ein Grafikstudio. Irgendwann im Sommer 2019 sprachen die beiden bei einem Treffen von Bernds langgehegter Idee einer neuen Werkbank. Auslöser war ein altes Baubrett seines Vaters. Das lag über Jahrzehnte mit aufgespannten Tragflächen auf dem Dachboden und war noch immer kerzengrade. Die neue Werkbank sollte nicht einfach nur ein Tisch mit Schränken oder ein Holzgestell mit einer Arbeitsplatte sein. Bernd wollte dieses für Modellbauer so wichtige Möbelstück völlig neu entwerfen. Der Abend wurde lang und die beiden Freunde entwickelten ihre gemeinsame Vision eines individuell konfigurierbaren und vielseitig einsetzbaren Modellbautisches.

Auch das Thema Ergonomie spielte von Beginn an eine große Rolle: "Ergonomie bedeutet die Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Menschen, an seine Physiologie und die Bedürfnisse des Bewegungsapparates, um gesundheitliche Belastungen so niedrig wie möglich zu halten. Beziehungsweise, um Gesundheit und Wohlbefinden auf einem maximal möglichen Niveau zu halten", erklärt Roland Schulz und meint: "Der einstellbare Modellwerker-Tisch kommt diesem Anspruch genau entgegen."

Schnell war das erste Konzept auf Papier gebracht: Ein absolut verzugsfreies und torsionssteifes Baubrett sollte den Mittelpunkt des Tisches darstellen. Drehbar sollte es sein, um immer die optimale Arbeitsposition einstellen zu können. Die Idee einer Höhenverstellung brachte Roland Schulz mit, wie er sie von Schreibtischen der Grafiker kennt. Für Bernd Wack kam eine Kombination aus Aluminiumprofilen und hochwertigen Holzwerkstoffen infrage, er meint. "Diese Materialkombination ermöglicht eine individuelle Anfertigung in so ziemlich allen gewünschten Maßen." Nun kam Roland Schulz ins Spiel: Er konstruierte einen Rahmen aus Aluminiumprofilen, in den das Baubrett einfach eingelegt wird. So können beide Seiten der Platte genutzt werden. Um sie wenden zu können wurde eine Lagerung entwickelt, durch die die Platte in jedem Winkel beliebig fixiert werden kann. Um nun alles an unterschiedliche Modellmaße und die Größen der Modell- bauer anzupassen, wurde der Tisch um eine elektrische Höhenverstellung erweitert. Somit kann stehend wie sitzend gearbeitet werden.

Der Clou der Konstruktion ist aber die Holzplatte selbst. Auf sie ist Bernd Wack besonders stolz. Die Hohlkammerkonstruktion ist verkastet und sehr leicht (ca. 12,5 kg/qm). Die Dicke der Platte beträgt 90 Millimeter. Sie besteht aus einem Rahmenaufbau aus 20 Millimeter dicker Buche und dreilagiger Tischlerplatte, zahlreichen Querstreben und zwei Decklagen aus 8-mm-Pappelsperrholz. Die können auch für das Fixieren von Bauteilen mit Stecknadeln genutzt werden. In der großen Furnierpresse der Tischlerei werden die Platten verklebt. Die Oberflächen werden vor der Auslieferung eingeölt. "Übrigens können wir statt Pappelsperrholz als Deckplatte auch alle anderen Materialien verwenden, wie zum Beispiel einen Klebstoff abweisenden Kunststoff, oder Hartgummi - je nach Anforderungsprofil des Kunden", sagt Bernd Wack. Die in der Platte eingelegten Aluminiumprofile ermöglichen dem Modellbauer beliebige Vorrichtungen in den Nuten zu fixieren. Deren Abstän- de sind vom Kunden frei wählbar. Als sogenannte Nutsteine, in die dann die Vorrichtungen eingeschraubt und fixiert werden, können handelsübliche M8-Muttern oder auch spezielle rutschsichere Nutmuttern verwendet werden. Auch Nutsteine mit kleineren Gewinden sind verfügbar. Wer Bedenken hat, dass ständig Kleinteile in die Nuten fallen, kann sie mit eingeschobenen Leisten verschließen. Die Nuten in allen Profilen sind identisch, was bedeutet, dass sich alle Spannelemente und Anbauteile an beliebiger Position verwenden lassen.

Gelagert wird die Holzplatte im Inneren des Aluminiumprofilrahmens. Links und rechts hat die Platte robuste Rohre. Dies ermöglicht eine freie Drehung um 360 Grad. Mit einem Klemmmechanismus lässt sich die Platte dann in beliebiger Position fixieren. Einem Kundenwunsch folgend, haben die Modellwerker auch das vordere Rahmenteil des Tisches abnehmbar gestaltet. Somit kann der Modellbauer - falls notwendig - ganz an die gekippte Platte herangehen.

Ihre Professionalität und ihren Anspruch untermauern die Modellwerker aber auch mit den Aluminiumprofilen. "Die kommen aus dem Industriebereich und werden von dem Unternehmen Minitec bezogen", erklärt Roland Schulz. Diese werden im sogenannten 45-mm-Raster gefertigt. Das ermöglicht den Modellwerkern, die Querschnitte dem tatsächlichen Einsatzgebiet anzupassen. So können beispielsweise demontierbare Ablageflächen aus dünnerem Ma- terial gefertigt werden, da sie somit leichter händelbar sind. Der Hauptrahmen des Tisches hat einen Querschnitt von 90 x 45 Millimeter am Längsholm und 90 x 90 Millimeter am Querholm. Belastungstests des freitragenden Demonstrationstisches mit rund 2,8 Meter freier Länge haben keinerlei Biegung gezeigt, selbst bei mittig aufgelegten 100 Kilogramm Gewicht. Ein Tisch mit circa 2,5 Meter Länge hat ein Gesamtgewicht von rund 100 Kilogramm. Belastbar sind die Tischbeine mit jeweils rund 150 Kilogramm - was für die meisten Anwendungen reichen sollte.

Viel mehr als nur ein technisches Gadget ist die optionale Höhenverstellung des Tisches. Sie bietet einen Hub von 350 Millimetern. So kann beispielsweise die Höhe der Arbeitsplatten von 75 Zentimeter auf 1,1 Meter eingestellt werden. Auch der Tisch kann auf Kundenwunsch etwa bei erst 90 Zentimeter Höhe anfangen und dann eben bis 1,25 Meter hochgefahren werden. Dies wird über eine kleine Bedieneinheit geregelt. Dabei sind auch voreingestellte Positionen möglich, um optimal eingerichtete Höhen reversibel abrufen zu können. "Der Tisch fährt aber nur bei ständigem Knopfdruck, damit sich niemand die Finger klemmt", meint Roland Schulz. Bei den voreingestellten Positionen stoppt der Schrittmotor dann automatisch.

Ein wichtiges Kriterium der Modellwerker ist auch das Angebot an Zubehör- und Ausstattungsteilen. Steckdosen mit verdeckt verlegten Kabeln sind da noch am einfachsten. Auch LED-Beleuchtungen, Knickarme zur Aufnahme von Zusatzgeräten, Anbautische und Regale in allen Größen sind frei wählbar und werden auf Kundenwunsch gefertigt. Und wer den Tisch gerne mobil haben möchte, lässt ihn mit feststellbaren Lenkrollen ausstatten.

Erstmals präsentiert wurde das Konzept im Herbst 2019 während der Modellbaumesse in Friedrichshafen, wo es bereits viel positives Feedback gab. Weitere Messepräsentationen wurden durch die Corona-Pandemie vereitelt. Jedoch ist geplant, auch bei der nächsten ProWing auszustellen. Mit Jürgen Schulz kam im Frühjahr 2020 dann ein erfahrener Vertriebsprofi in das Team. Er unterstützte Roland Schulz und Bernd Wack beim Start der Vermarktung. "Wir sind von der positiven Resonanz absolut überrascht, was uns darin bestärkt hat, unseren Weg weiterzugehen", meint Jürgen Schulz. Zahlreiche Tische sind bereits in Modellbauwerkstätten in Deutschland, England und Frankreich im Einsatz. "Die Kunden sind nicht ausschließlich Holzmodellbauer, die wir ja zunächst im Blick hat- ten", weiß Jürgen Schulz. Auch Besitzer von hochwertigen und großen Flugmodellen nutzen den Modellwerker-Tisch zur bequemen, sicheren und ergonomischen Wartung und Pflege ihrer Modelle - das Interesse von Großseglerbesitzern nimmt deutlich zu.

Aktuell entwickelt das Team ein paar Standardgrößen und -ausführungen ihres Tisches, um den Modellbauern damit ein Ausgangsmodell für ihre individuellen Konfigurationen zu geben. "Den einen Standardtisch wird es nicht geben, dazu sind die Anforderungen und Wünsche zu vielfältig und unterschiedlich", sagt Bernd Wack. Auch werden laufend Rückmeldungen und Erfahrungen der Kunden gesammelt und ausgewertet. "So ein Modellwerker-Tisch ist eine Anschaffung für ein ganzes Modellbauerleben", fasst Jürgen Schulz, ganz der Vertriebler, zusammen.

Philipp Gardemin


Auf einen Blick

Die Modellwerker
Bickenalbstraße 6
66453 Gersheim
Tel.: 0171/6024711
www.modellwerker.de


Auf Rollen montiert ist der Tisch frei bewegbar und kann ideal auch zur Wartung und Pflege von Großseglern genutzt werden. Wie hier in der Werkstatt von Mark Pritchard


Dank der Nuten in der Tischplatte können die Modellteile auch fixiert werden, was die Zugänglichkeit durch Kippen der Platte stark erleichtert. Der vordere Längsholm wurde abgenommen


Die Holzplatte ist eine verkastete Hohlkammerkonstruktion aus einem Rahmenaufbau mit zahlreichen Querstreben und Decklagen


Die in die Platte eingelegten Aluminiumprofile bieten die Möglichkeit, beliebige Vorrichtungen zu fixieren


Höhenverstellung und Drehbarkeit der Platte ermöglichen eine bequeme und ergonomische Arbeitsweise


Stufenlos lässt sich die Tischplatte in der Höhe verstellen. Außerdem sind programmierte Einstellungen abrufbar


Konstruiert werden die Tische individuell im 3D-CAD-System



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 6/2021

Das komplette Inhaltsverzeichnis 6/2021
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

©AUFWIND 2021